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Leipzig will das erste Stück am Wilhelm-Leuschner-Platz für 1,7 Millionen Euro an den Freistaat verkaufen

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    Was wurde debattiert, gewünscht, orakelt, was man aus dem großen Gelände am Wilhelm-Leuschner-Platz alles machen könnte. Am Ende wird es so kommen, wie es überall da kommt, wo noch attraktive Flächen im inneren Stadtgebiet zu finden sind: Wer das Geld übrig hat, sichert sich sein Filetstück. Der Freistaat Sachsen hat sein Interesse für den Südzipfel an der Windmühlenstraße schon angemeldet. Das Wirtschaftsdezernat findet das gut.

    Es handelt sich um das rund 4.000 Quadratmeter große Geländestück zwischen der Windmühlenstraße und der Brüderstraße. Heute befindet sich dort noch eine gepflegte Parkanlage. Da die Stadt auch über den Verkauf des benachbarten Grundstücks nördlich der Brüderstraße an einen Investor verhandelt, der hier eine große neue Markthalle bauen will, beschränken sich die Spielräume der Stadt immer weiter auf das Gelände am Rossplatz, für das die Ratsfraktion der SPD schon den Bau eines neuen technischen Rathauses vorgeschlagen hat.

    Da können dann auch ambitionierte Architekten all ihre Träume von der Entwicklung eines Baugeländes in bester Citylage wieder in die Schublade packen.

    Seit der Stadtrat die eilig hinskizzierten Leitlinien für die Bebauung des „Wilhelm-Leuschner-Platzes“ abgesegnet hat, hat er sich auch in dieser Frage letztlich entmachtet. Als hätten Leipzigs Stadträte ein richtiges Vergnügen daran, ihre Handlungsoptionen einfach per Handaufheben fortzugeben.

    Seit die Leitlinien beschlossen sind, war eigentlich nur die Frage, wer sich als möglicher Interessent für die verbliebenen Grundstücke meldet. Und siehe da: Es kommt ein ganz dicker Fisch um die Ecke, mit dem die Stadt nicht mal handeln kann. Der Freistaat Sachsen möchte auf den zehn hier einstmals befindlichen Einzelgrundstücken ein neues Institutsgebäude bauen: Das bislang in Paunsdorf eingemietete Leibniz Institut für Länderkunde soll hier einen Neubau bekommen.

    Das Anliegen ist verständlich: Attraktive Institute vom Format der Leibniz-Institute muss man zu halten versuchen. Und das schafft man am besten, indem man ihnen attraktive Gebäude mitten in einer Universitätsstadt zur Verfügung stellt. So heißt es denn jetzt auch in der Vorlage, mit der das Wirtschaftsdezernat gern die Zustimmung des Stadtrates einholen möchte: „Diese Fläche liegt im Interesse des Freistaates Sachsen, da damit die Errichtung eines Institutsneubaus für das IfL in der Leipziger Innenstadt in Universitätsnähe möglich ist. Damit soll der Standort des IfL in Leipzig dauerhaft gesichert werden. Diese wichtige, sehr positive Entscheidung des Freistaates Sachsen für Leipzig ist eine wesentliche Bereicherung für die Gestaltung des Wilhelm-Leuschner-Platzes. Eine Vorstudie für das südliche Baufeld berücksichtigt den Wunsch des Institutes nach einem prominenten Standort in Innenstadtnähe.“

    Wer kann da Nein sagen und gegen die Vorlage stimmen?

    Blick in die Grünanlage zwischen Brüderstraße und Windmühlenstraße. Foto: Ralf Julke
    Blick in die Grünanlage zwischen Brüderstraße und Windmühlenstraße. Foto: Ralf Julke

    8.400 Quadratmeter Nutzfläche sollen entstehen, mehr, als das IfL am Ende braucht. Aber der Freistaat hat ja noch andere Wissenschaftseinrichtungen unterzubringen. Und wenn nicht der eigentlich von der Stadt Leipzig geplante Anteil von Wohnungen entsteht, sollen die eben in den anderen Teilen des „Wilhelm-Leuschner-Platzes“ mitgebaut werden. Der Stadtrat denkt, aber der Gott in Dresden lenkt. Klare Ansage: „Der Beschluss zu den ‚Leitlinien für die Weiterführung des Aufstellungsverfahrens zum Bebauungsplan Nr. 392 Wilhelm-Leuschner-Platz/Ost (Drs. VI-DS-01690-NF-02)‘ schreibt einen Mindestwohnanteil auf dem Baufeld Süd von 40 % der Geschossfläche vor. Nach ersten Gesprächen mit dem Freistaat Sachsen ist es diesem nicht möglich, auf dieser Fläche Wohnungen zu errichten. Der Freistaat benötigt die gesamte Fläche für die Errichtung von Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen.“

    Und damit der Institutsbau ansehnlich wird, soll es auch einen Architektenwettbewerb geben: „Angesichts der Bedeutung des Wilhelm-Leuschner-Platzes für die Stadtgeschichte, der zentralen Lage des Planungsgebietes und zur Erhaltung und Weiterentwicklung der prägenden Ringbebauung ist die Stadt Leipzig bestrebt, hohe Anforderungen an Gestaltung und Architektur sowie Stadtökologie sicherzustellen. Die Stadt Leipzig wird dazu Verhandlungen mit den Bauherren aufnehmen und auf die Durchführung architektonischer Wettbewerbe hinwirken.“

    Die Zeit hat man eigentlich nicht, denn der Freistaat macht Druck: „Die Verwaltung hält die Ansiedlung des Leibnitz-Instituts für Länderkunde auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz aus zeitlichen Gründen ausschließlich auf dem Baufeld Süd für möglich, da nur dieses kurzfristig nach § 34 BauGB und somit ohne die Aufstellung eines Bebauungsplanes bebaubar ist. Der Freistaat Sachsen möchte den Grunderwerb schnellstmöglich realisieren. Hintergrund dafür sind zum einen die aktuellen Kapazitätsprobleme des IfL und zum anderen die bereits in 2016 zur Verfügung stehenden Baumittel (Fördermittel) für die Neubaumaßnahme, die maximal um jeweils ein Jahr verschoben werden können. Der Baubeginn soll schnellstmöglich erfolgen, im Idealfall noch im Jahr 2017. Dies ist auf den Baufeldern Nord und Mitte aus Gründen des Bebauungsplanungsverfahrens nicht möglich.“

    Verkaufen möchte das Liegenschaftsamt übrigens zum Bodenrichtwert von aktuell 420 Euro / Quadratmeter. Was dann knapp 1,7 Millionen Euro Kaufpreis ausmacht.

    Und dass man dem Stadtrat damit ein Filetstück quasi vor der Nase weg verkauft, ist den Profis im Liegenschaftsamt natürlich bewusst: „Zur Vorbereitung der Vermarktung der kommunalen Grundstücke auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz wird eine Arbeitsgruppe gebildet (Drs. VI-DS-01690-NF-02). Diese Vorlage zur Aufnahme der Grundstückskaufverhandlungen mit dem Freistaat Sachsen wird vor Gründung der Arbeitsgruppe in das Gremienverfahren gebracht, um Zeit für die wichtige Ansiedlung des wissenschaftlichen Instituts zu sparen.“

    Vorlage zum Verkauf des Grundstücks an der Windmühlenstraße.

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    4 KOMMENTARE

    1. Gegen den längst gefundenen Spitznamen „Skt. Tetris“ wird sich auch die katholische Kirche nicht wirklich wehren können 😉

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