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Neues Stellplatzregime in Schleußig hat sich bewährt und soll ganz bestimmt nicht wieder abgeschafft werden

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    Für FreikäuferDie Idee ist eigentlich richtig herzerfrischend: Warum werden Autos in engen Wohngebieten nicht einfach konsequent im Einbahnstraßensystem geführt? Eine Fahrtrichtung, weniger Begegnungsärger und eine komplette Fahrspur wird frei, um dort Stellplätze einzurichten. Für das autogeplagte Schleußig wäre das doch die ideale Lösung, oder? Eigentlich nicht, fand die CDU-Fraktion. Sie hätte alles lieber wieder rückabgewickelt, beantragte sie.

    Und so begründete die Fraktion ihren Antrag im Stadtrat: „Nach wie vor ist für uns das geltende Einbahnstraßensystem in Schleußig nicht überzeugend. Die Regelungen sind logisch oft kaum nachvollziehbar und führen alltäglich zu langen Umwegen, die Zeit kosten und zusätzliche Emissionen verursachen. Vor allem für den Wirtschaftsverkehr, wie Handwerker, Lieferdienste und Pflegedienste, ist dies ein Problem. Besonders für die Brockhausstraße ist der Nutzen der Einbahnstraßenregelung nicht erkennbar. Aus unserer Sicht ist hier ein entschleunigter Zwei-Richtungs-Verkehr bei Erhalt des Parkplatzangebotes durchaus möglich und wünschenswert. Auch die Standorte der Fahrradbügel in den Kurvenbereichen der Fahrbahnen haben sich nicht bewährt. Immer wieder kommt es zu Kollisionen, mit entsprechenden Folgekosten. Durch das Versetzen der Bügel auf überbreite Gehwege können diese Probleme vermieden werden.“

    Diesmal freilich reagierte Leipzigs Verwaltung auf den Antrag nicht nur mit einem Alternativvorschlag. Dass man in Schleußig noch keinen Idealzustand erreicht hat, weiß man ja selbst. Aber die Rückkehr zu den alten Zuständen könne nicht wirklich die Lösung sein. Im Gegenteil: Das wäre wohl auch „nachteilig für die Stadt Leipzig“. Denn Schleußig gehört nicht nur den Autofahrern. Auch wenn dort gerade einige PS-starke Autofahrer meinen, ihnen gehöre der Ortsteil samt Rad- und Fußwegen.

    Dass man gerade in der Brockhausstraße durch die Einbahnstraßenregelung sogar eine Entspannung der Lage erreicht hat, will man sich jetzt nicht nehmen lassen.

    „Bedingt durch den hohen Parkdruck in Schleußig, insbesondere im Teilgebiet westlich der Könneritzstraße, sollten die zur Verfügung stehenden Stellplätze im öffentlichen Straßenraum durch Änderung der Stellplatzanordnung auf der Fahrbahn in Verbindung mit der Einführung eines Einbahnstraßensystems erhöht werden. Aufgrund des engen Fahrbahnquerschnitts in der Brockhausstraße wurde in diesem Straßenzug die bestehende Parkordnung mit beidseitigem Längsparken am Fahrbahnrand beibehalten und die Einbahnstraßenregelung für Kfz angeordnet. Der Radverkehr kann hier auch in Gegenrichtung geführt werden“, stellt das Dezernat Stadtentwicklung und Bau fest. „Die breiteren Querschnitte der die Brockhausstraße kreuzenden Anliegerstraßen ließen ein Schrägparken in Kombination mit Einbahnstraßen- und Radverkehrsführung im Zweirichtungsverkehr zu. Die abschnittsweise gewählte gegenläufige Einbahnstraßenregelung trägt zur Geschwindigkeitsdämpfung und damit zur Verkehrsberuhigung bei.“

    Ein Wort, das man in Leipzigs Autofahrerkreisen so gar nicht gern hört. Denn Verkehrsberuhigung erhöht ja vor allem die Sicherheit für Kinder, Fußgänger und Radfahrer. Das ist aber eher nicht die Klientel der CDU.

    Deren Antrag die für das Schleußiger Parkregime Verantwortlichen nur mit Kopfschütteln lesen konnten. Denn die Umsetzung würde bedeuten, dass es wieder weniger (STVO-gerechte) Stellplätze in Schleußig gibt.

    Mit den Worten der Verwaltungsvorlage: „Eine Überprüfung der Einbahnstraßenregelung ist aus Sicht der Stadtverwaltung lediglich in der Brockhausstraße sinnvoll, da sich in diesem Straßenzug die Parkordnung nicht geändert hat. In den übrigen betroffenen Straßenzügen wurde im Zuge der neu angeordneten Einbahnstraßenregelung die Parkordnung geändert. Eine Aufhebung der Einbahnstraßenregelung hätte zur Folge, dass die Parkordnung erneut überarbeitet werden müsste und infolgedessen die vorhandene Stellplatzanzahl reduziert würde.

    Und den Kopf hat man auch über die Vermutung der CDU-Fraktion geschüttelt, „das geltende Einbahnstraßensystem in Schleußig (sei) nicht überzeugend“. Denn seit dessen Einführung haben sich die Konflikte im Schleußiger Verkehr spürbar verringert. Das war doch eigentlich Sinn des Ganzen. Warum will die CDU das alles wieder rückgängig machen?

    Die Verwaltungsvorlage: „Im Zusammenhang mit der Einbahnstraßenregelung sind keine Verkehrssicherheitsprobleme bekannt. Im Hinblick auf die bestehende Verkehrsorganisation in Schleußig liegen aktuell keine Bürgerbeschwerden vor, so dass wir davon ausgehen können, dass sich das Einbahnstraßensystem bewährt hat.

    Die in den Kreuzungs- und Einmündungsbereichen der Brockhausstraße und den sie querenden Straßenzügen auf den markierten Sperrflächen eingebauten Fahrradbügel haben sich im Hinblick auf die damit verfolgte Zielstellung, das Parkverbot in den 5-Meter-Bereichen zu verdeutlichen, bewährt. Die Bügel erschweren sowohl das Befahren der Gehwege durch Kraftfahrzeuge als auch das widerrechtliche Parken vor und hinter den Kreuzungsbereichen.“

    Es sei nur daran erinnert, dass vorher nicht nur wie selbstverständlich auf Bürgersteigen geparkt, sondern eben auch gefahren wurde. Das ähnelte gerade in den Abendstunden einem regelrechten Wildwest-Parcours.

    „Die hier erzielte Einengung der Fahrbahn führt zu einer besseren Sicht auf die Knotenpunkte und zu kürzeren Wegen für querende Fußgänger. Mit Umsetzung der Maßnahme wurden zusätzliche Fahrradabstellmöglichkeiten, die aufgrund des Bedarfs im Wohngebiet sehr gut angenommen werden, geschaffen. Der hohen Nachfrage entsprechend können jedoch im Gehwegbereich der Brockhausstraße in Ergänzung der dort bereits vorhandenen Bügel geeignete Standorte für den Einbau weiterer Fahrradanlehnbügel geprüft werden“, gesteht die Verwaltung zu.

    Denn Fakt ist auch in Schleußig: Die Zukunft gehört dem Fahrrad.

    Und wie ist das mit den ramponierten Anlagen?

    „Um optisch sichtbar zu verdeutlichen, dass die in den Kurvenbereichen markierten Sperrflächen nicht befahren werden dürfen, sind diese durch Leitbaken gekennzeichnet. Diese Leitbaken werden beim Ein- und Ausparken der Kraftfahrzeuge, wie auch an anderen Stellen, häufiger an- und umgefahren und müssen neu gerichtet oder ersetzt werden. Unfälle zwischen Radfahrern bzw. den Radbügeln und Kraftfahrzeugen sind dagegen nicht bekannt.“

    Es ist also eher kein Vorschlag, der die CDU-Fraktion bestätigt. Denn in Schleußig hat die Stadt damit schon etwas erreicht, was in anderen Stadtquartieren (Waldstraßenviertel, Plagwitz, Gohlis …) noch aussteht. Man wird eines wuchernden Parkdrucks nicht Herr, wenn man nicht regelnd eingreift.

    Und so schlägt die Verwaltung dann auch etwas anderes vor, als die CDU für Schleußig beantragt hatte: „Die Stadtverwaltung wird beauftragt, die geltende Einbahnstraßenregelung in der Brockhausstraße im Hinblick auf die mit der Anordnung angestrebte Zielstellung und deren Wirksamkeit zu überprüfen. An Standorten mit hoher Nachfrage an Fahrradabstellanlagen sind ergänzend zu den vorhandenen Anlagen im Gehwegbereich der Brockhausstraße weitere Leipziger Bügel einzubauen. Geeignete Standorte mit hohem Parkdruck werden dazu vorgeschlagen. Dem Stadtrat wird dazu bis 31.08.2018 ein Prüfbericht vorgelegt.“

    Der CDU-Antrag.

    Der Verwaltungsstandpunkt.

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      1 KOMMENTAR

      1. „Die in den Kreuzungs- und Einmündungsbereichen der Brockhausstraße und den sie querenden Straßenzügen auf den markierten Sperrflächen eingebauten Fahrradbügel haben sich im Hinblick auf die damit verfolgte Zielstellung, das Parkverbot in den 5-Meter-Bereichen zu verdeutlichen, bewährt.“ – Tja, dann sollte das Ordnungsamt mal nach 19 Uhr durch die Straßen gehen und die Kreuzungsbereiche der Brockhausstraße begutachten. Da ist jeder Meter des besagten Fünf-Meter-Bereichs zugeparkt – das Verdeutlichen bringt nicht viel, wenn es geflissentlich ignoriert wird und ohne Konsequenzen bleibt. Und auch die noch zugänglichen Fußwege werden rege als Parkfläche genutzt. Aber um 19 Uhr macht das Ordnungsamt Feierabend und jeder kann tun und lassen, was er will. Man geht in der Verwaltung wohl davon aus, dass um 19 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden und sich niemand mehr nach draußen bewegt – im Folgeschluss wird also auch niemand gefährdet. 😉

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