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3,8 Millionen Euro für Gedenkstätte Chemnitz-Kaßberg

Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch hat heute (26. Oktober) einen Fördermitteilbescheid an den Verein „Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis“ in Chemnitz übergeben. Mithilfe der Mittel soll im Hafttrakt B des ehemaligen Gefängnisses eine Gedenkstätte entstehen.

„Der Kaßberg ist ein Ort mit mehrfacher Repressionsgeschichte. Bekannt als Stasi-Gefängnis im Rahmen des deutsch-deutschen Häftlingsfreikaufs, litten hier bereits unter der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus politische Gefangene sowie auch Chemnitzer Juden. Gemeinsam mit dem Bund und der Stadt Chemnitz finanzieren wir den Aufbau einer Gedenkstätte, die sich mit allen dunklen Kapiteln dieses Orts auseinandersetzt“, so Kulturministerin Barbara Klepsch, die auch Vorsitzende des Stiftungsrates der Sächsischen Gedenkstättenstiftung ist.

„Der Förderbescheid ist ein Meilenstein für unsere Entwicklung. Die nun gesicherte Finanzierung ermöglicht den Umbau des ehemaligen Kaßberg-Gefängnisses zu einem Lernort für Demokratie. Wir freuen uns sehr über die Förderung und auf die kommende Gedenkstätte“, sagt Jürgen Renz, Vorsitzender des Vereins Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis.

Der heute überreichte Förderbescheid umfasst rund 3,6 Millionen Euro. Der Freistaat Sachsen stellt für das Projekt 2,4 Millionen Euro aus dem Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR zur Verfügung. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert das Projekt mit rund 1,2 Millionen Euro. Zusätzlich zum Förderbescheid wird die Stadt Chemnitz die Errichtung der Gedenkstätte mit 180.000 Euro fördern. Die nach Fertigstellung anfallenden Betriebs- und Personalkosten werden durch die Stadt Chemnitz und die Stiftung Sächsische Gedenkstätten getragen.

Bereits 2017 konnte an der Außenmauer ein Gedenkort eröffnet werden, für dessen Errichtung der Sächsische Landtag Gelder bereitgestellt hatte.

Über das ehemalige Gefängnis Chemnitz-Kaßberg

Der Kaßberg ist als Abschiebegefängnis der DDR bekannt geworden. Im Jahr 1989 verfügte der vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) genutzte Gefängnisteil über 163 Zellen, in denen 329 Häftlinge untergebracht werden konnten. Von hier aus wurde der Häftlingsfreikauf in den Westen durch die DDR abgewickelt, der im Gegenzug für dringend benötigte Devisen sorgte.

Fast 30.000 freigekaufte Häftlinge wurden über das Kaßberg-Gefängnis abgeschoben. Mit diesem Alleinstellungsmerkmal wird die Gedenkstätte zu einem zentralen Ort für die Aufarbeitung der deutsch-deutschen Teilungsgeschichte. Als eine der wenigen Gedenkstätten, die SED-Unrecht abbilden, kann an diesem historischen Ort die ost- wie die westdeutsche Perspektive des Häftlingsfreikaufs abgebildet werden.

Vor 1945 hielt die Gestapo des NS-Regimes hier Personen gefangen, die für die Volksgemeinschaft als nicht würdig angesehen wurden. Nicht zuletzt spielte der Kaßberg bei der Verfolgung Chemnitzer Juden eine Rolle. Nach dem Krieg bezog der sowjetische Geheimdienst hier Quartier. Nicht nur NS-Verbrecher, sondern auch Jugendliche, die haltlos beispielsweise beschuldigt worden, der Partisanenorganisation »Werwolf« anzugehören, waren hier Häftlinge ebenso wie Personen aus dem Umfeld der Wismut, die man der Spionage oder Sabotage bezichtigte.

Über den Verein Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis

Seit seiner Gründung im Jahr 2011 setzt sich der Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V. dafür ein, auf dem Gelände der ehemaligen MfS-Untersuchungshaftanstalt Kaßberg in Chemnitz einen Lern- und Gedenkort einzurichten. In ehrenamtlicher Tätigkeit engagieren sich die Mitglieder des Vereins mit Führungen und Veranstaltungen. Dazu gehören auch Zeitzeugengespräche in und außerhalb von Chemnitz.

Bis zu Beginn der Umbaumaßnahmen im Winter 2018 ermöglichte er in den Jahren 2017 und 2018 – meist in Begleitung von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen – jeweils etwa 130 Gruppenbesichtigungen über das einstige Haftgelände.

Als außerschulischer Lernort will die Gedenkstätte Kaßberg-Gefängnis das Wissen über die zwei deutschen Diktaturen wachhalten und mit einem vielfältigen pädagogischen Programm, vor allem jungen Menschen immer wieder den Wert einer rechtsstaatlichen demokratischen Gesellschaftsform vor Augen führen. Der Lern- und Gedenkort soll zum freien Meinungsaustausch einladen und demokratiefördernd wirken.

30 Jahre deutsch-deutsche Parallelwelt: Höchste Zeit, die betonierten Vorurteile zu demontieren

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