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Zufahrten für den Löhrsteg werden jetzt fußgänger- und radfahrerfreundlich ausgebaut

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    Im Zusammenspiel zwischen Stadtrat und Verwaltung hat sich in den letzten Jahren so einiges verändert. Immer öfter nutzen die Stadtratsfraktionen die Möglichkeit, wichtige Stadtentwicklungsthemen noch nachträglich in Verwaltungsvorlagen zu drücken, die sie vorher nicht enthielten. So geschah es im Juni mit der Vorlage zur Sanierung einer Stützwand an der Parthe. Wo aber blieb da der nächste Schritt, das Nachdenken über Fußgänger und Radfahrer? Der steckt jetzt in der neuen Vorlage.

    Denn das Reparieren einer 100 Jahre alten Stützmauer ist das eine. Aber auch in der Nordvorstadt sind immer mehr Menschen zu Fuß und mit dem Fahrrad unterwegs Richtung Löhr’s Carré oder weiter zur Innenstadt. Viele versuchen hier den beengten Verhältnissen in der Pfaffendorfer Straße auszuweichen. Was wieder nicht unproblematisch ist, weil die Brücke über die Parthe – der Löhrsteg – an der Stelle für fließenden und barrierefreien Radverkehr nicht ausgelegt ist.

    Wie man die Planung an dieser Stelle angepasst hat, schildert das Baudezernat in seiner neuen Vorlage so: „Die wichtige Verbindungsfunktion des Löhrstegs für Fuß- und Radverkehr wurde in der Planung besser herausgearbeitet. Die Parthestraße hat im Bestand drei definierte Querungsstellen, so gibt es einen abgesenkten Bord direkt vor dem Ausgang der Brücke für den Radverkehr und links und rechts davon für den Fußverkehr, damit dieser den Gehweg im rechten Winkel auf der anderen Straßenseite erreichen kann.

    Diese Querungsstellen werden nach Abschluss der Baumaßnahme wieder an selber Stelle hergestellt. Darüber hinaus wird die bestehende Grenzmarkierung sowie die Sperrfläche durch eine Gehwegvorstreckung baulich gefasst.

    Der Fußverkehr musste im Bestand und nach bisheriger Planung über 18 m bzw. 25 m die Fahrbahn queren. Diese Situation wird durch die Gehwegvorstreckung erheblich verbessert. Die Trassierung und Gradiente wurden daher aus Gründen der Verkehrssicherheit entsprechend angepasst. Ziel ist es, das durchlaufende Gehwegband entlang des Partheufers einheitlich in den historischen Materialien und mit der Neuanpflanzung der Baumreihe wiederherzustellen und für die Gehwegnase entsprechende einheitliche Oberflächengestaltung zu wählen, um damit die funktionale Anbindung an den vorhandenen Gehweg und die Laufrichtung vom/zum Löhrsteg mitaufzunehmen.“

    Dadurch vergrößert sich das Baufeld (auch durch einen besseren Ausbau des Uferweges), es braucht mehr Belag vom Kleinpflaster bis zur Gehwegplatte. Und es braucht eine größere Baustellenabsicherung. Aber das sind nur einige Gründe für die jetzt anfallende Kostensteigerung, denn die Maßnahme verteuert sich jetzt von 720.000 auf 900.000 Euro.

    Der Hauptgrund aber ist, dass sich die Zahl der bewerbenden Baufirmen deutlich verringert hat und sich damit auch die Angebote für das Bauvorhaben verteuert haben. Zeit bedeutet im engen Leipziger Baumarkt tatsächlich Geld.

    Aber verhindern ließe sich das, indem die Vorlagen der Stadt rechtzeitig auch auf diese ganz simplen Ansprüche für barrierefreie Mobilität geprüft würden. Das ist ja alles längst beschlossen und gehört auch zum Arbeitsprogramm der Verwaltung. Aber: Es ist nicht gelernt.

    Irgendwie ist Leipzig bei diesem Thema noch ganz am Anfang, werden der Radverkehrs- und der Fußverkehrsbeauftagte noch ein wenig als exotische Gäste in der Planungsabteilung betrachtet und nicht als wichtige Sachwalter für die Mobilitätsbelange der schwächeren Verkehrsteilnehmer.

    Wobei das Wort „schwächere“ ja doppelt sarkastisch ist. Denn nur weil sie nicht in einem hochmotorisierten Straßenkreuzer sitzen, sind sie ja nicht unbedingt schwächer. Oft sind sie sogar wesentlich agiler als die Autofahrer. Und: Fortbewegung auf den eigenen Füßen oder mit dem Fahrrad ist keine Schwäche.

    Auch dieses falsche Bild dominiert immer noch die Verkehrspolitik, als wären schon diese beiden Verkehrsarten Handicaps, die irgendwie heilungsbedürftig sind, obwohl das Gegenteil der Fall ist: Die gesunden und umweltfreundlichen Verkehrsarten wurden mit jahrzehntelanger Übermotorisierung an den Rand gedrängt und marginalisiert. Und sie stehen – wie an der Parthenstraße – immer wieder vor Straßenbauten, die für Motorfahrzeuge ausgelegt sind, Fußgänger/-innen und Radfahrer/-innen aber eher als unregulierten Wildwuchs erscheinen lassen.

    Der vom Stadtrat geforderte Umbau dieses Partheübergangs macht an der Stelle sichtbar, dass auch die sogenannten Schwächeren ein Recht auf gut ausgebaute Verkehrsstrukturen haben. Je mehr es davon gibt, umso deutlicher wird Leipzig auch wieder eine Stadt des umweltfreundlichen Verkehrs.

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