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Über Deiche, Eschen und Hochwasserfluten

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    Ab und zu liest auch „framo“ bei uns mit und schickt uns dann einen Leserbrief, der sich wie eine gut durchdachte Gegenposition zu dem liest, was wir gerade geschrieben haben. Etwa zum notwendigen anderen Umgang mit dem Auenwald. Motto: „Das ist ja alles schön und gut, aber…“ – Aber tatsächlich ist es jedes Mal ein hübsches Beispiel für selektives Lesen. Aber vielleicht ist das typisch für unsere Zeit. Versuch einer kurzen Einordnung.

    Der Leserbrief zum Artikel „Der Leipziger Auenwald muss eine neue Rolle in der Klimapolitik der Stadt Leipzig spielen“ selbst:

    Von: framo
    Betreff: Auenwald

    Inhalt Leserbrief:
    Das ist ja alles schön und gut, aber…

    Der Leipziger Auewald ist ein Schatz. Eine Hartholzaue im Stadtzentrum, wo gibt es das schon.

    1. Was würde eine Wiedervernässung auch bedeuten. Lesen wir einfach bei den Altvorderen nach. Im Sommerhalbjahr war die Aue nicht betretbar, wegen der Mückenplage. Eine Begründung für die Melioration in den 30ern. Im Zeichen der Klimaerwärmung sind Mückenarten eingewandert, die auch Malaria oder Denguefieber übertragen können. Wollen wir damit leben? Mitten im Stadtzentrum?
    2. Die Hauptbaumart des Leipziger Auewaldes ist die Esche. 45 % der Bäume sind Eschen. Ein aus Ostasien eingeschleppter Pilz führt in Europa zum Eschensterben. In GB und DK sind schon über 90 % der Eschen abgestorben. In der Leipziger Aue ist das Eschensterben im vollen Gange. Innerhalb 5-10 Jahren werden 40 % aller Bäume in der Aue absterben. Bilder wie im Bayerischen Wald. Mitten in der Stadt. Sie drohen das Naherholungsgebiet unnutzbar zu machen. Jederzeit können Äste herab- und Bäume umfallen. Da kann es mit dem Waldumbau eigentlich nicht schnell genug gehen. Sich dagegen zu stemmen zeugt, gelinde gesagt, von Unkenntnis.
    3. Die Hauptüberschwemmungsgefahrgebiete sind Gottseidank durch den neuen rechten Deich an der Luppe geschützt. Wollen die NABU-Leute stattdessen die Anwohner in Connewitz, Möckern, Wahren und Lützschena absaufen lassen? Wahrscheinlich, weil sie glauben, damit Gefahr für sich abwenden zu können? Es gibt bei den Behörden eine Karte, die die Überflutungsgebiete bei einem hundertjährigen Hochwasser zeigt. Es sind dies: Connewitz, die Südvorstadt bis zur Bebelstrasse, das Musikviertel, die Westvorstadt, das Waldstraßenviertel, Gohlis-Süd und auf der anderen Seite Schleußig, insbesondere der Südteil, und das Villenviertel in Leutzsch. Das sind die Gebiete mit den höchsten Wahlergebnissen für die Grünen in Leipzig. Woher diese Ahnungslosigkeit bei der NABU-Stammklientel?

    Zur Erinnerung: Beim letzten Hochwasser hat Leipzig gerettet, daß das Einflutbauwerk am Zwenkauer See zufälligerweise 1 Monat vorher fertig war und die Spitze der Elster ins Tagebaurestloch ablaufen konnte. Der Zwenkauer See ist aber jetzt voll…

    ***

    Und jetzt der Versuch, die drei Punkte einzusortieren.

    1. Niemand, auch kein Umweltverein in Leipzig fordert die Wiedervernässung der kompletten Aue. Schon gar nicht „mitten im Stadtzentrum“. Diskutiert (und in den Behörden auch geprüft) werden nur zwei Wiedervernässungsbereiche: in der Leipziger Nordwestaue südlich des Rosentalwehrs und im Bereich des südlichen Auenwaldes.

    Oder mal den Ökolöwen zitiert: „Seit Jahren fordert der Ökolöwe, dass der Leipziger Auwald wieder aktiv an die Flüsse angeschlossen wird und Deiche stellenweise rückgebaut werden.“

    Es geht also um „stellenweisen“ – aber auch gut durchdachten – Rückbau, um möglichst große Teile der Aue wieder an das natürliche Flusssystem anzuschließen und damit wieder zu einem artenreichen stabilen Lebensraum zu machen.

    1. Das Eschentriebsterben ist ganz bestimmt ein Thema, das Leipzigs Förster die nächsten Jahre beschäftigen wird. Ob dazu freilich der dänische Weg, auch die gesunden Eschen im Umfeld erkrankter Eschen zu fällen und zu verbrennen, der richtige ist, darf man wohl bezweifeln. Forstverwaltungen in Thüringen und Bayern melden, dass mindestens 5 bis 10 Prozent der beobachteten Eschenbestände Resistenzen gegen den aus Asien eingeschleppten Parasiten aufweisen.

    Es wäre also kein unlogischer Weg, auch die Leipziger Eschenbestände genauestens zu beobachten und den Erhalt und die Stärkung augenscheinlich resistenter Bestände zu befördern.

    Wie Bäume übrigens Resistenzen entwickeln, dazu dazu kann man hier einen Beitrag zu Informationen aus dem Leipziger Umweltforschungszentrum auf unsere Seite lesen.

    1. Dass der rechte Luppedeich die Ortsteile Wahren, Möckern und Lützschena schützt, ist ein Märchen. Alle drei Ortsteile liegen auf dem Hochufer der Weißen Elster. Von ihren Bewohnern einst klugerweise genau da hingebaut, damit sie nicht überschwemmt werden. Tatsächlich schützt der Deich nur die Elsteraue vor Überschwemmung – nebst einigen Einbauten wie Stromleitungen, Sportanlagen oder Kleingärten, die allesamt erst nach der Trockenlegung der Aue dort gebaut wurden. Dass sie da stehen, bringt auch das Umweltministerium ins Grübeln, weil es die Öffnung der Aue verhindert.

    Und zum Zwenkauer See: 2013 – kurz vor der Flut – wurde zum Glück das Einlassbauwerk am Zwenkauer See fertig und der See konnte 20 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen. Aber 2014 ging auch das zugehörige Auslassbauwerk in Betrieb. Die 20 Millionen Kubikmeter können also nach einem Hochwasserereignis (oder davor, um Platz zu schaffen) problemlos wieder in die Weiße Elster geleitet werden.

    Die zugehörige Nachricht dazu.

    Kleines Fazit: Für Panik gibt es überhaupt keinen Grund. Aber für eine fundierte Diskussion, wie Leipzig mit der Aue wirklich umgehen will und wie sie nachhaltig als artenreiches Schutzgebiet erhalten werden kann, schon. Im Grunde zeigt der Leserbrief ja, wie verworren die Leipziger Diskussion mittlerweile ist – oder wie festgefahren. Denn statt über das Mögliche zu diskutieren, werden immer wieder nur Gründe gesucht, warum etwas nicht möglich sein soll.

    Da bekommt man zwar einen dicken Knoten im Kopf. Aber auch ein allseits lähmendes Gefühl. So eins, das andere Leute in den deprimierten Satz packen: „Ich kann ja doch nichts ändern.“ Das liegt dann wie ein Bleideckel auf der ganzen Stadt und sorgt dann dafür, dass tatsächlich keiner mehr versucht, über die Dinge ein bisschen anders nachzudenken und zu fragen: Welche Spielräume haben wir eigentlich?

    Der Leipziger Auenwald muss eine neue Rolle in der Klimapolitik der Stadt Leipzig spielen

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    5 KOMMENTARE

    1. Werter Framo,

      1) Laut Literatur (ich suche gern die genauen Quellen heraus auf Anfrage) gab es hier in Leipzig in früheren Zeiten lediglich eine endemische Malaria in abgeschwächter Form, welche man heutzutage wahrscheinlich mit Leichtigkeit ärztlich behandeln könnte, so sie aufträte.

      Da wir momentan auch ohne einen gesunden, funktionierenden Auwald jede Menge stehende wie auch fließende Gewässer haben, haben wir übrigens auch derzeit je nach Wetter viele Mücken und auch die Anophelesmücke kommt meines Wissens jetzt schon hier in Leipzig vor. Genauer gesagt, war sie nie weg. Diese Art ist eben nicht an Auwälder gebunden und kommt wie jede Mücke überall vor, wo sich vor allem stehende Gewässer zum Eierlegen befinden. Dazu reicht ein Blumenuntersetzer oder eine Gießkanne, sogar mit Regen gefüllte Astlöcher sind ihr genug. Dazu reichen auch Pleiße- wie auch Elstermühlgraben. Oder auch der Schwanenteich. Oder der Cospudener See. Sprich, es gibt die Malariamücken auch ohne Auwald.

      Für den Malaria-Erreger ist die Umgebungstemperatur wichtig. Wenn Sie Angst vor der Malaria haben, sollten Sie mehr Angst haben vor dem Klimawandel, denn dieser macht das Einwandern infizierter Insekten nach Deutschland von aus Süden möglich, für Gebiete mit als auch ohne Auwälder. Aber selbst dies ist laut mancher Wissenschaftler unwahrscheinlich.

      Auch muss ich Ihnen sagen, dass der Aufenthalt in der Nähe von Flughäfen selbst jetzt schon potentiell gefährlich ist im Sinne der sogenannten Flughafenmalaria. Von hier aus könnte wohl ebenfalls eine Ausbreitung von Malaria erfolgen, so die Durchschnittstemperaturen noch mehr steigen. Aber wie geschrieben, die Wissenschaftler sagen, es wäre unwahrscheinlich.

      Sie fragen, ob die Entscheider für die Folgen gerade stehen werden. Nun, steht jemand für die Folgen des weltweiten Flugverkehrs gerade? Steht jemand für die Folgen des Klimawandels gerade? Deren Folgen sind ja dann doch weitaus gravierender.

      Und wer steht eigentlich dafür gerade, dass unser Wasser, sei es Trinkwasser, Grundwasser oder Oberflächenwasser immer mehr verschmutzt und verseucht wird?

      2) Zum Thema Esche. Ich denke, die Dramatik des Eschentriebsterben wird denkbar übertrieben. Ja, für einen Wirtschaftswald mag es gravierende Folgen haben, aber nicht für die Bäume, denn Sie selbst verweisen ja später auf Filme und Artikel, aus denen man erlesen kann, dass es durchaus auch resistente Eschen gibt sowie Eschen, die die Krankheit überwinden. Es ist eben eine Baumkrankheit, so wie es viele gibt. Prinzipiell ist es auch natürlich, dass es solche Krankheiten gibt in Waldbeständen, vielmehr wäre ein gesunder Wald in der Gesamtheit seiner Biozönse sogar bestens daran angepasst, wenn nicht sogar auf solche Vorkommnisse angewiesen, bieten doch genau solche Ereignisse dem Lebensraum die Möglichkeit, sich selbst zu verjüngen. Und dass dieses völlig normal ist, natürlich, kann man daran ersehen, dass es eben auch zahlreiche Arten gibt, die auf solche Flächen, wo es partiell in einem Wald zum Absterben von Bäumen kam durch ein Ereignis, auf solche Flächen evolutionär angepasst sind, ja, solche Flächen vielmehr sogar brauchen zum Überleben.

      Daher muss ich Ihnen nun etwas sagen, was Sie möglicherweise zutiefst erschüttern wird, aber: es ist völlig normal, dass in einem gesunden Wald (Wald im Sinne von funktionierender Lebensgemeinschaft, keine wirtschaftliche Holzplantage) irgendwo Zweige und/oder Äste abbrechen. Zwischen Nord- und Südpol werden Sie mit als auch ohne Eschentriebsterben solches in einem gesunden Wald-Ökosystem immer wieder erleben können. Es kommt dazu durch Schneelasten (Schneebruch), durch Sturm (Windbruch), durch Trockenheit (Sommerbruch), Blitzschlag, Pilzkrankheiten, Befall durch Insekten usw. Manche Bäume überstehen solche Ereignisse durchaus, manche nicht. Auf jeden Fall sind solche Vorgänge völlig natürlich.

      Soweit ich weiß ist dies auch dem Bundesgerichtshof bekannt, welcher 2012 Recht gesprochen hat diesbezüglich. Demnach muss man als Spaziergänger in jedem Wald in Deutschland abseits der öffentlichen Straßen und Wegen damit rechnen, dass ein Ast von einem Baum abbricht. Der Waldbesitzer haftet nicht dafür. Ausnahme sind meines Wissens offizielle Straßen, Wege und Plätze.

      Daher muss es auch keine Betretungsverbote irgendwo geben, wenn es danach ginge, müsste man alle Wälder in ganz Deutschland komplett sperren, da das Herabfallen von Ästen überall zu den typischen Gefahren in einem Wald gehört. Auch unabhängig vom Eschentriebsterben, woanders ist es dann eben der Borkenkäfer, das Ulmensterben oder auch einfach das Alter eines Baums. Oder ein Blitzeinschlag zur falschen Zeit.

      Übrigens sind viele Bereiche im Auwald sowieso NSG, wo man die Bereiche abseits offizieller Wege nicht zu betreten hat. Haben wir früher in Heimatkunde gehabt, aber angesichts sovieler Leute, wie hier querfeldein durchs Naturschutzgebiet laufen, scheint sowas nicht mehr in der Schule gelehrt zu werden seit mehreren Jahren.

      Ich denke auch nicht, dass man sich nun permanent im Wald unter Lebensgefahr befindet, wenn man nicht gerade dicke Kopfhörer auf hat, wird man in der Regel durchaus das Abbrechen des Asts durch vorheriges Knacken und Ächzen hören und schnell zur Seite treten können.

      3) Bei Stahmeln gäbe es bspw. durchaus mehrere bebaute Stellen, welche man ggf. durch einen Deich schützen sollte, da haben Sie schon recht. Allerdings sollte man dann eben aber auch solche Siedlungsbereiche direkt schützen durch die Deiche und nicht die Deiche zwei Kilometer weit weg in den Wald bauen.

      Zu den Kleingärten: ich würde jedem empfehlen, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass der Garten, wenn er direkt an Elster oder Pleiße liegt, jederzeit überflutet werden kann, mit wie auch ohne renaturierten Auwald. Denn solche Überflutungen sind in der aktuell bestehenden Situation sogar wahrscheinlicher. Denn aktuell bleibt Wasser im Falle des Hochwassers in den Flutrinnen und eingedeichten Flüssen, um schnell aus Leipzig heraus geleitet zu werden. Es liegt in der Vergänglichkeit menschlicher Bauwerke, dass jederzeit irgendwo ein Deich aufgrund der Wassermassen brechen kann und dann unkontrolliert bspw. Kleingärten flutet. Wäre der Auwald an die Fließgewässer angebunden, würde das Wasser dort im Hochwasserfall hinein fließen und versickern, aber dies haben wir Menschen ja durch Deiche unmöglich gemacht. Wenn sich das Klima, wie von manchen prognostiziert, so ändert, dass es mehr Wetterextreme gäbe, würde ich mit meinem Garten lieber woanders hin ziehen, auch wenn es mir schwer fiele. Es sind eben Gebiete, die nicht wirklich für dauerhafte Benutzung und Besiedlung geeignet sind, maximal funktioniert dies in Trockenzeiten oder wenn man großräumig zeitweilig wegen Tagebauten das Grundwasser derart massiv abgepumpt hat, dass auch der Grundwasserspiegel großräumig fiel. Aber diese Zeiten sind vorbei, da bleibt es nicht aus, dass man sich auf die neuen Gegebenheiten einstellen sollte. Oder man kriegt eben irgendwann nasse Füsse.

    2. Als Grundlage für eine Versachlichung der Diskussion des dramatischen Eschensterbens 2 youtube-Filme.
      Über das Problem in den Auen des Oberrheingrabens: „Ein Förster kämpft gegen das Eschensterben“ Dort ist die Aue heute schon so, wie sie nach Wiedervernässung hierzulande aussehen könnte.
      Etwas länger, aber die aufwändigen Bemühungen der Österreicher für den Erhalt der Baumart Esche: „Die Esche – eine Baumart in Not“

    3. Kurze Anmerkung zum „betreuten Lesen“. Nein, das ist es weiß Gott nicht. Nur ist es – wie auch die Kritik, Hinweise usw. an eine Zeitung/einen Artikel ernstzunehmen, umgekehrt vonnöten, dass auch der schreibende Leser es verträgt, dass es auch andere Argumente als die seinen gibt.

      Hinzu kommt folgender Umstand: Leider lesen viele (aus Zeitgründen, Interesse usw.) nachvollziehbarerweise kaum eine (teils seit Jahren) durchlaufende Berichterstattung um komplexe Themen wie zum Beispiel das Auwaldbiotop Leipzig fortlaufend oder vollständig rückwärts.

      Demnach sollte es einer Redaktion schon gestattet sein, auf bereits Bekanntes, Beschriebenes usw. bei einem Leserbrief hinzuweisen. Der Zugewinn im Gesamtverständnis schlägt meiner Meinung deutlich das Gefühl/den Eindruck, man würde einen Leser bevormunden.

      LG M.F.

      PS.: Nur eine Sache in der Sache: Ein Recht, an oder gar in einem auf Überflutung angewiesenen Naturschutzgebiet seinen Kleingarten oder Haus zu errichten und auf ewige Bestandsgarantien zu setzen, gibt es ebenfalls nicht. Vielleicht auch mal ein Anlass, sich zu fragen, wie es immer wieder sein kann, dass Eigentumsrecht (individuell & geschaffen) über Naturrecht (ewig da und universell für alle) gestellt wird.

      Deshalb auch mal zum Grundverständnis. Ein Naturschutzgebiet ist zuerst ein Naturschutzgebiet und nicht zuerst ein „Naherholungsgebiet“.

    4. Endlich wird gesprochen und diskutiert. Fein! Es geht nicht „nur“ um Kompromiss, es geht um Güterabwägung: wie wollen wir leben, mückenfrei (wo keine Mücken/Insekten, da auch bald keine Vögel mehr) und risikoarm (was immer auch heißt, lebensarm, den Lebendigsein birgt immer auch Risiken in sich) oder lebendig im Rahmen der Möglichkeiten und Potentiale, die direkt zu unseren Füßen liegen und den Lebenswert Leipzigs extrem erhöhen würden. Kleingärten könnte man ggf. auch umsiedeln. Aber selbst ohne solche Maßnahmen ist reichlich Renaturierungspotential vorhanden sowohl nordwestlich als auch südlich der Stadt.
      Zum Eschentriebsterben: echte Resistenzen entstehen nicht durch Klonen in Baumplantagen! Im Gegenteil: wenn der Pilz sich wandelt (und das können solche sehr gut), sind auf einen Schlag alle geklonten Bäume nicht mehr in der Lage, darauf zu reagieren. Die Natur hat überlebt, weil sie sich selbst helfen kann. Dazu muss mensch sie lediglich resistenten Nach-Wuchs aussäen und dann wachsen lassen. Anstatt hysterisch alles kurz und klein zu schlagen oder hybrid lieber Gott zu spielen und vielen Forschern Thema wissenschaftlicher Publikation und Meriten zu sein. Die Natur braucht zwei Dinge: Ruhe und Zeit. Sie ist viele viele Jahre ohne uns Menschen gut zurecht gekommen. Und wird das auch ohne uns wieder tun. Inzwischen können wir überlegen, ob wir ein lästiger Fliegenschiss der Evolution oder wirklich Teil der Schöpfung sein wollen, was nur geht, wenn wir sie erhalten. Auch die Mücken (wegen der Vögel).
      Empfehlung für alle: das Internationale Leipziger Auenökologiesymposium von NuKLA im September: die, die es uns schon wunderbar vorgemacht haben (München mit der Isar z.B.) können uns die Bilder in den Kopf bringen, die Lust machen, dass auch Leipzigs Fließgewässer wieder lebendige werden.

    5. Liebe Lizzy, liebe Leser,

      vielen Dank für die Veröffentlichung. Aber warum „betreutes Lesen“? Lassen wir doch die Leser sich selbst ein Urteil bilden.
      1. Zur Mückenfrage kam ja keine Replik. Da seht Ihr also auch, daß da was dran ist, dran sein könnte. Es ist eine Entscheidung von Menschen, ob und wie eine Veränderung mit dieser Folge angegangen werden soll. Dann sollen diese Entscheider auch für die Folgen (gerade)stehen.
      2. Das Eschenproblem ist ein Gesamteuropäisches. Ein sehenswerter Beitrag auf waldwissen.at. In ganz Österreich werden möglicherweise resistente Eschen gesammelt und in speziellen Baumschulen vermehrt. Ziel ist, mit den resistenten Bäumen die Bestände in den Flußauen und den Alpentälern nach dem Absterben der Altbestände wieder aufzubauen. Der massive Verlust an genetischer Diversität bei der Esche wird auch dort gesehen. Ein Überleben von 5-10% der Bäume in den Altbeständen ist sehr optimistisch. Selbst wenn es dazu kommt bedeutet das, daß 90% der Eschen, teilweise jahrhunderte alte Bäume, eingehen. Die kann man als Totholz stehen lassen wie im Bayerischen Wald. Der Bunte Eschenbastkäfer macht ein ähnliches Fraßbild wie der Fichtenborkenkäfer. Die Baumleichen sehen also ähnlich aus. Mit dem Unterschied, daß der Hallimasch die Wurzeln komplett zersetzt und die Totstämme umfallen. Einfach so, oder bei Wind, Was natürlich eine Gefahr für den Waldspaziergänger bedeutet. Wer A (keine Abholzung von Eschen im Auewald) sagt, muß dann auch B (großflächige Betretungsverbote) sagen. Die Stadt Schkeuditz hat beispielsweise alle Bänke im Wald abgebaut. Das Haftungsrisiko ist zu hoch, wenn ein Ast/Baum umfällt.
      3. Der rechte Luppedeich ist vom Rosenthal bis an die Landesgrenze neu gebaut worden. Er schützt große Gebiete. unter anderem Gohlis-Süd (vom Zoo bis zur Schwimmhalle Mitte), das Gebiet um den Auensee in Wahren, das Unterdorf in Stahmeln und den Schloßbereich in Lützschena.
      Weshalb das Eigentum von tausenden Kleingärtnern in diesem Bereich nicht schützenswert sein soll? Hat der NABU oder die Stadtverwaltung mit den Leuten zu diesem Thema geredet?
      Man muß ja nicht immer einer Meinung sein. Die beste Lösung gibt es nicht. Es gibt immer mehrere Lösungen. Suchen wir im Konsens die beste. Mit allen Beteiligten. Das ist Demokratie.

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