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30 Jahre Jugendmigrationsdienste in Sachsen

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    Integration ist seit einigen Jahren in aller Munde. Integration braucht einen langen Atem. Integration wird sichtbar in den Geschichten jener jungen Menschen, die ein Teil unserer Gemeinschaft geworden sind oder werden wollen: der junge Mann, der jetzt sein eigenes Übersetzungsbüro hat, die junge Pianistin oder der angehende Europarechtler, der Krankenpflegehelfer in Ausbildung oder die Wäscherin – sie alle haben ihren Weg gesucht und gefunden. Die Jugendmigrationsdienste, kurz JMD, tragen wesentlich dazu bei.

    Jugendmigrationsdienste existieren in Sachsen seit 1991. Sie unterstützen und begleiten junge Menschen mit Migrationshintergrund im Alter zwischen 12 und 27 Jahren sowie bei Bedarf deren Eltern durch Beratung, Kurse und Projekte. Besonders am 30. Juni 2021 als dem bundesweiten Aktionstag der Migrationsfachdienste zeigt sich: Auch in diesen herausfordernden Zeiten unterstützen die JMD verlässlich junge Menschen mit Migrati-onshintergrund und treten für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ein.

    Auch das Leipziger Team des Jugendmigrationsdienstes des Internationalen Bundes hat daran seinen Anteil und blickt nun im Jubiläumsjahr 2021 auf seine Gründung vor 30 Jahren zurück – Anlass genug, sich die intensive Zeit in das Gedächtnis zu rufen.

    Vom schweren Anfang

    1991 fiel in Sachsen wie auch in den anderen neuen Bundesländern der Startschuss für diese damals noch Jugendgemeinschaftswerk (JGW) benannten Einrichtungen. Dieses Angebot, meist mit ein bis zwei Personalstellen ausgestattet, begleitet seitdem junge Menschen zwischen 12 bis 27 Jahren als Teil der Jugendsozialarbeit bei ihrem Suchen und Finden von Antworten auf viele offene Fragen, wie z. B. „Wo gibt es einen Sprachkurs“, „Wieso muss ich eine Bewerbung schreiben?“, „Arbeiten oder studieren?“, „Wo kann ich Fußball spielen?“. Diese oder ähnliche Fragen hat wohl jeder in einem JMD schon gehört.

    Vom gemeinsamen Lernen

    Dabei waren auch die Mitarbeiter des JMD am Anfang Lernende. Wie läuft das mit der Jugendhilfe, wo werden Sprachkurse organisiert, welche Beratungsmethoden sind erfolgreich, wie wird Berufsorientierung umgesetzt? Vieles war sowohl für die Fachkräfte des JMD als auch für unsere Ratsuchenden neu. Schnell haben die Fachkräfte der vier Trägergruppen Diakonie, Caritas, AWO und des Internationalen Bundes in einer Facharbeitsgemeinschaft JMD Sachsen ihr Wissen gebündelt.

    Erfahrungen wurden ausgetauscht und ein Netzwerk mit Praktikern des Sozial- oder Kultusministeriums, des Sächsischen Ausländerbeauftragten oder dem Bundesamt für Migration (BAMF) geschmiedet – deutschlandweit eine einzigartige thematische Zusammenarbeit auf Arbeitsebene.

    Von neuen Zielen

    Von Beginn an standen drei Themen auf der Agenda der Einrichtungen: Beratung zu   altersbezogenen Fragen, Gruppenangebote sowie die Mitwirkung in thematischen Netz-werken. Mit dem Zuwanderungsgesetz 2005 gewann die intensive, auf Mitwirkung aus-gerichtete Zusammenarbeit von Beratenden und Beratern an Bedeutung – auch sichtbar an der neuen Bezeichnung „Jugendmigrationsdienst“.

    Die jungen Menschen sind hoffnungsvoll und wollen sich eine Zukunft in Sicherheit und Stabilität erarbeiten, wie es in den Herkunftsländern unmöglich war. Meist wird aus der Hoffnung mit viel Energie Realität, oft jedoch nicht auf direktem Weg. Integrationskurse, Tests, Anträge oder Teilanerkennungen von Zeugnissen brauchen Zeit. Nicht alle Träume werden allerdings wahr – strukturelle Lücken, fehlende Dokumente oder Schulabschlüsse lassen manche Träume platzen.

    Vom Blick in die Zukunft

    In der ersten Hälfte der 90er Jahre zogen noch viele junge Migranten schnell zu ihren Verwandten „nach West“. Dies ist schon lange anders. Mittlerweile begleiten die JMD jun-ge Menschen über einen längeren Zeitraum, ob es Spätaussiedler, jüdische Zuwanderer, Menschen aus der Europäischen Union oder Geflüchtete aus vielen Ländern der Welt sind. Alle Ratsuchenden haben in den Fachkräften der JMD verlässliche und qualifizierte Partner.

    Eine gemeinsame Planung der Integrationsschritte, das Ernstnehmen der Wünsche und das Auswerten der getroffenen Vereinbarungen schaffen Vertrauen und Verbindlichkeit. Ohne Netzwerkpartner in Vereinen, Ämtern oder der Zivilgesellschaft wären die JMD nicht an diesem heutigen Punkt.

    Von neuen Herausforderungen

    Das Portfolio der Jugendmigrationsdienste ergänzen verschiedenste Projekte, mit denen auf Bedarf vor Ort reagiert wird – das soziale Zusammenleben im Quartier, Respekt Coaches an Schulen, eine digitale Beratung oder eine individuelle Beratung für Studieninteressierte. Die Corona-Pandemie hat auch in der Arbeit der JMD viele Veränderungen und Einschränkungen mit sich gebracht.

    Beratungen erfolgten nur per Telefon oder Mail. Ämter und Behörden waren geschlossen oder schwer erreichbar. Stellen für Praktika ließen sich schwerer finden, Kurse fanden nicht statt, die Schule als wichtiger Ort der Integration stand nicht zur Verfügung. Dies hat integrative Prozesse verlangsamt und wird bei allen Beteiligten Spuren hinterlassen.

    2020 wurden in Sachsen trotz der Corona-Einschränkungen an 21 Standorten 4.674 junge Menschen auf dem individuellen Weg zu ihrer Zukunft, zu Selbständigkeit und Teilhabe begleitet – 4.674 Gründe, stolz auf unsere Arbeit in Sachsen zu sein.

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