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„Schulabbrecherquote“ sinkt, Zahl der Klassenwiederholer steigt – oder umgekehrt

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    Wie löst man ein Problem, für das augenscheinlich die Extra-Lehrer fehlen? Jahrelang hatte ja nicht nur Sachsen eine viel zu hohe „Schulabbrecher“-Quote. Wobei „Schulabbrecher“ ja schon regelrecht eine Beleidigung war für die jungen Leute, die im sächsischen Bildungssystem nur noch wie Rohprodukte verarbeitet werden. Und Leipzig fiel noch mit viel höheren Quoten auf.

    Seit 2014 aber sinkt diese Quote, die in den schlimmsten Jahren über 15 Prozent lag. Jeder sechste Schüler wurde einfach ohne qualifiziertes Zeugnis ins Leben entlassen. Das ist nicht das Versagen der Kinder, sondern das eines Staates, der es nicht fertigbringt, Kindern in zehn Jahren eine vollwertige Grundausbildung zu geben.

    Die Ursachen sind bekannt. Die allererste ist die miserable Lehreraustattung. Selbst in Jahren, als schon tausende Lehrer fehlten, stellte der Freistaat nicht alle Bewerber ein, weil das Sparen für die „Schwarze Null“ (die in Sachsen eher eine riesige Pensionskasse ist) wichtiger war als der Lebenserfolg der jungen Menschen.

    Schon dafür hätte die Regierung abgewählt werden müssen.

    Aber augenscheinlich nehmen sächsische Wähler solche echten Dramen nicht ernst.

    2014 schaffte Leipzig erstmals eine Quote von Schulabgängern ohne Hauptschulabschluss von 12,3, die dann auf 11,3 Prozent gesenkt werden konnte und 2017 dann auf 10,2. Hauptschulabschluss ist auch nicht gerade ein Hinweis auf eine besonders erfolgreiche Schulkarriere. Aber immerhin ein erreichtes Ziel – keine Bescheinigung, die scheinbar den Schüler als Verweigerer dastehen lässt.

    Aber wie geht so etwas?

    Möglich, dass Leipzigs stringente Politik, gerade die Oberschulen mit Sozialarbeitern zu versorgen und den Kindern mit besonders vielen Problemen einen schulunabhängigen Ansprechpartner zu verschaffen, geholfen hat. Das wäre auszuwerten. Vielleicht macht das mal jemand. Denn wenn Kinder über ihren oft familiären Kummer mit unabhängigen Sozialarbeitern sprechen können, lindert das einige Nöte, die das Schulleben sonst belasten.

    Wiederholungsquoten in Leipziger Schulen. Grafik: Stadt Leipzig, Jahrbuch 2018
    Wiederholungsquoten in Leipziger Schulen. Grafik: Stadt Leipzig, Jahrbuch 2018

    Und die andere Entwicklung ist jetzt aus dem „Jahrbuch 2018“ ablesbar.

    Das Stichwort heißt: Wiederholer.

    Die Zahl der Wiederholer in Leipzigs Schulen ist nämlich seit 2015 deutlich gestiegen – von 978 auf 1.502. Und zwar an allen Schularten – an Gymnasien nicht ganz so stark (von 184 im Jahr 2014 auf 272), stärker in den Grundschulen (von 306 auf 504) und am stärksten natürlich an den Oberschulen (von 352 auf 623).

    Wer dahintersteckt, verrät das Jahrbuch natürlich nicht, ob Eltern hier Druck machen oder die Schulleitungen. Aber es deutet einiges darauf hin, dass beide Ergebnisse zusammenhängen und dass das einst verpönte Thema der Klassenwiederholung (früher gern als Sitzenbleiben verpönt) längst in einem anderen Licht betrachtet wird und Kinder mit der Wiederholung der entscheidenden Stufe doch wieder die Chance bekommen, das Schulziel zu erreichen und eine bessere Chance beim Berufsstart zu bekommen.

    Das ersetzt zwar noch nicht die große Zahl immer noch fehlender Lehrer. Denn normalerweise sind das alles auch junge Menschen, die höheren Förderbedarf haben als ihre Altersgenossen. Aber wenn es dazu führt, dass mehr Kinder am Ende ein qualifiziertes Zeugnis bekommen, ist allen ein Stück weit geholfen.

    260 Seiten voller Zahlen zum Leipzig des Jahres 2017

     

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