Leipzig könnte durchaus noch stärker wachsen, würden nicht jedes Jahr Hunderte Haushalte ihren Lebensmittelpunkt in die angrenzenden Gemeinden und Landkreise verlegen. Oft einfach deshalb, weil es für eine wachsende Familie in der Stadt keine geeigneten Wohnungsangebote mehr gibt und der Erwerb von Eigenheimen im Speckgürtel deutlich preiswerter ist als in Leipzig.
Um 1.030 Personen wuchs Leipzigs Einwohnerzahl 2025, wenn man die Zahlen aus dem Melderegister der Stadt zugrunde legt. Es hätte auch 2.700 mehr sein können, gäbe es die Abwanderung ins Umland nicht.
Andrea Schultz und Manuela Lagrange zeigen in ihrem Beitrag zu diesem Thema im gerade vorgelegten Quartalsbericht 4/2025 schon etwas Zuversicht, wenn sie titeln: „Suburbanisierungswelle in Leipzig ebbt ab“. Zumindest ist die Zahl der Personen, die Leipzig in Richtung Umland verlassen, wieder gesunken.
„Die Abwanderung in die Leipziger Umlandkreise Anhalt-Bitterfeld, Nordsachsen, Landkreis Leipzig, Altenburger Land und Saalekreis nahm zwischen 2018 und 2022 zunächst deutlich zu“, stellen die beiden Autorinnen des Beitrags fest. „Im Jahr 2018 verzeichnete Leipzig noch einen Wanderungsverlust von 1.524 Personen in diese Umlandkreise. Bis 2022 stieg dieser Verlust auf 4.452 Personen an. In diesem Zeitraum veränderte sich nicht nur das Ausmaß der Leipziger Suburbanisierung, sondern auch ihre räumliche Dimension.“

„Der suburbane Raum […] hat sich […] von Jahr zu Jahr etwas ausgedehnt“, zitierte sie einen Beitrag von Andrea Schultz aus dem Jahr 2022. „Die verstärkte Abwanderung ins Umland zu Beginn der 2020er Jahre wurde dabei nicht nur für Leipzig festgestellt, auch für andere deutsche Städten beobachtet Siedentop (2024) dieses Phänomen und beschrieb es als ‚fünfte Suburbanisierung‘.“
Das Thema der Abwanderung gerade von Familien mit Kindern ist auch regelmäßig Thema im Stadtrat. Zuletzt wurde es wieder in der Debatte um den Eigenheimbau in Leipzig aufgerufen. Die These dahinter: Weil Familien mit Kindern in Leipzig keinen bezahlbaren Baugrund für Eigenheime mehr finden, wandern sie ins Umland ab.
Ausgeblendet wird dabei zumeist, dass es in Leipzig auch immer weniger bezahlbare Mietwohnungen für Familien mit Kindern gibt. Der Leipziger Mietwohnungsmarkt mit seinen gestiegenen Mieten spielt eine nicht zu vernachlässigende Rolle bei dieser Drift ins Umland.
Aber Schultz und Lagrange zeigen sich in ihrem Beitrag zuversichtlich: „Seit dem Jahr 2022 geht die Suburbanisierung in Leipzig wieder zurück, die ‘Welle’ ebbt ab. Die Wanderungsverluste in die fünf Umlandkreise nehmen Jahr für Jahr wieder ab und stagnieren seit 2024. Gleichzeitig zieht sich der suburbane Raum in seiner Ausdehnung wieder zusammen: Die räumliche Reichweite hoher Wanderungsverluste aus der Kernstadt verringert sich erneut …“
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