Ziemlich knapp hielt sich das Kulturdezernat, als es am 10. November „finanzielle und zeitliche Anpassungen“ für das Projekt „Zoo der Zukunft“ meldete. Eine überfällige Meldung. Das Projekt wird natürlich teurer. Das war schon 2012 absehbar, als der Stadtrat über die dritte Bauetappe für das Zoo-Projekt abstimmte und schon damals eine Streckung der Kosten nötig wurde.

„Im Rahmen der Evaluierung wurde eine zeitliche Streckung bis zum Jahr 2020 mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 56,5 Millionen Euro bestätigt“, heißt es jetzt – vier Jahre später – in der aktuellen Vorlage des Kulturdezernats. Denn die Streckung reicht nicht. Man hat die Baukosten 2012 schon völlig unterschätzt. Auch am Zoo gehen die Effekte des voll ausgelasteten Marktes an Baukapazitäten nicht vorüber.

„Deutliche Baukostensteigerungen, höhere Anforderungen an den Denkmal- und Brandschutz sowie wachsende Anforderungen an die Haltung von Wildtieren durch neue Erkenntnisse der Wissenschaft und Rahmenbedingungen wie dem Säugetiergutachten machen eine Anpassung der Finanzierung zwingend nötig. Nur so können wir sicherstellen, den eingeschlagenen Weg so konsequent wie in der Vergangenheit fortzusetzen und für Zoobewohner und Besucher gleichermaßen beste Bedingungen zu erreichen und zu gewährleisten“, erklärt Zoodirektor Prof. Jörg Junhold die Entwicklung des Projekts.

Was er nicht erwähnt: Das gesteigerte Interesse der Landestalsperrenverwaltung am Hochwasserschutz im Zoo hat ebenfalls für neue Kosten gesorgt, die bislang nirgendwo eingepreist sind. Der Zoo liegt ja idyllisch an der Parthe. Und ab und zu führt das kleine Flüsschen – wie 2011 und 2013 – auch mal Hochwasser. Das könnte durchaus einigen Anlagen im Zoo gefährlich werden, bestätigt der Zoodirektor. Eine akute Gefährdung gab es bislang nicht. Aber um eine Vorsorge gerade bei den Anlagen direkt an der Parthe käme man nicht umhin.

In der Vorlage heißt es deshalb auch: „Die Kostensteigerungen liegen im Wesentlichen in den gegenüber 2012 gestiegenen Baupreisen begründet. Neben angepassten rechtlichen und bautechnischen Rahmenbedingungen aufgrund von brand- und denkmalschutzrechtlichen Auflagen wurden auch die Verantwortlichkeit und Umsetzung des Hochwasserschutzes auf die Zoo Leipzig GmbH übertragen.“

Konkret zum Hochwasserschutz wird mitgeteilt: Die LTV wird keine Schutzanlagen im Zoo bauen. Das muss der Zoo nun selber tun: „Der Hochwasserschutz ist nach der derzeitigen Ausgangssituation im Rahmen der anstehenden Masterplanprojekte zu berücksichtigen. Bisher wurde davon ausgegangen, dass seitens des Zoos ein Objektschutz der neu zu errichtenden Gebäude ausgeführt wird und seitens des Freistaates Sachsen ein Hochwasserschutz (Schutzziel HQ 100) unmittelbar an der Parthe erfolgt. Gemäß aktuellem Sachstand wird der Hochwasserschutz an der Parthe seitens des Freistaates Sachsen nicht realisiert, so dass der Zoo Leipzig eigene Maßnahmen umsetzen muss, um die Sicherheit des Zoos zu gewährleisten.“

Heißt: Der Zoo muss 530 m Mauer von etwa 1 Meter Höhe selbst bauen. Kostenpunkt: 1 Million Euro.

Insgesamt verteuern sich die noch ausstehenden Projekte um rund 16 Millionen Euro. Allein die absehbare Steigerung der Baukosten hat daran einen Anteil von 8 Millionen Euro. Das in die Jahre gekommene Aquarium wird statt 4 über 6 Millionen Euro kosten, der Abschnitt „Feuerland“ (mit dem Unterwassertunnel) verteuert sich von 15,6 auf 19 Millionen Euro und die Asiatische Inselwelt wird statt 6,3 dann 8,3 Millionen Euro teuer.

Womit dann der 2012er Beschluss, die restlichen Teilschritte bis 2020 für 56 Millionen Euro hinzubekommen, hinfällig ist.

Gleichzeitig kann die Stadt nicht mehr Geld zur Verfügung stellen. Zumindest nicht im beschlossenen Zeitraum bis 2020. Mit der Verlängerung der Umsetzungsphase bis 2022 verschafft sich die Stadt den Spielraum, 2021/2022 noch einmal 8 Millionen Euro Investitionszuschüsse aufzubringen. Die restlichen 8 Millionen Euro soll der Zoo selbst erwirtschaften.

Offen sind jetzt tatsächlich nur noch die Abschnitte „Himalaya“ (4,4 Millionen Euro), das Aquarium (6,3 Millionen), Patagonien, Pampa, Pantatal (5,1 Millionen Euro), Feuerland (19 Millionen) und die Asiatische Inselwelt (8,3 Millionen). Weitere 4 Millionen sind für Infrastrukturmaßnahmen vorgesehen.

Und auch der Blick ins jüngere Baugeschehen zeigt, dass die emsigen Zoo-Planer doch nicht mit allen Unwägbarkeiten gerechnet haben: die alte Bärenburg war wesentlich maroder als gedacht, die historische Felswand, die man für den Himalaya nutzen wollte, ist längst mürbe, und dem großen Freiflug-Käfig ging es nicht besser – er muss komplett neu errichtet werden.

Sowohl Zoo als auch Stadt gehen davon aus, dass der Zoo mit den nun gestreckten Einzelbausteinen trotzdem attraktiv bleibt und weiter seine 1,6 Millionen Besucher im Jahr anlockt.

Die Vorlage des Kulturdezernats.

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