Wie weiter mit dem Leipziger Auenwald?

Die Sicht des NABU und der Offene Brief zum Forstwirtschaftsplan

Für alle LeserAm Mittwoch, 24. Oktober, steht als Punkt 18.1 auch der Forstwirtschaftsplan der Stadt Leipzig auf der Tagesordnung des Stadtrates. Am Wochenende machte ja dazu schon ein Offener Brief der beteiligten Wissenschaftler von sich reden. Erstmals gibt es ja in Leipzig überhaupt eine öffentliche Diskussion zum Umgang mit dem Auenwald. Die Positionen sind verschieden. Am 19. Oktober hat der NABU die Gelegenheit genutzt, die Stadträte mit seiner Sicht auf den Wald vertraut zu machen.

Dem Naturschutzbund NABU war es ein Anliegen, Stadträten und Fachpolitikern einen Einblick in ökologische Zusammenhänge, naturwissenschaftliche Forschung und naturschutzfachliche Ziele im Leipziger Auenökosystem zu geben. Der NABU hatte deshalb am Freitag, 19. Oktober, die Leipziger Stadträte zu einer Exkursion durch die Burgaue eingeladen.

Wissenschaftler und Naturschützer haben die Teilnehmer auf dem Rundgang durch den Auwald geführt und vor Ort Fragen beantwortet: Prof. Dr. Christian Wirth (Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung iDiv und Universität Leipzig), Rolf Engelmann (Verein zur Förderung der Umweltbildung und Umweltforschung ENEDAS), Dr. Peter Otto (Universität Leipzig), Theresa Warnk (Bund für Umwelt und Naturschutz BUND), René Sievert (NABU Leipzig), Dr. Maria Vlaic (NABU Leipzig).

Die Exkursion am Nahleauslasswerk. Foto: NABU Leipzig

Die Exkursion am Nahleauslasswerk. Foto: NABU Leipzig

Nach der Begrüßung erläuterte René Sievert, dass für einen intakten Auwald Hochwasserereignisse notwendig sind, diese wieder zuzulassen sei ein wichtiges Ziel des Naturschutzes. Daneben sei eine naturverträgliche Forstwirtschaft notwendig, um die Biodiversität des Leipziger Auenökosystems zu erhalten.

Die Wissenschaftler gaben zu bedenken, dass ein „Nichtstun“ dazu führen würde, dass der gegenwärtige artenreiche Hartholzauwald sich zu einem Bestand von Ahorn entwickeln würde, der künftige Hochwasserereignisse nicht überstehen könnte.

Das Projekt „Lebendige Luppe“ nutzten die beteiligten Wissenschaftler, um in mehreren Einzeluntersuchungen den Auwald gründlicher zu untersuchen, als es ohne dieses Projekt je möglich gewesen wäre.

Prof. Dr. Christian Wirth berichtete von langjährigen Forschungen im Leipziger Auwald, beispielsweise am Auwaldkran, wobei unter anderem festgestellt wurde, dass die Eiche die Auwaldbaumart ist, die die meisten Tier- und Pilzarten beherbergt, sich aber aufgrund der fehlenden Hochwasser durch Naturverjüngung nicht vermehren kann.

Rolf Engelmann informierte die Teilnehmer über aktuelle Erkenntnisse zum sogenannten „Eschentriebsterben“, das dazu führt, dass nicht wenige Eschen im Leipziger Auwald absterben, weshalb viele von ihnen gefällt werden, was ursprünglich erst im Verlauf mehrerer Jahre geplant war. Des Weiteren informierte Rolf Engelmann über die Förderung der ökologisch besonders wertvollen Stiel-Eiche, die unter den derzeitigen Bedingungen nur durch forstwirtschaftliche Maßnahmen vermehrt werden kann.

Über den Auwald als Lebensraum bedrohter Arten sprach Dr. Maria Vlaic und erläuterte Artenschutzmaßnahmen des NABU, wie die Revitalisierung von Still- und Fließgewässern in der Aue. Über einen besonders seltenen Bewohner des Leipziger Auwalds informierte Theresa Warnk, über die Wildkatze. Dass sie im Auwald heimisch sei, beweise dessen herausragende Bedeutung als Lebensraum. Er ist der einzige bekannte Fundort der Wildkatze in Sachsen, wo die Tiere leider von anderen Vorkommen isoliert sind. Einen Waldverbund herzustellen, sei deshalb ein Ziel des Rettungsnetzes Wildkatze des BUND.

Dr. Peter Otto erläuterte die Bedeutung von Totholz und kam zudem auf die oftmals übersehenen Auwaldbewohner zu sprechen, auf Flechten und Pilze. Sie spielen als Zersetzer im Stoffkreislauf des Auwalds eine wichtige Rolle und sind eng mit einzelnen Baumarten verbunden.

Abschließend erläuterte René Sievert die Zusammenarbeit der Naturschutzverbände mit dem Stadtforst und verdeutlichte, dass die ehrenamtlichen Möglichkeiten der Vereine nicht ausreichen, um den Artenschutz bei Forstarbeiten sicherzustellen. Die Naturschutzbehörde oder die Abteilung Stadtforst benötigen Personal, das dafür zuständig ist, beispielsweise für die Erfassung von Höhlenbäumen oder gesetzlich geschützter Arten.

Zudem gebe es weiteren Forschungsbedarf. Für solche Forschungsarbeiten und für mehr Naturschutzpersonal baten die Wissenschaftler und Naturschützer die anwesenden Politiker um das nötige Geld und forderten, den Auenschutz stärker in die Entscheidungen der Stadträte einfließen zu lassen.

„Bei der Exkursion ging es um die Darstellung von Fakten, die in der aktuellen Debatte von anderen vielfach ignoriert oder verfälscht werden, für ihre Entscheidungen sollten den Stadträten fundierte Hintergrundinformationen gegeben werden; der Forstwirtschaftsplan im Einzelnen war hingegen nicht Gegenstand der Exkursion“, so der NABU.

Aber thematisiert wurden der Forstwirtschaftsplan und die Kritik des NuKLA daran dann am selben Tag durch den Offenen Brief an den OBM. „Ich persönlich finde es prinzipiell gut, wenn in der Öffentlichkeit über Wald gesprochen wird“, betont Christian Wirth. Und auch die gegenteiligen Positionen gehören in diese Diskussion. Und auch Emotionen.

Wir packen den Offenen Brief hier einfach mit drunter, damit sich jeder selbst ein Bild von der Diskussion machen kann.

Der Offene Brief an den OBM.

NuKLA-Antwort „zerpflückt“ die LVZ-Meldung zum „Offenen Brief“, der die NuKLA-Thesen „zerpflückt“

 

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