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Neuer Auftritt Tschechiens bei der Leipziger Buchmesse 2020

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    Der tschechische Gastlandauftritt bei der Leipziger Buchmesse 2019 war von Beginn an als nachhaltige Vorstellung der tschechischen Literatur im deutschsprachigen Raum geplant und wurde daher in ein ganzes Kulturjahr eingebettet. Ein starkes Echo dieser umfassenden Ländervorstellung wird auf der Leipziger Buchmesse 2020 zu erleben sein und findet sich darüber hinaus auf der Website AHOJ!, die sich heute bereits zum größten deutschsprachigen Archiv der tschechischen Literatur entwickelt hat.

    11 tschechische Autor_innen, zudem Übersetzer_innen und Literaturexpert_innen lädt die Mährische Landesbibliothek im Auftrag des Tschechischen Kulturministeriums nach Leipzig ein und veranstaltet über 20 Lesungen und Diskussionen, darunter eine Gastland-Staffelübergabe an Portugal, Gastland der Leipziger Buchmesse 2021, und zwei Veranstaltungen zusammen mit slowakischen Autor_innen, in Kooperation mit dem Slowakischen Literaturzentrum Bratislava.

    Tschechien und die Slowakei, seit 1993 getrennte Länder, feierten 2018 gemeinsam das 100-jährige Jubiläum seit Entstehen des tschechoslowakischen Staates, 2020 treten Autor_innen beider Länder gemeinsam in Leipzig auf.

    „Das Echo des Gastlandauftritts der Tschechischen Republik zeigt exemplarisch, wie langfristige Literaturvermittlung in den deutschsprachigen Raum funktionieren kann“, erklärte Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse, auf der heutigen Pressekonferenz „Leipzig liest“. „Anlässlich des Gastlandauftritts wurde ein umfassendes Netzwerk zwischen tschechischen und deutschsprachigen Akteuren geknüpft, das mit dem Echo zur Leipziger Buchmesse 2020 weiter ausgebaut wird.“

    Programmkoordinator Martin Krafl hob hervor: „Der literarische Cocktail, den wir für die diesjährige Leipziger Buchmesse mixen, bietet vor allem Übersetzungen seit dem Herbst 2019. Dank der andauernden Unterstützung durch das Kulturministerium der Tschechischen Republik kommen wir mit einem Echo unseres Gastlandauftritts 2019 sowie des 14-monatigen umfangreichen Kulturangebots im deutschsprachigen Raum nach Leipzig zurück – und einem neuen Paket guter Literatur!“

    Auftakt im Literaturhaus Leipzig

    Dort, wo die letzte Veranstaltung des Tschechischen Kulturjahres stattfand, beginnt die erste der neuen Reihe „Leipzig2020Tschechien“: Im Literaturhaus Leipzig treten am 9.3. Markéta Pilátová und Marek Toman auf. Markéta Pilátovás neuer Roman „Mit Baťa im Dschungel“ (Wieser Verlag 2020) handelt von Jan Antonín Baťa, einem Schuhmacher aus Zlín, der nach dem Zweiten Weltkrieg die Tschechoslowakei verließ und nach Brasilien auswanderte.

    Die außergewöhnliche Unternehmerfamilie ist auch heute noch durch die vielerorts präsenten Bata-Schuhläden bekannt. Auf Grundlage zahlreicher Dokumente gestaltet Markéta Pilátová das plastische Bild eines außergewöhnlichen Schicksals. In seiner Graphic Novel „Der Prager Golem“ (bahoe books 2019) erzählt Marek Toman die Legende vom Rabbi Löw, der den künstlichen Menschen Golem erschaffen haben soll, auf überraschende Weise neu. Parallel zur Geschichte des Golems entwickelt sich eine weitere: diejenige von Rabbis Jünger Jacob und seiner unschlüssigen Liebe zu der Christin Johanna wie auch der Jüdin Lea.

    Zwischenstopp Dresden

    Den Leipziger Gastlandauftritt 2019 begann Tschechien mit einem „Zwischenstopp“ der Autor_innen in Dresden und erinnerte damit an die Ausreise der DDR-Flüchtlinge aus der Prager Botschaft vor 30 Jahren. Ein „Zwischenstopp“ ist auch 2020 geplant, in Kooperation mit Literaturnetz Dresden: Am 11.3. treffen sich zur Diskussion über „Das Eigene im Fremden – Literarisch reisen“ in der Marché-Lounge des Hauptbahnhofs Dresden die russisch-armenisch stämmige Autorin Katerina Poladjan, die tschechische Autorin Markéta Pilátová sowie der Berliner Künstler Ullrich Wannhoff.

    Der Ort ist exemplarisch gewählt: Sachsen und insbesondere Dresden sind durch ihre geographische Lage am Rand Deutschlands ein wichtiger Brückenpfeiler für den interkulturellen Austausch zu den östlichen und südöstlichen Nachbarn. Am Hauptbahnhof Dresden, dem Tor des Ostens, kreuzen sich Routen und Erfahrungswege.

    Höhepunkte des tschechischen Auftritts bei der Leipziger Buchmesse 2020

    Zur Leipziger Buchmesse plant Tschechien Veranstaltungen sowohl am Tschechischen Nationalstand (Halle 4, E301), dem Forum International (Halle 4, C505), dem Forum OstSüdOst (Halle 4, E505), im Café Europa (Halle 4, E401) sowie in der Leipziger Innenstadt.

    Messedonnerstag

    Am Donnerstag, 12.3., 12 Uhr, beginnt der tschechische Auftritt am Nationalstand mit der Vorstellung des Ehrengastes Karol Sidon – Landesoberrabbiner und aktueller Träger des Tschechischen Staatspreises für Literatur. Sein jüngst übersetztes Buch „Traum von meinem Vater“ (Wieser Verlag 2019) erzählt von einem Heranwachsenden, dem die Welt als Chaos erscheint, und deren Zersplitterung er sich zu überwinden bemüht, indem er zeitlose Werte sucht, die allgemeine Prinzipien der Gesellschaft und Geschichten einzelner Individuen bestimmen. Karol Sidon lebte in Deutschland und Israel, nach 1989 kehrte er nach Tschechien zurück.

    Im Anschluss, 13 Uhr, heißt es zur Eröffnung des Tschechischen Nationalstandes: „Ahoj Leipzig!“. Anwesend sind der Tschechische Kulturminister Lubomír Zaorálek, Karol Sidon, Buchmessedirektor Oliver Zille, Programmleiter Tomáš Kubíček und Programmkoordinator Martin Krafl. Dabei wird am Beispiel des letztjährigen tschechischen Gastlandauftritts ein für Buchmessen zentrales Thema diskutiert: Wie nachhaltig und wirkungsvoll können Gastlandauftritte sein, wie sehr können Autor_innen, Verlage und Kulturinstitutionen profitieren.

    Welches waren die Ziele und Erfolge des tschechischen Schwerpunkts 2019, und wie gelingt Nachhaltigkeit? Über „Czech Practice“ sprechen Tomáš Kubíček, Martin Krafl, der Autor Marek Šindelka, die Übersetzerin Kristina Kallert und der MDR-Hörfunkjournalist Tino Dallmann.

    Autorenlesungen beschließen den ersten Messetag, darunter die mehrfach preisgekrönte Schriftstellerin Kateřina Tučková mit Übersetzerin Iris Milde. Um 15 Uhr stellen sie den bisher nur in Tschechien veröffentlichten Roman „Weißwasser“ vor, von dem es eine deutsche Leseprobe geben wird: über die Verfolgung von Ordensschwestern und die Priesterweihe für Frauen. Nach der Liquidation der Frauenklöster durch die Kommunisten 1950, wurden die Ordensschwestern in Sammellager gebracht, wo sie Zwangsarbeit verrichten mussten. Unter staatlicher Aufsicht lebten dort etwa tausend Ordensschwestern bis zum Jahr 1989.

    Messefreitag

    Der Messefreitag beginnt um 10.30 Uhr mit dem Auftritt des Autors Marek Šindelka gemeinsam mit Zuzana Jürgens am Tschechischen Nationalstand. Šindelka ist einer der in Tschechien meistgeschätzten und im Ausland gefragtesten Schriftsteller nach 2000. Sein jüngstes Buch „Heilige Barbora“, aus dem zur Buchmesse eine Leseprobe veröffentlicht wird, gibt subtiles Zeugnis der Manipulation von Massen und Sekten als Wegbereiter der Faschisten, eine Graphic Novel, die sich zwischen Thriller über einen realen Fall von Kindesmissbrauch und einem gezeichneten Essay über Wahrheit und Lüge, Korruption und politische Machenschaften bewegt.

    Im Mittelpunkt des Tages, 12 Uhr, steht die Kunst des Übersetzens mit den drei renommierten tschechisch-deutschen Übersetzer_innen Kristina Kallert, Martina Lisa und Ondřej Cikán zum Thema „Wie, was, warum übersetzen? Drei Perspektiven zur Übersetzung und Besonderheit tschechischer Literatur“, einer Literatur, die von Poesie geprägt ist und der Liebe zur Sprachmusikalität. Gegenwärtig wird zwar wieder mehr aus dem Tschechischen ins Deutsche übersetzt, das gilt aber fast nur für Romane. Kann der tschechische Fokus auf poetischen Ausdruck frischen Wind in die deutschsprachige Literaturlandschaft bringen?

    Um 20 Uhr beginnt die Staffelübergabe Tschechiens an Portugal, Gastland der Leipziger Buchmesse 2021. Unter dem Motto „Ahoj Tschechien! – Olá Portugal!“ treffen sich in der Schaubühne Lindenfels die Autor_innen Vít Slíva, Viktorie Hanišová, Petr Váša, Djaimilia Pereira De Almeida und Ana Luísa Amaral.

    Messesamstag

    Am Tschechischen Nationalstand wird um 13 Uhr ein herausragendes aktuelles Kinderbuch vorgestellt: „A – wie Antarktis“ von David Böhm, gemeinsam mit Moderatorin Barbora Procházková: In Zeiten des Klimawandels ist der besorgte Blick auf die Entwicklung der Arktis allgegenwärtig, und so reiste David Böhm mit seinen beiden Söhnen genau dorthin. Von ihren Entdeckungen und neuen Einsichten erzählt er in seinem Buch.

    Um 14.45 Uhr folgen Viktorie Hanišová und Übersetzerin Raija Hauck. Hanišovás neuer Roman „Die Pilzsammlerin“ wird zur Buchmesse als Leseprobe ins Deutsche übersetzt: Die Protagonistin verbirgt ein Familiengeheimnis, das sie seit ihrer Kindheit mit sich herumträgt und sich zu vergessen bemüht. Zurückgezogen in eine einsame Hütte im Böhmerwald lebt sie vom Pilzesammeln. Erst nach und nach kommen Indizien zum Hintergrund ihrer Entscheidung, ihre Heimatstadt Plzeň und das Familienumfeld zu verlassen, zum Vorschein.

    Im Forum International (Halle 4, C505) wird um 17 Uhr eine fachkundige Einordnung und Vorstellung der tschechischen Gegenwartsliteratur angeboten: Der tschechische Autor und Host-Verlagsredakteur Jan Němec spricht über „Möglichkeiten der (tschechischen) Literatur“. Im Café Europa (Halle 4, E401), 17 Uhr, steht der weibliche Blick im Mittelpunkt: Schriftstellerin Kateřina Tučková diskutiert mit Übersetzerin Barbora Procházková über „Kraft und Einstellung der Frauen“ aus tschechischer Sicht.

    Am Abend, in der galerie KUB, 18.30 Uhr, treffen sich der tschechische Autor Michal Ajvaz, Vertreter des magischen Realismus, und der Autor Balla, auch „slowakischer Kafka“ genannt, zum Gespräch: „Absurder Humor und Flucht in parallele Wirklichkeiten“. Darauf geht es weiter im Café Kowalski, 20 Uhr, mit der Diskussion: „Geschmuggelte Blumen im Doppelpack“ mit Viktorie Hanišová, Kateřina Tučková, Marek Šindelka und Marek Toman, unter der Moderation von Mirko Schwanitz.

    Ihre Romane zielen mitten ins Herz der tschechischen Debatten über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Und sie alle stellen unbequeme Fragen: Wie umgehen mit der Mitschuld an der Vertreibung unschuldiger Deutscher? Was erzählt ein jüdisches Grab in der Teynkirche über das Funktionieren der Propaganda von heute? Wie verformt die heutige Gesellschaft Charaktere?

    Messesonntag

    Am Messesonntag, 10.30 Uhr, endet das tschechische Programm mit einer Diskussion über „Mácha und Hložek – Moderne Romantik“ mit dem Verleger und Übersetzer Ondřej Cikán und dem Lyriker Ondřej Hložek am Tschechischen Nationalstand. Am Liebesepos „Mai“ von Karel Hynek Mácha führt in der tschechischen Literatur kein Weg vorbei. Bis heute kann in Tschechien fast jeder die ersten Strophen auswendig. Ondřej Hložek fragt in seiner Lyrik-Sammlung „Trautes Heim?“ wie Mácha, was Liebe, Jugend, Heimat, Tod und Eltern sind. Aber anders: Zu viel ist in den vergangenen Generationen passiert und verschwiegen worden. Hložek wählt daher die fragende Perspektive eines Kindes, romantisch-surreal.

    Das komplette tschechische Programm zur Leipziger Buchmesse finden sie hier sowie im Programmheft, eine Vorstellung der neuen tschechischen Bücher hier.

    Tschechien2020Leipzig wird veranstaltet vom Kulturministerium der Tschechischen Republik und der Mährischen Landesbibliothek sowie der Leipziger Buchmesse, mit Unterstützung des Generalkonsulats der Tschechischen Republik in Dresden, der Partnerstädte Leipzig und Brünn sowie der Tschechischen Zentren in Deutschland. Medienpartner: Tschechischer Rundfunk Vltava.

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