Seit einiger Zeit finden auch Wetter und Klima öfter in die Berichte des Amtes für Statistik und Wahlen der Stadt Leipzig. So auch in den gerade veröffentlichten Quartalsbericht Nr. 4 für 2025. Da haben Andrea Schultz und Manuela Lagrange einmal die jüngsten Messergebnisse der Messstation Holzhausen unter die Lupe genommen. Nach den Messungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ergibt sich für das Jahr 2025 für Holzhausen eine Jahresmitteltemperatur von 10,7 °C.
Damit liegt das Jahr 2025 unter den außergewöhnlich warmen Vorjahren 2024 (11,88 °C) und 2023 (11,44 °C), überschreitet aber weiterhin das Klimamittel der Referenzperiode 1991 bis 2020, das für Holzhausen 10,15 °C beträgt.
Was auf den ersten Blick nicht nach viel aussieht. Aber die Referenzperiode von 1991 bis 2020 war auch schon um 1,3 zu warm. Wirklich deutlich wird das Verhältnis, wenn man die Referenzperiode von 1961 bis 1990 zum Vergleich nimmt. Da lag die Durchschnittstemperatur in Leipzig bei 8,8 °C. Was auch in den vom Amt für Statistik und Wahlen gezeichneten Warming Stripes deutlich wird: Ab 1990 häufen sich die roten und tiefroten Jahre, in denen die Durchschnittstemperaturen in Leipzig den Referenzwert von 1961 bis 1990 deutlich überschritten.
Der Start ins Jahr 2026
Der Jahresbeginn 2026 zeigte sich im Vergleich zu den Vorjahren deutlich winterlicher, so das Amt für Statistik und Wahlen. „Sowohl im Januar als auch im Februar traten in Leipzig‑Holzhausen ungewöhnlich kalte Witterungsabschnitte auf. Die tiefste gemessene Temperatur lag im Januar bei –11,5 °C und im Februar bei –7,2 °C. Die Monatsmitteltemperaturen betrugen –0,76 °C im Januar und 2,86 °C im Februar. Damit lag der Januar klar unter dem langjährigen Mittelwert der Referenzperiode 1991 bis 2020 (1,3 °C). Der Februar begann ebenfalls frostig und vergleichsweise kühl; erst die milden Temperaturen ab dem 21. Februar führten dazu, dass der Februar 2026 insgesamt etwas wärmer als das langjährige Mittel von 2,1 °C ausfiel.“
Und auch im Amt für Statistik und Wahlen ist man sich einig, dass ein Vergleich mit den Jahren 1991 bis 2020 das Ausmaß der Erwärmung auch im Raum Leipzig nicht wirklich sichtbar macht.
„Im Vergleich zur früheren Referenzperiode 1961 bis 1990 wird deutlich, dass in der jüngeren Referenzperiode (1991 bis 2020) die klimatische Erwärmung bereits eingepreist ist. In der älteren Periode lag das langjährige Mittel in Leipzig‑Holzhausen im Januar noch bei –0,1 °C und im Februar bei 1,4 °C. Zwischen beiden Referenzperioden ist die mittlere Monatstemperatur in beiden Monaten somit um +1,4 °C angestiegen. Die unterschiedlichen langjährigen Mittelwerte verdeutlichen, wie stark sich das regionale Klima seit den 1990er Jahren erwärmt hat.“
Die Warming Stripes
Die langfristige Temperaturentwicklung wird durch die sogenannten Warming Stripes anschaulich dargestellt. Die Abbildung oben umfasst den Zeitraum seit 1851, dem Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen in Leipzig‑Holzhausen. Sie zeigt eine deutliche Verschiebung von überwiegend blauen Farbtönen in der Frühphase der Messreihe hin zu zunehmend roten Farbtönen in den jüngeren Jahrzehnten. Damit verdichten die Stripes 175 Jahre Temperaturentwicklung zu einer klar interpretierbaren grafischen Zeitreihe.
Und auch das Amt für Statistik und Wahlen resümiert: „Trotz jährlicher Schwankungen weist der Datensatz einen eindeutig positiven Temperaturtrend auf. Besonders seit den 1990er Jahren ist eine kontinuierliche Erwärmung erkennbar, die mit den überdurchschnittlichen Jahreswerten der jüngsten Vergangenheit konsistent ist.“
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Es gibt 19 Kommentare
Merci, Christian, ich habe mich tatsächlich geirrt und den Finnen mißverstanden (es ist so eine Sache mit “take in” und “put out”). Denn anstelle einer Mitkopplung haben wir erfreulicherweise eine Gegenkopplung, also die Natur nimmt auch mit Kohlendioxidkonzentrations- und Temperaturanstieg sozusagen dennoch anwachsend Kohlendioxid auf.
Gucken Sie sich doch einmal diese Graphik an: https://www.itia.ntua.gr/en/getfile/2517/1/documents/KoutsoyiannisSCC_T_CO2_3a.pdf#page=4 Der jährliche Kohlendioxidkonzentrations-Saldo von +2,2 Milliliter pro Kubikmeter im Jahr 2023 (gegenüber +0,8 im Jahr 1958) soll es wirklich sein, der den Temperaturanstieg treibt? Puh. Und dann eilt ja außerdem die Temperaturänderung durchweg der Kohlendioxidkonzentrationsänderung voraus…
Die Grafik auf jener Seite ist auch eher verwirrend für mich.
Fakt, die natürlichen CO2-Flüsse sind mengenmäßig größer, waren aber einst und sehr, sehr lange Zeit im Gleichgewicht. Jene 1-10% anthropogenes CO2 sind ein zusätzlicher(!) Netto-Eintrag.
Prozentual gesehen sind damit nahezu 100% des beobachteten Anstiegs anthropogen verursacht.
CO2 ist leider langlebig; eine Rückkehr zu 280ppm ist kein realistisches Ziel, man muss den weiteren Anstieg begrenzen / stoppen.
Zu Mutter Natur: Aufforstung, statt Rodungen. Renaturierungen. Natürliche CO2-Senken sind begrenzt.
Die anderen natürlichen Prozesse laufen für eine akute Reaktion sehr / zu langsam: Ozeane, Sedimentation, Verwitterung.
Den englischen Satz des Finnen verstehe ich so:
‘Ohne die zusätzliche Aufnahme wäre der CO2-Anstieg noch viel stärker.’
Die Natur kann das zusätzliche CO2 nicht vollständig kompensieren.
Sie dämpft das alles etwas, aber darüber reden wir ja schon seit zig Jahren.
Unter diesem Aspekt muss man die Welt jetzt nicht verloren geben, aber man sollte versuchen, diese Entwicklung wieder in den Griff zu bekommen. Jedes Grad weniger wird da sicher helfen.
Die Beschreibung des AfD-Menschen ist sicher etwas tendenziös. Man darf aber auch nicht vergessen, dass vor allem diese Partei das ganze Gegenteil von Klimaschutz darstellt.
Ob nun Skepsis der menschengemachten Klimaerwärmung, Ablehnung von Klimamodellen, Blockaden bei Klimaschutzzielen oder CO2-Handel, Subventionen erneuerbarer Energien, Pro-Kohle-Standpunkte etc. Insofern ist ein Klimasprecher der AfD schon ein Paradoxon, aber legitim.
Die belgische “European Journalism Training Association” (EJTA) betreibt ein Fakten-Check-Portal, auf dem ich dies fand: “Mostly false: ‘Only around 3% of all CO₂ emissions are man-made'” https://eufactcheck.eu/factcheck/mostly-false-only-around-3-of-all-co%e2%82%82-emissions-are-man-made
Der Text stellt fest, daß ein Anteil aus der Spanne von 1% bis 10% (großzügig gefaßt; es werden mehrere Werte im Intervall angegeben) des atmosphärischen Kohlendioxideintrags Menschen-gemacht sei. Die sonstigen Kohlendioxidquellen, die demnach den verbleibenden Hauptanteil ausmachen, würden nicht das Problem sein, denn dieser würde halt resorbiert werden können. In einer sehr unübersichtlichen Graphik vom Weltklimarat mit Kohlenstoff-Angaben in Gigatonnen soll vermittelt werden, wie die Austausche laufen. Wenn ich nicht von anderer Stelle her wüßte, daß sich die Kohlendioxidkonzentration von Beginn des Industriezeitalters bis heute in etwa verdoppelt hat, ich hätte es hier nicht herauslesen können.
Und nun meine Frage: angenommen, der markante Anstieg des Kohlendioxidgehalts seit fast 200 Jahren ist kausal für den Temperaturanstieg, der sich – nicht nur in Holzhausen – seit mindestens 1990 unübersehbar feststellen läßt. Wie bitteschön soll eigentlich die Rückführung der Kohlendioxidkonzentration auf den Wert von vor 200 Jahren aussichtsreich bewerkstelligt werden? Zumal der im EUfactcheck zitierte Finne auch noch konstatiert “In fact, due to human-originated carbon dioxide adding up to this carbon cycle and making CO₂ more available for plants and oceans to absorb, nature even takes more CO₂ in than it puts it out.” Was ja hieße, die nicht-anthropogenen Quellen würden durch die anthropogenen quasi verstärkt. Unter diesen Umständen wären wir doch völlig verloren. Was der vom Faktencheck zitierte finnische Meteorologe nur rausbringt, ist, man möge endlich den Kohlendioxideintrag aus fossilen Brennstoffen senken. Ok, und nun? Wenn doch nicht mal Mutter Natur bei der Rückführung des Kohlendioxid-Niveaus mithilft. Und mal anders gefragt: Stimmt das eigentlich?
Abgesehen davon, was mich an diesem, für Journalisten gemachten EUfactcheck stört, ist das betonte Auffahren der Meinung eines hoffentlich abstoßenden AfD-Mannes. Wozu? Damit die Botschaft besser rutscht? Und am Schluß die Warnung, einzelne Prozentzahlen seien irreführend. Tja also, wer hätte das gedacht!?
Diskutieren finde ich ebenfalls wichtig. Sich auf Strategien einigen und Konsequenzen ziehen funktionieren nur, wenn sich Mehrheiten bilden, die wiederum nur über gemeinsame Ansichten existieren können.
In der Diskussion werden Fakten und Ansichten ausgetauscht; Meinungen können sich ändern.
Diskussion heißt aber auch, auf sein Gegenüber einzugehen.
Urs, Ihr Bild ist korrekt, zeigt aber nur die kurzfristigen Schwankungen um einen steigenden Mittelwert bzw. die Rückkopplungen im Kohlenstoffkreislauf.
Es zeigt nicht den langfristigen Energieeintrag durch CO₂, den Trend der Mitteltemperaturen und die Ursache der Erwärmung über Jahrzehnte.
Vielleicht wollen Sie das aber auch gar nicht sehen.
Ihre Aussage bedeutet übersetzt: ‘Der Meeresspiegel kann nicht steigen, weil einzelne Wellen mal höher, mal niedriger sind. Verblüffenderweise steigt er trotzdem.
Die Warming Stripes verbildlichen einen langfristigen Trend seit 1850.
Und noch viel länger sehen Sie hier:
https://www.ecoclimax.com/2019/08/co2-concentration-in-atmosphere-over.html
Es gibt keinen vermeinltichen Widerspruch zwischen „schnarchlangsamem Langzeiteffekt“ und „heute zügiger Erwärmung“.
CO₂ wirkt nicht langsam oder träge, sondern kumulativ. Es erzeugt einen dauerhaften Energieüberschuss, der sich über Jahrzehnte aufbaut. Sobald dieser groß genug ist, steigt die Temperatur sichtbar und schnell, ohne dass sich der physikalische Mechanismus ändert.
Zu Ihrem etwas provokativ gesetzten Fragezeichen:
Ja, die aktuelle Erwärmung ist kausal und überwiegend menschengemachtem CO2 zuzuschreiben, weil der physikalische Mechanismus bekannt ist, der globale Energieüberschuss gemessen werden kann und wird (Ihre Forderung nach Physik!), und kein anderer Antrieb den beobachteten Trend erklären kann.
Es ist jedenfalls jetzt zu handeln, was die Konsumtion von Kohle, Öl und Gas betrifft. Die Frage ist aber mit welchem Ziel und – davon abhängig – mit welcher Vehemenz. Und dazu kommt die Frage, mit welchen Verbündeten, unter welchen gesellschaftlichen Gegebenheiten, und vieles mehr.
Es ist überhaupt nicht sinnlos zu diskutieren. “Zweifel säen” ist aber eine ins Unfreundliche spielende Phrase. Dabei wissen wir von Goethe: “Mit dem Wissen wächst der Zweifel”. Klingt kontraintuitiv, könnte aber wahr sein. Selbstverständlich beschreibt ein Vorauseilen von Temperaturänderungen vor Kohlendioxidkonzentrationsänderungen von etwa einem halben Jahr keinen Langzeiteffekt. Es muß aber wenigstens erwartet werden können, daß ein etwaiger zunehmender Langzeiteffekt sich mehr und mehr auch in den Kurzzeiteffekten niederschlägt. Da das aber nicht oder so gut wie nicht zu sehen ist, könnte die Frage naheliegend sein, wieso nicht? Mich wundert die Entschiedenheit des Standpunktes, derlei sei ganz klar und quasi normal, der Langzeiteffekt sei halt schnarchlangsam. Das ist er nicht, die Temperatur steigt inzwischen zügig. Kausal und überwiegend durch Menschen-gemachtes Kohlendioxid?
Ich habe übrigens noch einmal nachgelesen, die 4Gt/a von Ende der 50er und die 12Gt/a heute beziehen sich auf C, also Kohlenstoff, die Molekülmasse von Kohlendioxid ist 3,667 mal höher, aber das nur am Rande. Heute werden also mehr als 40Gt/a an Kohlendioxid emittiert (weiland waren es knapp 15Gt/a), die ohne Menschen nicht emittiert werden würden. Derlei könnte eine Auswirkung auf das globale Klima haben. Die Kurven unter https://pub.mdpi-res.com/sci/sci-05-00035/article_deploy/html/images/sci-05-00035-ag.png bestärken Sie seltsamerweise in einer derartigen Sicht. Ich hingegen erlaube mir Zweifel. Mehr isses nicht.
Lieber Nutzer Thomas_2: Sie meinen die Beleidigung einer ganzen Gruppe von Menschen “Alter weißer Mann (Boomer)”, darunter gibt es auch Nobelpreisträger, bringt uns in der Diskussion weiter.
Lieber Nutzer Christian: ihr Anliegen in allen Ehren, jedoch ist mir User Urs jedwede Diskussion, die nicht seine Meinung spiegelt, von vorneherein sinnlos. Alter weißer Mann (Boomer) halt. Die wissen es ja immer besser. Mal eben schnell ein Klimamodell entwerfen… LOL
Am besten einfach ignorieren.
Ihre Argumentation ignoriert den fundamentalen Unterschied zwischen Wetter (kurzfristige Schwankungen) und Klima (Langzeittrend).
Sie erwarten bei einer Flut, dass jede einzelne Welle höher ist als die vorherige, egal, wie viel Wind weht.
Die Flut (CO2-Antrieb) bestimmt aber das Niveau, auf dem die Wellen (Jahrestemperaturen) tanzen.
Diese Wellen werden durch natürliche Zyklen wie Vulkanausbrüche, El Nino/Nina u.v.m. bestimmt. Die daraus resultierenden Rückkopplungen auf Ozeane / Biosphäre führen zu kurzfristigen Schwankungen des CO2-Gehalts, z.B. weil wärmere Meere physikalisch weniger CO2 speichern können. Dabei eilt ‘kurzzeitig’ die Temperatur voraus.
-> Erwärmen sie eine Flasche kühlschrankkalte Cola: das Gas tritt aus! Deshalb muss die CO2-Kurve der Temperatur hinterher hinken. Das ist Physik, wie Sie es gefordert haben. Fragen Sie Henry.
Letztendlich schiebt aber der stetig steigende CO2-Gehalt die gesamte Energiebilanz und damit den Mittelwert nach oben, über dessen jährliche Zacken Sie sinnieren und ein eigenes Modell entwerfen, an dem Sie dann wiederum zweifeln und Zweifel säen.
Schade ist vor allem, dass Sie auf die zentrale Frage nie eingegangen sind, ob aus der jahrzehntelangen Erderwärmung, die Sie ja nicht bezweifelt haben (!), nicht auch die Notwendigkeit folgt, jetzt zu handeln.
Damit ist für mich die Diskussion an diesem Punkt beendet.
Hmm, ich gehe nicht auf Ihr Insistieren, es könne auf kurzen Skalen passieren was wolle, entscheidend seine die langen Skalen, ein, weil mir das nicht einleuchtet. Wenn aber doch mehr als 60 Jahre lang in einer Zeit des nicht unbeträchtlichen Anstiegs von weltweit etwas 4Gt/a auf fast 12Gt/a Menschen-gemachten Kohlendioxideintrags in die Atmosphäre weiter stur die globale Temperaturänderung (also ein Auf und auch ein Ab von Jahr zu Jahr, mit seit ca. 1990 einem klar stärkeren Auf als Ab) der globalen Kohlendioxidkonzentrationsänderung vorauseilt, und eben kein Durcheinander dieses Zusammenhangs einsetzt, dann kann ich gar nicht anders als zweifeln, daß genau der Menschen-gemachte Kohlendioxideintrag die Ursache dieses Temperaturanstiegs ist / sein soll. Anders gesagt: man muß vom Kohlendioxidkonzentrationsanstieg schon erwarten können, daß er die zeitliche Führung übernimmt, und nicht dauerhaft als Trittbrettfahrer der Temperatur reist. Wenigstens muß das Vorauseilen knapper werden. Aber das ist nicht der Fall. Tja.
Schade, dass Sie auf meine Frage nie eine Antwort formulieren.
Immerhin akzeptieren Sie, dass es seit den 1990ern eine deutliche Erwärmung gibt und CO2 physikalisch Strahlung beeinflusst.
Ich denke, bei Ihnen liegt eine falsche Erwartung zugrunde.
Sie schauen auf die jährlichen Ausschläge und warten darauf, dass sich dort irgendwann ein klarer Wechsel zeigt. Den wird es so aber nicht geben.
Das ist vergleichbar wie der physikalische Zusammenhang zwischen Temperatur und relativer Feuchte.
Der Treibhauseffekt wirkt nicht wie ein kurzfristiger Impuls, sondern wie eine langsam hochgedrehte und konstant heizende Fußbodenheizung: Das Grundniveau steigt, während es von Jahr zu Jahr weiter rauf und runter geht, wenn z.B. mal die Sonne in Ihr Wohnzimmer scheint oder die Eiszapfen an der Dachrinne hängen und es ein wenig kühler ist.
Diese kurzfristigen Schwankungen sind und bleiben wetter- und ozeangetrieben, auch dann, wenn CO₂ längst der dominante Langzeitantrieb ist.
Dass Temperaturänderungen auf kurzen Zeitskalen weiterhin CO₂-Flüssen vorauslaufen, ist deshalb kein Warnsignal wider den Treibhauseffekt, sondern genau das normal Erwartbare, wie bei der relativen Feuchte.
Ich werde mich weiter in das Gebiet einlesen. Im Gegensatz zu Ihnen, lieber “Christian”, hatte ich das permanente Vorauseilen der Temperaturänderungen vor der Änderung der log. Kohlendioxidkonzentration nicht erwartet. Nun starre ich die Graphen an. Man sieht durchweg das Vorauseilen der Temperatur. Daraus soll wirklich noch eine unübersehbare Umkehrung erfolgen? Wann endlich? Wenn wir doch nach Meinung der Majorität längst in der Phase der Kohlendioxid-bedingten Temperaturerhöhung leben!? Die Temperaturerhöhung ist seit den 1990ern recht markant. Dann hätte ich aber doch erwartet, daß wegen mir vor 1990 zwar noch die Temperatur dem Kohlendioxid vorauseilt, dann aber irgend ein Kohlendioxid-bedingter Moduswechsel beginnt. Dann aber hätte irgendwann mal eine Art Umkehrung der Abfolge oder gar eine Entkopplung von beidem eintreten müssen. Derlei ist aber nicht zu sehen. А теперь?
Die offiziellen CO² Berechnungen sind leider nicht vollständig (Militär fehlt).
Ich wiederhole mich, weil Sie auf den zentralen Punkt weiterhin nicht eingehen:
Ihre Beobachtung ist für kurze Zeitskalen korrekt.
Von Jahr zu Jahr reagieren natürliche CO₂-Flüsse tatsächlich auf Temperaturänderungen, etwa über Ozean- u. Biosphärenprozesse.
Daraus lässt sich jedoch kein Schluss auf den langfristigen Effekt ziehen.
Der physikalische Treibhauseffekt hängt vom absoluten CO₂-Niveau ab und wirkt über Jahrzehnte über die Energiebilanz des Klimasystems, während kurzfristige Variabilität das Signal auf Jahresskalen überlagert.
Dass Temperaturänderungen kurzfristig CO₂-Änderungen vorauslaufen, ist daher nicht nur unproblematisch, sondern erwartbar; es widerspricht aber der Rolle von CO₂ als langfristigem Erwärmungsantrieb in keiner Weise.
Deshalb frage ich Sie erneut und konkret:
Halten Sie diese bekannten Kurzzeiteffekte tatsächlich für ausreichend, um den langfristigen physikalischen Zusammenhang, und damit auch die Notwendigkeit zeitnahen Handelns, grundsätzlich infrage zu stellen?
Ich empfehle, diese graphische Zusammenfassung anzuschauen https://pub.mdpi-res.com/sci/sci-05-00035/article_deploy/html/images/sci-05-00035-ag.png und ein bißchen darüber zu meditieren. Die rote Kurve zeigt die Temperaturdifferenzen von Jahr zu Jahr, die grüne die logarithmierten Kohlendioxidkonzentrationsdifferenzen vonJahr zu Jahr. Und die Regressionen rechts zeigen zwei Regressionskoeffizienten: oben mit 0,75 für den Fall, daß man von der Kohlendioxidkonzentrationsänderung einen bestimmten Temperaturmittelwert abzieht, der bis ein halbes Jahr nach Erhebung der Wertepaare gemittelt wird. Unten mit einem Regressionskoeffizienten von 0,01 der Fall, daß man von der Kohlendioxidkonzentrationsänderung einen bestimmten Temperaturmittelwert abzieht, der bis ein halbes Jahr vor Erhebung der Wertepaare gemittelt wird. Wie sie leicht sehen, ist gerade nur für den zuerst genannten Falle eine Korrelation da. D.h., es eilt die Temperaturänderung der log. Kohlendioxidänderung voraus. Genau das sieht man auch in dem großen Diagramm mit Einträgen von ca. 1958 bis 2022. Ich halte diese Betrachtungen, die m.E. globale Meßwerte gemittelt einbeziehen, für bedenkenswert.
Sie meinen also, alles ist Ihnen nicht eindeutig genug, um daraus eine zügiges, tiefgreifendes Handeln abzuleiten?
Die Messbeispiele der Physik dürften Ihrer hervorgebrachten These, alles müsste ohne Modell bewiesen werden (damit niemand irren kann?), doch recht nahe kommen, obwohl solch eine Beweisführung kein komplexes Naturphänomen erfüllen kann.
Ihr Wunsch scheint zu sein, den Klimawandel jährlich messbar herunterzubrechen.
Das funktioniert aber so nicht. Bspw. müssen Sie verschiedene Variablen berücksichtigen, wie Wettervariabilität, Wärmespeicherung von Ozeanen, die Trägheit des Klimasystems usw.
In vielen komplexen Systemen zeigt sich Kausalität erst statistisch über Zeiträume, wie z.B. in der Medizin: Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum nicht jeder Raucher sofort stirbt, obwohl sicher ist, dass Rauchen Krebs verursacht?
Selbstverständlich geht weniger Wärme oben raus, wenn die Kohlendioxidkonzentration ansteigt. Und selbstverständlich steht die Erdachse nicht starr. Das Nacheilen von Kohlendioxidanstiegen hinter Temperaturanstiegen, das ich meine, läuft aber im Bereich von weniger als einem Jahr ab.
Die Helmholtz Gemeinschaft erklärt die Zusammenhänge recht anschaulich, wie ich finde:
https://www.helmholtz-klima.de/klimafakten/behauptung-der-co2-anstieg-ist-nicht-ursache-sondern-folge-des-klimawandels
Kausalitäten sind in der Wissenschaft oft extrem schwierig zu belegen.
Ihren Wunsch gibt bspw. die Satellitenspektroskopie her (CERES).
Da gibt es kein Modell, nur physikalische Energiebilanzen.
Betrachtet man die Wellenlängenbereiche von CO2 der ausgehenden Strahlung, und die Zunahme der Rückstrahlung genau in dieser Wellenlänge (Messung an Bodenstationen), können Sie bilanzieren.
Sie werden sehen: es geht weniger Wärme “oben raus” als unten ankommt.
Und das korreliert mit der CO2-Konzentration.
Da Energie nicht verschwinden kann, muss es wärmer werden.
Alles ganz ohne Klimaverschwörungstheorien.
Gibt es auch Studien dazu. Keine Modelle.
Niemand kann mit so großer Blindheit geschlagen sein, den Trend nicht zu erkennen, auch wenn es Meßlücken in den 1920er und 1960er Jahren gibt Und nun? Was soll die Schlußfolgerung sein? Verzicht? Wenn ja, auf was? Und warum? Wärmekraftmaschinen? Propangasflaschen? Wenn nein, warum nicht? Mir jedenfalls fehlt die Offensichtlichkeit, die etwa den noch nicht mal vierzigjährigen Aktivisten Edward Hawkins durchdrungen haben muß, als er die dramatisierenden Farbstreifen erfunden hatte. Wissenschaftliche Visualisierung will gekonnt sein. Und eine simple Min-Max-Skalierung kann jeder Depp. Zumal jeder effekthascherische.
Es käme darauf an, einen kausale Bezug zwischen Kohlendioxidausstoß und Temperaturerhöhung zu zeigen. Und zwar ohne Klimamodelle. Nur datenbasiert. Aber daran gebricht es.