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Stadt Leipzig lässt vom Abbau der ganzen Augustusplatz-Möbel lieber die Finger

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    Lange war es jetzt still um die Möblierung des Augustusplatzes. Als hätten sich die Leipziger abgefunden mit diesem zugestellten Platz, der einmal der größte Stadtplatz in Deutschland war. Mit repräsentativen Gebäuden, die auch zeigen sollten, was Leipzig für wichtig hielt. Doch im März fragte die AfD-Fraktion im Leipziger Stadtrat mal nach, warum das ganze Zeug da immer noch herumsteht.

    Immerhin naht nun so langsam die endgültige Fertigstellung des Uni-Campus. Doch von der neuen Fassade sieht man immer nur die Hälfte. Hatte die Stadt nicht mal angeboten, den Rückbau der ganzen Mauern und Pergolen zu prüfen?

    Und so beantragte die AfD-Fraktion: „Die Stadtverwaltung wird im Zusammenhang mit der Fertigstellung des Universitätsneubaus – voraussichtlich im Jahr 2016 – beauftragt, alle Möglichkeiten einer gestalterischen Verbesserung hinsichtlich des Blickes auf das o.a. neue städtebauliche Ensemble Leipzigs zu prüfen. Entsprechende Rückbaumaßnahmen (u.a. zumindest Teile der Pergola) und andere sind unter Beachtung der finanziellen Rahmenbedingungen und der Vertragssituation zeitnah einzuleiten.“

    Ihr Wunsch: „Durch die benannten Maßnahmen sollen die notwendigen baulichen Korrekturen zur Verbesserung der Ansicht des Komplexes „Universitätsneubau“ erfolgen, um die augenscheinlichen Defizite der Gesamtgestaltung des neuen städtebaulichen Ensembles auf dem Augustusplatz zu beseitigen.“

    Doch das Dezernat Stadtentwicklung und Bau hat jetzt eine Ablehnung für diesen Antrag formuliert. Nicht kurz und knackig, sondern ausführlich. Und der Leser erfährt nun, dass die Stadtverwaltung frühere Anträge zur Freimachung des Platzes durchaus ernst genommen hat. Doch selbst der Um- und Rückbau würde teuer. Die Fehler wurden eindeutig schon in der Planung für die Tiefgarage unterm Augustusplatz gemacht. Und die Fehler wurden fest mit eingebaut.

    Die Vorgeschichte

    Zur Vorgeschichte zieht das Baudezernat noch einmal Bilanz und stellt auch trocken fest, wie sehr man schon vor 20 Jahren gegen die Vision dieses repräsentativen Stadtplatzes verstieß. Das Baudezernat spricht sogar von einer „introvertierten Gestaltung“, auch wenn dabei die Gemütlichkeit für den Aufenthalt auf dem Platz im Vordergrund stand:

    „Mit der Umgestaltung in den Jahren 1996-98 hat der ursprüngliche Augustusplatz seinen Charakter grundlegend geändert. Intention des Siegerentwurfes des Gestaltungswettbewerbs 1995 war es, den Aufenthaltscharakter des Platzes und seine Bespielbarkeit zu verbessern sowie ihm eine menschliche Dimension zurückzugeben. Das vermochte der Entwurf nur mit starken Eingriffen in die ursprüngliche Platzkonfiguration und einer sehr introvertierten Gestaltung zu erreichen. Die damit stark geänderte räumliche Wahrnehmung des Platzes wurde und wird in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Es ist jedoch festzustellen, dass der Augustusplatz als Aufenthaltsort von den Bürgern angenommen und sehr intensiv und vielfältig genutzt wird.

    Für die Errichtung der Tiefgarage wurde am 27.07.1994 mit der Tiefgarage Augustusplatz GbR; Objektgesellschaft (Gesellschafter: Provinzial-Lebensversicherungsanstalt der Rheinprovinz, Düsseldorf, und Westfälischen Provinzial-Lebensversicherungsanstalt, Münster) ein Erbbaurechtsvertrag über 99 Jahre geschlossen. Für die Errichtung der Rampenüberbauung (Restaurant, Freifläche und Kiosk) wurde ergänzend zum Erbbaurechtsvertrag am 26.02.1998 ein Mietvertrag mit der Tiefgarage Augustusplatz GbR über 30 Jahre mit automatischer Verlängerung um zweimal jeweils 30 Jahre bis maximal auf die Laufzeit des Erbbaurechtsvertrages geschlossen.

    Sowohl der Erbbaupachtvertrag als auch der Mietvertrag entsprechen den üblichen Konditionen für solche Verträge, da die Stadt nach dem Qualifizierungsverfahren für die Platzgestaltung 1995 und dem Votum des Stadtrates für den Bau- und Finanzierungsbeschluss von einer langfristigen Gültigkeit der gemeinsam gefundenen architektonischen Lösung ausgehen konnte.“

    Allein der Mietvertrag schafft also Bindungswirkung insbesondere für Restaurant und Kiosk bis 2028.

    Wer sich erinnert: Seinerzeit kam es zu heftigen Medienkampagnen vor allem gegen das „Mauercafé“ und die „Milchtöpfe“. Dann und wann ließ dann der jeweilige Baudezernent verlauten, dass man die Sache prüfen werden. Und diese Prüfungen hat es tatsächlich gegeben, auch wenn dazu fast keine Informationen an die Öffentlichkeit gelangten. Aber diesmal nutzt das Baudezernat die Möglichkeit, wenigstens über die wichtigsten Ergebnisse dieser Untersuchungen zu informieren.

    Es geht wie immer ums Geld

    „So wurde 1999 untersucht, die Aufbauten der Notausgänge der Tiefgarage zu entfernen und durch einfache Geländer zu ersetzen, um die Sichtbeziehungen zu verbessern“, schildert das Dezernat zum Beispiel den Versuch, die „Milchtöpfe“ vom Platz zu kriegen, die eben nicht nur die Ausgänge der Tiefgarage überdachen, sondern auch einen Teil der Platzbeleuchtung ausmachen. „Da hier eine Änderung der Entwässerung der insgesamt 8 Ausgänge und eine neue Platzbeleuchtung notwendig werden, entstehen Kosten von ca. 1,1 Millionen Euro (Stand 1999).“

    Aber auch im Zusammenhang mit der Neuordnung des Universitätscampus und dem Neubau von Augusteum und Paulinum hatte es 2002, 2006 und 2008/09 nochmals umfangreiche Untersuchungen und planerische Überlegungen gegeben, den Augustusplatz umzugestalten und insbesondere die Tiefgarageneinfahrt vollständig zu verändern. Nicht gerade in einer öffentlichen Diskussion. Das Dezernat spricht von einem Brainstorming, also einer Art interner Ideensuche. Man war dabei augenscheinlich auch so weit gegangen, an die Entfernung des Restaurants und der Pergola direkt vorm Augusteum zu denken.

    „Die PROVINZIAL als damalige Eigentümerin der Tiefgarage hat 2006 eine grobe Kostenschätzung (Rohbaukosten) dafür vorgelegt. Diese geht von Kosten von ca. 6,0 Millionen Euro aus, die notwendig werden, um eine größtmögliche Freimachung des Platzes zu erreichen. Diese Kosten entstehen insbesondere durch den kompletten Neubau der Lüftungstechnik, die zurzeit in dem Riegel (Rampenüberbauung) mit dem Restaurant und dem Kiosk integriert ist.“

    Aber die Pächter der Tiefgarage hätten dann auch Recht auf Schadensersatz. Denn sie haben ja das ganze Ensemble gepachtet, nicht nur die Garage unten drunter.

    Das Baudezernat dazu: „Hinzu kämen Schadenersatzforderungen der Tiefgarage Leipzig GbR auf Grund des vorzeitigen Rückbaus der Baulichkeiten, entgangener Mieterträge und Entschädigungsforderungen der Mieter wegen vorzeitiger Beendigung der Mietverhältnisse.“

    Es gibt sogar ein Urheberrecht auf den Platz

    Und dann scheint dieser Platz auch noch so eine Art Kunstwerk zu sein, was die Stadt daran hindert, hier gestaltend einzugreifen. Die Leipziger haben sich also mit der Platzgestaltung ein Stück Stadtarchitektur eingehandelt, an dem sie augenscheinlich nichts ändern dürfen.

    Jedenfalls klingt so der Einwand des Baudezernats: „Ebenfalls zu beachten ist das unstrittige Urheberrecht für die jetzige Gestaltung des Platzes. Bloße Gesichtspunkte der Zweckmäßigkeit oder des Geschmacks bzw. ästhetische Gründe sind für die Rechtfertigung einer Änderung nicht ausreichend. Bei wesentlichen Eingriffen in den Entwurf ist zwingend ein Einvernehmen mit den Inhabern des Urheberrechts (Prof. Bernhardt Winkler aus Starnberg) herzustellen.“

    Und so ist nicht mal der Abbau einzelner Bauteile denkbar. Muss auch nicht, findet das Baudezernat: Wenn man weit genug weg ist, entfalten die Neubauten der Uni doch eine mächtige Wirkung.

    Im Wortlaut: „Eine punktuelle – z.B. durch Rückbau der Pergola – Umgestaltung von Gestaltungsdetails ist nicht sinnvoll, da die gestalterische Einheit des Platzes damit erheblich gestört würde. Ein Blick vom Johannisplatz lässt die gestalterische Kraft der Universitätsneubauten gegenüber den Platzeinbauten erkennen.“

    Aber ganz so gelassen scheint man das auch bei Leipzigs Stadtplanern nicht zu sehen. Man hat wohl doch das Gefühl, das hier einige architektonische Entscheidungen getroffen wurden, die auch nach 20 Jahren noch verstören: „Insgesamt kann festgestellt werden: Auch wenn die gestalterische Situation am Augustusplatz im Bezug auf die Einbindung der Universitätsneubauten nicht optimal befriedigend ist, hat die Stadt Leipzig keine finanziellen Mittel, um kurz- bis mittelfristig hier eine Änderung herbeizuführen. Von daher gibt es gegenwärtig keine Überlegungen und Aktivitäten seitens der Verwaltung zur Änderung der Platzgestaltung des Augustusplatzes.“

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      7 KOMMENTARE

      1. Wir werden – auch im Namen des klaren Umgangs miteinander – die Bemerkung bzgl. der Amtsleiter löschen, da es keinen Grund gibt, hierbei auf eventuelle gewaltsame „Lösungen“ anzuspielen. Dafür bitten wir um Verständnis.

      2. Dieser Kommentar spricht für sich.

        Anm. d. Red.: Auch diese Wiederholung der Passage wurde natürlich dann ebenfalls gelöscht.

      3. Werter Klaus,

        Sie haben durchaus eine ziemlich eigenwillige Auffassung von Meinungsfreiheit.

        Den Rest überlasse ich der Moderation.

      4. (Passage gelöscht, denn auch die Wiederholung der Worte macht diese nicht besser. d. Red.)

        Es ist unerträglich, derartige Bemerkungen in Kommentaren der L-IZ zuzulassen, für die jede Entschuldigung unakzeptabel ist. Wenn das nicht gegen die geltende Netiquette verstößt, dann gute Nacht Marie. Wäre es nicht an der Zeit, Stefan zeitweilig keine Möglichkeit mehr einzuräumen, hier Kommentare zu äußern?
        Sauer sind die Leserinnen und Leser, die solche unverschämten Kommentare zu lesen bekommen. Es wäre traurig, wenn dieses Niveau das Bild der L-IZ prägen würde.

      5. Unglaublich, das ist ja noch unglaublicher, als ich es in wilden Alpträumen zu denken gewagt hätte.

        Mitten auf einem der schönsten Plätze Europas eine Tiefgarageneinfahrt zu bauen, damit einhergehend erhebliche Gefahrenpunkte für Fußgänger – das ist ein verkehrspolitisches Desaster, wie es in jedes Lehrbuch der Verkehrswissenschaft als maximales Negativbeispiel mit Farbfotos gehört.

        Von wegen Aufenthaltsqualität: Diese „Aufenthaltsqualität“ findet genau auf der Freitreppe der Oper statt und auf den Sitzbänken der beiden Platzhälften. Bereits die Mittelfahrbahn verlangt Fußgängern erhebliche Aufmerksamkeit beim Queren ab.

        Vom Verkehrsamt erwarte ich 99 Jahre lang eine jährliche öffentliche Abbitte für dieses einmalige Desaster. (Eine Passage gelöscht, bitte keine Gewaltanspielungen. Danke d. Red.)

        Ich bin wirklich sauer.

        Und bei diesen generationslangen Laufzeiten darf ich nicht von Korruption sprechen?

        Gute Nacht, Leipzig. Du warst mal eine wirklich coole Stadt.

      6. Wer hat das nur im Bauderzenat verbrochen?
        Die Stadtväter, besser Stiefväter- und mütter, unter der Leitung eines SPD-Oberbürgermeisters der besser Bürgerverachters genannt werden sollte, haben fleisig mitgestimmt.
        Wenn man sich die Bauten und Plätze anschaut kommt einen das große Grausen.
        Nur primitive Beton- und Granitlösungen, ob pseudohistorische Keksrollen als Erker oder Billigbetonklötze die der DDR-Plattenarchitektur entsprechen.
        Wenn wenigstens wirklich morderne Architektur mit wegweisender Fassade gebaut worden wäre!
        Aber irgendwann vergeht auch das wieder.

      7. Wie konnten uns nur die Verbrecher der Stadt Leipzig / Baudezernat, nur derart kaltblütig und wohl auch geldgierig verkaufen?

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