Jedes Mal, wenn das Mobilitäts- und Tiefbauamt (MTA) rund um den Ring ein neues Stück Radweg installiert, reagiert die CDU-Fraktion im Leipziger Stadtrat gereizt, sieht nur wieder neuen Stau und verärgerte Autofahrer. So auch diesmal, als am 21. August die umgestaltete und sanierte Harkortstraße wieder freigegeben wurde. Mit Radweg an jeder Seite. Doch schon am Samstag, dem 22. August, sah die CDU-Fraktion hier das blanke Chaos. Neue Radwege erzeugen ganz offensichtlich nur Chaos und Stau, oder?

Jedenfalls las sich das so in der geradezu aufgedrehten Einleitung der CDU-Fraktion in ihrer Anfrage, die zur letzten Ratsversammlung dann auch beantwortet wurde.

„Am Mittwoch, den 19. August, veröffentlichte die Stadt Leipzig eine Pressemitteilung mit dem Titel ‚Harkortstraße saniert: Verkehr rollt ab Freitag wieder‘. Spätestens ab Samstag konnten die Verkehrsteilnehmer feststellen, dass nach dem Umbau der Harkortstraße in dieser gar nichts mehr rollt. Benötigte man stadtauswärts vor dem Umbau einen Ampelumlauf, um die Kreuzung Harkortstraße/Str. des 17. Juni-Beethovenstraße zu passieren, sind es heute vier bis fünf – was ca. fünf Minuten für 250 Meter bedeutet.

Stadteinwärts erweist sich die Kreuzung Floßplatz/Riemannstraße – neuerdings selbst in verkehrsarmen Zeiten – als ähnlicher Stauproduzent. Auch hier sind mehrere Grünphasen bzw. rund fünf Minuten nötig, um gerade einmal 100 Meter weiterzukommen. Es ist zu beobachten, dass der Verkehr jetzt vermehrt seinen Weg durch die Karl-Tauchnitz-Straße, entlang des Parks, oder durch das Wohngebiet des Musikviertels nimmt – was Navigationssysteme seit Tagen auch als schnellste Route vorschlagen.“

Einen Verwaltungsstandpunkt zu einem Bürgervorschlag zitierte die CDU-Fraktion auch gleich dazu: „Die Einordnung eines beidseitigen Radfahrstreifens in der Harkortstraße ist bereits Bestandteil des Rahmenplans (Mobi2030_II-10_R_59 in Verbindung mit Mobi2030_II-7_NEU 12).

Vor der Einordnung wurde eine Verkehrsuntersuchung durchgeführt, um die Auswirkungen auf den Verkehrsablauf und die notwendigen Anpassungen an den Signalanlagen beurteilen zu können. Die Untersuchung liegt vor und muss ausgewertet werden. Anschließend erfolgen die weiteren Planungen. Zum jetzigen Zeitpunkt wird von einer Umsetzung des Radfahrstreifens in 2025/2026 ausgegangen.“

War das Mobilitäts- und Tiefbauamt also zu optimistisch?

In seiner Antwort geht das Amt dann recht ausführlich darauf ein, dass vor allem das Anpassen der Ampelschaltungen eine Menge Fingerspitzengefühl braucht.

Denn es waren ganz offensichtlich die Signalschaltungen und nicht die neuen Radwege, die den Verkehrsfluss nach Freigabe der Harkortstraße zäh werden ließen: „Derzeit ist der Verkehrsfluss in der Harkortstraße zwischen Martin-Luther-Ring und Wundtstraße noch nicht optimal, an einzelnen Ampelanlagen ist Rückstau zu beobachten.

Wobei auch vor der Umsetzung des Radfahrstreifens in den Spitzenstunden regelmäßig ein längerer Rückstau unmittelbar vor dem Knotenpunkt Karl-Tauchnitz-Straße/Martin-Luther-Ring zu verzeichnen war, der nun seit Umsetzung der Markierungen nicht mehr in diesem Maße zu beobachten ist. Der Rückstau ist nun ein Stück stadtauswärts an den vorherigen Ampeln zu verzeichnen.

Die beauftragte Verkehrsuntersuchung ergab, dass die Umsetzung des Vorhabens grundsätzlich funktioniert, aber im Weiteren die Dosierung an einzelnen Ampelanlagen optimiert werden muss. Die verkehrstechnischen Anpassungen an einzelnen Ampelanlagen sollen nun bis Ende 2026 erfolgen. In stadteinwärtiger Richtung sind Anpassungen an der Ampelanlage Wundt-/Mahlmannstraße und stadtauswärts an der Ampelanlage Harkort-/Beethovenstraße vorgesehen. Beide Maßnahmen werden dazu beitragen, die Rückstauerscheinungen zwischen Dufourstraße und Martin-Luther-Ring zu reduzieren.“

Ampelschaltungen müssen nachjustiert werden

Der Stau ist also so eine Art Startproblem. „Die Änderungen an den o.g. beiden Ampelanlagen werden dazu beitragen, die Rückstauerscheinungen in der Harkortstraße zwischen Dufourstraße und Martin-Luther-Ring zu reduzieren. Wir gehen davon aus, dass sich die Verkehrsverlagerung mit diesen Maßnahmen auch wieder zurückbildet“, erklärt das MTA. Eine Verkehrsverlagerung in benachbarte Wohngebiete sei auch nicht beabsichtigt.

Und was ist mit den neu aufgetragenen Radwegen? Denn für die wurde ja die Harkortstraße derart umorganisiert. Sie schaffen den Anschluss an den schon existierenden Grünen Radring am Neuem Rathaus.

Und aus Sicht des MTA funktionieren die Radwege genau so, wie sie sollen: „Die Erhöhung der Sicherheit und die Förderung der Attraktivität des Radverkehrs stellen entscheidende Bausteine zur Umsetzung der Mobilitätsstrategie dar. Die Einordnung der beidseitigen Radfahrstreifen in der Harkortstraße stellt einen wichtigen Lückenschluss im Hauptnetz Rad als Bestandteil des Radverkehrsentwicklungsplans 2030+ dar (Maßnahme 114 und 115).

Als Basisroute entlastet sie im Bereich der westlichen Südvorstadt die Vorrangroute auf der Karl-Liebknecht-Straße in und aus Richtung Innenstadt. Bereits nach kurzer Zeit konnte festgestellt werden, dass die Radfahrstreifen vom Radverkehr sehr gut angenommen und genutzt werden und es insbesondere von Familien mit Kindern hierzu deutlich positive Rückmeldungen gibt.“

Die Radstreifen reichen jetzt bis zur Paul-Gruner-Straße. Offen ist dann noch das Anschlussstück bis zur Wundtstraße, das vom MTA erst nach einem Umbau der dortigen Ampelanlagen in Angriff genommen werden soll.

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Ralf Julke über einen freien Förderbetrag senden.
oder

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar