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Schlemmen ohne Reue – auch mit Diabetes?

Experte des Klinikums St. Georg über aktuelle Erkenntnisse in der Diabetesbehandlung

Zum diesjährigen Welt-Diabetes-Tag haben sowohl die Menschen mit Diabetes als auch deren Behandlungsteams Grund, mit Optimismus in die Zukunft zu blicken. In den letzten Jahren haben sich viele neue Ansätze in der Kontrolle der Stoffwechselsituation, der Behandlung erhöhter Blutzuckerwerte und von Gefäßkomplikationen des Diabetes, wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Durchblutungsstörungen der Beine ergeben.

Seit über 20 Jahren ist das Klinikum St. Georg als Diabeteszentrum durch die Deutsche Diabetesgesellschaft zertifiziert. An den Klinikstandorten in Eutritzsch und Grünau werden alle Diabetesformen und deren Komplikationen behandelt. Je nach Stadium und eventuellen Begleiterkrankungen werden verschiedene Maßnahmen zur Behandlung notwendig.

Dennoch betont Dr. Jürgen Krug, Chefarzt der Abteilung für Diabetologie und Endokrinologie in der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Diabeologie und Endokrinologie am Klinikum St. Georg: „Leben mit Diabetes bedeutet heute nicht mehr: strenge Diät, starrer Tagesablauf und Verzicht. Die Krankheit ist zwar nicht heilbar, aber inzwischen sehr gut behandelbar.“

Auf Achtsamkeit und das richtige Maß kommt es an

Grundsätzlich gilt: Menschen mit Diabetes dürfen fast alles essen. Waren Naschereien und kräftige Speisen für Diabetiker bis vor einigen Jahren noch tabu, dürfen sie heute auch mal Süßes genießen – allerdings in Maßen. Denn heute weiß man: Entsagung nutzt oft nichts, da der totale Verzicht jeglicher kulinarischen Genüsse häufig mit einer Heißhungerattacke einhergeht.

Allerdings sollte darauf geachtet werden, regelmäßig den Blutzucker zu messen und den Verzehr von Süßigkeiten gegebenenfalls mit der Insulindosis abzustimmen. Wie alle Menschen sollten auch Diabetiker nicht zuletzt auf ausreichend Bewegung an der frischen Luft achten.

Die Mehrzahl der Menschen mit Diabetes leidet an einem Diabetes mellitus Typ 2, wo Überernährung und Bewegungsmangel und das dadurch bedingte Übergewicht ganz wesentliche Auslöser sind. Deswegen ist es – trotz aller Fortschritte – Standard, das die Patienten in einem strukturierten Behandlungs- und Schulungsprogramm lernen, ihren Lebensstil zu verändern.

„In unserem Diabeteszentrum bieten wir regelmäßig solche speziellen Kurse und Schulungsprogramme für Diabetiker an“, erklärt die Geschäftsführerin des Klinikums, Dr. Iris Minde. Zusätzliche Unterstützung bieten die Diabetesberatung am Standort Eutritzsch (Tel.: 0341 909-3270) sowie die Diabetesschwerpunktpraxis am Standort Grünau (Tel.: 0341 423-1626).

Gut verträgliche Medikamente und moderne Messgeräte

Darüber hinaus stehen für die Behandlung erhöhter Blutzuckerwerte eine ganze Reihe gut verträglicher und nebenwirkungsarmer Medikamente inklusive verschiedenster Insulinpräparate in Tabletten- oder Spritzenform zur Verfügung. Die Erzielung guter Blutzuckerwerte ist insbesondere zur Vermeidung von für den Diabetes typischen Folgeerkrankungen wie Augenhintergrundveränderungen sowie Nieren- und Nervenschäden wichtig.

Komplexer ist die Situation hinsichtlich der oben erwähnten Gefäßerkrankungen und deren Folgen. Neben den auch bei Stoffwechselgesunden genutzten Prinzipien der konsequenten Behandlung des Bluthochdrucks und der Fettstoffwechselstörungen gibt es inzwischen mehrere Diabetesmedikamente, deren Einsatz sogar unabhängig von ihrer sehr guten Blutzucker-senkenden Wirkung das Lebern verlängert, Herzschwächefälle reduziert und die Nieren schützt. Die Effekte sind zum Teil so ausgeprägt, dass derartige Medikamente in Zukunft auch bei Patienten ohne Diabetes genutzt werden könnten.

Auch für Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1, die von Anfang an auf Insulin angewiesen sind, sind erhebliche Fortschritte greifbar. So werden beispielsweise die Insuline beständig weiterentwickelt, um sowohl die Wirkungen der kurz- als auch der langwirkenden Insuline zu verbessern. Zur Stoffwechselkontrolle nutzen inzwischen sehr viele Menschen mit Diabetes mellitus Typ1 Messgeräte, die kontinuierlich die Zuckerkonzentration im Unterhautgewebe messen und das ziemlich belastende blutige Blutzuckermessen weitgehend überflüssig machen.

Bei Überschreiten bestimmter Zielwerte, vor allem aber bei Unterzuckerungsgefahr, können Warnsignale ausgelöst werden bzw. bei Kopplung mit einer Insulinpumpe kann dann die Insulinversorgung automatisch vorübergehend unterbrochen wurden. Alle Beteiligten müssen die vielen anfallenden Informationen (hunderte Messwerte anstelle von 4 BZ-Werten/Tag) aber auch „verdauen“, was natürlich nicht ohne entsprechende Computerprogramme geht, die zum Teil bereits in die Auslesegeräte integriert sind.

Positiver Ausblick

Für die Zukunft erwarten wir weitere innovative Medikamente und die intelligente Insulinpumpe, die unter Nutzung von Informationen über aktuellen Zuckerwert, Nahrungszufuhr und körperliche Belastung in selbstoptimierender Weise die Abgabe von Insulin und evtl. weiterer Hormone steuert. Wie beim selbstfahrenden Auto sind es vor allem die juristischen Probleme, die die praktische Umsetzung verzögern werden.

Knapp 100 Jahre nach dem Ersteinsatz von Insulin ist die Diabetologie in einer Phase großer Fortschritte. Im Klinikum St. Georg werden die Fortschritte in enger Zusammenarbeit von Diabetes-, Herz, Gefäß- und Nierenspezialisten in der täglichen Arbeit konsequent umgesetzt.

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Leipziger Uniklinikum Foto: L-IZ.de

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Anant Agarwala: Das Integrationsexperiment. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

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