Es ist ein Dauerproblem in der Dresdner Straße – seit drei Jahren, seit sechs Jahren, eigentlich noch länger: Autofahrer fahren dort vor der Sparkassen-Filiale „nur mal kurz“ rechts ran, um Geld abzuheben. Und Ihr Fahrzeug behindert und gefährdet dann die Radfahrer, deren Radfahrstreifen seit 2022 eigentlich durch sogenannte Leitboys geschützt sein sollte. Aber gegen die Bequemlichkeit der Kraftfahrzeugführer helfen sie augenscheinlich überhaupt nicht. Mit einer Einwohneranfrage brachte Kurt Hinkefuß das Thema am 25. März einmal mehr in den Stadtrat.

Er ist Radfahrer und muss fast jedes Mal, wenn er diese Stelle in der Dresdner Straße passiert, dort geparkten Autos ausweichen.

„In der Dresdner Str. 53–55 gibt es eine Sparkasse. Davor auf der Straße gibt es einen Radfahrstreifen (Zeichen 237) sowie eine Sperrfläche (Zeichen 298). Auf beidem ist das Halten und Parken von PKW verboten, gerade auch, um Radfahrende nicht zu gefährden. Genau dies passiert jedoch regelmäßig, zumindest jedoch fast immer, wenn ich dort entlangkomme, und das ist fast täglich zu verschiedenen Uhrzeiten“, schrieb er in seiner Einwohneranfrage.

„Oft treffe ich die Menschen, die die PKW dort abstellen, auch persönlich, in der Sparkasse. Dort seien sie ‚nur mal kurz …‘ Die Radfahrenden, zum Teil auch Kinder, draußen müssen diesem PKW ausweichen, sich in den fließenden MIV einordnen und sich dabei häufig gefährden.

Die ‚Leitboys‘/‚Sichtzeichen‘, die als Maßnahme dagegen auf der durchgehenden Linie des Radfahrstreifens aufgestellt sind, werden ignoriert und plattgefahren.

Insbesondere der SBB Ost hatte hierzu schon seit 2020 oft nachgefragt und weitere Vorschläge gemacht. Die letzte mir bekannte und zu recherchierende Stellungnahme der Stadt Leipzig ist aus einer Antwort vom VTA vom 16.02.2023, also vor 3 Jahren.“

Es gibt keine zufriedenstellende Lösung

Doch selbst das Mobilitäts- und Tiefbauamt (MTA) sieht in dem Aufdübeln von Leitboys nicht mehr die Lösung für dieses Parkproblem.

Die Sichtzeichen machen eher den Asphalt kaputt, teilt es in seiner Antwort auf die Einwohneranfrage mit: „Das Aufdübeln von Sichtzeichen führt durch das Eindringen von Wasser in die Bohrlöcher insbesondere durch Frostsprengung zu punktuellen Schädigungen der Asphaltdecke. Im Nachgang zur Beantwortung der Einwohneranfrage von 2023 wurde daher entschieden, dass sich das Verfahren, auch wegen der sich aufsummierenden Kosten der laufenden Unterhaltung, nicht bewährt hat und nach Maßnahmen mit geringeren Eingriffen in die Fahrbahnsubstanz gesucht wird.

Umgesetzt wurde daher 2024 eine verkehrsrechtliche Anordnung, die die Parkdauer auf dem angrenzenden Parkstreifen auf nur noch eine Stunde begrenzt, sodass die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöht wurde, einen Parkplatz in der Nähe der Sparkasse zu finden. In Stoßzeiten scheint dies allerdings nicht auszureichen.“

Aber auch das scheint das Problem nicht zu lösen.

„Eine tatsächlich zufriedenstellende Lösung konnte bislang nicht gefunden werden“, gesteht das MTA ein.

„Neben den technischen Widrigkeiten würde das Aufstellen von weiteren Sichtzeichen oder auch stabileren Metall-Pollern im Bereich der Sperrfläche mit hoher Wahrscheinlichkeit nur zu einer Verlagerung des Problems führen, vermutlich sogar mit noch größeren Auswirkungen auf den Radverkehr als aktuell, da der einzelne Parkvorgang i.d.R. nur einen kurzen Zeitraum ausmacht und der Verfolgungsdruck durch den Stadtordnungsdienst deutlich niedriger als der individuelle Parkdruck zu sein scheint. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass die Kfz-Führer ihre Fahrzeuge wieder vermehrt komplett auf den Radfahrstreifen stellen würden, wie dies auch vor dem Aufstellen der Sichtzeichen beobachtet werden konnte, und nicht wie aktuell vor allem auf der Sperrfläche.“

Geschützter Radstreifen? Unbezahlbar.

Bliebe eigentlich noch die ganz große Lösung: ein durchgängig geschützter Radstreifen zwischen der Kohlgartenstraße und dem Beginn der regulären Parkstände. Doch dafür wäre eine gesonderte Planung erforderlich, erklärt das MTA, „die in der gegenwärtigen Haushaltslage nicht darstellbar ist.“

Was tun? Etliche Kraftfahrzeugführer finden es augenscheinlich ganz normal, die StVO zu ignorieren und einfach auf dem Radstreifen zu parken.

Im MTA jedenfalls ist man auch erst einmal ratlos: „Aus Kenntnis um die Situation wurden die Leitboys aufgestellt und die angrenzenden Parkplätze in Kurzzeitparkplätze umgewandelt. Leider hat dies nicht zur gewünschten Reaktion der Fahrzeugführer geführt, die angrenzenden Stellflächen zu nutzen. Dennoch wurde die Verkehrssicherheit erhöht, indem zumindest nicht mehr wie zuvor überwiegend auf dem Radfahrstreifen, sondern eher auf der Sperrfläche gehalten wird.

Dies ist nicht zufriedenstellend, muss jedoch aktuell so hingenommen werden. Mit verkehrsregelnden Maßnahmen, wie weiteren Markierungen oder Verkehrszeichen, kann dem Fehlverhalten der Fahrzeugführer nicht entgegengewirkt werden. Auch ist dieser Bereich bereits regelmäßig Bestandteil der Kontrollen des Ordnungsamtes. Die Möglichkeiten der Stadt sind hier mit Blick auf die finanzielle Situation derzeit ausgeschöpft.“

Da ist sie wieder, die Finanzsituation, die Leipzig an vielen Stellen immer handlungsunfähiger macht. Und nicht nur Leipzig geht es so. Das dürfte viele Probleme auch im Verkehrsraum weiter schwelen lassen, ohne dass das nötige Geld für eine wirksame Lösung aufzutreiben ist.

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Keine Kommentare bisher

Auch kenne die Stelle gut und kann dem Befund zustimmen.

Das Verhalten der Pkw-Fahrer dort ist einfach nur asozial und jede Ahndung sehr gerechtfertigt. Es wird von vorn oder dahinter auf die Sperrflächen, oder gleich auf den Radweg gefahren und geparkt.

Die Dübel kann man auch einkleben und somit Wasser keine Chance geben.
Einmal wurden die Leitboys dankeswerterweise erneuert, nachdem ständiges Befahren durch Fahrzeuge diese erheblich dezimiert hatten.

Was an einem durchgängig geschützten Radweg (schon vorhanden) von 100m Länge geplant werden muss, was offenbar nicht mit eigener Kompetenz des darauf spezialisierten Amtes! leistbar ist, verstehe ich auch nicht.

An dieser Situation ist aber nicht nur das Geld schuld, sondern das abnorme und rücksichtslose Verhalten der erwähnten Pkw-Fahrer.

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