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Notenspur und Flügelschlag laden ein zum Erinnerungsweg in die Nacht für Auschwitz-Entronnene am 13. April 2020

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    Auch in diesem Jahr wird es ihn wieder geben: den Schneeblumen-Gedenkweg am 13. April. So wie 2015, als er zum ersten Mal an eines der beklemmenden Ereignisse zum Ende der NS-Zeit erinnerte. In Auschwitz endete das Lager-Grauen mit der Ankunft der Roten Armee am 27. Januar 1945. In Leipzig wurden die nationalsozialistischen Arbeitslager erst im April vor den heranrückenden alliierten Truppen geräumt.

    Im eisigen Regen wurden die Frauen des KZ-Außenlagers Markkleeberg-Wolfswinkel in der Nacht des 13. April 1945 durch die verdunkelten Straßen in den Randbezirken Leipzigs getrieben: 1.500 Zwangsarbeiterinnen – 1.250 jüdische Ungarinnen und 250 französische politische Widerstandskämpferinnen. Viele der Jüdinnen waren wenige Monate vorher den Gaskammern in Auschwitz entronnen, weil sie nach der Ankunft auf der Rampe für die Arbeit in der Rüstungsindustrie „selektiert“ wurden.

    Ein Teil von ihnen überlebte den Räumungsmarsch im April 1945, der sie von Leipzig nach Theresienstadt bringen sollte, nicht. Für die meisten von ihnen war es aber ein entbehrungsreicher Weg in ein neues Leben, den die Gefangenen in Holzschuhen und ohne ausreichende Kleidung und Nahrung laufen mussten.

    75 Jahre danach laden der Notenspur Leipzig e. V. und der Flügelschlag Werkbühne e. V. zusammen mit ihren Partnern Ariowitsch-Haus e. V., Institut français, Kulturbahnhof e. V. und der Stadt Markkleeberg zum zweiten Mal dazu ein, den ersten Teil ihres Weges im Gedenken an die Gefangenen gemeinsam zu gehen.

    „Keine von ihnen soll unter uns vergessen sein“, formuliert der Notenspur Leipzig e. V. das Anliegen. „Wir tragen sie in dieser Nacht des 13. April bei uns, ihre Namen und ihre Worte, ihre Musik und ihre Gebete, ihre Klage und ihre Hoffnung. Wir leihen ihnen unsere Füße, Gedanken und Herzen. Wir gehen den Weg mit Zeichen und Gesten der Anteilnahme und Erinnerung. Ihr Vermächtnis tragen wir weiter: allen Menschen mit offenem Herzen zu begegnen und der Feindseligkeit keinen Raum in uns zu geben.“

    Eine Überlebende, Zahava Szasz Stessel – inzwischen 91-jährig wohnt sie heute in New York – hat ihre Erinnerungen in dem berührenden Buch „Snow Flowers“ zusammengetragen. Die Übersetzung dieses Buches aus dem Englischen durch Schülerinnen und Schüler des Markkleeberger Hildebrand-Gymnasiums gab den Anstoß für den Schneeblumen-Gedenkweg vor fünf Jahren. Stessels Erinnerungen werden die Beteiligten auch in diesem Jahr durch die Nacht begleiten.

    Musik der Gefangenen am Gedenkweg im April 2015. – Im Lager war Musik Überlebenshilfe. Foto: Anja-Christin Winkler
    Musik der Gefangenen am Gedenkweg im April 2015. – Im Lager war Musik Überlebenshilfe. Foto: Anja-Christin Winkler

    Der Schneeblumen-Gedenkweg beginnt am Standort des ehemaligen Außenlagers des KZ-Buchenwald in Markkleeberg-Wolfswinkel. Die Frauen mussten am 13. April 1945 stundenlang auf dem Appellplatz ausharren, bis das Signal zum Abmarsch kam. Wie die Frauen damals werden die Teilnehmer in der Abenddämmerung starten und in die Nacht hineinlaufen. Sie folgen dem ersten, etwa 8,5 km langen Wegabschnitt.

    Der Gedenkweg wird keine Demonstration im üblichen Sinne sein, sondern trägt eher den Charakter eines Pilgerweges: nachdenklich und besinnlich, friedlich und vertiefend. Die Teilnehmer tragen kleine Karten mit den Namen der Frauen aus der Deportationsliste bei sich. Am Wegrand werden an verschiedenen Punkten die Namen aller Frauen verlesen.

    Zahava Szasz Stessel erinnert sich, dass sie nach der harten Arbeit in den Rüstungsbetrieben im Lager gesungen, gedichtet, komponiert und die Lieder der jüdischen Feiertage angestimmt haben, um Kraft zur Bewältigung der schlimmen Erfahrungen zu gewinnen. Deshalb wird auch diese Musik gemeinsam mit der Musik der französischen Gefangenen am Gedenkweg erklingen.

    „Mit einem äußeren zugleich einen inneren Weg zu gehen und dies mit Musik zu verbinden, um den Eindruck zu vertiefen, ist unser Anliegen“, unterstreicht Notenspur-Initiator Werner Schneider.

    Zum Abschluss des Gedenkweges, im Gelände des Gutshofs Stötteritz, drücken die Beteiligten mit Symbolen – Kerzen, Steinen, Blumen – noch einmal ihre Anteilnahme aus und teilen mit der jüdischen Gemeinde die Hoffnung, dass ein Neubeginn möglich ist.

    Aktuell werden noch Musiker und Betreuer für die mitwirkenden Sprecher und Musiker am Gedenkweg gesucht.

    Beginn des Schneeblumen-Gedenkweg ist am 13. April um 19:00 Uhr am ehemaligen KZ-Außenlager Wolfswinkel, Markkleeberg, Equipagenweg 21–23. Streckenlänge ca. 8 km, Teilstrecken sind möglich. Ende: gegen 22:30 Uhr, Gutshof Stötteritz, Leipzig, Oberdorfstraße 15.

    Mit dem Schneeblumen-Gedenkweg an das Schicksal von 1.500 Leipziger Zwangsarbeiterinnen erinnern

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