Das große LZ-Interview: Im Frühjahr geht’s rund am Felsenkeller

LEIPZIGER ZEITUNG/Auszug aus der Ausgabe 37In den vergangenen Wochen schlugen die Wogen rings um den Felsenkeller deutlich höher als sonst. Abgeholzte Bäume warfen die ersten Fragen auf, ein neuer Markt auf dem Gelände stand urplötzlich und für Anwohner überraschend im Raum, bald fragten sich die ersten, wie all die Aktivitäten an der Kreuzung Zschochersche und Karl-Heine-Straße verkehrstechnisch zu lösen seien. Auch die bereits vereinbarten 400.000 Euro von der Stadt an die Betreiber des Felsenkellers als Sanierungshilfe ließen einiges Staunen zu, handelt es sich doch um ein Privatgrundstück mit der Privatimmobilie Felsenkeller.

Fragen, zu denen Ingo Seidemann, Geschäftsführer der Planungs- und Baugesellschaft S&G Development GmbH, und Jörg Folta, Geschäftsführer der Felsenkeller Betriebs GmbH, im Gespräch mit der LZ Stellung nehmen.

LZ: Was zur Frage führt, wie Sie den aufkommenden Rummel um den Felsenkeller persönlich erlebt haben?

Jörg Folta: Die Aufregung um die Fällung der Bäume hat uns wirklich überrascht, da daraus ja nie ein Geheimnis gemacht wurde und wir von Anfang an auf eine diesbezügliche Transparenz gesetzt haben. Es gab entsprechende Gutachten, die Informationskette wurde eingehalten, der ganze Vorgang entsprach allen Normen und Regeln.

Ich spreche ja hier vor allem für den Betreiber des Felsenkellers, nicht für den Eigentümer. Trotzdem arbeiten wir bei fast allen Punkten Hand in Hand zusammen. D.h. wir sind in fast alle Prozesse in irgendeiner Form involviert. Mich persönlich hat bei allem Ärger dennoch gefreut, wie groß das Interesse und die Verbundenheit des Viertels zum Felsenkeller sind. Die Kritik an den Fällungen der Bäume resultiert ja aus einer diesbezüglichen Empathie.

Ich hoffe, dass wir alle Zweifel nicht zuletzt durch unseren Besuch des Stadtbezirksrates beseitigen konnten.

LZ: Was ist an den Vorwürfen dran, dass gesunde Bäume auf dem Gelände abgeholzt wurden?

Jörg Folta: Die Gutachten haben eindeutig festgestellt, dass die Bäume krank und damit eine Gefahr für den öffentlichen Verkehr im hinteren Teil des Geländes waren. Alle Fällungen erfolgten also ausschließlich nach vorliegenden Genehmigungen. Darüber hinaus erfolgen auch Ersatzpflanzungen.

LZ: Der Felsenkeller erhält nach einem Stadtratsbeschluss 400.000 Euro für die Sanierung des Daches des Hauses. Wann sollen die Arbeiten losgehen?

Jörg Folta: Wir sind bereits dabei. Teile des Felsenkellers sind eingerüstet, die Arbeiten gehen voran. Die geförderte Maßnahme umfasst allerdings nicht nur das Dach, sondern auch die Sanierung von Außenwänden und Fenstern des denkmalgeschützten Saalgebäudes.

LZ: Zur Refinanzierung der vollständigen Sanierungsarbeiten am Felsenkeller benötigt der Eigentümer samt Eigenauskunft insgesamt 1,6 Millionen Euro, also 1,2 Millionen nach Abzug des Geldes seitens der Stadt Leipzig. Was muss am Haus alles noch getan werden?

Jörg Folta: Ich kann auch hier nicht für den Eigentümer sprechen, kann aber sagen, dass noch viele Arbeiten vor allem im Inneren des Felsenkellers anstehen, auch viele, die einen professionellen Veranstaltungsbetrieb ermöglichen. Seit Beginn des Betriebes stecken alle Beteiligten jeden erwirtschafteten Cent in den Felsenkeller. Selbstausbeutung ist das Motto. Aber wir haben noch viel ideellen Überschuss und es macht Spaß, unser Projekt wachsen zu sehen.

LZ: Die Sanierungsarbeiten können nicht allein durch den Kulturbetrieb und die Gastronomie im und am Felsenkeller refinanziert werden. Warum nicht?

Jörg Folta: Jeder Kulturbetrieb, der ohne öffentliche Förderung auskommt, lebt von Quersubvention. D.h. man macht Veranstaltungen, die nicht unbedingt ins eigene Profil passen oder vermietet seine Räumlichkeiten. So auch im Felsenkeller. Und so sichert man auch den normalen Betrieb ab. Aber parallel dazu noch eine Sanierung zu stemmen, also zusätzliche Millionen von Euro zu erwirtschaften, würde bedeuten, erhebliche Abstriche bei den eigenen Ansprüchen zu machen.

Aber wir wollen auf die Veranstaltungen, die unser Profil und auch den besonderen Ort Felsenkeller ausmachen, nicht verzichten. Wir haben Lust auf unsere Musikfestivals, die Bälle, die Lesungen, die kleinen, schrägen, abseitigen Formate.

Hinzu kommt: Eine Bankfinanzierung der erheblichen Sanierungskosten kann man leider nicht auf der Grundlage einer kulturellen bzw. gastronomischen Nutzung bekommen. Und der öffentliche Zuschuss deckt nur einen kleinen Teil der Baukosten ab. Deshalb die unbedingt erforderliche (Quer)Finanzierung der Felsenkellersanierung aus der Vermietung an REWE.

LZ: In den Sommermonaten hat sich der Biergarten am Haus zu einem festen Treffpunkt für das Viertel entwickelt. Stehen da im kommenden Sommer überhaupt noch Bäume?

Jörg Folta: Ja, wir kämpfen um jeden Baum und jene, die aus den erwähnten Gründen gefällt werden müssen, werden durch Neupflanzungen ersetzt. Die Situation im Biergarten ist aber weniger dramatisch als im hinteren Bereich des Felsenkellers. Ich kann versprechen, dass der Biergarten seinen Charme behält.

LZ: Nach unseren Informationen soll der Vertrag mit der Handelskette REWE, welche auf dem Grundstück einen Supermarkt mit 800 Quadratmetern errichten will, etwa eine Million Euro in absehbarer Zeit als eine Art Kredit einbringen. Wie schnell könnte der Felsenkeller also komplett saniert sein?

Jörg Folta: Da die Sanierung und auch der Neubau in Phasen und parallel zum Spielbetrieb läuft, muss aufeinander Rücksicht genommen werden, was vor allem die Sanierungsarbeiten partiell einschränkt. Eine erste Sanierungsphase soll im Frühjahr abgeschlossen werden, in der Zeit ist auch der Beginn des Neubaus geplant.

LZ: Welche Möglichkeiten entstehen durch die Sanierung für den Kulturbereich im Haus?

Jörg Folta, Geschäftsführer der Felsenkeller Betriebs GmbH. Foto: Privat

Jörg Folta, Geschäftsführer der Felsenkeller Betriebs GmbH. Foto: Privat

Jörg Folta: Wir optimieren dadurch vor allem den Betrieb. Momentan improvisieren wir sehr viel, ob das die Logistik, die Unterbringung von Künstlern oder die technische Betreuung von Veranstaltungen und vieles mehr betrifft. Das hört sich nicht sehr bedeutsam an, ist für uns aber ein Unterschied ums Ganze. Denn letztlich sind wir auf eine optimale Ausnutzung der Räumlichkeiten angewiesen, um wirtschaftlich arbeiten zu können. In Folge der Sanierungsarbeiten können wir also mehr und bessere Veranstaltungen durchführen. Eine Erweiterung der Gastronomie, also ein weiteres Projekt innerhalb des Felsenkellers, ist in Planung – so viel kann ich schon sagen.

LZ: Verwirrung gibt es noch zu den Zu- und Abfahrwegen rings um den Felsenkeller und dem neuen REWE. Wie sehen die Regelungen nach Ihrer Kenntnis zum Start des Marktes aus?

Jörg Folta: Die jetzt vor der Baugenehmigung stehende Planung sieht eine Erschließung für Marktkunden, Lieferfahrzeuge, Gäste und Betreiber der Veranstaltungsstätte Felsenkeller (Saalgebäude) ausschließlich über die Zschochersche Str. vor.

LZ: Darüber hinaus haben die Stadt Leipzig und die LVB an der Haltestelle Zschochersche Straße offenbar auch langfristige Pläne, welche die Zufahrtswege auf das Gelände betreffen könnten. Was ist da Ihrer Kenntnis nach geplant?

Jörg Folta: Die vorgenannten „Verwirrungen“ – die wir sehr bedauern – rühren von einer leider teilweise effektiv unzutreffenden Interpretation der geplanten veränderten Erschließung des Felsenkellergrundstücks für eine eventuelle zukünftige Situation nach einem eventuellen Ausbau der benannten LVB-Haltestelle in der Zschocherschen Straße her.

Auch in einem Artikel der L-IZ.de wurde in diesen Zusammenhang unterstellt, dass „..die Zufahrt, die (dann) von der Karl-Heine-Straße angelegt werden soll, die dauerhaft einzige Zufahrt zum Gelände sein solle…“

Dies aber ist völlig falsch. Richtig ist, sofern es in den kommenden Jahren irgendwann zur Notwendigkeit des Haltestellenausbaus kommen sollte, dass dann Liefer-LKW über die einzige bisherige Ein- und Ausfahrt an der Zschocherschen Straße wohl weiterhin einfahren, aber eben nicht mehr ausfahren könnten. Diese Lieferfahrzeuge müssten tatsächlich dann über eine weitere zur Karl-Heine-Straße hin zusätzlich anzulegende Ausfahrt (rechts raus) ausfahren. Für PKW wird es höchstwahrscheinlich, davon gehen wir aus, auch dann völlig beim Alten bleiben. Rechts rein und rechts raus über die Zschochersche Straße.

LZ: Dennoch können diese Änderungen doch zu neuen Verkehrsproblemen führen?

Ingo Seidemann: Angesichts der Tatsache, dass die Anzahl anlieferungsbedingter Zu- und Abfahrten sich pro Tag an einer Hand abzählen lassen, kann von einer effektiven Beeinträchtigung des Fußgänger- und Fahrradverkehrs an der Karl-Heine-Straße – wie er nun von Manchem irrtümlicherweise befürchtet wird – gar nicht die Rede sein. Drei oder vier langsam ausfahrende LKW, mehr sind es wohl nicht. Das kann dann auch unser Biergarten sicher ohne effektive Beeinträchtigung aushalten – den Verzicht auf etwas Platz für den Biergarten müssen wir dann leider schlucken.

Diese Eventual-Ausfahrt zur Karl-Heine-Straße wurde in unserer vorgelegten Planung auch als Eventuallösung – die übrigens auch mit der Verlegung eines LVB-Oberleitungsmastes an der Karl-Heine-Straße verbunden ist – ausgewiesen. Zu ihrer Realisierung haben wir uns im Notwendigkeitsfall zu verpflichten, nicht mehr und nicht weniger.

LZ: Es gibt auch Informationen zu einer gänzlich anderen Zufahrtslösung, über ein Nachbargrundstück. Wie sieht es damit aus?

Ingo Seidemann: Die ebenfalls im Zusammenhang mit der erläuterten Problematik thematisierte Erschließung über das Nachbargrundstück der Stadtteilbibliothek in der Zschocherschen Straße mag wohl auf gut gemeinte Gedanken aus der Nachbarschaft zurückgehen. Wir selbst haben das aber schon vor drei Jahren einmal vorsorglich untersucht und mussten das aus verschiedenen effektiv sachlichen Gründen leider wieder verwerfen. Die jetzt vorliegende und ausführungsreife Planung stellt einen wohldurchdachten und ausgewogenen Kompromiss einer Vielzahl von Belangen dar – vom Denkmalschutz, über die Bau- und Verkehrsplanung bis hin zu Nutzerbelangen.

LZ: Offenbar gab es ein paar Startschwierigkeiten bei der Kommunikation. Gibt es auch positive Stimmen zum Vorhaben?

Jörg Folta: Wie gesagt hoffe ich, dass unser Besuch des Stadtbezirksrates sowie unsere Informationspolitik der letzten Wochen diesbezügliche Zweifel beseitigt haben. Wir haben durchaus schon von viel Zustimmung aus der Nachbarschaft zu dem geplanten Nahversorger gehört. Insbesondere die geplante gute fußläufige Erreichbarkeit aus dem westlich angrenzenden Wohngebiet wird offensichtlich von vielen dort wohnenden Menschen sehr positiv aufgenommen.

LZ: Sind irgendwelche Kommunikationsveranstaltungen zum Thema Felsenkellersanierung geplant?

Jörg Folta: In Zusammenarbeit mit dem Eigentümer, seinem Projektentwickler und uns wird es baubegleitend Informationsveranstaltungen geben, wo Interessierten die Möglichkeit gegeben wird, sich vor Ort zu informieren.

LZ: Wie wird es inhaltlich im Felsenkeller weitergehen – Sie selbst kommen ja musikalisch als Veranstalter eher aus der Reggae, Ska, Punk-Ecke?

Jörg Folta: Ich komme aus Dessau, wir haben bereits dort einen Club betrieben, aber auch zwei Restaurants, haben sehr viel im dortigen Theater veranstaltet und waren und sind an vielen Kulturevents der Region wie dem Kurt Weill Fest oder dem Bauhausfest beteiligt. Zudem organisieren wir verschiedene Musikfestivals in ganz Ostdeutschland. In Leipzig sind wir aber auch schon seit fast 20 Jahren als Veranstalter aktiv.

LZ: Das Programm im Felsenkeller geht im Moment über nahezu alle Genres hinweg, Gothic, Oi-Punk, Burleske bis Comedy sind mittlerweile auch im Programm. Wie soll sich das Haus kulturell in den kommenden Jahren entwickeln?

Jörg Folta: Wir finden uns noch, wollen aber keine Eventhalle betreiben, sondern ein Haus mit Charakter. Der Spagat zwischen Hoch-, Sub- und (nennen wir es mal) Flachkultur ist das eine, das andere ist eine Einheit von Architektur, Geschichte des Hauses, der Verortung im Viertel und gut gemischtem Programm. Das zusammen macht besagten Charakter aus und ist ein ständiger Prozess. Unsere jetzigen und zukünftigen Programmgestalter werden immer vor der Herausforderung stehen, unter Berücksichtigung all dessen den Felsenkeller unverwechselbar zu machen.

LZ: Am Schluss und angesichts der Schwierigkeit, ein Haus wie den Felsenkeller durch Veranstaltungen zu refinanzieren, gern ein bisschen Werbung. Gibt’s eine Veranstaltung, wo noch vollkommen unberechtigt Besucher fehlen?

Jörg Folta: Wir wünschen uns meistens mehr Besucher und der riesige Saal gibt das auch her. Aber ein paar Empfehlungen kann ich ja aussprechen. Am 19.11. ist mit „Get Rhythm“ Leipzigs smarteste 60s Party im Felsenkeller. Olaf Schubert ist im Dezember für mehrere Termine zu Gast. Und am 6./7. Januar findet das großartige „LE Heat“ Festival zum ersten Mal in Leipzig statt.

Dieser Artikel erschien am 18.11.16 in der aktuellen Ausgabe 37 der LEIPZIGER ZEITUNG. An dieser Stelle zum Nachlesen auch für L-IZ.de-Leser. Dieses und weitere Themen finden sich in der aktuellen LZ-Ausgabe, welche neben den normalen Leipziger Presseshops hier im Szeneverkauf zu kaufen ist.

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