"Fortschritte beim Masterplan zur Zukunft des Naturkundemuseums", hat die Linksfraktion ihre Anfrage zur Zukunft des Naturkundemuseums betitelt. Am 1. Oktober hat sie sie eingereicht. Kurz zuvor hatte der Förderverein des Naturkundemuseums seine Wunschkartenaktion ausgewertet, an der sich 181 Leipziger beteiligt haben. Der Zeitplan für eine Lösung wird sowieso knapp.

Im vergangenen Jahr hat die Ratsversammlung mehrheitlich beschlossen, dass bis zum 30. September 2012 ein Masterplan zur Neuausrichtung des Naturkundemuseums, einschließlich Aussagen zum weiteren Verfahren, zum inhaltlichen Konzept, zum Standort und zur Finanzierung, erarbeitet wird. Mit einigen Verzögerungen wurden zwei Projektentwickler berufen, die seit dem ersten Quartal 2012 an dem Konzept arbeiten. Nun verstreicht jedoch die Frist. OBM Jung hat angeordnet, dass weitere Standorte geprüft werden, so dass eine Beschlussfassung noch in diesem Jahr sehr unwahrscheinlich wird.

“Es entsteht der Eindruck, dass Burkhard Jung, der noch vor zwei Jahren das Naturkundemuseum am liebsten sang- und klanglos schließen wollte, alles daran setzt, den Masterplan erst nach der OBM-Wahl der Öffentlichkeit vorzustellen”, kommentiert die Linke-Stadträtin Skadi Jennicke diese Verzögerung. “Neuerlich ignoriert er Beschlüsse des Stadtrates, die in diesem Fall von über 20.000 Unterschriften von Leipziger Bürgerinnen und Bürgern gestützt werden.”

Die Verzögerungen haben Folgen. Denn erst, wenn es einen Beschluss zum Masterplan und mithin zur Zukunft des Museums grundsätzlich, einschließlich einer Entscheidung über Neubau oder Sanierung, gibt, ist es möglich, ein konkretes inhaltliches Konzept für das Museum zu erarbeiten. “So etwas braucht Zeit. Spätestens im Januar 2014 geht Direktor Dr. Schlatter in Rente, muss also ein Nachfolger, am besten mit einem konzeptionellen Ansatz für das Haus, gefunden werden”, so Jennicke. “Ansonsten droht ein neuerliches Provisorium.”
Um den aktuellen Stand und den neuen Zeitplan des OBM zu erfahren, hat die Fraktion Die Linke eine Anfrage zum Thema eingereicht. Oder besser ein ganzes Fragenbündel: “1. In welcher Form liegt der Masterplan zum jetzigen Zeitpunkt vor? 2. Wann wird der Masterplan den Stadträten spätestens zur Beschlussfassung vorgelegt? 3. Welche Position bezieht die Stadtverwaltung zu den offenkundigen Verzögerungen, die im Zusammenhang mit der Erarbeitung des Masterplans entstanden sind? 4. In welcher Form wurden der Verein der Freunde und Förderer des Naturkundemuseums Leipzig sowie der Arbeitskreis des Naturkundemuseums in die Erarbeitung des Masterplans einbezogen? 5. Welche Pläne verfolgt der Oberbürgermeister hinsichtlich der neuen Direktion des Naturkundemuseums spätestens ab 2014, und inwieweit wird die künftige Leitung in die Museumskonzeption einbezogen werden?”

Der Förderverein zumindest vermutet, dass der Masterplan seit Mitte September vorliegt und nur noch nicht öffentlich gemacht wird.

“Mit Spannung erwarten wir, dass der bereits erarbeitete und seit Mitte September in der Stadtverwaltung vorliegende Masterplan zum Naturkundemuseum Leipzig endlich der Öffentlichkeit vorgestellt und diskutiert wird, in der Hoffnung, viele dieser Wünsche darin erfüllt zu finden”, erklärte der Vorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer des Naturkundemuseums Leipzig Dr. Michael Hardt, mit Vorstellung der Ergebnisse aus der Postkartenaktion. Ob sich die Wünsche der Leipziger dann mit den Visionen des Masterplans decken, bleibt abzuwarten. Einige Stimmen sprachen sich deutlich gegen den Vorschlag von Kulturbürgermeister Michael Faber aus, das Naturkundemuseum im ehemaligen Bowlingtreff unter dem Wilhelm-Leuschner-Platz unterzubringen, während die Idee, es im ehemaligen Landratsamt am Tröndlinring unterzubringen, Zustimmung fand.

Die Ergebnisse aus der Postkartenaktion als PDF zum download.

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