Im Herbst startet das Liegenschaftsamt eine neue Vermarktungsoffensive für den Bowlingtreff

Für alle Leser Seit 21 Jahren ist er dicht. Seit zehn Jahren wurde ernsthaft darüber diskutiert, ihn irgendwie wieder für städtische Zwecke zu nutzen. Schon 2009 sollte der Bowlingtreff am Wilhelm-Leuschner-Platz irgendwie von irgendwem wieder saniert werden. Das Naturkundemuseum wollten 2012 einige Leute hier unterbringen und mussten dann feststellen, dass das unterirdische Gebäude mit seiner Feuchtigkeit für ein Museum völlig ungeeignet ist. Jetzt versucht es die Stadt erneut.

„Der ehemalige Bowlingtreff zieht eine hohe Aufmerksamkeit auf sich. Das Interesse potentieller Investoren am denkmalgeschützten Objekt ist spürbar vorhanden. Wir beabsichtigen deshalb, dem Stadtrat im Herbst dieses Jahres einen Vorschlag zur erneuten Ausschreibung des Gebäudes nach Nutzungskonzept zu unterbreiten“, kommentiert Matthias Kaufmann, Amtsleiter des Liegenschaftsamtes, den aktuellen Stand bei diesem Gebäude, das alle Leipziger vom Vorbeifahren kennen, einige der Älteren auch noch von amüsanten Bowlingabenden. „Aktuell werden die Kriterien der Konzeptveräußerung erarbeitet, welche bevorzugt im Wege eines Erbbaurechtes zum gutachterlich ermittelten Verkehrswert (Festpreis) erfolgen soll“, so Kaufmann weiter.

Die Südseite des Bowlingtreffs. Foto: Ralf Julke

Die Südseite des Bowlingtreffs. Foto: Ralf Julke

Das Problem ist natürlich, dass man es hier eigentlich mit einer Nachnutzung zu tun hat. Denn im Unterbau hat man es hier mit einem nicht mehr genutzten Straßenbahnstrom-Umspannwerk zu tun, das in drei Geschossen so tief reicht, dass die Grundwanne auch mitten im Grundwasser steht. Deswegen spielt die Feuchtproblematik in den Untergeschossen eine wesentliche Rolle, die bestimmte Nutzungen natürlich unmöglich macht.

1985 wurde diese von den LVB nicht mehr genutzte Anlage dann nach Plänen des Architekten Winfried Sziegoleit zu einem Bowlingtreff mit 14 unterirdischen Bowlingbahnen und 310 Gaststättenplätzen umgebaut. Für die Leipziger 1985 natürlich eine Sensation, denn dergleichen gab es vorher nirgendwo in der Stadt. Entsprechend lang waren dann auch die Vorbestellzeiten für die Bahnen. Dazu kam, dass das Gebäude neben dem Gewandhaus eines der wenigen markanten architektonischen Bauwerke aus dieser Zeit ist, auch daher etwas Seltenes.

Was aber die Suche nach einem Investor nicht leichter macht. Denn seit 2009 versuchte die Stadt einen solchen Nachnutzer zu finden.

Um der Sache jetzt einen Schub zu geben, hat man die ganze Anlage erst einmal komplett entrümpelt.

Fast 94 Tonnen Schrott und Sperrmüll wurden in den vergangenen Wochen vom Liegenschaftsamt aus dem seit 20 Jahren leerstehenden, durch Vandalismus stark beeinträchtigten Bowlingtreff am Wilhelm-Leuschner-Platz beseitigt. Der Gebäudekomplex mit seiner Nutzfläche von rund 4.300 Quadratmetern auf drei Untergeschossen und im zentralen Hochbau musste aufgrund seiner baulichen Gegebenheiten nahezu ausschließlich in Handarbeit beräumt werden.

Aber nun sind alle Geschossflächen blank geräumt. Mögliche Interessenten sehen also, was es hier zu kaufen gibt und was an baulichen Maßnahmen erforderlich ist, wenn sie wieder Leben in dieses Kleinod bringen wollen. Für den Herbst wird nun die Neuausschreibung vorbereitet. Nächster Versuch, für ein nicht einfaches Gebäude eine clevere neue Nutzungsidee zu finden.

Die Grundstücksveräußerung findet in einem konkurrierenden Auswahlverfahren statt, betont Kaufmann, wobei zwingende Mindestbedingungen einzuhalten sind. Handlungsspielräume der Interessenten gibt es bei der vorgesehenen Nutzungsart und deren jeweiligen Flächengrößen. Eine publikumswirksame und wirtschaftlich nachhaltige Nutzung soll die Zukunft des Bowlingtreffs sichern.

Der Stadtrat tagt: Was wird aus dem Bowlingtreff auf dem Leuschnerplatz? + Audio

Wilhelm-Leuschner-PlatzBowlingtreff
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