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Natürlich ist auch der Richard-Wagner-Verband gegen die Umbenennung des Richard-Wagner-Platzes

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    Eigentlich sind die Organisatoren von Legida schuld: Sie haben in den letzten Monaten immer wieder auch den Richard-Wagner-Platz für ihre fremden- und islamfeindlichen Demonstrationen genutzt. Die Idee, den Platz einfach umzubenennen und die versammelten Rassisten einfach mal zu ärgern, haben dann am 28. Oktober die Grünen zum Beschluss erhoben.

    Erst einmal nur in ihrer Mitgliederversammlung, wo es eine Mehrheit gut fand, den Richard-Wagner-Platz in Gänze oder auch nur einen Teil davon in „Refugees-Welcome-Platz“ umzubenennen.

    Christin Melcher, Vorstandssprecherin und Mitantragsstellerin, begründete das so: „Seit dem 12. Januar beteiligen wir uns wöchentlich an den Gegenprotesten zu den rassistischen und islamfeindlichen Legida Kundgebungen. Wir zeigen Gesicht gegen Rassismus. Wir treten ein für eine echte Ankommenskultur. Wir treten ein für  eine menschenwürdige Unterbringung von Zufluchtsuchenden. Wir treten ein für ein weltoffenes und tolerantes Leipzig. Die Umbenennung eines zentralen Platzes als ‚Refugees-Welcome-Platz‘ ist auch ein Symbol für eine neue Willkommenskultur in Leipzig.“

    Norman Volger, grüner Fraktionsvorsitzender im Stadtrat: „Die Leipziger Innenstadt wird wöchentlich von Rassisten benutzt, um ihre menschenverachtenden Parolen und Ressentiments zu verbreiten. Es wäre ein Zeichen den Richard-Wagner-Platz oder einen Teil davon umzubenennen, um deutlich zu machen, dass in Leipzig kein Platz ist für Rassismus. Wir werden die Platzumbenennung im Stadtrat prüfen und uns dafür einsetzen, dass an diesem oder einem anderen Ort in geeigneter Form auf die Willkommenskultur aufmerksam gemacht wird.“

    Noch hat die Grünen-Fraktion den Antrag nicht gestellt. Vielleicht auch, weil man sich noch nicht so recht einig ist, ob man nun wirklich den ganzen Platz umbenannt haben möchte oder doch lieber nur das Plätzchen direkt an der Hainspitze, wo Hainstraße und Große Fleischergasse zusammenlaufen.

    Die Junge Union reagierte am 30. Oktober als erste. Der JU-Kreisvorsitzende Rainer Burgold erklärte: „Der Richard-Wagner-Platz erinnert an einen herausragenden Komponisten internationalen Ranges, der sich nahtlos in die Leipziger Musiktradition um Bach oder Mendelssohn Bartholdy einreiht. Erst 2013 wurde das Denkmal, das den gebürtigen Leipziger Wagner durchaus auch kritisch würdigt, am Richard-Wagner-Platz eingeweiht. Als JU Leipzig fordern wir die Beibehaltung des Platznamens und kritisieren zugleich den grünen Vorstoß zur Umbenennung.“

    Logisch, dass sich auch der Profi-Verein beim Thema Richard Wagner zu Wort melden muss.

    Das ist dann am Montag, 2. November, geschehen.

    Und Verständnis dafür, dass Richard Wagner einfach geopfert werden soll, damit die Marschierer von Legida & Co. eine Botschaft bekommen, hat man beim Richard-Wagner-Verband Leipzig nicht so recht.

    Und so gibt sich der Verband ein bisschen eingeschnappt: „Zwei Jahre nach dem Jubiläumsjahr zum 200. Geburtstag Richard Wagners wird in Leipzig versucht, das Gedenken an seinen Geburtstort zu beschädigen. Der historischen Bedeutung der Musikstadt Leipzig wird damit eine peinliche Note gegeben. Leipziger Abgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen verwenden in sozialen Netzwerken, darunter facebook, bereits die Bezeichnung ‚Refugees – welcome-Platz / Hainspitze‘ anstelle von Richard-Wagner-Platz. Dazu erklärt der Vorstand des Richard-Wagner-Verbandes Leipzig und weiß sich darin mit den 130 Richard-Wagner-Verbänden weltweit einig: ‚Die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen unterstützt eine sogenannte Bürgerinitiative zur Umbenennung des ‚Richard-Wagner-Platz‘ in ‚Refugees-Welcome-Platz‘. Dazu sagen wir NEIN!“

    Und was macht der Verband? Er startet eine Unterschriftenaktion. Nicht gegen die rassistischen Aufmärsche in Sachsen, sondern gegen einen Beschluss des Grünen-Kreisverbandes, der von der Grünen-Fraktion im Rat noch nicht mal als Antrag vorliegt.

    „Richard Wagner wurde in Leipzig geboren und ist einer der größten Künstler des 19. Jahrhunderts. Seit der Namensgebung zum 100. Geburtstag 1913 ehrt die Stadt damit einen ihrer größten Söhne. Dies muss so bleiben! Wer gegen den kulturpolitischen Unsinn einer Umbenennung, die gegen die Interessen unserer Stadt und ihrer Bürger gerichtet ist, seine Stimme erheben will, kann sich mit seiner Unterschrift in vorbereitete Listen zu den Geschäftszeiten in unserer Geschäftsstelle am Richard-Wagner-Platz 1 eintragen“, schmettert der Verband mit Wagnerischen Posaunenklang in die Welt. „Bereits während der Übertragung des ‚Tannhäuser‘ aus New York am 31.10.2015 hatten zahlreiche Besucher der Aufführung sowie Teilnehmer und Besucher der DOK-Filmwoche sich dem Aufruf mit ihrer Unterschrift angeschlossen.“

    Souverän wirkt das wirklich nicht und gibt eigentlich den Grünen Recht. Wagner ist augenscheinlich ein Stichwort, mit dem man die braven Bürger aus der Reserve locken kann. Nur gehen sie nicht mit tapferen Lohengrin-Plakaten los und protestieren gegen die fremdenfeindlichen Dauernutzungen auf dem Richard-Wagner-Platz, sondern gegen einen Antrag, der noch nicht mal formuliert wurde.

    Den Namen Richard-Wagner-Platz trägt der einstige Theaterplatz übrigens seit Wagners 100. Geburtstag im Jahr 1913. Und Wagner-Kenner werden sich auch daran erinnern, dass auch Richard mal ein Flüchtling war – 1849 war er froh, seiner Verhaftung in Sachsen zu entkommen und in der Schweiz Zuflucht zu finden. Ein echter Refugee also, bei dem man gar nicht weiß, ob er die Aktion des Richard-Wagner-Verbandes besser gefunden hätte oder die der Bürgerinitiative, die die Grünen aufgegriffen haben.

    Die Bürgerinitiative „Platzname – Refugees Welcome“ hatte sich am 19. Oktober schon zu einer Kundgebung unter dem Motto „Für die Umbenennung des Richard-Wagner-Platzes in Refugees-Welcome-Platz  – Leipzig ist eine weltoffene und tolerante Stadt“ positioniert – damals waren es mal nicht die Fremdenfeinde von Legida, die unbedingt in Leipzigs Innenstadt auftreten wollten, sondern die der „Offensive für Deutschland“.

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      2 KOMMENTARE

      1. Der zu Recht als rückwärtsgewandt angesehene Richard-Wagner-Verband „vergisst“ geflissentlich, dass Richard Wagner bei den Demos in Dresden 1848 auf den Barrikaden stand und fast umgekommen wäre – kurz gesagt: Richard war eine typische linke Ratte, der auch mit Bakunin befreundet war.

        Hätte eine königliche Kugel den Richard getroffen, wäre es Essig mit dem Ring gewesen. Und mit dem Richard-Wagner-Verband sowieso.

        Kann man in Wagner-Biographien nachlesen, ist wirklich kein Geheimnis.

        Deshalb (und nicht wegen des „Rings“) ist der Name „Richard-Wagner-Platz“ genau richtig, wenn die besorgten Bürger meinen, sich dort hinstellen und ihre Sorgen kundtun zu müssen.

        Ansonsten könnte man den Platz auch nach Robert Blum benennen, der war auch so ein Demonstrant und hat in Leipzig einige Zeit gelebt (war allerdings kein gebürtiger Leipziger).

      2. Ich bin dafür.
        Das ist wichtig.
        Und im gleichen Zug würde ich vorschlagen, den Burgplatz in „Bourgeoisie Bienvenu Platz“ umzubenennen. Das soll bedeuten „Bürgerschaft willkommen“. (Falls das anders geschrieben wird – egal, die Hälfte kann es eh nicht ausprechen.)
        Und hinter dem Rathaus wäre das auch ein ganz wichtiges Symbol.

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