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Aktion „Gegen den Abriss“ des ehemaligen „Kinos der Jugend“ in der Eisenbahnstraße ist gestartet

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    Heute, am 13. September, ist Tag des offenen Denkmals. Was läge da näher, als ein richtiges bedrohtes Denkmal zu besuchen und sich einzubringen in den Kampf zum Erhalt? Denn wirklich viele alte Kinogebäude besitzt Leipzig nicht mehr. Das Vorzeigestück in dieser Beziehung ist das UT Connewitz. Aber in Volkmarsdorf, in der Eisenbahnstraße 162, könnte genau so ein Schmuckstück gerettet werden.

    Anders als das 100-jährige Kino in der Connewitzer Wolfgang-Heinze-Straße kann das Kinogebäude an der Eisenbahnstraße freilich nicht auf eine ununterbrochene Nutzungsgeschichte zurückblicken. Es steht seit Jahren eher vergessen auf dem Gelände der Abteilung Stadtbeleuchtung (früher mal Amt für Stadtbeleuchtung) der Stadt Leipzig. Das Liegenschaftsamt versucht, die Immobilie schon seit Jahren irgendwie zu verkaufen.

    „Doch die Stadt Leipzig plant nun offensichtlich den Abriss“, teilt die Interessengemeinschaft  Fortuna mit, die sich jetzt zusammengetan hat, um im sich entwickelnden Leipziger Osten auch ein kulturelles Kleinod zu bewahren. Im benachbarten Bülowviertel hat sich ein neues, lebendiges Quartier entwickelt. Aber der kulturelle Hingucker fehlt noch.

    30 Jahre Leerstand haben den Verfall ermöglicht: Blick in den Kinosaal. Foto: Thomas Grahl
    30 Jahre Leerstand haben den Verfall ermöglicht: Blick in den Kinosaal. Foto: Thomas Grahl

    „Das Liegenschaftsamt versucht zwar, die Immobilie noch einmal auf den Markt zu werfen, aber einem privaten Investor würde wegen des Mangels an Nebenflächen ohnehin nichts bleiben als abzureißen. Und die Abteilung für Straßenbeleuchtung, welches sich in der ehemaligen Gasanstalt eingerichtet hat, träumt schon von einem überdachten Parkplatz für die eigenen Fahrzeuge. Maschinenpark statt Kultureinrichtung also, und das mitten in dem immer dichter besiedelten Wohngebiet in Volkmarsdorf, wo Räume für Kunst und Kultur, Orte der Begegnung und des Austausches, dringend benötigt werden“, kommentiert die Interessengemeinschaft die Ratlosigkeit auf Verwaltungsebene.

    Einer kennt sich mit der Nachnutzung von Kinos in der Eisenbahnstraße schon aus, auch wenn das Kino zwischen Eisenbahn- und Konradstraße sich ebenerdig in einen Teil des neuen Supermarkts verwandelt hat. Nur im Obergeschoss ist wieder Raum für kulturelle Nutzungen entstanden.

    Daniel Schade ist dort tätig, der mit der Initiative Ost-Passage Theater die Etage über dem Supermarkt in der Konradstraße 27 wiederbeleben will. Er äußert auch deutliche Kritik an der Strategie der Stadtplaner: „Der Parkbogen ist eine schöne Idee, aber er führt außen um die Stadtteile im nahen Osten herum. Die Kulturdenkmäler und historisch gewachsenen Begegnungsstätten im Herzen der Viertel lässt man dagegen verfallen. Große Säle sind im Leipziger Osten schon jetzt Mangelware. Und angesichts des wachsenden Zuzugs erwarte ich von einer klugen Stadtplanung keine Prestigeprojekte, sondern handfeste Strategien, um der erhöhten Nachfrage nach Kulturräumen und Begegnungsstätten zu begegnen.“

    Zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern im Leipziger Osten soll der Abriss des Gebäudes in der Eisenbahnstraße 162 deshalb verhindert werden. Andreas Bernatschek vom Bürgerverein Volkmarsdorf gibt sich kämpferisch: „Viele Nachbarn verbinden mit dem Kino einen Teil ihrer Jugend. Uns blutet das Herz allein schon bei dem Gedanken, dem Abriss tatenlos zusehen zu müssen.“

    Der Saal des ehemaligen Fortuna: Die Decke hat schon gewaltig gelitten. Foto: Thomas Grahl
    Der Saal des ehemaligen Fortuna: Die Decke hat schon gewaltig gelitten. Foto: Thomas Grahl

    Immerhin geht es auch um ein gutes Stück Stadtteilgeschichte. Viele ältere Volkmarsdorfer werden in dem Kino noch die ersten Kinoerlebnisse ihres Lebens gehabt haben.

    1928 wurden die „Fortuna-Lichtspiele“ in der drei Jahre zuvor stillgelegten Gasanstalt Leipzig-Ost mit 989 Sitzplätzen eröffnet. Eindrucksvoll warb von nun an eine im Stil des Art-Déco gestaltete Schaufront mit großem Staffelgiebel und einer Plastik über dem Eingang um zahlendes Publikum, hat die IG Fortuna herausgefunden. Im Jahr 1946 stand „Lichtspielhaus der Jugend“ über den Plänen für eine Vergrößerung der vor der Leinwand befindlichen Bühne. Später folgten die Umstellung auf Breitfilmformat und eine 1957 abgeschlossene Renovierung. Für 1985 wurde die Sitzplatzzahl noch mit 551 angegeben.

    Doch im Jahr 1987 erfolgte dann die Schließung des auch als „Kino der Jugend“ bekannten Filmtheaters. Seitdem steht das Haus leer, heute in verwahrlostem Zustand. Gebäude und Grundstück gehören der Stadt Leipzig und stehen unter Denkmalschutz.

    Was natürlich zum heutigen Tag des offenen Denkmals passt: Hier kann man ein Denkmal sehen, das noch gerettet werden kann und muss.

    „Zeit aufzuräumen und das alte Kino zu retten, möchte man meinen, ist doch mit dem vermehrten Zuzug in den Leipziger Osten auch eine wesentlich erhöhte Nachfrage nach ausreichend großen Kunst- und Kulturräumen entstanden, und der Leipziger Osten eben vergleichsweise wenig entwickelt“, benennt die frisch formierte IG ihren Standpunkt.

    Zum „Freiraum“-Festival am gestrigen Samstag, 12. September, welches die „OSTLichter 2015“ eröffnet, wurde deshalb schon eine große Unterschriftenaktion gestartet. Die Stadt Leipzig soll als Eigentümerin in die Pflicht genommen werden, sich für den Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes einzusetzen.

    Thomas Noack vom UT Connewitz ist zuversichtlich: „Auch das UT Connewitz war einmal vom Abriss bedroht. Doch mit dem Engagement der Connewitzer und einem langen Atem konnten wir daraus den kulturellen Magneten entwickeln, der das UT heute ist. Warum sollte das in Volkmarsdorf nicht auch gelingen?“

    Neben der Unterschriftenaktion wird es zum Tag des offenen Denkmals am heutigen Sonntag, 13. September, auch einen Informationsstand vor dem abrissgefährdeten Gebäude geben. Interessierte können sich von 14 bis 17 Uhr vor Ort über die Geschichte und den Zustand des Hauses informieren, Ideen und Dokumente zusammentragen und gemeinsam überlegen, wie es weitergehen könnte.

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