Mindestlohn hat besonders bei Leiharbeit und am Bau tausende marginale Jobs beendet

Warum das Leipziger Einkommensniveau so deutlich niedriger ist als in anderen Teilen Sachsens, macht eine Veröffentlichung sichtbar, die das Landesamt für Statistik jetzt vorgelegt hat. Es ist die erste ausführlichere Statistik mit den Beschäftigtenzahlen für Ende 2015. Seit 2005 steigt diese ja bekanntlich kontinuierlich. 2015, so wurde ja schon gemeldet, gab es so etwas wie eine Delle.

Die Zahl sank von 2,0202 Millionen im Vorjahr auf 2,0157 Millionen. Oh ja, der Mindestlohn war tatsächlich schuld. Er hat nämlich mit einem Großteil des Wildwuchses aufgeräumt, mit dem in Sachsen jahrelang Billigarbeit organisiert worden war. Kein anderes Bundesland ist so zum Tummelplatz der prekären Beschäftigung geworden wie Sachsen. Und gerade das Jahr 2015 zeigt, dass etliche Unternehmen diese prekären Beschäftigungsverhältnisse eingesetzt haben, obwohl die wirtschaftliche Lage in Sachsen längst (wieder) vollwertige Beschäftigung zuließ.

Und deswegen sank die Beschäftigtenzahl auch ganz besonders in jenen Bereichen, in denen die prekäre Beschäftigung ihre Hauptfelder hat.

Die Zahl der marginal Beschäftigten sank – nachdem sie schon in den Vorjahren stetig zurückgegangen war – von 204.500 auf 185.800. Zahlen für die einzelnen Kreise und kreisfreien Städte liegen noch nicht vor. Aber schon der Vergleich im Vorjahr zeigt, wie stark die marginale Beschäftigung Leipzig prägte: 38.100 Menschen waren 2014 in Leipzig marginal beschäftigt, im vergleichbaren Dresden waren es nur 29.400.

Deutlich zurückgegangen sind sachsenweit die Beschäftigtenzahlen vor allem im Bereich „Grundstücks- und Wohnungswesen, Finanz- und Unternehmensdienstleister“. Die Beschäftigtenzahl ging hier von 346.100 auf 342.800 zurück. Aber die Makler und Finanzdienstleister sind an dem Rückgang nicht schuld. Im Bereich Unternehmensdienstleister stecken eben auch die ganzen Zeitarbeitsfirmen.

Natürlich hat die Entwicklung nicht nur mit dem Mindestlohn zu tun. Aber der hat natürlich etwas verstärkt, was eigentlich seit 2010 überfällig war: eine Anpassung der Beschäftigungsverhältnisse an einen Markt, auf dem die verfügbaren Arbeitskräfte immer knapper werden. Und einige tausend Erwerbstätige haben also 2015 die Chance nutzen können, endlich in eine etwas besser entlohnte Tätigkeit wechseln zu können.

Überschlägig mindestens 15.000 Personen.

Das ist schon eine Hausnummer. Ausgewirkt hat es sich neben den „Unternehmensdienstleistern“ auch im Baugewerbe mit minus 4.000 Beschäftigten. Und wahrscheinlich auch im Bereich „Öffentliche und sonstige Dienstleister, Erziehung und Gesundheit“, auch wenn dort die Gesamtzahl eher zu stagnieren scheint bei 619.000 Beschäftigten (600 weniger als im Vorjahr), weil es dort natürlich auch einige Untergruppen gibt, wo weiter Beschäftigung aufgebaut wird – im Gesundheits- und Pflegebereich zum Beispiel.

Schon 2014 hatte Leipzig mehr Beschäftigte als Dresden (323.100 zu 319.400). Aber das vor allem durch die höhere Zahl marginal Beschäftigter, die ja rein rechnerisch fast 12 Prozent der in Leipzig Beschäftigten ausmachten, während es in Dresden knapp über 9 Prozent waren. Eine Zahl, die allein schon deutlich macht, warum das durchschnittliche Einkommensniveau in Leipzig niedriger liegt und warum mehr Menschen in „Armutsgefährdung“ leben.

Aber gerade das Jahr 2014 hatte schon gezeigt, dass der Beschäftigungsaufbau in Leipzig schneller vonstattengeht als in der Landeshauptstadt. Sollte sich der Abbau marginaler Beschäftigungsverhältnisse ähnlich fortsetzen, könnte Leipzig auch endlich aus der Armutsfalle einer falschen Niedriglohnpolitik herauskommen.

Der neue Bericht „Erwerbstätige im Freistaat Sachsen. 1991 bis 2015“.

NiedriglohnErwerbstätigeMarginale Beschäftigung
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Freitag, der 3. Juli 2020: Polizei, Kritik und Volksverhetzung
Die Graffitiwand am Streetballplatz in Connewitz mit einem der vielen Gesichter der vergangenen Jahre. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle Leser/-innenNach der langen Debatte um eine „taz“-Kolumne, die sich um Polizei und Müllentsorgung drehte, gibt es nun einen neuen Aufreger: Die Polizei in Thüringen prüft nach eigenen Angaben, ob sich eine Ortsgruppe von „Fridays for Future“ mit scharfer Polizeikritik strafbar gemacht hat. Der Vorwurf lautet: Volksverhetzung. Auch die Graffitiwand in Connewitz ist wieder ein Thema. Die L-IZ fasst zusammen, was am Freitag, den 3. Juli 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
Corona-Demos in der Oberlausitz: Mit Reichsflaggen für die Demokratie
Corona-Demonstration an der B96. Foto: Luise Mosig

Foto: Luise Mosig

Für alle Leser/-innenSeit April demonstrieren in Leipzig regelmäßig Menschen gegen die Corona-Maßnahmen, darunter auch einige Reichsbürger/-innen und Neonazis. In anderen Teilen Sachsens ist der Anteil der offenkundig rechtsradikalen Teilnehmer/-innen bei „Corona-Demos“ viel höher; Gegenprotest gab es dort aber lange Zeit nicht.
Die neue Stadtwerke-Zentrale braucht auch Anschluss zu S-Bahn und Aktiv-Achse Süd
Gelände der Stadtwerke zwischen Richard-Lehmann- und Arno-Nitzsche-Straße. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDie Unterbringung der Stadtwerke-Zentrale im Europahaus am Augustusplatz ist nur ein Interim. Künftig soll die Zentrale auf dem Gelände der Stadtwerke zwischen Richard-Lehmann- und Arno-Nitzsche-Straße ihren Platz finden. Einen Architekturwettbewerb dazu gab es schon. Aber so richtig Gedanken, wie das riesige Gelände vielleicht auch für den Stadtraum geöffnet werden kann, hat sich niemand gemacht. Die Grünen waren die ersten, die eine Durchwegung beantragten. Jetzt bekommen sie Schützenhilfe aus SPD- und Linksfraktion.
Vier Stadträt/-innen legen einen erwachsenen Vorschlag zum Basketball-Platz am Connewitzer Kreuz vor
So oder so ähnlich sah es bis heute am Connewitzer Kreuz aus. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDie Vorgänge um all das, was in der Silvesternacht am Connewitzer Kreuz passiert ist oder nicht passiert ist, haben mehrere Ratsfraktionen endgültig alarmiert und ihnen klargemacht, dass Stadt und Polizei hier einfach keine Lösung finden. Was auch zu erheblichen Teilen an einer Landespolitik liegt, die hier seit Jahren versucht mit dem Schlagwort „Linksextremismus“ Politik zu machen. Auf Kosten der Stadt Leipzig wohlgemerkt. Das Spiel wollen die Fraktionen von Linken, Grünen und SPD so nicht mehr mitspielen.
Leipziger Einkommen gehen wieder auseinander und die Armutsquote steigt
Die Armutsgefährdungsquote nach Jahrgängen. Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2018

Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2018

Für alle LeserDie Leipziger Nettoeinkommen steigen. Auch das bilden die beiden jüngeren Bürgerumfragen 2018 und 2019 ab. Aber wer nur die Durchschnittseinkommen nimmt, sieht nicht wirklich, was in Leipzig passiert. Denn während die persönlichen Nettoeinkommen seit Ende der Finanzkrise 2010 scheinbar flächendeckend steigen, stagnieren sie in Wirklichkeit bei Schülern und Studenten genauso wie bei Soloselbstständigen. Und bei Älteren wächst die Armutsgefährdung.
Für die ersten 11,4 Kilometer Radweg am Kanal können jetzt die Planungen beginnen
Weg am Elster-Saale-Kanal. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserDie Stadtverwaltung Halle war ja schon ganz euphorisch und meinte, gleich im nächsten Jahr könnte der Radweg am Elster-Saale-Kanal gebaut werden. Aber so schnell wird in hiesigen Breiten nicht gebaut. Dass der Grüne Ring hier die Konzeption übernommen hat, bestätigt auf Nachfrage das Amt für Stadtgrün und Gewässer der Stadt Leipzig, auch wenn für das fehlende Teilstück bis zur Saale noch die Geldzusagen fehlen.
Die Strecke Leipzig–Chemnitz muss viel schneller ans Netz als bislang geplant
Blick auf den Chemnitzer Hauptbahnhof (Juli 2019). Foto: DB Netz AG

Foto: DB Netz AG

Für alle LeserFast drei Jahrzehnte war die Deutsche Bahn eigentlich das Sparschwein der Nation, sollte möglichst gewinnbringend fahren. Der Druck war enorm. Man sieht es fast in jedem kleinen Dorf: Bahnhöfe wurden stillgelegt, ganze Gleisstrecken abgeklemmt. Die Ausbaumilliarden flossen größtenteils in den Straßenbau. Doch seit Dienstag, 30. Juni, ist das alles etwas anders. Da stellte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer den „Schienenpakt vor“. Und jetzt kommt auch aus der sächsischen CDU Druck. Der Ausbau der Strecke Leipzig–Chemnitz kommt viel zu spät.
ÖPNV, Schulen, Klima: Wie lange es dauert, bis die Brisanz der wirklichen Probleme endlich auch in der Wahrnehmung der Leipziger ankommt
Die größten Probleme aus Leipziger Bürgersicht. Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2019

Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2019

Für alle Leser„Kriminalität und Sicherheit sowie die Wohnkosten werden von der Leipziger Bürgerschaft als größte städtische Probleme angesehen. Es folgen in der Rangfolge mit Handlungsbedarf der öffentliche Nahverkehr, Parkplätze, Straßenzustand und Kindertagesstätten“, kommentiert das Amt für Statistik und Wahlen knapp die in der „Bürgerumfrage 2019“ ermittelte Problemreihenfolge. Der ÖPNV gehört dabei zu den Problemen, die aus Sicht der Befragten weiter an Dringlichkeit gewonnen haben.
Wiederaufnahme von öffentlichen Führungen im Panometer Leipzig
Führung CAROLAS GARTEN Foto: Tom Schulze © Panometer (Aufnahme vor Corona)

Foto: Tom Schulze © Panometer (Aufnahme vor Corona)

Neun Wochen nach der Wiedereröffnung des 360°-Panoramas CAROLAS GARTEN kehrt ein weiteres Stück Normalität in das Panometer Leipzig zurück. Erstmals seit der Coronabedingten Schließzeit werden wieder öffentliche Führungen durch die Begleitausstellung des Panoramas von Yadegar Asisi angeboten. Die 45-minütigen Führungen finden zunächst nur an Wochenenden jeweils 10.30 Uhr, 11.30 Uhr sowie 14.00 Uhr und 15.00 Uhr statt.
Civa bringt frischen Wind beim 1. FC Lok: Wolf macht Platz für neue Spieler
Der neue Lok-Trainer und Sportliche Leiter Almedin Civa stellt sich vor. Foto: Thomas Gorlt

Foto: Thomas Gorlt

Für alle LeserZwei Tage nach der Enttäuschung von Bielefeld beginnt beim 1. FC Lok Leipzig eine neue Zeitrechnung. Mit Almedin Civa wurde ein neuer Cheftrainer und Sportdirektor vorgestellt. Der bisherige Mann auf der Position, Wolfgang Wolf, beendet planmäßig nach einem Jahr sein Engagement. Wolf wäre gern geblieben, bei den kleinen Brötchen, die der Verein wieder backen muss, bedeutet Wolfs Abschied aber ein bis zwei weitere Spieler für Lok. Wer kommt und geht, wird in den kommenden Tagen entschieden.
Donnerstag, der 2. Juli 2020: Verfassungsschutz soll AfD-Daten rechtswidrig gespeichert haben
Gordian Meyer-Plath war bis zum 30. Juni 2020 der Präsident des sächsischen Landesamtes für Verfassungsschutz. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle Leser/-innenIm gestern eröffneten Streit um den Umgang des sächsischen Verfassungsschutzes mit Daten über AfD-Abgeordnete gibt es heute eine neue Wendung: Der ehemalige Präsident der Behörde soll diese rechtswidrig gespeichert haben. Die Landtagsfraktionen sehen das offenbar ähnlich. Unterdessen stehen für die kommenden Wochen neue Corona-Lockerungen in Aussicht. Die L-IZ fasst zusammen, was am Donnerstag, den 2. Juli 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
Per Sehnsuchts-Challenge durch die Coronakrise: Wie das Leipziger Format SportVorOrt die sportlose Zeit überbrückte
SportVorOrt war auch in der Coronakrise nicht untätig.

SportVorOrt-Logo

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 80, seit 26. Juni im HandelEs sind vor allem die Teams in den unteren Ligen und die sogenannten Randsportarten, die es oft schwer haben, eine mediale Öffentlichkeit zu finden. Das Format SportVorOrt war im vergangenen Jahr an den Start gegangen, um genau diese Plattform zu bieten. Jede Woche wurden hier interessante (Breitensport-)Termine in den Mittelpunkt gestellt. Doch was macht SportVorOrt, wenn gar kein Sport vor Ort stattfindet? Die LEIPZIGER ZEITUNG (LZ) befragte den Initiator Robert Kühne.
Nur 14 Prozent Wohneigentum: Wer sich vor jeder Mieterhöhung fürchten muss, kauft sich auch keine Wohnung
Entwicklung der monatlichen Haushaltseinkommen nach Klassen. Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2019

Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2019

Für alle LeserWer die Leipziger Bürgerumfragen genau liest, merkt schnell, wie diese „Boomstadt“ im Osten mit viel Kreativität aus ziemlich wenig Geld etwas Vorzeigbares macht. Man hört jedes Mal das Seufzen der Leipziger Statistiker, wenn sie nach der jüngsten Bürgerumfrage wieder feststellen, dass der Anteil des Wohneigentums einfach nicht gewachsen ist. Nur 14 Prozent leben in den eigenen vier Wänden. So niedrig ist der Wert auch noch in Berlin, der anderen „Arm aber sexy“-Stadt im Osten.
Bevor die Dieskaustraße zur Baustelle wird, muss die Küchenholzallee zu einem sicheren Radweg werden
Der Zustand der Küchenholzallee im Bereich der Kleingartenanlagen. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAb 2023 wollen Stadt und LVB die komplette Dieskaustraße zwischen Adler und Großzschocher umbauen und modernisieren. Das ist überfällig. Aber im Leipziger Südwesten gehen dazu berechtigte Befürchtungen um, denn nicht nur für Autofahrer gibt es praktisch keine Ausweichstrecken. Für Radfahrer/-innen gäbe es zwar eine. Aber die ist in einem unzumutbaren Zustand: es ist die Küchenholzallee. Der Stadtbezirksbeirat Südwest macht das jetzt zum Thema.
Grüne unterstützen Petition zur autofreien Innenstadt mit konkreten Straßenvorschlägen
Erst mal rein in die Innenstadt: Kfz-Gedrängel am Peterskirchhof. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDa war sich das Baudezernat ganz sicher: Diese Petition muss man ablehnen. Denn da gibt es doch den Stadtratsbeschluss RBIV-1452/08 vom 17. Dezember 2008 „Fortschreibung der Konzeption autoarme Innenstadt“. Darin hat man sich doch verständigt, dass man bei „autoarm“ bleibt und „autofrei“ kein Thema ist. Da hat wahrscheinlich jemand im Planungsdezernat die Corona-Zeit völlig vertrieft. Die Grünen unterstützen die Petition jetzt mit einem eigenen Antrag.