Zunehmender Wassermangel verändert auch die sächsische Ernte

Für alle LeserAm 31. Januar veröffentlichte das sächsische Umweltministerium eine begründete Warnung. Denn auch wenn es in diesem Winter immer wieder mal geregnet hat, ist die Wasserbilanz des Freistaats weiterhin negativ. Das Land erlebt jetzt genau das, was die Prognosen des Ministeriums schon vor 20 Jahren ergeben haben. Und das hat nicht nur Folgen für den Wald, sondern auch für die Ernten. 2018 und 2019 brachten ja schon deutlich geringere Ernteerträge.
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„Die aktuelle Situation ist sehr ernst“, sagte Umweltminister Wolfram Günther. „Helfen würden nur überdurchschnittliche Niederschläge in den kommenden Wochen. Bleibt es weiterhin so trocken, haben wir spätestens im Frühsommer eine Niedrigwassersituation, die noch kritischer als 2018 oder 2019 ausfallen kann.“

Und nicht nur die Pegel der Talsperren und Flüsse sind betroffen. Auch die Grundwasserkörper sind es: „Außerdem sind die Böden weiterhin deutlich zu trocken und die Grundwasserstände liegen an den meisten Messstellen unter den langjährigen Monatsmittelwerten“, betonte das Ministerium.

Und das hat Auswirkungen auf die Ernte.

Die Bilanz der letzten Ernte zog das Statistische Landesamt am 27. Januar:

„Die Getreideernte, einschließlich Körnermais, erbrachte 2019 in Sachsen einen Durchschnittsertrag von 67 Dezitonnen je Hektar. Das waren 6,6 Dezitonnen je Hektar mehr als 2018. Daraus resultiert eine Erntemenge von 2,6 Millionen Tonnen.“

Das sieht dann wie der langjährige Durchschnitt aus. Aber eigentlich tragen die Statistiker mit der Meldung eher zur Verwirrung bei, denn Winterweizen hat mit 68 Dezitonnen je Hektar ganz andere durchschnittliche Ernteerträge als Sommergerste mit 62 Dezitonnen oder gar Körnermais mit 86 Dezitonnen. Wenn mehr (Körner-)Mais angebaut wird, steigt logischerweise die geerntete Menge je Hektar.

Und es wird wieder mehr Mais angebaut,vor allem Silomais. Viele Bauern legen mittlerweile riesige Maisfelder an, um Mais für die Viehfütterung und für Biogasanlagen zu erzeugen. Die Statistiker beschreiben das so: „Aufgrund der geringen Silomaisernte 2018 wurde die Anbaufläche dieser für die Rinderbestände und Biogasanlagen bedeutenden Fruchtart 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 10.200 Hektar ausgedehnt. Bei einem Ertrag von 298 Dezitonnen je Hektar wurden 2,7 Millionen Tonnen dieser Futterpflanze geerntet und überwiegend für die vorgesehene Verwendung siliert.“

Damit nähert sich die Erntemenge an Silomais wieder dem Wert von 2012 an, wo 3,3 Millionen Tonnen geerntet wurden.

Gefundenes Fressen: Maisfeld bei Leipzig. Foto: Gernot Borriss

Gefundenes Fressen: Maisfeld bei Leipzig. Foto: L-IZ.de

Und das hat noch einen weiteren Grund, denn damit reagieren die Bauern natürlich auch auf die zunehmend regenärmeren, wärmeren und sonnenreicheren Sommer. Denn der Mais ist nun einmal an Regionen angepasst, in denen es wärmer und regenärmer ist. Der Mais ist eine Pflanze, die mit deutlich weniger Wasser auskommt als zum Beispiel Weizen, Rüben oder Kartoffeln.

Den Effekt blenden die Statistiker völlig aus, wenn sie sich nur auf die gegenüber 2018 wieder leicht gestiegenen Erntemengen je Hektar fokussieren.

„Mit 33,5 Dezitonnen je Hektar wurde beim Winterraps, der bedeutendsten Ölfrucht, ein um 3,1 Dezitonnen je Hektar höherer Ertrag als im Vorjahr erreicht“, stellen sie zum Beispiel fest. Aber als Energiepflanze (Raps wird ja zur Bioethanol-Herstellung genutzt) steht er in direkter Konkurrenz zum Mais. Und allein die Erntemenge bringt den Mais dabei in Vorteil. Logische Folge: Die Bauern haben die Raps-Anbauflächen deutlich verringert.

„Aufgrund der zum Vorjahr um 29.100 Hektar reduzierten Anbaufläche wurden mit 324.700 Tonnen jedoch rund 58.100 Tonnen weniger als im Vergleichsjahr eingebracht.“

Und auch dieser Trend ist schon seit Jahren zu beobachten. 2012 wurden in Sachsen noch fast 500.000 Tonnen Raps geerntet.

„Auch die Hackfruchternte fiel 2019 höher aus als im Vorjahr“, listen die Statistiker noch auf. „Mit 1,06 Millionen Tonnen Zuckerrüben wurden 201.400 Tonnen mehr gerodet als 2018. Der Durchschnittsertrag von 655 Dezitonnen je Hektar lag damit bei einer Anbaufläche von 16.200 Hektar um 121 Dezitonnen je Hektar bzw. knapp 23 Prozent über dem des Vorjahres. Die sächsische Kartoffelernte erreichte mit 210.600 Tonnen bei einem Ertrag von 344 Dezitonnen je Hektar ebenfalls eine um 24.900 Tonnen höhere Erntemenge.“

Aber auch hier zeigt der Blick in die Statistik: Tatsächlich ist die Erntemenge von Kartoffeln seit den frühen 2000er-Jahren deutlich gesunken. Damals wurden in Sachsen noch 290.000 Tonnen Kartoffeln im Jahr geerntet. Der Durchschnittsertrag lag bei 385 Dezitonnen pro Hektar. Das sind Werte, da entscheiden Bauern natürlich jedes Jahr neu, ob sie sich die spezielle Feldfrucht überhaupt noch leisten können oder ob sie doch lieber auf die Produktion von Biomasse umsteigen.

Die Diskussion um die Nahrungsmittelpreise in unseren Supermärkten ist schon längst entbrannt. Denn die Preise werden eben nicht durch das produzierte Angebot bestimmt, sondern durch das Preisdiktat der großen Einzelhandelskonzerne, die nach Aussagen von Rewe-Chef Lionel Souque überhaupt nicht daran denken, die Preise zu erhöhen und den Bauern damit endlich wieder Abnahmepreise zu garantieren, die ihnen ein auskömmliches Wirtschaften ermöglichen.

Von einem ökologischen Wirtschaften ganz zu schweigen. Es sind Konzerne wie Rewe, die mit ihrer Preispolitik all die fatalen ökologischen Folgen in der Landwirtschaft geradezu erzwingen, weil sie Bauern zur Billigproduktion zwingen, die einen sorgsamen Umgang mit den natürlichen Ressourcen gar nicht mehr zulässt.

Nur die Subventionen der EU haben einen kleinen entspannenden Effekt, denn mit ihnen lohnt es sich für die Bauern, wieder mehr Wiesen und Brachen liegen zu lassen. Ergebnis, so die Statistiker: „Vom Dauergrünland (Wiesen und Weiden) wurden 2019 knapp 15 Prozent mehr geerntet als im Jahr zuvor.“

Aber auch die Statistiker sehen, dass die Trockenheit mittlerweile langfristige Auswirkungen auf die Erntemengen hat: „Trotz dieser im Vergleich zu 2018 guten Ergebnisse sind auch für 2019 erneut erhebliche Ernteausfälle – aufgrund der langanhaltenden Trockenheit – im Vergleich zum 6-jährigen Durchschnitt zu verzeichnen. Bei Getreide wurden 3,7 Dezitonnen je Hektar, beim Winterraps 3,6 Dezitonnen je Hektar, bei Kartoffeln 52 Dezitonnen je Hektar und bei Zuckerrüben rund 44 Dezitonnen je Hektar weniger in Sachsen eingebracht als im mehrjährigem Mittel.“

Das heißt: Während die Getreideernte um 6 Prozent niedriger ausfiel als im langjährigen Durchschnitt, waren es bei der Kartoffelernte schon 13 Prozent. Hier machte sich der Wassermangel am deutlichsten bemerkbar.

Wirtschaftsdezernat will bis Ende 2020 ein Gesamtkonzept für Leipzigs Landwirtschaftsflächen vorlegen

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© Gert Mothes

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