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Gotthold Schwarz soll neuer Thomaskantor werden

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    Für wen ist das nun peinlicher, für die Findungskommission oder für die Kandidaten? Außer Spesen nix gewesen, könnte man in diesem Falle tatsächlich sagen. Monatelang hatte man sich darum bemüht, den richtigen Kandidaten für das wichtige Amt des Thomaskantors zu finden. Im Findungsverfahren für die Nachfolge im Thomaskantorat konnte aber keine Entscheidung zugunsten eines der vier Probekandidaten getroffen werden. Die beiden noch verbliebenen Kandidaten, Clemens Flämig aus Dresden und Markus Teutschbein aus Basel, hätten nicht vollends überzeugen können, hieß es jetzt aus den Reihen der Findungskommission.

    Beendigung des Verfahrens einstimmig beschlossen

    Jetzt hat die Findungskommission unter Vorsitz von Oberbürgermeister Burkhard Jung einstimmig die Beendigung des Verfahrens beschlossen. Aus dem Rathaus hieß es, dass man den Kandidaten, dem Thomanerchor, dem Gewandhausorchester und der Findungskommission für das zurückliegende Verfahren danke. Oberbürgermeister Jung: „Das Thomaskantorenamt ist eine der wichtigsten musikalischen Positionen in Leipzig und der Musikwelt.“ Um die musikalische Qualität des Thomanerchores weiter auf höchstem Niveau gewährleisten zu können, habe die Findungskommission Oberbürgermeister Jung einstimmig gebeten, der Ratsversammlung die Berufung von Gotthold Schwarz in das Amt des Thomaskantors zu empfehlen. „Dieser Bitte entspreche ich gerne“, sagte Jung.

    „Haben wir in Gotthold Schwarz doch eine seit vielen Jahren hoch angesehene und erfolgreiche Musikerpersönlichkeit gewinnen können, die ihr Können mit dem Thomanerchor in Leipzig und weltweit vielfach unter Beweis stellen konnte. Ich bin dankbar, dass Gotthold Schwarz die Bereitschaft zur Übernahme des Thomaskantorenamtes zugesagt hat. Das ist für Leipzig eine sehr gute Lösung.“ Hier stellt sich allerdings die Frage, ob man zu dieser Erkenntnis nicht schon früher hätte kommen können. Ein kostspieliges Findungsverfahren hätte dem Leipziger Steuerzahler erspart werden können.

    Auch nichtöffentliche Probe überzeugte nicht

    OB Jung wird also deshalb dem Stadtrat die Berufung von Gotthold Schwarz vorschlagen. Gotthold Schwarz: “Ich freue mich über dieses Vertrauen und werde mich, sofern der Stadtrat zustimmt, mit ganzer Kraft dieser Aufgabe widmen.“ Mitte April war die Entscheidung über den künftigen Thomaskantor bereits vertagt worden. Von den ursprünglich vier verbliebenen Kandidaten waren Fläming und Teutschbein noch einmal gebeten worden, sich bei einer nichtöffentlichen Probe der Findungskommission vorzustellen. Damals war man von Seiten der Findungskommission noch davon ausgegangen, einen geeigneten Kandidaten zu finden. Ein Trugschluss, wie sich jetzt herausstellt.

    Insgesamt 42 Bewerbungen

    Die für die Suche nach einem neuen Thomaskantor von Oberbürgermeister Burkhard Jung im April 2015 berufene Findungskommission hatte im Juli 2015 aus insgesamt 42 Bewerberinnen und Bewerbern für das Amt vier Kandidaten zu einer Probewoche mit dem Thomanerchor eingeladen. Diese fanden im November 2015 mit Markus Teutschbein, im Januar 2016 mit Clemens Flämig und KMD Prof. Dr. h.c. Markus Johannes Langer und im April 2016 mit Matthias Jung statt. Nach Beendigung der vier Probewochen hatte die Findungskommission am 18. April 2016 beschlossen, zwei der in die engere Wahl gekommenen Kandidaten, Markus Teutschbein und Clemens Flämig, ein weiteres Mal nach Leipzig einzuladen.

    Beide Kandidaten waren gebeten, in einer nichtöffentlichen Probe die jeweils selben Werke von Johann Sebastian Bach zusammen mit dem Thomanerchor und dem Gewandhausorchester im Beisein der Mitglieder der Findungskommission einzustudieren und sich der großen Findungskommission noch einmal in einem Gespräch vorzustellen. Diese Vorstellungen fanden in dieser Woche am Dienstag, 17. Mai, und am heutigen Freitag, 20. Mai, vormittags in der Thomaskirche statt. In der direkt im Anschluss stattgefundenen Sitzung im Neuen Rathaus wurden die Ergebnisse der erneuten Proben und die Eignung der beiden Kandidaten diskutiert, ohne am Ende einen Personalvorschlag formulieren zu können.

    Seit Februar 2015 amtierender Thomaskantor

    Gotthold Schwarz, 1952 in Zwickau geboren, war in den 1960er Jahren selbst kurze Zeit Mitglied des Thomanerchores. In den 1970er Jahren erhielt er seine kirchenmusikalische Ausbildung an der Hochschule für Kirchenmusik Dresden und an der Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig. Hier erlangte er zusätzlich in den Fächern Gesang (als Schwerpunkt) und Dirigieren fundierte Abschlüsse. 1979 kehrte er als Stimmbildner zum Thomanerchor zurück. Bereits seit den 1990er Jahren vertrat Gotthold Schwarz mehrfach den Thomaskantor – seit der Amtsniederlegung von Kantor Georg Christoph Biller im Februar 2015 ist er amtierender Thomaskantor.

    Er übernahm die Leitung der Motetten-, Kantaten- und Oratorienaufführungen des Thomanerchores, die gottesdienstlichen Aufgaben in der Thomaskirche sowie Konzertreisen im In- und Ausland. Eine umfangreiche Konzerttätigkeit als Sänger führte Gotthold Schwarz frühzeitig in die bedeutenden europäischen Musikzentren und u. a. nach Japan, Israel, Brasilien, Argentinien sowie in die USA, wo er auch Interpretationskurse zu Werken Bachs gab. Als Oratorien- und Liedsänger sowie als Dirigent erwarb er ein umfassendes Repertoire vom Barock bis zur Moderne, was auch durch zahlreiche Einspielungen dokumentiert ist.

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