Linksfraktion beantragt einen Erinnerungsort für die dunkle Geschichte der Heilanstalt Dösen

Für alle LeserAm 13. März teilte das Leipziger Planungsdezernat mit, dass auf dem Gelände des ehemaligen Parkkrankenhauses Dösen der Bau eines Wohngebietes mit einem geänderten Flächennutzungsplan vorangetrieben wird. Auf dem14 Hektar großen Gelände soll jetzt vor allem Wohnbebauung entstehen. Aber da fehlt doch noch was, findet die Linksfraktion im Leipziger Stadtrat. Etwas ganz Wichtiges.

Denn in die Schlagzeilen kam das einstige Gelände ja vor allem aufgrund eines ganz finsteren Kapitels.

„1901 wurde die ‚Heilanstalt Dösen‘ als Klinik zur Behandlung psychisch Kranker und Behinderter eröffnet. Ihren negativen Höhepunkt fand die Einrichtung im Nationalsozialismus. Im Oktober 1940 wurde im Rahmen der nationalsozialistischen Kindereuthanasieverbrechen eine kinderpsychiatrische Abteilung neu gegründet. In dieser ‚Kinderfachabteilung‘ wurden zwischen November 1940 und 7. Dezember 1943 624 Kinder und Jugendliche im Rahmen der nationalsozialistischen Kindereuthanasie getötet“, schreibt die Linksfraktion nun in ihrem Änderungsantrag zum Bebauungsplan.

Eine Erinnerungsschwelle an die getöteten Kinder gibt es schon direkt vor dem Gelände. Aber Dösen war ein zu zentraler Ort für das „Euthanasie“-Programm. Die Linksfraktion: „Zudem wurden in den Jahren 1934 bis 1939 604 Patient/-innen zwangssterilisiert und 1941 860 behinderte Menschen ‚verlegt‘ und schlussendlich im Rahmen der ‚Aktion T4‘ in Pirna-Sonnenstein ermordet. An diese dunkle Seite der Geschichte des Geländes sollte gerade in der Gegenwart weiter aktiv erinnert werden.“

Aber gerade diesen wichtigsten Erinnerungsaspekt haben die Stadträte der Linken in der Vorlage nicht gefunden.

Also beantragen sie: „Der Oberbürgermeister wird beauftragt, in einem Gebäude – vorzugsweise in der ehemaligen Kinderklinik (Baufenster C1) oder im ehemaligen Verwaltungsgebäude (Baufenster B19) – eine Nutzung im Sinne der 120-jährigen Geschichte zu finden, wo auch Platz für Erinnerung an die Historie des Gebäudekomplexes, insbesondere in der Zeit des Nationalsozialismus, gefunden werden kann.“

Zusätzlich beantragt die Fraktion aber auch einen Ort, wo Kultur für den neuen Stadtteil passieren kann: „Der Oberbürgermeister wird beauftragt, im weiteren B-Planverfahren eine soziokulturelle Nutzung – vorzugsweise in der ehemaligen Kirche (Baufenster A9) – zu prüfen.“

Das mit der Kirche erklärt der Antrag noch etwas genauer: „Eine soziokulturelle Nutzung der Kirche ist möglich und sinnvoll, da es seit ihrer Entweihung auch in der Vergangenheit schon kulturelle Nutzungen gab.“

Die neuen Pläne für die „Parkstadt Dösen“ sollen im April in den Stadtrat

EuthanasieParkstadt Dösen
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