Über 90 Prozent der Leipziger sortieren brav ihren Müll, aber warum eigentlich?

Für alle LeserEs wird in Sachsen nicht anders sein als in ganz Deutschland. Die Deutschen sind zwar stolz auf ihr ordentliches Abfalltrennen. Aber nur etwa 5 Prozent zum Beispiel der gesammelten Verpackungs-Wertstoffe werden am Ende wiederverwendet. Der Rest wird entweder verbrannt oder landet auf der Kippe. Nur gibt es halt keine speziellen sächsischen Daten. Und auch keine Leipziger, weshalb ein Kapitel in der „Bürgerumfrage 2017“ regelrecht in der Luft schwebt.

Eigentlich weiß es Leipzigs Stadtreinigung schon seit mehrere Umfragen, dass fast alle Leipziger eifrig trennen: Papier und Pappe, Verpackungen, Glas, Bioabfall. Alles sortieren sie brav in die jeweiligen Tonnen, die regelmäßig abgeholt werden. Und dann?

Normalerweise geht der Bürger davon aus, dass alle diese Wertstoffe dann wieder ordentlich sortiert und in den Kreislauf zurückgespeist werden. Aber gerade beim Verpackungsmüll, so der „Spiegel“, funktioniert das bis heute nicht, haben sich die Entsorger viel zu sehr darauf verlassen, dass Länder wie China das Zeug abnehmen. Aber China nimmt die Plastikmengen nicht mehr ab.

2016 wollte die umweltpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag, Dr. Jana Pinka, schon einmal wissen, was die Staatsregierung über die Recycling-Quoten weiß.

Aber sie bekam schon damals eine Antwort, die zeigte, dass Agrarminister Thomas Schmidt (CDU) sich auch nicht die Bohne fürs Recycling interessiert. Es gibt keine Statistik dazu. Der Minister machte es sich einfach und verwies auf ein Datenblatt des Landesamtes für Statistik aus dem Jahr 2014 zu „Behandlung und Beseitigung von Abfällen in Abfallentsorgungsanlagen im Freistaat Sachsen“. Da hat Jana Pinka wahrscheinlich nur gedacht: Mit diesem Minister kannst du das Thema vergessen. Den interessiert das wirklich nicht.

Denn nur ein Teil der gesammelten Abfälle landet in den Abfallentsorgungsanlagen, über die hier Statistik geführt wird. Gerade über den Umgang mit Papier- und Plastikabfällen erfährt man hier nur wenig.

Von rund 5,7 Millionen Tonnen Abfällen landeten am Ende nur 816.166 Tonnen in Sortieranlagen. Und davon wurde nur ein Teil weiterverwertet.

Die komprimierten Aussagen dazu: „Insgesamt wurden 271.486 Tonnen Pappe und Papier (einschließlich Verpackungen) sortiert, um Papier-, Pappe- und Kartonabfälle sortenrein der Verwertung zuführen zu können. Neben anderen Abfällen wurden 182.794 Tonnen Leichtverpackungen, 81.066 Tonnen gemischte Bau- und Abbruchabfälle und 57.530 Tonnen gemischte Siedlungsabfälle in Sortieranlagen eingesetzt und sortiert.

Von der sortierten Gesamtmenge wurde ein Drittel (269.441 Tonnen) Papier und Pappe in verschiedenen Sorten als Sekundärstoffe an Verwerter abgegeben. Von den 100.438 Tonnen Kunststoffe und Gummi, die nach der Sortierung anfielen, wurde fast ein Sechstel (12,4 Prozent) an Verwerter abgegeben. Außerdem wurden 26.029 Tonnen Eisenmetalle rund 3,2 Prozent aussortiert.“

Aber die Sachsen und die Leipziger sortieren. Und dann? Dann entsteht ein riesiges Loch, in dem die Mengen verschwinden, weil sie in dieser Statistik nicht erfasst werden. Und erst umfangreiche Recherchen wie beim „Spiegel“ schaffen dann ein Bild, wo diese Mengen tatsächlich landen.

Deswegen sind die wiederkehrenden Fragen in der Bürgerumfrage, wie fleißig die Leipziger denn nun sortieren, eher seltsam. Denn bei Papier und Pappe sortieren längst 99 Prozent aller Leipziger brav in die Blauen Tonnen. So bestätigt es auch die „Bürgerumfrage 2017“. Bei Verpackungen sind es 97 Prozent, bei Glas immerhin noch 94 Prozent. Da macht sich schon eher bemerkbar, dass die Tonnen nicht im Hof stehen.

Bei Biomüll sind es dann nur noch 83 Prozent. Ein Grund zum Grübeln, finden Leipziger Statistiker. Sie vermuten eine Verbindung mit den Leipziger Lebensstiltypen, was so nur bedingt zutrifft. Nur sind Rentner hier sichtlich ordnungsliebender und tragen den Biomüll zu 91 Prozent zur Braunen Tonne oder auf den Kompost, die jungen Leipziger (18 bis 49 Jahre) tun das aber nur zu 77 bis 78 Prozent. Natürlich findet man hier eher den „modernen“ Lebensstiltyp.

Tatsächlich sammeln die Leipziger jedes Jahr über 25.000 Tonnen Papier und Pappe, über 12.000 Tonnen Glas und über 23.000 Tonnen Leichtverpackungen.

Aber der Statistik des Statistischen Landesamtes ist nicht zu entnehmen, wo diese Mengen bleiben und wie viel davon tatsächlich wieder in den Stoffkreislauf zurückkehrt. Aber irgendwie will Leipzigs Stadtreinigung die Trennung der Abfallarten optimieren. Jedenfalls liest sich so die Begründung der Frage, warum einige Leipziger nicht trennen. Immer mitbedacht, dass bei Papier, Glas und Verpackungen über 94 Prozent der Leipziger „ordentlich trennen“, bleiben für den Rest eher nichtoptimierbare Aussagen wie: „Ich habe kein Vorsortiersystem im Haushalt“ oder „Der Aufwand ist mir zu groß“ oder „Ich sehe darin keinen Sinn.“

Und wenn man die Sinnfrage stellt, muss man auch die Informationsfrage stellen: Wo bleibt das so ordentlich getrennte Zeug? Und was davon wird recycelt?

Aber nicht einmal der zuständige Minister will das wissen.

Bürgerumfrage
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