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Jobmaschine Leipzig befeuert die Pendlerzahlen

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    Das Leipziger Wirtschaftswachstum ist nicht auf die Stadt beschränkt. Es betrifft die ganze Region. Und nichts verdeutlicht das besser als die wachsenden Pendlerzahlen. Denn eigentlich ist der Tag absehbar, an dem sich jeden Morgen 100.000 Menschen rund um Leipzig in Auto, Bahn und Bus setzen, um zur Arbeit in die große Stadt zu fahren.

    Im vergangenen Jahr taten das schon 96.088 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, kann Peter Dütthorn in seinem Beitrag „Berufspendler 2016“ im neuen Quartalsbericht mitteilen, über 2.000 mehr als im Vorjahr. Seit 2003, seit die Pendlerzahl einen Tiefststand von 74.997 erreichte, steigt diese Zahl kontinuierlich an und zeigt, wie das Arbeitsplatzangebot in Leipzig gewachsen ist. 38 Prozent der in Leipzig tätigen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind Einpendler. Nicht alle tägliche Pendler. Manche sind auch Wochenendpendler.

    Aber genauer bekommt man es mit den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit nicht heraus. Die verraten nur, wo Wohn- und wo Arbeitsort liegen. Dass die Menschen den Weg dahin irgendwie überbrücken müssen, ist dann logisch.

    Und nicht nur in Leipzig sind immer neue Arbeitsplätze entstanden und haben für eine erstaunlich stabile Wirtschaftsentwicklung gesorgt. Dasselbe gilt für die Region. Was gleichzeitig bedeutet, dass auch die Zahl der Auspendler permanent stieg – von 33.408 im Jahr 2003, einem Jahr, in dem die Medien deutschlandweit vom „kranken Mann Europas““ lamentierten, Angela Merkel auf dem Leipziger CDU-Parteitag ein wirtschaftsliberales Programm vorstellte, das dem sozialdemokratischen Bundeskanzler richtig Druck machte und dieser Gerhard Schröder aus der mentalen Falle nicht herauskam und die Agenda 2010 auf den Weg brachte.

    Die Pendlerzahlen scheinen zu bestätigen, dass die Agenda 2010 richtig war.

    Aber in Wirklichkeit kam die wirtschaftliche Erholung schon vor dem 1. Januar 2005 in Gang, als „Hartz IV“ auch für viele Leipziger bittere Realität wurde. Politiker sind oft in dem naiven Glauben verfangen, ihre Projekte würden kurzfristig wirken, obwohl alle wirtschaftlichen Verläufe meist den Krisen-Zyklen folgen. Die betragen in der Regel sieben Jahre. Das halten nervöse Politiker meist nicht aus. Und sie wissen auch nicht (mehr), wie man solche Zyklen gestaltet.

    Dabei zeigen just die Pendlerzahlen, was Gerhard Schröder falsch gemacht hat und Angela Merkel richtig. Schröder hat die Reform in aller Eile durchgeprügelt und damit seine Kanzlerschaft torpediert.

    Angela Merkel musste dann nichts mehr übers Kreuz brechen und in aller Ruhe nur durchregieren, ohne irgendeine einzige große Reform. Was sie bis heute durchhält.

    Nichts liebt Wirtschaft mehr als eine Phase ohne Experimente. Auch wenn dann 2008 noch einmal die Finanzkrise dazwischenfuhrwerkte. Das Verblüffende: Die hatte zwar auf das Wirtschaftsergebnis der Leipziger sehr wohl Auswirkungen und sorgte für eine heftige Delle in den Bilanzen. Aber sie beeinträchtigte das Pendlerverhalten kaum. Was ja bedeutet, dass die Unternehmen auch damals schon überzeugt waren, dass der ab 2005 sichtbare Aufschwung tragen würde. Die Krise bremste die Entwicklung nur. Aber seit 2012 geht der Beschäftigungsaufbau in der ganzen Region voran. Was auch vielen Leipzigern Jobs jenseits der Stadtgrenzen brachte. Pendelten 2008 erstmals über 40.000 Leipziger zur Arbeit außerhalb der Stadt, waren es 2012 erstmals 50.000 und 2016 dann 58.909 – über 3.000 mehr als im Vorjahr.

    Gerade diese Pendlerverflechtungen zeigen, wie sehr so ein Metropolknoten der Mittelpunkt von Vernetzungen ist. Die Jobs, die das eher für Hochqualifizierte interessante Leipzig zu bieten hat, werden ergänzt durch Fach- und Hilfsjobs zum Beispiel am Flughafen Leipzig/Halle (was Schkeuditz einen saftigen Pendlerüberschuss gegenüber Leipzig beschert) oder im Chemiepark von Leuna.

    Eine gemeinsame Wirtschaftsförderung ist also klug gedacht. Ob auch klug gemacht, ist eine andere Frage. Es ist sehr still geworden um die „Invest Region Leipzig“. Und trotzdem siedeln sich immer neue Unternehmen an – viele Logistiker, viele Zulieferer, aber auch viele Anbieter von IT- und Kommunikationstechnologie. Und wenn keine Krise dazwischenfährt, ist nicht nur die Zahl von 100.000 Einpendlern bald erreicht, sondern auch die Frage nach besseren ÖPNV-Verbindungen. In einigen der Hotspots der Unternehmensansiedlungen steht das auf der Tagesordnung. Auch mit S-Bahn, die augenscheinlich doch eine Nummer zu klein gedacht wurde für das, was um Leipzig herum möglich ist.

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