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Der Leipziger Auenwald braucht endlich professionelle Naturparkranger

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    „Schutzgebiet ohne Schutz“, überschrieben wir am 14. Juni einen Beitrag zum jüngsten Stadtratsantrag von Marcus Weiss (Die PARTEI), in dem er eindringlich forderte, die Stadt solle endlich etwas gegen die wilden Trampelpfade, Jogger- und Mountainbike-Strecken im Leipziger Auwald unternehmen. Nun warnen auch die Grünen, dass der Auenwald so, wie derzeit damit umgegangen wird, vor die Hunde geht.

    Marcus Weiss hatte in seinem Antrag einen auf den ersten Blick unauffälligen Satz stehen: „Die Maßnahmen sollen ausdrücklich vor der Erarbeitung eines Auenentwicklungskonzeptes für die Südliche Aue erfolgen, da akuter Handlungsbedarf besteht, die Ausweisung als Naturschutzgebiet bereits erfolgt ist und die damit verbundenen Gebote und Verbote unstrittig sind.“

    Denn obwohl wir es hier immer wieder erwähnen, spielt diese Tatsache bislang in der Auwald-Politik der Leipziger Verwaltung keine Rolle. Dort scheint man nicht einmal gemerkt zu haben, wie das eigentliche Thema völlig aus dem Blick geraten ist – werden wirtschaftsnahe WTNK- und Forstwirtschaftsprogramme aufgelegt, die sich aber beide in einem derart streng geschützte Waldgebiet völlig verbieten. Der Schutzstatus des Natura-2000-Gebietes darf in keiner seiner Funktionen beeinträchtigt werden.

    Aber nicht nur Leipzigs Verwaltung betrachtet das Schutzgebiet nach wie vor als einen zu bewirtschaftenden Stadtwald. Es ist ein sächsisches Problem, das sich bis in die Abteilung Sachsenforst der Staatsregierung fortsetzt. Und ins geltende Waldgesetz, das Waldbesitzer sogar regelrecht verpflichtet, Forstwirtschaftspläne aufzulegen und den Wald zu bewirtschaften.

    Eine Denkweise, die sich selbst in der jüngsten Pressemitteilung der IG BAU Nord-West-Sachsen spiegelt, die mitten im mittlerweile sogenannten Waldsterben 2.0 fordert, mehr Forstleute einzustellen.

    „Auch wenn zuletzt mehr Regen fiel als in den Vorjahren, bleibt die Lage für die Bäume dramatisch. Neben den besonders anfälligen Monokulturen aus Fichten und Kiefern trifft es mittlerweile sogar die Buche“, begründet Bernd Günther, Bezirksvorsitzender der IG BAU Nord-West-Sachsen, die Forderung. Diese seit Jahrtausenden in Deutschland heimische Art leide zunehmend unter ausgetrockneten Böden und Pilzbefall. Um die Wälder für den Klimawandel zu wappnen, müssten zusätzliche Mischwälder angelegt und resistente Baumarten angepflanzt werden.

    „Das aber ist eine Mammutaufgabe, für die es viel mehr Förster und Forstwirte braucht als bislang. Betriebe sollten deshalb auch mehr ausbilden und Azubis übernehmen“, betonte der Gewerkschafter. Aktuell würden viele vom Staatsbetrieb Sachsenforst sehr gut ausgebildete Forstwirt-Azubis nach ihrer Ausbildung nicht übernommen – obwohl das Durchschnittsalter der sächsischen Forstwirte bei aktuell etwa 55 Jahren liege. „Damit droht ein großer Erfahrungs- und Wissensverlust.“

    Wie falsch dieses Denken über den umzubauenden Wald ist, macht im Grunde ein Erschrecken bei den Leipziger Grünen deutlich.

    Illegale Feuerstelle im Volkspark Kleinzschocher. Foto: Jürgen Kasek
    Illegale Feuerstelle im Volkspark Kleinzschocher. Foto: Jürgen Kasek

    Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen Leipzig schlägt Alarm wegen des Zustandes des Waldes und vieler Parks in Leipzig. An vielen Stellen zeigen sich deutliche Übernutzungserscheinungen, die auf Dauer den ökologischen Zustand schädigen können. Neben ungenehmigten Mountainbikestrecken im Landschaftsschutzgebiet, so unter anderem am Wolfswinkel und im Volkspark Kleinzschocher, nehmen Feuerstellen, Müllablagerungen und Trampelpfade zu. Hinzu kommen illegale Partys wie am Wochenende.

    „Es fehlt offensichtlich an vielen Stellen an Bewusstsein für die Natur“, meint Jürgen Kasek, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion. „Auf der Wiese im Volkspark Kleinzschocher gibt es zum Teil direkt am Waldrand sechs Lagerfeuerstellen, hinzu kommt eine Mountainbikestrecke, für die sogar Bäume markiert und im Landschaftsschutzgebiet Unterholz geschlagen wurde. Hundebesitzer lassen ihre Hunde im Naturschutzgebiet frei laufen und stören die Tiere.

    Auch entlang der Pleiße in der Nähe des Wildparkes gibt es eine Vielzahl von Trampelpfaden direkt durch den Wald. Wenn wir nicht aufpassen gibt es bald keine Natur mehr, die wir schützen können. Offensichtlich nehmen viele Menschen die Bedeutung eines Landschaftsschutzgebietes nicht mehr wahr und gehen sehr achtlos mit der Natur um. Wir müssen hier zu einem Umdenken kommen.“

    Die Schäden durch den hohen Nutzungsdruck machen aber auch deutlich, dass es Handlungsbedarf gibt, so Kasek. Die illegalen Partys und Mountainbikestrecken machen deutlich, dass es ein Bedürfnis dafür gibt.

    „Die Stadt sollte daher Plätze ausweisen, an denen Veranstaltungen stattfinden können und zusammen mit Vereinen legale Mountainbikestrecken dort schaffen, wo sich der Schaden für die Umwelt in Grenzen hält“, betont Kasek. „Wenn es einerseits Angebote zur Erholung gibt, können andererseits auch Verstöße in den besonders schutzwürdigen Teilen des Waldes deutlicher unterbunden werden. Dazu braucht es auch mehr Hinweisschilder und mehr Personal beim Stadtordnungsdienst, vor allen Dingen aber ein Umdenken in der Bevölkerung.“

    Die Fraktion kündigte für Herbst ein Antragspaket an, mit dem diese Zielstellung verwirklicht werden soll.

    Hoffentlich geschützt durch die Eule. Foto: Ralf Julke
    Hoffentlich geschützt durch die Eule. Foto: Ralf Julke

    Wenn die Grünen ihren Vorstoß ernst meinen, nehmen sie natürlich den Antrag von Marcus Weiss mit auf. Und sie beantragen einen Philosophiewechsel in der zuständigen Waldbehörde. Denn eines wird immer deutlicher: Die Abteilung Stadtforsten ist schon von der Struktur her nicht geeignet, die Leipziger Naturschutzgebiete zu schützen. Sie unterhält keine Bildungs- und Kommunikationsabteilung, betreut auch nicht die Naturschutzstation und schon gar nicht ist sie am Wochenende im Gelände unterwegs, um Verstöße gegen den Schutzgebietsstatus zu ahnden. So wie auch den meisten Leipzigern nicht bewusst ist, was da eigentlich geschützt werden muss, warum es so wertvoll ist und warum man es in Ruhe lassen muss, wenn man es nicht zerstören will.

    Leipzig hätte schon vor Jahren umschwenken müssen und eigene Naturparkranger einstellen müssen, auch wenn das Leipziger Auensystem vom Gesetz her kein Naturpark ist. Von der Ausdehnung und Bedeutung her ist es schon lange eins und setzt sich ja bekanntlich westlich der Leipziger Stadtgrenze auf Schkeuditzer Flur fort.

    Nur merkt der Wanderer oder Radfahrer davon nichts. Die paar verbliebenen Schilder, die auf den Schutzstatus hinweisen, sind meist zugewachsen oder von Moos bedeckt. Hinweistafeln an zentralen Plätzen und Kreuzungen fehlen. Die Tafeln zum Waldumbau in der Nonne und im Rosental sind eher irreführend als klar in ihrer Botschaft.

    Und falsch liegt die IG BAU natürlich auch mit ihrer Forderung nach noch mehr Waldumbau. Der mag in den Nadelbaum-Monokulturen, die nicht ins Tiefland gehören, Sinn machen. Wobei die sowieso in den nächsten Jahren unter Hitze und Dürre so leiden werden, dass sie der Borkenkäfer schneller absterben lässt als alle Fällkolonnen nachrücken können. Welche Baumbestände aber wirklich am besten mit dem dramatischen Klimawandel umgehen können, das erfahren selbst die Wissenschaftler erst, wenn sie den Prozess forschend begleiten.

    Gerade die noch relativ gesunden Laub- und Mischwälder brauchen eher Schonung als noch mehr Waldumbau. Und sie brauchen gut ausgebildete Wächter, die sie schützen und die auch den Waldbesuchern klarmachen, warum dieser Schutz so wichtig ist.

    Marcus Weiss beantragt endlich ein städtisches Handeln gegen Trampelpfade und Mountainbike-Strecken im Auenwald

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    4 KOMMENTARE

    1. Lieber Christoph, danke für die Ausführungen. Ja, es hat etwas mehr geregnet – vielleicht wegen der 2 monatigen Pause im CO2-Ausstoß.
      Und: Die Bäume, die derzeit gepflanzt werden (sollen) kommen an gar kein grundwasser mehr ran, sie stammen aus Plantagenaufzucht und haben gar keine Pfahlwurzeln mehr. Weniger Regen, weniger Grundwasser + Bäume, die keine Chance haben, an Grundwasser zu kommen. Diese Problem meint man zu lösen, indem standortuntypische, auswärtige Baumsorten gepflant werden – dafür bekam eine Försterin gerade einen Preis. Sich aggressiv vermehrende Baumarten (Scwarznuss z.B.) werden massenhaft gesetzt und vertreiben die langsamer wachsenden einheimischen Arten und verändern damit die hiesigen Ökosystem/Lebensräume. Leider ist systemisches Denken nicht Teil des Lehrplanes bei Forstingenieuren – und in Physik haben sie vielleicht nicht aufgepasst: man kann nicht an irgendeiner x-beliebigen Variablen herumdrehen, wie an einer Schraube in einem hochkomplexen Werk, ohne das Ganze in seiner feinabgestimmten Funktion zu gefährden.
      Das fehlende Wasser in der Aue ist auch so ein Beispiel. Anstatt für Wasser zu sorgen, damit es wieder auenähnliche Hydrologie gibt, schrauben die Förster am Baumbestand und „verjüngen“ völlig naturfern, künstlich (mit künstlich vorgewachsenen Setzlingen auf künstlich hergestellten, großen kahlen Flächen) die Eiche auf eine Art, die es den dann wachsenden Bäumen unmöglich macht, an die von Ihnen genannten Grundwasserschichten zu gelangen – macht dafür Eichennaturverjüngung kaputt.
      Hauptsache, man macht was und wird ordentlich dafür bezahlt.

    2. Waldbeauftragte sind ungemein wichtig. Damit wir aber überhaupt noch einen Auwald in absehbarer Zeit haben, muss der Auwald wieder vernässt werden. Das wird noch viel Überzeugungsarbeit kosten.
      Der Klimawandel erfordert zudem eine neue Boden- und Wassernutzung :
      – Bodenerhalt durch Humusanreicherung,
      – für Trockenzeiten Wasserrückhaltung in der Fläche,
      – Wiedervernässung der Leipziger Auwälder

      Im Jahr 2020 regnet es anscheinend endlich wieder einmal ein bisschen mehr, werden sich die meisten Mitmenschen denken, die sich mit dem Thema Wasser eher weniger beschäftigen. Also wieder „normale“ Verhältnisse? „Es ist ein typischer mitteleuropäischer Sommer“, meint Jacqueline Kernn vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Ein Sommer also, wie wir ihn in den letzten Jahren eher selten hatten.“
      Mit dem Klimawandel alles nur Panikmache. Die wollen nur, dass der Verbrauch von Wasser teurer wird. Leider weit gefehlt.
      Es ist immer noch zu trocken in Deutschland, denn der Regen, der nach den sehr niederschlagsarmen Monaten Januar, März und April in den letzten Wochen gefallen ist, in manchen Regionen sogar recht ergiebig, hat bei Weitem nicht ausgereicht, um auch die tiefen Bodenschichten wieder mit Wasser aufzufüllen.

      In Mitteldeutschland regnet es leider immer noch weniger als in anderen Gebieten Ost-deutschlands. Warum?
      Durch den Klimawandel und den damit geänderten Jetstream (um die Nordhalbkugel laufendes Windband so ähnlich wie der Passatwindgürtel) hat sich die Hauptwindrichtung von West/Nordwest auf Südwest/West geändert. Dadurch hat Mitteldeutschland beim Regenaufkommen gravierende Nachteile. Denn die aus Westen kommenden Regenwolken regnen sich über dem Harz ab und für die Gebiete hinter dem Harz bleibt kaum noch Regen übrig. Das Gleiche bei Regen aus südwestlicher Richtung. Der Regen bleibt im Thüringer Wald hängen und hierher kommt kaum noch etwas an, da auch die Regenmengen der Tiefdruckgebiete insgesamt geringer werden.Das sieht in Brandenburg oder Meck/Pom schon anders aus, da es dort anhaltender regnet.
      Nur für die Bodenoberfläche, den Oberboden, gesehen regnete es bisher in 2020 immer wieder einmal, – und manchmal auch fast in Mengen des Monatsdurchschnittes. Aber das Regenwasser gelangt nicht bis in die tieferen Bodenschichten. Nur die obere Bodenschicht, die Humusschicht, wird im Winter und bei mäßigen Niederschlägen im Sommer durchfeuchtet. Dadurch können Gräser, Getreide, Feldfrüchte und Büsche einigermaßen gedeihen. Der Regen von zB. 10 mm pro Niederschlagsgebiet sickert etwa bis 10 cm tief ein. Darunter bleibt es trocken. Die heutigen Niederschlagsmengen liegen in Mitteldeutschland meistens nur bei um die 10 mm ! Eher weniger. Schon 20 mm je Ereignis sind viel. Und wenn es sich um Starkniederschläge handelt, sickert wenig Wasser in den Boden sondern das Wasser läuft oberflächig durch die hohe Bodenverdichtung und Versiegelung mit Beton-, Asphaltflächen oder Gebäudebestand schnell ab.

      Die tiefer liegenden Bodenschichten sind und bleiben ohne lang anhaltenden Regen weitaus zu trocken. Wieso?
      Die Jahre 2018 und 2019 waren mit bis 41°C viel zu warm und wegen der zu geringen Niederschläge sehr trocken. Wegen der fehlenden Niederschläge trocknete der Boden bis in die Tiefe von 1-4 m stark aus bzw. bis zum Grundwasserhorizont fehlte das Sickerwasser. In den Wintermonaten lag kein Schnee und es regnete zu wenig, so dass auch kein Wasser nach sickern konnte. Die tieferen Bodenschichten sind also seit Jahren zu trocken. Zudem kommt noch, dass wir Menschen zum großen Anteil aus den Grundwasserschichten unser Trinkwasser und das Wasser zum bewässern entnehmen. Durch diese Grundwasserentnahme senken wir noch zusätzlich den Grundwasserspiegel ab, so dass die Bäume nicht mehr mit den Wurzeln bis zu den Grundwasserleitern reichen.

      Diese Grundwasserabsenkungen haben gravierende Auswirkungen auf unseren Baumbestand. Warum
      Gerade in diesen Bodenschichten zwischen 1-10 m haben die Bäume ihre Wurzeln. Im Allgemeinen wird gesagt, dass das Wurzelwerk der Bäume etwa so umfangreich ist wie die Baumkrone, nur das es unter der Erde liegt. Also liegen die Wurzeln der Bäume im Bereich der ausgetrockneten Bodenschichten. Da kein Wasser über Jahre nachsickert, wird der tiefere Boden immer trockener und die Bäume haben Trockenstreß. Sie können nicht mehr ausreichend Wasser fördern und zur Verdunstung in die Blätter transportieren. Die Bäume werden anfälliger gegen Krankheiten, Pilzbefall, Baumschädlinge, Teile sterben ab oder brechen schneller ab.
      Die tiefwurzelnden Bäume werden durch das fehlende Wasser geschwächt und sterben bei weiter anhaltender Trockenheit in den nächsten Jahren großflächig ab. Davon betroffen sind in den Höhenlagen teilweise auch schon die Laubwälder mit Buchen, Linden, Eichen, Eschen, Erlen, Ahorn, Wildkirsche, Kastanie usw, also unser normaler Waldbestand. Im Leipziger Auwald haben wir noch etwas Glück, aber durch die Ablaufkanäle Neue Luppe und Nahle wird der Auwald zunehmend un dimmer tiefer entwässert. Hier ist dringend eine Abänderung erforderlich, siehe seit Jahren bei der Stadt schlummerndes Projet der Wiedervernässung.
      Die Flachwurzler sterben schon jetzt nach 2-3 trockenen Jahren ab – zu sehen bei den Kiefern, Fichten und Birken.
      Zu dieser Trockenheit kommt dann beim Nadelholz noch der Befall durch den Borkenkäfer, der die restlichen Bäume zum absterben bringt.
      Immer größere Waldbestände müssen deshalb in den nächsten Jahren abgeholzt werden. Es sollen dann eher Laubbäume nachgepflanzt werden. Aber auch das ist nicht so einfach. Es müssen an Trockenzeiten hier heimische und angepasste Bäume, trockenheits-resistente Bäume gesetzt werden sowie möglichst früchtebildente Bäume wie Esskastanie, Zeder, Baumhasel, Platane, Vogelkirsche, Douglasie, Robinie, Elsbeere oder Walnuß.
      Bei Neuanpflanzungen für Wälder müssen die Abstände zwischen den Bäumen vergrößert werden, damit diese mehr Feuchtigkeit durch die Niederschläge erhalten, durch mehr Blattwerk mehr verdunsten und CO2 binden und durch das Blattwerk mehr zur Humusbildung beitragen können. In den landwirtschaftlichen Flächen müssen weitaus mehr Windschutzstreifen und baumbestandene Feldraine wieder geschaffen werden.
      Ein Teil der neuen Bäumchen müssen dazu erst einmal in Baumschulen aufgezogen werden und auf den frei gewordenen Flächen anwachsen. Das Anwachsen bei fehlender Feuchtigkeit wie in den letzten Jahren führt zu hohen Ausfällen. Bewässern kann man den Waldbestand leider nicht.
      Zum Anwachsen brauchen die Pflanzen mindestens 5-20 Jahre, je nach Standort und Bodenbeschaffenheit. Diese Zeit müssen sie erst einmal überstehen, dh. heute, 2020 gesetzte Bäume benötigen zum Anwachsen, zum stabilisieren, die Zeit bis 2040!. Und erst danach, so ca. ab 2050 werden diese Bäume CO2 wirksam, also binden wieder mehr CO2 und setzen in normalen Jahren größere Mengen Sauerstoff frei. Zu berücksichtigen ist aber, das in heißeren und trockeneren Jahren die Bäume schneller die Spaltöffnungen der Blätter schließen, so dass die Verdunstung und das Wachstum stark verringert werden, also auch kaum Wachstum besteht.

      Durch die ausbleibenden Niederschläge wird nur die obere Bodenschicht angefeuchtet und das Sickerwasser bleibt aus. Damit wird auch kein Grundwasser neu gebildet. Grundwasser reichert sich in Tiefen ab 5-10 m über den dichteren Bodenschichten bis in größere Tiefen an. Dorthin gelangen dann keine Baumwurzeln mehr. Und so tief müssen erst einmal die ausreichenden Mengen Regenwasser von der Oberfläche gelangen. Da muss es schon recht lange und ergiebig den Winter durch regnen!
      In den Flussauen haben wir in Mitteldeutschland noch das Glück, dass hier unterirdische Schotter liegen aus den letzten Eiszeiten vom Erzgebirge nach Norden verlaufend. Davon profitieren teilweise die Auenwälder in und um Leipzig. Aus diesen Schottern wird auch ein Teil unseres Trinkwassers bei Torgau gewonnen.
      Aus dem Erzgebirge sickert Grundwasser in den alten Flussbetten (heute Elbe und Weiße Elster) unterirdisch nach Norden. Damit füllen sich die Restlöcher der Braunkohletagebaue in Mitteldeutschland wieder schneller mit Wasser auf. Das funktioniert schon in der Lausitz nicht so gut.

    3. Ja, das Problem ist bekannt, seit Jahren! Und es wird höchste Zeit, dass die VerteterInnen der EigentümerInnen des Leipziger Auwaldes, der BürgerInnen nämlich (der Auwald gehört mitnichten der Stadtverwaltung!), endlich aktiv werden, bevor es zu spät ist und verwaltungsbeauftragte Marketingfirmen (für viel Geld) unseren Auwald zu Markte tragen und verramschen – zusammen mit den Förstern (auch die für viel Geld, das die Steuerzahlenden zur Verfügung stellen und das derzeit, wegen der Holzwirtschaftspause nach NuKLAS-KLage mit p.a. ca. 1,6 Mill. Euro „übrig“ wäre z.B. für Auwaldranger).
      Hier konsequent einen Paradigmenwechseln einzuleiten, dessen Dringlichkeit gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, betrifft auch und besonders das Wassertouristische Nutzungskonzept, bei dem es um bereits jetzt an den Grenzen des (auch für die Nutzer) Erträglichen die kleinen Leipziger Fließgewässer (und damit die des Auwaldes, die der eigentlich für eine hydrologische Dynamik dringend benötigt) bootsgängig und so „in Wert gesetzt“ also noch intensiver vermarktet werden sollen.
      Das alles hat weder etwas mit einer immer wieder von der Stadtspitze mit Bildchen beworbenen „Lebenswerten Stadt“, noch mit Klimaschutz, Förderung oder zumindest Schutz von Biodiversität oder der inflationär aufgerufenen Nachhaltigkeit zu tun. Es ist absolut kurzfristiges und in hohem Maße eigennütziges Denken (oft genug gepaart mit hoher krimineller Energie, den entsprechenden Verbindungen und unter vollkommener Abwesenheit von Gewissen, Respekt oder Verantwortungsübernahme), das Blinken von Dollarzeichen aus Massenhaftvermarktung in den Köpfen derer, die an dieser Ausbeutung der Natur verdienen und eine völlige Verkennung dessen, worum es unserer Generation und den Verantwortlichen jetzt gehen müsste – sofern wir/sie weiter als bis zu unserem Sargdeckel und vorherigem Kontostand zu denken bereit und in der Lage wären.

      Fridays (und die Anderen) for future hätten die Themen in Leipzig direkt vor ihrer Haustür liegen, für die sie sich einsetzen könnten. Allerdings werden Kärtchen an den OBM dafür nicht ausreichen.

      Wenn wirklich etwas geschehen soll, dann geht das nur, wenn sich alle diejenigen, die etwas hinterlassen wollen, wofür es sich zu leben gelohnt hat, zusammenschließen (statt sich wegen Marginalien auseinanderdividieren zu lassen, von denen, die schon immer wussten, wie gut „teile und herrsche“ funktioniert). Vielleicht ist ja die Kritische Masse langsam erreicht.
      Es könnte ein heißer Herbst werden.

    4. Das Problem besteht doch schon seit Jahren. Und es ist auch bekannt bei der Stadt – seit Jahren. Die Stadt scheint das alles nicht zu interessieren. Die Stadt will Natur „in Wert setzen“, also finanziell ausschlachten. Man macht übrigens gerade auch wieder Werbung, damit der Nutzungsdruck auch noch möglichst zunimmt von außen:

      „LTM will Familien und junge Leute für Reisen nach Leipzig begeistern

      Kongresse fallen aus, Geschäftsreisen werden abgesagt: Das spüren die Hoteliers. Leipzigs Tourismusvermarkter hat nun eine Kampagne gestartet, mehr Familien und Individualreisende nach Leipzig zu holen.

      Eine junge Frau wird mit ihren beiden Kindern über die Weiße Elster gerudert. Das ist ein Motiv, das derzeit in vielen Zeitungen und Broschüren zu finden ist. ‚Leipzig. Wo das Abenteuer in der Stadt beginnt‘ ist die Kampagne überschrieben, mit der die Leipzig Tourismus und Marketing (LTM) GmbH Leipzig und die Region als ideales Urlaubsziel bewirbt. Freizeit, Wasser, Natur und Spaß für die ganze Familie werden da in den Fokus gerückt.“

      Quelle: LVZ vom 28.07.20

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