Bislang unbekannte Akten zur Leipziger Kirchenmusik wurden im Stadtarchiv Leipzig entdeckt, darunter Handschriften von Johann Sebastian Bach, Johann Christoph Gottsched und Georg Philipp Telemann. Die Funde gelangen Projektmitarbeiter Dr. Bernd Koska im Rahmen des Forschungsprojekts „Forschungsportal BACH“ der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig mit Sitz am Bach-Archiv Leipzig. Das Stadtarchiv Leipzig präsentiert die Funde noch bis zum 23. April im Rahmen einer Sonderausstellung.

Die Akten enthalten Briefe und Bewerbungsschreiben Leipziger Studenten und liefern neue Erkenntnisse zur Organisation von Johann Sebastian Bachs Kantatenaufführungen. Erstmals belegen die Quellen, dass der Leipziger Rat studentische Sänger und Instrumentalisten gezielt durch Stipendien förderte: „Die Leipziger Kirchenmusik beruhte nicht allein auf künstlerischer Exzellenz, sondern auf einer funktionierenden kommunalen Förderstruktur“, so Musikwissenschaftler Dr. Bernd Koska.

Als herausragender Fund gilt ein bislang unbekanntes Zeugnis Johann Sebastian Bachs von 1740 für seinen bevorzugten Bassisten Gottlob Friedrich Türsch. Zudem fanden sich das älteste erhaltene Bewerbungsschreiben Georg Philipp Telemanns sowie ein Zeugnis Johann Christoph Gottscheds für Johann Friedrich Doles.

Zeugnis von Johann Sebastian Bach für Gottlob Friedrich Türsch, 25. August 1740, in: „ACTA Herrn Dr. Marci Sculteti Stifftung Betr. Vol. II.“, Ratsstube, Nr. 4829, fol. 61. Foto: Christian Kern
Zeugnis von Johann Sebastian Bach für Gottlob Friedrich Türsch, 25. August 1740, in: „ACTA Herrn Dr. Marci Sculteti Stifftung Betr. Vol. II.“, Ratsstube, Nr. 4829, fol. 61. Foto: Christian Kern

Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Wollny, Direktor des Bach-Archivs Leipzig, erklärt zu dem Fund: „Diese Dokumente verändern unser Bild von den institutionellen Voraussetzungen der Kirchenmusik unter Bach grundlegend: Was sich hier zeigt, ist Kulturförderung mit langfristiger Wirkung – ein Prinzip, das Leipzig seit Jahrhunderten prägt.“

Anlässlich des Fundes zeigt das Stadtarchiv Leipzig diese drei neu entdeckten Handschriften noch bis zum 23. April im Rahmen einer Sonderausstellung mit Bachiana aus den eigenen Beständen. Eine erste wissenschaftliche Auswertung erscheint im Bach-Jahrbuch 2025.

Das 2023 gestartete Forschungsportal BACH erschließt erstmals digital sämtliche archivalischen Quellen zur gesamten Musikerfamilie Bach und macht sie öffentlich zugänglich. Das auf 25 Jahre angelegte Vorhaben mit Sitz am Bach-Archiv Leipzig nutzt modernste Methoden der Digital Humanities und ist Teil des Akademienprogramms, des größten geistes- und kulturwissenschaftlichen Langfrist-Forschungsprogramms der Bundesrepublik Deutschland.

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