Mit 300 Patienten im Jahr fing es an, heute sind es rund 1000: Seit einem Jahrzehnt besteht am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) der Bereich „Plastische, Ästhetische und Spezielle Handchirurgie“. Die Spezialgebiete umfassen die rekonstruktive Chirurgie, Brustchirurgie, postbariatrische (körper-formende) Chirurgie, ästhetische Chirurgie sowie die spezielle Handchirurgie.

„Vor zehn Jahren war es“, erinnert sich Prof. Dr. Stefan Langer, Leiter des Bereichs, der zur Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie des UKL gehört, „da kam ich aus der BG Unfallklinik Bochum nach Leipzig, schaute mir alles an, fand es gut und unterschrieb den Vertrag. Es ging alles sehr schnell. Seither leite ich den Bereich Plastische, Ästhetische und Spezielle Handchirurgie, der sich Jahr für Jahr weiterentwickelt hat. Mitgebracht habe ich damals Dr. Nick Spindler; aus uns zwei Ärzten sind heute acht geworden. Und das Repertoire unserer Fähigkeiten ist deutlich größer geworden.“

Gleich mit Volldampf sei losgegangen, als er nach Leipzig gekommen war, blickt Prof. Langer zurück. „Mir wurde am ersten Tag mein kleines Reich gezeigt: Ich ging in einen leeren Raum mit Schreibtisch ohne Stuhl – das Telefon läutete. Ich ging ran: Es war das Herzzentrum Leipzig, das sich über den neuen plastischen Chirurgen und auf die Zusammenarbeit freute. Die Herzchirurgen brauchten Unterstützung bei der Versorgung von Patienten, bei denen nach einer Herz-OP es zu einer Wundheilungsstörung am Brustbein kam. Ich machte mich gleich auf den Weg, und noch heute sind wir auch für das Herzzentrum die Problemlösungs-Chirurgie.“

Mit diesem Begriff meint Prof. Langer die breite Palette der Operationen, die er und sein Team ausführen. Diese reicht von der wiederherstellenden Brustchirurgie über körperformende Eingriffe nach heftiger Gewichtsabnahme und Rekonstruktionen bei Unfallopfern bis zu geschlechtsangleichenden Operationen. So seien die plastischen Chirurgen beispielsweise gefordert, wenn nach einem Unfall, nach einer Krebsoperation oder bei angeborenen Fehlbildungen Form und Funktionen des Körpers wiederhergestellt werden müssten.

„Der Tumor-Operateur kann in Ruhe seinen Eingriff ausführen, ohne sich darum Sorgen machen zu müssen, wie er den Defekt am Oberschenkel wieder verschließt oder die fehlende Brust ersetzt. Wir kriegen das alles wieder hin.“

Abgetrennte Finger nach Silvester, Wundheilungsstörungen das ganze Jahr, hin und wieder ein paar Schönheits-OP – auch das gehört zum Repertoire der Plastischen Chirurgie. Vor zehn Jahren hatte der Bereich von Prof. Langer rund 300 Patienten im Jahr. Heute sind es etwa 1000.

„Wenn bei einem Adipositaspatienten eine Magen-OP vorgenommen wird, wird dieser nach einem halben Jahr mit dem Problem überhängender Hautlappen kommen“, nennt Prof. Langer ein weiteres Betätigungsfeld. „Da muss mit Straffungsoperationen geholfen werden. Gleiches gilt für Patienten, die nach Behandlung eines Tumorleidens von einem Lymphödem betroffen sind. Eine große Herausforderung sind aber auch Verletzungen der Hand, denn sie gibt dem Menschen ja unvergleichliche handwerkliche, künstlerische und emotionale Fähigkeiten.“

Geschlechtsangleichende Operationen bei Transsexuellen wiederum seien unheimlich komplex, berichtet der UKL-Experte: „Da ist zum einen eine enge Zusammenarbeit mit Psychologen, Frauenärzten, Urologen und Hormonspezialisten wichtig. Zum anderen sind hohes Können und große Erfahrung nötig, um beispielsweise für einen Frau-zu-Mann-Transsexuellen einen künstlichen Penis zu rekonstruieren oder für einen Mann-zu-Frau-Transsexuellen eine ‘Neoscheide’ aufzubauen. Dazu kommt: Das Team passt. Daher kommen transsexuelle Menschen aus ganz Deutschland zu uns nach Leipzig.“

Mit einem Kurzsymposium am gestrigen 3. Mai anlässlich „10 Jahre Plastische Chirurgie am UKL“ begangen Prof. Langer und Team ihr kleines Jubiläum im Kreise von Fachkollegen, um so die Möglichkeit zu nutzen, die in den vergangenen Jahren aufgebauten Schwerpunkte ihrer Arbeit vorzustellen. 

- Anzeige -

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar