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Ein 10-Punkte-Paket, um Leipzig gegen künftige Hitzesommer zu wappnen

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    Das Weltklima ändert sich, auch wenn solche Extremsommer wie der von 2018 erst einmal noch die Ausnahme sind. Aber sämtliche Klimaprojektionen für Sachsen verheißen in Zukunft genau solche langen und wasserarmen Hitzeperioden. Städte wie Leipzig sind bestens beraten, wenn sie sich auf solche Hitzesommer vorbereiten. Am Freitag, 14. Dezember, haben die Grünen dafür einen 10-Punkte-Antrag vorgestellt.

    Er enthält eigentlich nichts Neues, wenn man bedenkt, wie viele Anträge die Grünen allein schon zu begrünten Fassaden, zu Straßenbäumen und Entsiegelung gestellt haben. Aber gerade der Sommer 2018 hat gezeigt, dass Einzelmaßnahmen allein nicht genügen, sondern dass die Stadt im Ganzen auf solche Extremwetterlagen vorbereitet werden muss. Und dass die bisher verfolgten Maßnahmen der Verwaltung so nicht ansatzweise genügen.

    Die Grünen betonen dabei: „Dieses Konzept für die Bewältigung der lokalen Hitzeentstehung und Folgen soll als eine Fortschreibung teilweise schon beauftragter und aktiver Konzepte der Fachverwaltungen (wie Luftreinhalteplan, Straßenbaumkonzept, Gründachstrategie etc.), als integriertes Umwelt-Konzept unter der Zielstellung der Verringerung von Hitzestress verstanden und weiterentwickelt werden.“

    Und auch eine dicht bebaute Stadt wie Leipzig hat Möglichkeiten, die Hitze zu lindern. Dazu muss natürlich klug vorgesorgt werden. Allein „Verdichten“, wie es jetzt gepredigt wird, ist noch nicht die Lösung.

    „In den vergangenen Sommermonaten herrschte in Leipzig eine langanhaltende Hitze, die mit einer ausgeprägten Dürreperiode verbunden war. Die Tendenz zu immer heißeren Sommern und einer Zunahme von Hitzetagen und Tropennächten ist unverkennbar. In den heißen Sommerwochen dieses Jahres und insbesondere den hochsommerlichen Nächten sind erhebliche Temperaturunterschiede von 10° Celsius zwischen dicht bebauten Innenstadtquartieren und größeren Freiflächen in Randlagen zu verzeichnen. Die regelrechte Aufheizung der Stadt hat vielfältige Folgen. Unmittelbar zu spüren sind Beeinträchtigungen von Gesundheit und Lebensqualität“, so die Grünen.

    „Heiße und trockene Sommer sind keine Ausnahme, sondern werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zur Regel. Schnellstmöglich braucht es Maßnahmen, mit denen sich Leipzig an sommerliche Extremwetterlagen anpassen kann. Alle Leipziger haben das Recht auf sommerliche Lebensqualität in kühlen Nachbarschaften.“

    Und was wie ein „Jahrhundertsommer“ aussah, war wohl schon ein erstes Erlebnis dessen, was auf die Leipziger und Sachsen ziemlich bald als Normalzustand zukommt: „Die sehr stabile Extremwetterlage mit heißem und trockenem Wetter ist nachweislich eine Konsequenz aus den zunehmenden Veränderungen im globalen Klimasystem. Die Polargebiete heizen sich auf und mit geringeren Temperaturdifferenzen verlieren Strömungssysteme ihren Antrieb. Stabile Wetterlagen, die über mehrere Wochen und Monate sowohl extreme Dürre als auch extreme Niederschläge bringen können, sind die Konsequenz.“

    Seit 1963 ist es in Leipzig im Mittel um 1,6 Grad wärmer geworden. Die Temperaturen dieses Jahres waren gemessen an den letzten Jahrzehnten, in den Monaten April bis August noch einmal um mehr als 2,5 Grad zu hoch, während ein Niederschlagsdefizit von 260 Litern/qm zu verzeichnen war. Die durchschnittliche Zahl von 18 Tagen, an denen die Tageshöchsttemperatur über 30 Grad liegt, wurde mit dem Rekord von über 30 Hitzetagen im Sommer 2018 fast verdoppelt.

    Diese Entwicklung wird in den nächsten Jahrzehnten mit großer Sicherheit zunehmen. Danach sind dem Regionalen Klimaatlas zufolge im Jahresdurchschnitt, verglichen mit den Durchschnittstemperaturen von 1961 bis 1990, bereits für den Zeitraum 2011 bis 2040 Temperaturerhöhungen von 0,4 – 1,2 °C und für 2071 bis 2100 sogar Temperaturerhöhungen von 2,1 bis zu 5,7 °C zu erwarten.

    Wie das Gesamtjahresmittel für Leipzig im Jahr 2018 aussehen wird, weiß noch niemand. Aber es sieht ganz so aus, dass sich das Jahr in die Reihe der viel zu warmen Jahre der letzten Zeit einreihen wird. Allen voran die Jahre 2015 mit 2,0 Grad zu viel und 2014 mit 2,2 Grad zu viel. Auch die Jahre 2016 und 2017 lagen um 1,6 bzw. 1,5 Grad deutlich überm langjährigen Durchschnitt.

    „Leipzig weist einen für Großstädte typischen, dicht besiedelten Stadtraum auf. Die ohnehin für die letzten 30 Jahre festgestellte Vervierfachung auf 23 Tropennächte im Jahr wurde in diesem Jahr lokal je nach Stadtteil oder Straße mehrfach übertroffen“, so die Grünen.

    „Um dem Klimawandel entgegenwirken, braucht es eine Vielzahl grundsätzlicher Maßnahmen, zu denen auch Leipzig z. B. durch eine regenerative Energieversorgung und umweltfreundliche Mobilität beitragen muss. Zugleich müssen Klimaschutzstrategien und Klimaanpassungsstrategien als integraler Bestandteil städtischer Planungs-, Genehmigungs- und Investitionsmaßnahmen konsequent umgesetzt werden.

    Mit den Klimaschutz-Anpassungsstrategien des Amtes für Umweltschutz von 2016 und dem Integrierten Stadtentwicklungsplan (INSEK) hat die Stadt Leipzig bereits umfangreiche Erkenntnisse und Zielsetzungen zusammengetragen. Diese Strategien müssen jedoch ergänzt werden und dürfen keine bloßen Absichtserklärungen bleiben.“

    Die zehn Punkte aus dem Antrag:

    1. Frischluftschneisen und Grünflächen schützen
    2. Mikroparks in allen Stadtteilen schaffen
    3. Baumstarke Stadt und Straßenbaumkonzept
    4. Mehr Wasserflächen schaffen
    5. Versiegelung vermeiden und Entsiegelung vorantreiben
    6. Innenhöfe schützen
    7. Albedo-Strategie gegen aufheizende Oberflächen
    8. Grüne Dächer und Fassaden
    9. Abkühlung ermöglichen
    10. Beratung und Prävention stärken

    Man merkt schon: Da müssen auch Leute mit an den Tisch, die sonst immer so gern tun, als ginge sie das alles nichts an. Auch Haus- und Grundstücksbesitzer, wenn man an begrünte Dächer, Fassaden, aber auch entsiegelte und begrünte Innenhöfe denkt. Leipzig muss – gerade in den dicht bebauten Gebieten – deutlich grüner werden. Und nur ein konsequentes Straßenbaumprogramm sorgt mittelfristig dafür, dass Leipzig mehr Schatten und Abkühlung bekommt.

    Und man ahnt schon: Es wird irgendwie wie im Mittelmeerraum – wenn die Wohnungen zu warm werden, spielt sich mehr Leben auf der Straße ab, spielen beschattete Plätze, kleine Parks, genügend Sitzbänke und Wasserspender eine wichtige Rolle. Aber ein bisschen mehr mediterranes Gefühl kann Leipzig gar nicht schaden.

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      2 KOMMENTARE

      1. Sorry, aber das war weder ein Hitzesommer, eine Heißzeit oder gar ein Jahrhundertsommer. Die Temperaturen/Sonnenstunden hätten z.B. jeden Kleingärtner oder Bauern verzückt, WENN da nicht die schon im April begonnene und bis weit in den September reinreichende Trockenheit/das deutliche Regendefizit gewesen wäre. Klar war der Sommer durch die sehr stabile Wetterlage über Europa konstant warm & sonnig, weil aber einfach auch die Luftmassenwechsel und somit die temporären Abkühlungen fehlten. Dann zu schreiben die Temperatur war soundsoviel Grad „zu hoch“ ist eigenartig, denn ich wüsste nicht das sich das Wetter an von uns Menschen vorgegebene Begrenzungen zu halten hätte . . . es gibt einen Schnitt und es gibt Jahre die liegen darunter oder wie viele der letzten Jahre darüber.
        Das die Temperaturen grundsätzlich ansteigen ist dagegen unstrittig und erfordert an vielen Stellen ein zeitnahes Handeln. Diese Dringlichkeit wird aber wieder und wieder ignoriert, wie man u.a. an nicht enden wollenden Diskussionen zum absolut notwendigen Kohleausstieg, bedenkenswertem Umgang mit dem Auenwald, zunehmende Flächenversieglung, Abholzungen unter fragwürdigen Umständen, das Verschwinden von innerstädtischen Grünflächen, einem fehlenden städt. Konzept zum begrünten Bauen, nicht ausreichende Aufforstungen für vorgenommene Abholzungen und vieles mehr sieht.
        Ich wohne ländlich, arbeite innerstädtisch und sehe allein dabei schon die Temperaturunterschiede (nicht nur) im Sommer bzw. wenn die Sonne untergegangen ist.
        Es gibt so viele Punkte die sofort umgesetzt werden könnten und erste Schritte wären, aber es passiert (mal wieder) . . . . nichts. Traurig.

      2. Liebe Grüne, spart euch das Geblubber. Wenns hart auf hart kommt, hebt ihr die Hand beim Straßenbahnlinien abschaffen und Fahrpreise erhöhen. Da nützt die schönste Forderung nach lauen Lüften nix mehr.

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