Schon bei der letzten Olympiabewerbung Leipzigs waren am Ende die Zahlen höchst fragwürdig und völlig unklar, welche Folgen eine Austragung dieses Mega-Events für die Stadt an der Pleiße tatsächlich gehabt hätten. Leipzigs Planer malten zwar enorme Zugewinne für die Leipziger Infrastruktur an die Wand. Aber damals wie auch heute blieben wesentliche Fragen unbeantwortet.
Gerade wenn es um die sensible Ökologie der Stadt geht. Weshalb der BUND Leipzig im Herbst eine umfassende Anfrage an die Stadt stellte, nur um zu erfahren, dass die Stadtspitze bei dem Thema völlig im Nebel tappt.
Trotz wiederholter Nachfragen bleiben zentrale Fragen zur geplanten Olympiabewerbung Leipzigs für 2036 unbeantwortet. Das kritisieren die Initiator/-innen der Einwohnerfrage „Wirklich Gold für Leipzig?“, die im November 2025 in der Ratsversammlung behandelt wurde (VIII-EF-02006-AW-01).
„Die Antworten der Stadtspitze waren auffallend allgemein – konkrete Angaben zu Bauprojekten, Kosten, Finanzierung und sozialen Auswirkungen fehlen bis heute“, kritisieren Lisa Falkowski und Jürgen Kasek vom BUND Leipzig. Auch detaillierte Unterfragen zu ökologischen Folgen, Nachnutzungskonzepten und langfristigen finanziellen Risiken seien nicht substanziell beantwortet worden.
DOSB-Kriterien erfordern belastbare Zahlen
Brisant sei die Situation auch vor dem Hintergrund neuer Entwicklungen: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat inzwischen eine Bewertungsmatrix für Bewerberstädte veröffentlicht. Zentrale Kriterien sind unter anderem internationale Wettbewerbsfähigkeit, Finanzierung und Kosten sowie gesellschaftliche Akzeptanz.
Da die detaillierten Bewerbungsunterlagen der Städte nach bisherigem Kenntnisstand bereits im Februar/März 2026 beim DOSB eingereicht werden müssen, gehen die Initiator/-innen der Anfrage davon aus, dass der Stadt Leipzig mittlerweile konkretisierte Planungen und Kostenanalysen vorliegen.
„Wenn Leipzig ernsthaft olympische Ambitionen verfolgt, muss es diese Informationen jetzt offenlegen – nicht erst nach einer Vorentscheidung“, so die weitere Kritik von Falkowski und Kasek.
Offene Fragen zu Bauprojekten, Finanzierung und Nachnutzung
In einer erneuten Anfrage an den Oberbürgermeister fordert die Initiative nun detaillierte projektbezogene Auskünfte, unter anderem zu:
geplanten Neu- und Ausbauprojekten im Olympiakontext (Sportstätten, Infrastruktur, Unterkünfte);
konkreten Standorten, Flächenverbräuchen und Versiegelungen;
Investitions- und Folgekosten (kommunal, Land, Bund);
Zeitplänen und möglichen Beschleunigungen durch Olympia; sowie belastbaren Nachnutzungskonzepten.
Besonders kritisch sehen die Fragesteller/-innen die fehlende Transparenz bei den Kosten. So wird in der bisherigen Antwort auf einen Stadtratsbeschluss („Memorandum of Understanding mit dem DOSB“) verwiesen, der jedoch weder im Ratsinformationssystem noch auf der städtischen Website öffentlich zugänglich ist.
Unklare Rolle von „Gold for Leipzig e.V.“
Ebenfalls ungeklärt sei die Finanzierung des Vereins „Gold for Leipzig e.V.“. Bislang ist nicht öffentlich nachvollziehbar,
ob und in welchem Umfang öffentliche Mittel an den Verein fließen;
ob Sponsoring-Vereinbarungen mit Unternehmen bestehen;
und wie die organisatorische Einbindung in die städtische Verwaltung erfolgt.
Stakeholder-Workshop ohne Umweltverbände
Kritik gibt es auch am sogenannten Stakeholder-Workshop im September 2025. Zwar verweist die Stadt auf Beteiligung aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – Ergebnisse, Protokolle oder Teilnehmerlisten sind jedoch nicht öffentlich. Auffällig sei zudem, dass der BUND als einer der größten Umweltverbände Deutschlands offenbar nicht eingeladen wurde.
„Gerade bei einem Projekt dieser Größenordnung ist Transparenz keine Kür, sondern Voraussetzung“, heißt es vonseiten der Fragesteller/-innen.
Soziale und ökologische Risiken bislang ausgeblendet
Bis heute unbeantwortet geblieben seien außerdem Fragen zu möglichen negativen Folgen einer Olympiabewerbung, etwa:
steigende Lebenshaltungskosten;
sozialräumliche Verdrängung;
Kürzungen öffentlicher Mittel in sozialen und ökologischen Bereichen.
Ob hierzu Studien, Gutachten oder Szenario-Analysen existieren, ist unklar – obwohl die gesellschaftliche Akzeptanz ein zentrales Kriterium des DOSB ist.
Forderung: Offene Debatte statt Marketing
Die Initiative fordert nun eine vollständige, zeitnahe und transparente Information der Öffentlichkeit. Parallel dazu hat sich auch in Leipzig eine Initiative gegründet, die die Olympiabewerbung kritisch begleiten will.
„Olympia ist kein Imageprojekt, sondern ein massiver Eingriff in Stadtentwicklung, Haushalt und soziale Strukturen“, so das Fazit der Initiator/-innen. „Wenn Leipzig diesen Weg gehen will, dann nur auf Grundlage überprüfbarer Zahlen und einer ehrlichen gesellschaftlichen Debatte.“
Die zweite Einwohneranfrage des BUND Leipzig zur Olympiabewerbung
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