17.9 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Lebensraum Baumscheibe: Der NABU Leipzig fordert ein Ende des Kahlrasierens der Baumscheiben in Leipzig

Anzeige
Werbung

Mehr zum Thema

Mehr
    Anzeige
    Werbung

    Am Sonntag, 25. April, war wieder Tag des Baumes. Der NABU Leipzig hat zu diesem Anlass einmal mehr auf die Bedeutung der Bäume für Ökosystem und Klima in einer Stadt wie Leipzig aufmerksam gemacht. Zur Förderung der Biodiversität können aber nicht nur die Bäume selbst einen Beitrag leisten, sondern auch Baumscheiben.

    Leider ist es in Leipzig Praxis, dass von der Stadtreinigung oder von Fremdfirmen regelmäßig Vegetation von Baumscheiben entfernt wird – oftmals vollständig, sodass der Boden austrocknet und die ökologisch wertvollen Pflanzen verloren gehen. Es ist dringend erforderlich, diese Praxis zu ändern, betont der NABU Leipzig.

    Eine vollständige Entfernung der Vegetation als Ausdruck von Sauberkeit ist angesichts von Klimanotstand und Artensterben unzeitgemäß. Wildkräuter spielen im Ökosystem eine grundlegende Rolle, insbesondere für spezialisierte Insekten. Wenn sie beseitigt werden, gehen essenzielle Nahrungsquellen verloren.

    Die gegenwärtige Praxis der Baumscheiben-„Pflege“ ist ein vermeidbarer Beitrag zum Artensterben, betont der NABU Leipzig. Ohne rechtliche Notwendigkeit und ohne nachvollziehbare Begründung würden Wildpflanzen entfernt, ökologische Belange würden nicht bedacht, Biodiversität und Klimaschutz blieben unberücksichtigt. Deshalb fordert der NABU Leipzig in einem Positionspapier, das zum Tag des Baumes 2021 veröffentlicht wird, dringend einen Paradigmenwechsel.

    Wildkräuter für Biodiversität und Stadtklima

    Bäume kühlen, filtern Feinstaub, prägen das Straßenbild und erfüllen viele ökologische Funktionen. Doch in einer sich immer mehr verdichteten Stadt haben es die Straßenbäume nicht leicht. Es sind Anstrengungen nötig, um die Straßenbäume in Leipzig zu erhalten, betont der NABU. Neben vielen anderen Funktionen sind Bäume vor allem auch Teil des Ökosystems, sie bieten beispielsweise Nistplätze oder Nahrung. Heimische, standortangepasste Gehölze sollten daher bevorzugt werden.

    Gehörnte Mauerbiene auf einem Löwenzahn. Foto: NABU Leipzig
    Gehörnte Mauerbiene auf einem Löwenzahn. Foto: NABU Leipzig

    Zur Förderung der Biodiversität können aber nicht nur die Bäume selbst einen Beitrag leisten, sondern auch Baumscheiben. Leider ist es in Leipzig Praxis, dass von der Stadtreinigung oder von Fremdfirmen regelmäßig Vegetation von Baumscheiben entfernt wird – oftmals vollständig, sodass der Boden austrocknet und die ökologisch wertvollen Pflanzen verloren gehen.

    Begründet wird dieser Eingriff mit dem Sächsischen Straßengesetz und mit der Straßenreinigungssatzung. Beim Blick in die entsprechenden Paragraphen zeigt sich aber, dass ein Entfernen der Vegetation von den Baumscheiben dort gar nicht vorgeschrieben wird. Dass aus Unkenntnis der Arten, der ökologischen Zusammenhänge und der rechtlichen Grundlagen die Vegetation der Einfachheit halber komplett beseitigt wird, ist eine fragwürdige Herangehensweise mit fatalen Folgen für die Biodiversität, betont der Naturschutzbund.

    Außerdem werden damit nicht nur vermeintliche „Unkräuter“ beseitigt, sondern auch Einsaaten und Anpflanzungen naturverbundener Anwohner – ein verheerendes Zeichen gegen bürgerschaftliches Engagement. In Umkehrung der gegenwärtigen Praxis müsste jegliche Vegetation auf der Baumscheibe belassen werden, sofern dem nicht im Ausnahmefall zwingende Gründe entgegenstehen.

    „Unsere heimischen Pflanzenarten sind Grundlage der Artenvielfalt, sie sind Nahrungsquelle und Lebensraum für sehr viele Insektenarten und damit Basis der Nahrungskette. Sie haben wichtige Funktionen im Ökosystem der Stadt“, erklärt der NABU.

    Laut der aktuellen Roten Liste der Pflanzen Deutschlands gilt fast ein Drittel der darin geführten rund 8.300 heimischen Wildpflanzen als gefährdet, Städte sind für einige Wildkräuter die letzten Rückzugsräume.

    „Sie filtern unsere Luft und binden Feinstaub, sie kommen mit sehr wenig Wasser und Nährstoffen aus, sie kühlen auf natürliche Weise und völlig kostenlos, wenn man sie denn lassen würde. Heimische Pflanzenarten siedeln sich sehr schnell von allein an, damit kann ohne Zutun oder Kosten ein Beitrag zur Biodiversitätsförderung und auch zum Klimaschutz geleistet werden“, formuliert der NABU den Anspruch.

    „Aufgrund der unterschiedlichen Wurzeltiefen sind Wildkräuter auch keine Konkurrenz für Straßenbäume, eher ist die Beschattung des Bodens durch die Krautvegetation für den Baum von Vorteil. Es ist dringend erforderlich die Praxis der Baumscheiben-‚Reinigung‘ zu ändern. Eine vollständige Entfernung der Vegetation als Ausdruck von Sauberkeit ist angesichts von Klimanotstand und Artensterben unzeitgemäß.“

    Weitere Informationen zur wichtigen Rolle der Baumscheiben für die Biodiversität in der Stadt hat der NABU Leipzig auf seiner Website gesammelt.

    Das Positionspapier zur Entfernung von Vegetation auf Baumscheiben als PDF.

    Hinweis der Redaktion in eigener Sache

    Seit der „Coronakrise“ haben wir unser Archiv für alle Leser geöffnet. Es gibt also seither auch für Nichtabonnenten alle Artikel der letzten Jahre auf L-IZ.de zu entdecken. Über die tagesaktuellen Berichte hinaus ganz ohne Paywall.

    Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere tägliche Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

    Vielen Dank dafür.

    Anzeige
    Werbung

    Mehr zum Thema

    Mehr
      Anzeige
      Werbung

      Topthemen

      3 KOMMENTARE

      1. Natur- und Artenschutz korrelieren in der besiedelten Landschaft regelmäßig mit dem Anspruch und der Umsetzung einer überlieferten Ordnungsdefinition. Als die Menschen in historischer Zeit es sehr schwer hatten sich in einer bedrohlichen wilden Natur zu ernähren um zu überleben, war die Nutzung der natürlichen Ressourcen schon alleine wegen der fehlenden techn. Möglichkeiten sehr extensiv. Diese war gekennzeichnet durch Plänterwaldwirtschaft, Hutung, Dreifelderlandwirtschaft und teilweise auch wegen der fehlenden technischen Kapazität durch wiederholtes Aussetzen der Nutzung also einfaches Liegenlassen. Das war in Mitteleuropa ca. 1500 Jahre so. Diese Halbkultur bewirkte eine Vielzahl von Lebensraumangeboten auch von Arten, die im verbreiteten Wald natürlicherseits vorkamen und aus innerasiatischen Steppengebieten einwanderten, insbesondere Blühpflanzen der Wiesengesellschaften. Eine übertriebene Ordnung ist für viele Flächen besonders innerhalb von Siedlungen nicht mehr erforderlich zum Überleben, im Gegenteil sie kostet nur zusätzliche Zeit und Energie. Das Abblühen und die Samenbildung von sog. Unkräutern war wegen der Besiedlung von dem Nahrungserwerb dienen Ackerflächen historisch nicht gewollt, bis auf Wiesen, wo man Futter in Form von Heu gewann. Das überlebte Leitbild in der Stad,t ich richte mir mein Umfeld so ein wie ein Zimmer und es muss dann auch mit aller Gewalt so bleiben, ist das eigentliche Problem. Deshalb sollte man das Abblühen und die Samenbildung auf den meist sowieso zu kleinen Baumscheiben ruhig zulassen und davor keine Angst haben, wie vor 1000 Jahren.

      2. Naja, lieber Christof, Ihre Gedanken in Ehren, aber selbst wenn ein gewisser Prozentsatz auf der Windschutzscheibe landet, blieben die restlichen Insekten doch ein Gewinn, oder?
        Deswegen Tempo 30 einführen würde ich nicht 🙂

        Das Hundeargument kam auch mir gleich in den Sinn und der weiterführende Gedanke, ob man mit einem „Suchhund“ und den Hinterlassenschaften eines Artgenossen nicht dem Übertäter auf die Spur kommen könnte?
        (Genabdruck wird nicht funktionieren, weil zahlreiche Vierbeiner illegal unangemeldet in der Stadt leben).
        Das ist wirklich ein Übel, sehe es fast jeden Tag auf den mir nahen Baumscheiben. Mit Bewuchs könnte diese Unart tatsächlich wieder „gefördert“ werden.
        Aber deswegen würde ich die Idee nicht fallen lassen.
        Eine saubere Abgrenzung, meinetwegen noch 10cm weggesenst, und dann kann gern wachsen, was will.
        Und für die Kontrolle von Vierbeinern mehr Personal und Strafen hoch.

      3. Die immer weniger werdenten Straßenbäume erhalten, pflegen und auch mal wässern – alles in Ordnung. Ich gebe nur 2 Dinge zu bedenken 1. das Grüne der Baumscheiben ist vielleicht noch mehr eine Einladung für die vielen Vierbeiner ihr Geschäft darin zu verrichten und bringt die Zweibeiner eher auf den Gedanken diese Hinterlassenschaften im Grünen zu verbergen, braucht der Zweibeiner doch keine Tüte für die „Wurst“ mitnehmen. 2. sollten sich doch im Wildgrün der Baumscheiben Insekten einfinden und diese Ausflüge unternehmen wollen außerhalb der Baumscheibe, landen die Insekten ganz schnell einmal an einer Windschutzscheibe. Hätten wir also auch nichts gekonnt.

      - Werbung -

      Aktuell auf LZ

      Anzeige
      Anzeige
      Anzeige