In dieser Woche beginnen die Bauarbeiten zur Öffnung des Deichs am Ratsholz

Für alle LeserDie Bauzäune stehen, Stoppschilder untersagen das Betreten der Baustelle. In dieser Woche beginnt ein Projekt am Ratsholzdeich im Leipziger Süden, das zukunftsweisend ist. Zum ersten Mal wird ein Deich geöffnet, damit künftig auch kleinere Hochwasser ins Ratsholz im südlichen Leipziger Auenwald gelangen können. Im April hatte die Landesdirektion Sachsen das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen. Die Landestalsperrenverwaltung hat Baurecht und kann jetzt loslegen.
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Konkret heißt das Vorhaben „Weiße Elster Leipzig, Deich Elsterhochflutbett rechts, Deich Elsterflutbett rechts (Ratsholzdeich)“. Auf den ersten Blick sieht es nicht groß aus. Aber jetzt wird der Ratsholzdeich erstmals mit einem neuen Durchlass etwa 500 Meter nördlich, also stromabwärts der Brückenstraße (S 46 ) geöffnet. „Die befestigte Deichkrone bleibt somit erhalten, auch wenn die Stadt Leipzig diesen Weg nicht widmen und übernehmen möchte“, teilt uns das Umweltministerium auf Nachfrage mit.

Die Stadt Leipzig tut sich mit sämtlichen Wegen, die Richtung südliches Neuseeland führen, seltsam schwer. Der Weg auf dem westlichen Deich am Elsterflutbett ist auch drei Jahre nach Sanierungsbeschluss nicht saniert. Die Neue Linie, die Richtung Equipagenweg führt, wurde in einen Schlemmsandbuckel verwandelt, der das Ausweichen von entgegenkommenden Radfahrern kreuzgefährlich macht. Und der Weg auf dem östlichen Deich am Elsterflutbett hat sich im Lauf der Jahre genauso wie der auf dem westlichen Deich in eine Schotterpiste verwandelt. Wäre er saniert, könnte er eine interessante Alternative zur Neuen Linie sein.

Aber irgendjemand in Leipzigs Verwaltung hat beschlossen, dass er nicht will.

Der Durchlass selbst wird nicht allzu breit. Er wird lediglich 2,15 Meter breit. Aber bei kleineren Hochwassern muss er nicht extra geöffnet werden. Das Wasser kommt dann von allein in den Auenwald.

„Ab Hochwasserereignissen der Größe, wie sie statistisch gesehen einmal in 25 Jahren auftreten“, bestätigt uns das Umweltministerium. Das heißt: Etwas öfter als zu den „Jahrhunderthochwassern“, wie wir sie 2011 und 2013 erlebt haben. Zumindest, wenn es noch entsprechend starke Niederschläge gibt. „Wobei solche Ereignisse, wie in den vergangenen Jahren 2011 und 2013 erlebt, real auch zeitlich kurz hintereinander eintreten können“, so das SMEKUL.

Und welche Teile der Elster-Pleiße-Aue dann kurzzeitig überschwemmt werden, wurde auch simuliert: „Die planmäßigen Auswirkungen wurden hydraulisch modelliert und in Intensitätskarten als Bestandteil des Planfeststellungsantrages sowie -beschlusses dargestellt. Die Überschwemmungen erfolgen demnach im Überschwemmungs-, Auwald- und Naturschutzgebiet ,Leipziger Ratsholz‘ zwischen den Gewässern Elsterhochflutbett, Elsterflutbett und Pleiße sowie Floßgraben und Paußnitz“

Nicht gefährdet sind durch das Projekt die sensiblen Bauanlagen im südlichen Auenwald, teilte die Staatsregierung schon im April mit: „Bis zu einem Hochwasserereignis, wie es sich statistisch alle 150 Jahre ereignet, gewährleistet das Vorhaben den Hochwasserschutz für die östlich der Deichlinie gelegenen hochwertigen Schutzgüter. Dazu zählen die Eisenbahnlinie, die Kläranlage, die Staatsstraße sowie die Siedlungsbereiche in Leipzig und Markkleeberg. Darüber hinaus schafft das Vorhaben die Voraussetzungen für die naturschutzfachlich wünschenswerten Überflutungen des Leipziger Ratsholzes in Bereichen, in denen keine schutzbedürftige Infrastruktur vorhanden ist.“

Und einen Ausgleich für die Baustelle gibt es auch: „Zur vollständigen Kompensation des Eingriffs wird ein naturferner Grabenabschnitt im Elsterhochflutbett auf einer Länge von 120 Metern naturnah umgestaltet. Dieser wird mit Uferböschungen und Grabentaschen versehen, vorhandene Röhrichtpflanzen werden gesichert.“

Diese dauerhafte Deichöffnung bedeutet aber auch, dass das seit 1993 praktizierte Pilotprojekt der Flutung des südlichen Auenwaldes durch das Paußnitzsiel beendet wird. Das Ministerium teilt dazu mit: „Die Landestalsperrenverwaltung unterstützt die seit 1993 praktizierten experimentellen Flutungen des südlichen Leipziger Auwaldes durch Verschluss des Oberen Paußnitzsiels, damit das Wasser der Paußnitz nicht in Richtung Elsterflutbett abströmt, sondern den Auwald durchströmt. Dieses nicht mehr benötigte Siel möchte die Landestalsperrenverwaltung dauerhaft verschließen und hat auch dazu mit dem Planfeststellungsbeschluss der LDS vom 23.09.2019 die Genehmigung erhalten.“

Der Durchlass soll im Januar 2021 fertig sein. Der Rückbau des Oberen Paußnitzsiels soll möglichst bis Ende 2022 und der Rückbau der Drossel am Unteren Paußnitzsiel soll bis zum Sommer 2021 erfolgen, so das SMEKUL. Die Kosten für den Bau des Deichdurchlasses betragen 350.000 Euro. Die Gesamtmaßnahme wird mit 550.000 Euro beziffert.

Und auch am Status des Deiches selbst ändert sich etwas: Der rechte Deich am Elsterflutbett ist gemäß Planfeststellungsbeschluss vom 23. September 2019 ab ca. 900 m nördlich, also stromabwärts der Brückenstraße (S 46) auf einer Länge von 1.584 Meter keine öffentliche Hochwasserschutzanlage im Sinne des Sächs. Wassergesetzes (§ 78 Abs. 1 SächsWG) mehr.

Erstmals wird ein Deich am südlichen Leipziger Auwald entwidmet und durchlässiger gemacht

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