Wer langsam fährt, kommt auch ans Ziel. Das haben die Straßenbahnfahrer/-innen der LVB in der Georg-Schumann-Straße lange genug geübt. Erst im März wurde eine besonders nervende Langsamfahrstelle in der Georg-Schumann-Straße beseitigt. In einem Straßenabschnitt, der sowieso seit Jahren für den Komplettumbau vorgesehen war. Dieser Umbau soll jetzt 2024 kommen. Dafür aber müssen die Vorplanungen erst einmal vom Stadtrat beschlossen werden.

„Die Georg-Schumann-Straße zwischen Böhmestraße und Delitzscher Straße soll grüner und ÖPNV-freundlicher werden“, kündigen Stadt und LVB an.

„Im Zuge der anstehenden Sanierung sollen 57 neue Bäume gepflanzt und die Straßenbahn streckenweise auf ein separates Rasen-Gleis gelegt werden. Für diese Variante hat sich jetzt die Dienstberatung des Oberbürgermeisters auf Vorschlag von Baubürgermeister Thomas Dienberg in Abstimmung mit den Leipziger Verkehrsbetrieben entschieden.“

Die beiden Varianten, die nach Bürgerbeteiligung und reger Variantendiskussion noch übrig blieben, werden in der jetzt vorgelegten Beschlussvorlage für die Vorplanung noch einmal ausführlich diskutiert. Die Vorzugsvariante wird mit 6,1 Millionen Euro zwar ein bisschen teurer als die zweitplatzierte Variante mit 5,8 Millionen Euro.

Aber die vergangenen heißen Tage dürften mit dazu beigetragen haben, die Entscheidung für eben diese Variante zu beschleunigen, die statt 20 immerhin 57 Straßenbäume vorsieht, die es in diesem Abschnitt der Georg-Schumann-Straße überhaupt noch nicht gibt. Wie wertvoll Bäume bei der Kühlung des Straßenraumes sind, muss wohl mittlerweile niemandem mehr erklärt werden.

Auch ein Stück grüner Gleiskörper

Die zwei Hauptvarianten der Vorplanung unterscheiden sich auch hinsichtlich der Ausbildung des separaten Bahnkörpers – komplett für beide Gleise oder halbseitig nur für ein Gleis – und die damit verbundenen Auswirkungen auf den Seitenraum.

Die neue Haltestelle, die in Höhe Ehrensteinstraße entstehen soll, soll als sogenannte Kap-Haltestelle bis zum Fahrbahnrand mit angehobener Radfahrbahn gebaut werden. Mit einem wechselnden gemeinsamen Fahrstreifen von Straßenbahn und Kfz-Verkehr biete der aktuelle Vorschlag nicht nur ausreichend Platz für neue Bäume, sondern auch für 46 Stellflächen sowie eine Andienungsfläche, betont die Stadt.

Zusätzlich wurde je eine Andienungsfläche in den Einmündungsbereichen Ehrensteinstraße/Mechlerstraße eingeordnet.

Auch ohne vollständige Separierung der Gleise soll in der Vorzugsvariante per Ampelsteuerung eine behinderungsfreie Fahrt des ÖPNV gewährleistet werden, merkt die Stadt an. Hinsichtlich der erwarteten Verbesserung der Luftqualität und insbesondere des Mikroklimas sei vor allem die Pflanzung der neuen Bäume von wesentlicher Bedeutung.

Die Klimawirkung der Vorzugsvariante werde um das Dreifache größer als bei der Alternativ-Variante mit nur 20 neuen Bäumen eingeschätzt. Vom Bestand ganz zu schweigen: aktuell ist der Straßenabschnitt noch kahl.

Bestandteil der Planung ist auch die Errichtung einer Ampel am Knotenpunkt Georg-Schumann-Straße/Ehrensteinstraße/Mechlerstraße und einer Fußgängerampel in Höhe der Bleichertstraße, wodurch gesicherte Querungsmöglichkeiten – insbesondere für Fußgänger und Radfahrer – geschaffen werden.

Der Empfehlung ging eine intensive Beteiligung von Anwohnern, Gewerbetreibenden und Interessenverbänden voraus. So frühzeitig, dass man fast schon wieder vergessen hat, wie lange das Projekt schon auf dem Messtisch lag.

Hinweise aus einem Workshop im Frühjahr 2018 und aus einer digitalen Bürgerinformationsveranstaltung im November 2020 flossen in die Vorplanung so weit wie möglich mit ein, betont die Stadtverwaltung. Über den Verwaltungsvorschlag wird die Ratsversammlung voraussichtlich nach der Sommerpause entscheiden.

Erstmals deutlich in die Bewertung eingeflossen sind diesmal „Klimawirkung/Lärmaktion-/Luftreinhalteplan“ und „Nachhaltigkeitsszenario erfüllt“. In beiden Kategorien schnitt die Vorzugsvariante deutlich besser ab. Nach den aktuellen Kalkulationen wären die LVB beim Umbau der Straße mit 3,6 Millionen Euro dabei, die Stadt für den Straßenbau mit 2,5 Millionen Euro.

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