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Soziale Unterstützung besonders wichtig für junge Krebspatienten

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    Erstmals haben Wissenschaftler der Leipziger Universitätsmedizin die Lebenszufriedenheit junger Erwachsener mit Krebs in einer Längsschnittstudie erfasst. Dazu befragten sie Patienten zwischen 18 und 39 Jahren nach der Diagnosestellung und ein Jahr später.

    Dabei zeigte sich, dass soziale Unterstützung am stärksten mit der Lebenszufriedenheit nach einer Krebserkrankung verbunden ist – viel mehr noch als medizinische oder soziodemografische Faktoren. Die Befunde machen deutlich, dass die soziale Einbindung und Unterstützung der jungen Krebspatienten eine zentrale Rolle in der Therapie spielen muss. Die Ergebnisse der Studie haben die Forscher jetzt im Fachjournal Cancer veröffentlicht.

    Ausbildung, Familie, Karriere: Junge Erwachsene stehen nach der Schulzeit vor großen Herausforderungen. Mitten in dieser turbulenten Zeit erhalten jährlich etwa 15.000 der 18- bis 39-Jährigen die Diagnose Krebs.

    „Die eigene Lebensplanung gerät ins Wanken, denn zunächst steht das eigene Überleben im Mittelpunkt. Doch der Wunsch nach einer eigenen Familie und einem Beruf bleibt bestehen, so dass jüngere Krebspatienten unter einem höheren psychischen Druck stehen als ältere“, sagt Dr. Kristina Geue, Studienleiterin vom Lehrstuhl für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig. Wie sich die Lebenszufriedenheit der jungen Erwachsenen nach der Diagnose entwickelt, haben Wissenschaftler des Lehrstuhls untersucht.

    Hobbys, Freundeskreis, finanzielle Situation – was ist besonders wichtig für junge Erwachsene mit Krebs?

    Dazu befragten sie 514 Krebspatienten, die im Durchschnitt rund 30 Jahre alt waren. Die Teilnehmer füllten online einen Fragebogen zur Erfassung der Lebenszufriedenheit aus: Darin wurden sie etwa zu Hobbys, Freundeskreis, finanzieller Situation, Gesundheit, Partnerschaft und Kindern beziehungsweise Kinderwunsch befragt.

    „Wir konnten in unserer Untersuchung zeigen, dass die soziale Unterstützung durch Freunde, Familie und den Partner der bestimmende Faktor war, der zu beiden Messzeitpunkten positiv mit der Lebenszufriedenheit verbunden war – mehr noch als medizinische oder soziodemographische Parameter“, sagt Katja Leuteritz, Erstautorin der Studie. Umgekehrt berichten Patienten von einer schlechteren Lebenszufriedenheit, wenn die eigenen Angehörigen sich sehr sorgten oder die Betroffenen beunruhigten. Patienten fühlten sich durch ihre Krankheit dann zunehmend isoliert.

    Kinder- und Familienplanung sowie finanzielle Sicherheit bereiten Sorge

    Zu beiden Erhebungszeitpunkten waren die Patienten mit den Bereichen Wohnen, Familienleben und Freundeskreis am zufriedensten. Weniger zufrieden waren sie mit ihrer finanziellen Einkommenssituation sowie der Kinder- und Familienplanung. Ein Jahr später sorgten sie sich am meisten über Kinder- und Familienplanung, die eigene Sexualität und die finanzielle Sicherheit. Patienten mit einem Sarkom, also einem bösartigen Tumor in Knochen, Bindegewebe, Muskulatur oder im Fettgewebe, waren zu beiden Zeitpunkten am wenigsten mit ihrem Leben zufrieden.

    „Deren körperlichen Einschränkungen führen häufig dazu, dass die Betroffenen weniger am sozialen Leben teilhaben können“, so Leuteritz. Die Forscher fanden auch Unterschiede in der Lebenszufriedenheit kurz nach der Diagnose und ein Jahr später: „Langfristig spielt es eine Rolle, ob man in Arbeit war oder nicht. Beide Erklärungsrichtungen sind hier möglich: Wer arbeitet, der gewinnt wieder mehr Lebenszufriedenheit, oder wer eine höhere Lebenszufriedenheit hat, der kann mit größerer Wahrscheinlichkeit wieder arbeiten“, erläutert die Leipziger Wissenschaftlerin.

    Möglichkeiten des sozialen Austauschs schaffen

    Die Studie unterstreicht die zentrale Bedeutung psychosozialer Versorgung junger Erwachsener mit Krebs. Die Angehörigen der Patienten spielen dabei eine wichtige Rolle und müssen in diesen Prozess eng mit einbezogen werden. Ärzte und Therapeuten sollten aber gerade den Patienten besondere Aufmerksamkeit schenken, die keine soziale Unterstützung haben. Spezielle Pflegeprogramme oder die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen beispielsweise in Online-Communities oder Patientengruppen auszutauschen, können die Lebensqualität der Patienten verbessern.

    Die Studie war ein mit 250.000 Euro von der Deutschen Krebshilfe gefördertes Forschungsprojekt der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig und des Universitätsklinikums Leipzig und wird nun fortgesetzt.

    Originaltitel der Veröffentlichung in „Cancer“:
    „Life Satisfaction in Young Adults With Cancer and the Role of Sociodemographic, Medical, and Psychosocial Factors: Results of a Longitudinal Study“; DOI: 10.1002/cncr.31659.

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