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105 Maßnahmen zur CO2-Reduzierung: Leipzig hat jetzt ein Energie- und Klimaschutzprogramm

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    In der Dienstberatung des OBM wurde das 139-Seiten-Papier abgenickt, am Freitag, 4. April, hat es Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal der Presse vorgestellt. Parallel bekamen es die Stadtratsfraktionen, denn im Mai soll es der Stadtrat beschließen. In 105 einzelnen Maßnahmen steht drin, wie Leipzig es schaffen will, seinen CO2-Ausstoß bis 2050 mehr als zu halbieren.

    „Im Zeichen von Klimawandel und Ressourcenknappheit ist Klimaschutz die globale Herausforderung des 21. Jahrhunderts“, sagt Leipzigs Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal dazu. „Auf lokaler Ebene bedeutet dies, die Lebensqualität in unserer Stadt zu erhalten, dort, wo es nötig ist, zu verbessern und gleichzeitig auch die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Die strategischen Vorhaben und Überlegungen der Stadt, diesen Herausforderungen gerecht zu werden, sind unter dem Motto ,Leipzig wächst nachhaltig‘ jüngst zusammengeführt worden. Dazu gehört auch der Energie- und Klimaschutzprozess.“

    Aber wie schafft man das? – Der Weg ist steinig und ungewiss. Auch dann, wenn alle 105 Maßnahmen in Leipzig umgesetzt werden. Denn Kohlendioxid (CO2) produziert der Leipziger praktisch ständig – beim Autofahren, beim Heizen, Kochen, Kühlen, beim Arbeiten im klimatisierten Büro, beim Fliegen und Einkaufen.

    Seit 1990 lässt die Stadt regelmäßig die CO2-Last für die Leipziger errechnen. Damals lag sie bei 11,31 Tonnen pro Kopf. Hauptursache war in der Industrie und im Privathaushalt das massenweise Verbrennen von Kohle. Die Kohle steckt heute anteilig in einigen Bereichen noch drin – beim Strom zum Beispiel. Aber wer soll voranpreschen, wenn eine Landesregierung immer noch glaubt, das Weltklima mit Kohlekraftwerken retten zu müssen? Großstädte sind in gewisser Weise prädestiniert, den Vorreiter zu machen. Sie können auf ihrem Gebiet versuchen, die Energiewende zumindest in Teilen wahr werden zu lassen.

    Am schwierigsten wird es bei der Wärmeerzeugung. Ein gut Teil der Leipziger Fernwärme wird im Kraftwerk Lippendorf erzeugt. Aber auch Ölheizungen produzieren CO2, wenn auch deutlich weniger, Gasheizungen noch weniger. Und mittlerweile gehen auch immer mehr Leipziger dazu über, ihre Energie selbst zu produzieren – mit Photovoltaikanlagen zum Beispiel.

    Insbesondere durch die Umstellung der Heizungen von Kohle auf Öl, Gas und Fernwärme ist es in Leipziger Haushalten gelungen, den CO2-Ausstoß pro Einwohner mehr als zu halbieren. Radikal gesunken ist der CO2-Ausstoß auch in der Industrie – aber da vor allem durch das Abschalten des größten Teils der produzierenden Unternehmen, die es 1990 in Leipzig noch gab. Von 1990 bis 2008 gelang also so ungefähr das, was sich ganz vorsichtig als „Halbierung des CO2-Ausstoßes“ in Leipzig bezeichnen lässt – von 11,31 Tonnen pro Einwohner sank der Betrag auf rechnerische 5,53 Tonnen im Jahr 2008. Auch das wäre noch zu viel, wenn man die Stadt wirklich als Klimafaktor neutralisieren möchte. Um das zu schaffen, müsste der Pro-Kopf-Ausstoß auf 1,5 Tonnen maximal begrenzt werden.

    Aber auch die 2,5 Tonnen, die sich Leipzig bis 2050 zum Ziel gesetzt hat, sind ehrgeizig. Denn das würde in vielen Lebensbereichen wirklich einen kompletten energetischen Umbau bedeuten. Und eine Umstellung vieler lieb gewordener Gewohnheiten. Sichtbar wird es beim Thema Verkehr. 2011 schnellte hier der ermittelte CO2-Wert unvermittelt nach oben. Schuld daran sind nicht die auf einmal explodierenden Zahlen von Spritschluckern auf Leipzigs Straßen. Die Stadt hat ihre Berechnungsmethode insbesondere in Sachen Flugverkehr geändert. Vorher wurden nur die recht kurzen Flugstrecken der Flugzeuge von Schkeuditz über Leipziger Stadtgebiet berechnet. Doch sinnvoller ist die jetzt verwendete Inländermethodik: Alle Flugreisen von Leipzigern werden eingerechnet – vom Start- bis zum Zielflughafen. Das ließ das Pro-Kopf-Aufkommen an CO2 in der Rubrik Verkehr gleich mal von 1,48 Tonnen auf 2,26 Tonnen schnellen.

    Was das Leipziger CO2-Aufkommen 2011 rechnerisch auf 6,62 Tonnen ansteigen ließ. „Wir wollen auch noch versuchen, diese Zahl rückwirkend für die vergangenen Jahre zu berechnen“, sagt Peter Heinz, Leiter der Abteilung Umweltvorsorge im Amt für Umweltschutz. „Dann hätten wir auch wieder vergleichbare Zahlen.“Die innerstädtischen Energie- und CO2-Werte lassen sich recht unkompliziert ermitteln über den messbaren Verbrauch von Strom, Fernwärme, Erdgas, Benzin, Diesel und anderen Energieträgern, die alle eine unterschiedliche CO2-Last mit sich bringen. In den Zahlen der vergangenen Jahre stecken auch schon leicht positive Veränderungen – Autos mit sparsameren Motoren oder ein anderer Energiemix im Strom der Stadtwerke zum Beispiel.

    Aber die größten Einsparpotentiale liegen im persönlichen Verhalten der Leipziger selbst. Sie können dafür sorgen, ihre Wohnung energieeffizienter zu machen und alte Stromschlucker auszusortieren. Sie bestimmen, wie sie ihre Wege zu Arbeit und Einkauf gestalten. Deswegen taucht auch ein wichtiger Zeil aus dem STEP Verkehr hier wieder auf: Die Erhöhung des Anteils umweltfreundlicher Verkehrsarten von knapp 60 Prozent (2008) auf 70 Prozent im Jahr 2025. Besonders der Anteil von Radverkehr und ÖPNV soll steigen. Da muss sich einiges verbessern – vom Fuhrpark der LVB bis hin zur Ausstattung und Beschilderung der Radwege.

    Aber hier steckt ein ganz ehrgeiziges Ziel: Von den 2,26 Tonnen CO2, die der Verkehr in Leipzig jedes Jahr pro Nase erzeugt, will die Stadt bis 2020 auf 0,95 Tonnen runter. Das wäre eine kleine Revolution, die mit sparsamen Autos nicht zu schaffen ist. Das wäre ein anderes Mobilitätsdenken.

    Aber Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal sieht sehr wohl, dass all die Ziele aus dem jetzt vorgelegten Programm nur erreicht werden, wenn die Stadt sie auch ernst meint und mit gutem Beispiel voran geht – etwa beim Jobticket oder beim Carsharing, beim energieeffizienten Umbau der städtischen Gebäude. Aber die Bürger, Unternehmer, Hausbesitzer brauchen dabei nicht nur Ermunterung, sondern auch Beratung. Da und dort gibt es schon Teile davon – wie im Energie- und Umweltzentrum der Stadtwerke Leipzig. Aber selbst Hausbesitzer verzweifeln im Dschungel der Gesetze und Förderinstrumente.

    Also soll es ab 2014 auch einen Klimaschutzmanager in Leipzig geben. Der Stadtrat hat die Einrichtung dieser Stelle im Umweltamt genehmigt. Die Beschlussfassung des Energie- und Klimaschutzprogramms im Stadtrat wäre die Grundlage dafür, die Fördergelder für die Stelle zu beantragen, sagt Rosenthal. Dann könnte sie sofort eingerichtet werden – vorerst für drei Jahre.

    Das ist auch die entscheidende Zeit für ein anderes ambitioniertes Ziel, das sich Rosenthal gestellt hat: Nachdem Leipzig 2011 schon den „European Energy Award“ bekommen hat, soll es 2014 um die Bewerbung für den „European Energy Award“ in Gold gehen. „Dafür ist das Energie- und Klimaschutzprogramm auch eine Arbeitsgrundlage“, sagt Rosenthal. Und zwar nicht nur fürs erste Jahr. Auch in jedem Folgejahr wird Leipzigs Arbeit an seiner Klimafreundlichkeit evaluiert. „Dafür gibt es jedes Mal Punkte. Und die bekommen wir nur, wenn wir auch wirklich belegen können, dass wir unser Programm abarbeiten“, so Rosenthal. „Wenn wir die nötige Punktzahl nicht erreichen, kann es passieren, dass wir den Titel wieder verlieren.“

    Aber auch der Stadtrat soll jährlich über den Umsetzungsstand des „Energie- und Klimaschutzprogramms“ informiert werden. Und ab jetzt wird auch der CO2-Wert für Leipzig nicht mehr nur aller drei, vier Jahre errechnet. „Ab jetzt ermitteln wir das CO2-Aufkommen jedes Jahr“, bestätigt Angelika Freifrau von Fritsch, Leiterin des Amtes für Umweltschutz. Damit gibt es dann jedes Jahr eine Messlatte auch für die Leipziger, ob die Stadt auf dem richtigen Weg ist. „Oder ob wir nachbessern oder gar umsteuern müssen“, sagt Rosenthal.

    Ziel ist die Senkung des CO2-Ausstoßes aller 5 Jahre um 10 Prozent. Für 2020 steht schon mal eine ganz ehrgeizige Zahl im Programm: 4,26 Tonnen CO2-Aufkommen pro Einwohner. Da stecken die 0,95 Tonnen für den Verkehr schon mit drin. Da ahnt man ein wenig, dass so ein Sprung nur zu schaffen ist, wenn sehr viele Leipziger bereit sind, ihr tägliches Verhalten zu überdenken.

    Das „Energie- und Klimaschutzprogramm“ soll in den nächsten Tagen auch auf der Website der Stadt zu finden sein.

    Die Seiten zum Klimaschutz der Stadt: www.leipzig.de/umwelt-und-verkehr/energie-und-klima/

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