Eigentlich sollte die zukünftige Bebauung des Wilhelm-Leuschner-Platzes in der Ratsversammlung am 7. Oktober debattiert und beschlossen werden. Doch eine lange Latte an Änderungsanträgen ließ schon ahnen, dass die Diskussion um diesen Platz heftig werden würde. Jetzt soll die Verwaltungsvorlage am 11. November diskutiert werden. Und auch die SPD-Fraktion attestiert den städtischen Planern hier ein Denken von vorgestern und fordert die Schaffung erlebbarer Grünflächen.

Die SPD-Stadtratsfraktion fordert in einer Neufassung ihres Änderungsantrages zum Bebauungsplan Wilhelm-Leuschner-Platz die Schaffung erlebbarer Grünflächen mit einem Bewegungs- und Gesundheitspark sowie einem integrativen Spielplatz. Damit bleibe der Wilhelm-Leuschner-Platz den Namen „Sportstadt“ und „Grüne Stadt“ Leipzig treu. Die Integration eines Spielplatzes erhöhe die Aufenthaltsattraktivität des Parks, so die Fraktion zu ihrem Änderungsantrag.

Oder besser: in der Neufassung ihres Antrags. Denn je mehr Details zu den Plänen auf dem Areal östlich des Wilhelm-Leuschner-Platzes bekannt werden, umso deutlicher wird, dass hier noch immer so geplant und gedacht wird wie im ausgehenden 20. Jahrhundert: dicht bebaut, ohne wirkliche Aufenthaltsqualität und schon gar nicht für den Aufenthalt von Familien mit Kindern.

„Das Areal soll so entwickelt sein, dass es generations-, milieuübergreifend, barrierefrei rund um die Uhr sicher durch alle Leipziger genutzt werden kann. Das wäre ein einmaliges Angebot deutschlandweit – ergänzt und wertet die Innenstadt so auf – dient als Schnittstelle für Handel (Markt, Brühl, Hauptbahnhof, Petersstr.) Gastronomie/Tourismus, dichte Wohnbebauung, Kultur (Oper, Gewandhaus, Theater, Museen, Bibliothek), die Stadtverwaltung, Kitas, Schulen, Universität/Hochschulen, Kirchen, Sicherheit (Polizei, Feuerwehr), usw.“, erklärt Prof. Dr. Getu Abraham, stadtentwicklungs- und umweltpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, den Änderungsantrag der SPD-Fraktion zur Verwaltungsvorlage.

Und selbst der Wettbewerb zum Freiheits- und Einheitsdenkmal war der SPD-Fraktion eine Anregung. „Mit Rückblick auf den Denkmalswettbewerb gab es den Entwurf des Herbstgartens, der eine größere Grünfläche auf dem Areal vorsah. Dieser Entwurf könnte zumindest in Teilen als Impuls genutzt werden.“

Die Neufassung des SPD-Änderungsantrags.

Aber da ist auch noch das vom NABU Leipzig immer wieder vorgebrachte Thema des Artenverlustes und der zunehmenden Belastung durch die Klimaerwärmung, das in den bisherigen Plänen nicht wirklich berücksichtigt wurde.

„Mehr Grün in den Innenstädten ist insbesondere auch vor dem Hintergrund des Klimawandels ein besonders aktuelles Thema. Die Bebauung auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz bietet die Möglichkeit, hier neue Konzepte auszuprobieren und die Innenstadt durch vertikales Grün besser an die sich wandelnden klimatischen Bedingungen anzupassen“, betont Christopher Zenker, SPD-Fraktionsvorsitzender.

„Beispiele für solche Arten der Stadtbegrünung gibt es in Singapore, wo grüne Hochhäuser bereits Realität sind, oder auch in Mailand, denn mit ihren Bosco Verticale ist die Stadt Vorreiter beim vertikalen Wald.“

The Bosco Verticale in spring, Marco Sala, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons
The Bosco Verticale in spring, Marco Sala, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Und ganz so neu sei das Thema Begrünung ja nicht, so Zenker. „Wir hatten bereits im Zuge der Diskussion um die Leitlinien für die Weiterführung des Aufstellungsverfahrens Ende 2015 beantragt, den Punkt Stadtökologie/Klima der Leitlinien um den Punkt Sky Farming/vertikaler Wald/Begrünung von Fassaden zu ergänzen. Leider haben wir damals dafür keine Mehrheit bekommen.

Wir hoffen jedoch dass mindestens die Grünen von ihrer ablehnenden Haltung inzwischen abgerückt sind und unser erneuter Vorstoß damit diesmal eine Mehrheit findet. Die Themen Kampf gegen den Klimawandel und Biodiversität gewinnen immer mehr an Bedeutung, auch und gerade in Großstädten, wollen wir mit dem neuen Anlauf den Versuch unternehmen, Ersatz für die künftigen versiegelten Flächen direkt auf dem Leuschner-Platz zu finden.“

Und irgendwie wurde auch nicht wirklich an die Bedürfnisse der Radfahrer gedacht und die simple Tatsache, dass Leipzig zu einer Radfahrerstadt werden muss, wenn es seine eigenen Klimaziele ernst nimmt. An Tiefgaragen denken die Planer immer, an Radabstellanlagen nicht.

„Damit die vom Stadtrat beschlossene Stärkung des Radverkehrs weiter umgesetzt wird, soll im Rahmen des weiteren Bebauungsplanverfahrens geklärt werden, wie und wo zusätzliche Fahrradstellplätze geschaffen werden können, dabei ist flächensparend auch eine Fahrradgarage ein vorstellbarer Weg“, ergänzt Christopher Zenker deshalb.

Ratsversammlung am 7. Oktober: Ein Stapel von Änderungsanträgen zu den Plänen für den Wilhelm-Leuschner-Platz

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30 Jahre deutsch-deutsche Parallelwelt: Höchste Zeit, die betonierten Vorurteile zu demontieren

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