Fridays for Future und Grüne sind sich einig: Burkhard Jungs Sofortpaket ist viel zu klein, um den Klimanotstand zu lösen

Für alle LeserNatürlich war es nur ein Mini-Paket, das OBM Burkhard Jung am 10. Juni als „Sofortmaßnahmenprogramm zum Klimanotstand 2020“ vorstellte. Es klang größer, als es war. Und es war auch nicht so neu, wie es klang. Eher machte es sinnfällig, wie viele kleine, aber sehr konkrete Projekte in Leipzig seit zehn Jahren vor sich hinköcheln und nie wirklich mit Nachdruck verfolgt wurden. Trotz der Bewerbung um den Titel „Europäische Energie- und Klimaschutzkommune“.
Anzeige

Den konnte Leipzigs Verwaltung sich 2011 zum ersten Mal umhängen und in späteren Jahren „verteidigen“, ohne dass sich an der Klimabelastung durch die Stadt auch nur das Geringste veränderte. Von einem großen Plan, die Klimalast der Stadt tatsächlich nachhaltig zu verringern – keine Spur. Auch nicht durch das 2014 verkündete Ziel, Leipzig bis zum Jahr 2050 klimaneutral machen zu wollen.

Logisch, dass OBM Burkhard Jung am 10. Juni lieber vermied, die einzelnen Maßnahmen mit genauen CO2-Einsparungen zu unterlegen. Dazu eignen sich diese Maßnahmen auch nicht wirklich. Und sie lösen auch den Klimanotstand nicht auf, den der Leipziger Stadtrat am 30. Oktober 2019 beschlossen hat.

Es ist wirklich nur das, was Leipzigs Verwaltung sofort tun kann, ohne dazu große Planungen vorzulegen. Und was sie schon längst hätte machen sollen.

Nicht nur „Fridays for Future“ kritisierte die magere Ausbeute.

Grüne: Mehr Mut, Herr Oberbürgermeister!

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen begrüßte zwar die Grundausrichtung des Sofortmaßnahmenprogramms, fordert aber signifikante Nachbesserungen an einigen Punkten.

„Wir begrüßen, dass trotz der aktuellen Corona-Situation ein Programm vorgelegt wurde, das auch mit einem Budget untersetzt ist. Der Einstieg in ,Green Investment‘ kann gerade auch in der derzeitigen schwierigen wirtschaftlichen Situation grüne Wirtschaftszweige ankurbeln und Arbeitsplätze sichern.

Allerdings reicht das bisher an vielen Stellen noch zu unkonkrete Programm bei Weitem nicht aus, um die notwendige klimapolitische Zielstellung zu erreichen. Die städtischen Anforderungen an die Strom- und Wärmeversorgung in Quartieren mit einem Anteil Erneuerbarer Energien von nur 25 bzw. 10 Prozent ist ein Beispiel, wo das Programm viel zu kurz ansetzt“, erklärt dazu Sophia Kraft, energiepolitische Sprecherin der Fraktion.

Und Jürgen Kasek, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion, betont: „Es wird deutlich, dass die Kritik von Fridays for Future berechtigt ist und der Druck aus der Zivilgesellschaft auch weiterhin spürbar sein muss. Das Programm kann nur ein Anfang sein. Viele der Maßnahmen erstrecken sich auf ein klein/klein ohne Hauptemittenten von Treibhausgasen wie etwa den Flughafen mit einzubeziehen.

Gerade im umweltpolitischen und im Verkehrsbereich gibt es erheblichen Nachbesserungsbedarf. Uns bleiben nur noch zehn Jahre, um die drohende Katastrophe abzuwenden. Leipzig muss hier engagierter vorangehen. Wirksamer Klimaschutz jetzt, spart zukünftig Geld bei Klimafolgemaßnahmen und Ausgaben.“

Die Grünen-Fraktion fordert deshalb, dass Hauptemittenten wie der Flughafen stärker miteinbezogen und Begleitmaßnahmen wie die Verkehrswende verstärkt angegangen werden müssen. Ein ganz heikles Anliegen, wie ja am 10. Juni auch die Debatte im Stadtrat zeigte: Die Einflussmöglichkeiten der Stadt Leipizg auf all das, was am Flughafen passiert, sind nahezu Null.

Ist der Klimabeirat nur ein Feigenblatt?

Fridays For Future Leipzig erfuhr am 8. Juni in der ersten Sitzung des Klimabeirates der Stadt Leipzig (Stadtverwaltung Leipzig), davon, was in Jungs Sofortmaßnahmen steht.

Das Urteil war dann etwas härter: „Was nach einer guten Sache für unsere Stadt klingt, ist bei genauerem Hinsehen eine Farce. (…) Im Entwurf stehen 24 Maßnahmen, die sich fast ausschließlich nur auf die Behörden der Stadt beziehen. Genannt werden Gebäude, Einkäufe, Mitarbeiter/-innen. Auf Privatpersonen oder Gewerbe werden diese Maßnahmen kaum Einfluss haben. Dabei verursacht die Stadtverwaltung nur ca. 2 % der Emissionen. Im Bereich der Industrie, der für 60 % der Emissionen verantwortlich ist, wird weiter auf Freiwilligkeit gesetzt. Wozu das führt und wie gut das funktioniert, sehen wir ja auch gerade an Datteln4.“

In der Sitzung des Klimabeirats ging es auch nicht mehr um eine Änderung des Maßnahmenprogramms: „Änderungsmöglichkeiten oder Partizipation an der Erstellung bzw. Überarbeitung des Katalogs gab es nicht. Lediglich wurde noch besprochen, wie die Stadt mit den Einwohner/-innen über Klimaschutz (besser?) kommunizieren kann. Wird wohl was mit den Omas for Future werden….“

Symboltier auf der Rathausklinke. Foto: Ralf Julke

Symboltier auf der Rathausklinke. Foto: Ralf Julke

Aber die Omas werden das Leipziger Verwaltungshandeln aus der Vergangenheit schon gut genug kennen. Und auch die Schnecke auf der Rathausklinke: Die Verwaltung kommt langsam voran, in der Regel so langsam, dass Menschen darüber vor Ungeduld platzen könnten.

Und es stimmt: Wäre das Programm alles, was Leipzig zum Klimanotstand beizutragen hätte, es wäre wirklich nur ein Feigenblatt.

Ein Feigenblatt, das auch kaschiert, dass Klimaverträglichkeit noch nicht wirklich in allen Vorlagen der Stadt fest verankert ist, genauso wenig wie „eine verpflichtende Bürger/-innenbeteiligung für wichtige umwelt- und klimapolitische Themen“, wie sie sich FFF wünscht.

Aber die wirklich großen Weichenstellungen passieren nicht in dem eher kleinen, mit 20 Millionen Euro dotierten Sofortprogramm für 2020 bis 2022, das etwa mit Gründächern und Solardachprogramm auch nur alte Forderungen des Stadtrates aufnimmt.

Die wirklichen Weichenstellungen sind vom Stadtrat forcierte Beschlüsse wie der zum Kohleausstieg, zum nachhaltigen Mobilitätsszenario oder zum 365-Euro-Ticket.

Aber die zentrale Kritik von „Fridays for Future“ richtet sich eher gegen das Konstrukt des neu geschaffenen Klimabeirats der Stadt Leipzig.

Die FFF-Kritik am Klimabeirat

1. Die Zusammensetzung des Klimabeirats erscheint merkwürdig und recht zufällig. Anwesend waren 3 Menschen vom Jugendparlament Leipzig, 1 vom BUND Leipzig, 1 von Greenpeace Leipzig, einige Menschen aus dem Stadtrat, unsere 2 Aktivist/-innen, aber eben auch Vertreter/-innen von BMW, der Sparkasse, der Uni, usw. … Bei dieser Zusammensetzung fragen wir uns, warum OBM Jung diese verschiedenen Vertreter/innen eingeladen hat.

2. Der Klimabeirat wird nicht wie ein formeller Beirat gehandhabt. So entsteht der Eindruck, es ginge hier mehr um eine öffentlichkeitswirksame Präsentation (von) Klimaschutzambitionen als um wirkliche Veränderungen.

3. Der Entwurf der Sofortmaßnahmen ist aus unserer Sicht an sehr viele Stellen lückenhaft und nicht zu Ende gedacht. Er soll in ein paar Tagen durch den Stadtrat gewunken werden.

4. Der Klimabeirat soll sich nur zweimal im Jahr treffen, viel zu wenig, um die Probleme in Leipzig schnell zu beheben und konsequente Maßnahmen gegen die Klimakrise auf kommunaler Ebene einzuleiten. Wir hoffen sehr, dass dem Beirat schnell mehr Zeit eingeräumt wird.

5. Schließlich bleibt zu sagen, dass der Klimabeirat kaum eine Möglichkeit bietet, sich aktiv in einen Entscheidungsvorgang einzubringen oder an Maßnahmenvorschlägen für die Stadt mitzuarbeiten. Im Moment ist es eher still dasitzen und Bürger/-innenbeteiligung nur spielen.

Ist Leipzigs Verwaltung zu langsam für den Klimawandel?

Man merkt schon, wie sehr es den jungen Aktivisten in der Leipziger Klimapolitik an Tempo fehlt. Die Verwaltung reagiert in ihrem gewohnt langsamen Tempo, obwohl auch Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal am 10. Juni feststellte, wie enorm der Änderungsdruck auch für Leipzig ist.

Denn das noch verfügbare Budget an Treibhausgasen hat Leipzig, wenn sich nicht drastisch etwas ändert, schon 2025 aufgebraucht. Deswegen ist das Ziel einer Klimaneutralität bis 2050 eine Farce. Nicht einmal das Reduktionsziel für 2020 wird erreicht, weil alle Klimaschutzpläne Leipzigs seit 2010 viel zu unambitioniert waren. Zehn Jahre, die jetzt eindeutig fehlen.

Noch 2014 träumte Rosenthal davon, das Leipziger Pro-Kopf-Aufkommen an CO2 von 6,13 Tonnen bis 2020 auf 4,5 Tonnen senken zu können. Aber es werden wohl auch trotz Corona wieder um die 5,6 Tonnen.

Die Grenze 2025 ist nicht willkürlich gesetzt. Rein rechnerisch ist dann die Atmosphäre so sehr mit dem Treibhausgas CO2 angereichert, dass die Erde noch in diesem Jahrhundert auf eine Erwärmung von 2 Grad zusteuert, gerade noch die Erwärmung, von der die Wissenschaftler annehmen, dass sie von der Menschheit verkraftbar ist. Alles darüber stellt die menschliche Zivilisation grundlegend infrage.

Das war ja die Kraft hinter Fridays for Future.

Und nun?

„Bitte versteht uns nicht falsch“, schreibt FFF Leipzig auf seinem Facebook-Account. „Wir freuen uns über die Ambitionen und die Schaffung des Klimabeirates. Wir sind uns aber sicher, dass der Beirat in seiner aktuellen Form viel zu wenig Partizipation und echte Bürger/-innenbeteiligung ermöglicht. Wir fordern, dass dem Klimaschutz auf kommunaler Ebene deutlich mehr Wichtigkeit zugestanden wird und sich die Stadt nicht hinter einer Minimalmaßnahme versteckt. Wir möchten das Handeln der Stadt an konkreten und zielführenden Maßnahmen bewerten können und nicht an Ideen.“

OBM Burkhard Jung legt 24 Sofortmaßnahmen zur Bewältigung des Klimanotstands vor

Hinweis der Redaktion in eigener Sache

Natürlich werden auch die L-IZ.de und die LEIPZIGER ZEITUNG in den kommenden Tagen und Wochen von den anstehenden Entwicklungen nicht unberührt bleiben. Ausfälle wegen Erkrankungen, Werbekunden, die keine Anzeigen mehr schalten, allgemeine Unsicherheiten bis hin zu Steuerlasten bei zurückgehenden Einnahmen sind auch bei unseren Zeitungen L-IZ.de und LZ zu befürchten.

Doch Aufgeben oder Bangemachen gilt nicht ;-) Selbstverständlich werden wir weiter für Sie berichten. Und wir haben bereits vor Tagen unser gesamtes Archiv für alle Leser geöffnet – es gibt also derzeit auch für Nichtabonnenten unter anderem alle Artikel der LEIPZIGER ZEITUNG aus den letzten Jahren zusätzlich auf L-IZ.de ganz ohne Paywall zu entdecken.

Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere selbstverständlich weitergehende Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

Vielen Dank dafür.

Fridays for futureKlimanotstand
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Warum Kompromisse schließen? Andreas Weber zeigt, warum nur gute Kompromisse Überleben erst möglich machen
Andreas Weber: Warum Kompromisse schließen? Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserVon den beiden Händen, die sich da auf dem Cover drücken, darf man sich nicht irritieren lassen. Das erinnert eher an eine der kompromisslosesten Parteien, die es in Deutschland mal gab. Und um die DDR geht es schon gar nicht. Es geht um unser Jetzt und unsere heutige Unfähigkeit, echte Kompromisse zu schließen. Faule Kompromisse sehen wir überall. Auch deshalb ist die Stimmung derzeit so aggressiv wie in einer völlig aus dem Ruder gelaufenen Ehe.
1. FC Lok Leipzig vs. Meuselwitz 1:0 – Arbeitssieg vor dem Lockdown
Das Leipziger Siegtor fiel bereits in der ersten Spielminute. Foto: Jan Kaefer

Foto: Jan Kaefer

Für alle LeserDer nächste Heimsieg für den 1. FC Lok. Gegen den ZFC Meuselwitz obsiegten die Blau-Gelben am Mittwochabend mit 1:0 (1:0). Vor 999 Zuschauern traf Tom Nattermann schon nach 50 Sekunden zur Führung. Danach bot das Spiel Kampf und Krampf. Lok und Meuselwitz wollten, konnten allerdings kaum Angriffe durchspielen.
LockdownLight: Zankapfel Gastronomie
Was vom Sommer blieb, endet in der Schließung im November 2020. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserWas sich bereits im Laufe des Tages anbahnte, wird durch eine Pressemitteilung der sächsischen Industrie- und Handelskammern zu den neuen Corona-Maßnahmen Gewissheit. Die Gastronomien und Tourismusunternehmen fühlen sich ungerecht behandelt, die „Verhältnismäßigkeit ist nicht gewahrt“, so die IHK Leipzig, Dresden und Chemnitz in einer gemeinsamen Erklärung. Für einen Monat sollen alle Kneipen, Bars und Restaurants, aber auch Freizeit,- Tourismus,- und Veranstaltungsstätten ab 2. November 2020 schließen. Erste Klageandrohungen dagegen waren bereits vereinzelt schon vor den Beschlüssen vom heutigen 28. Oktober zu hören, die IHKs warnen nun vor steigenden Insolvenzzahlen.
Mittwoch, der 28. Oktober 2020: Lockdown light ab Montag
Kultureinrichtungen wie das Gewandhaus dürfen im November wohl nicht öffnen. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDeutschland wird wohl ab Montag in einen „Lockdown light“ gehen. Das haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsident/-innen heute beschlossen. Wie genau die Situation in Sachsen sein wird, ist noch nicht offiziell bekannt, doch der Bund wird 10 Milliarden für Umsatzausfälle auch bei Soloselbstständigen, Gastronomien und der Eventbranche zur Verfügung stellen. Außerdem: Sachsen fördert ein Forschungsprojekt für Coronatests und Chemnitz wird Kulturhauptstadt Europas. Die L-IZ fasst zusammen, was am Mittwoch, den 28. Oktober 2020, in Leipzig und darüber hinaus wichtig war.
Coronavirus: Einmal Weihnachten retten + Updates zum Lockdown light
Weihnachten retten, Weihnachtsmarkt beerdigen? Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserSeit dem heutigen Morgen geht es bereits rund in den deutschen Medien. Noch vor der Videokonferenz des Bundes mit den Ministerpräsident/-innen der Länder kursierte ein Entwurf der Bundesregierung, in welchem die Vorschläge der neuen Corona-Maßnahmen ab 4. November 2020 beschrieben werden. Seit wenigen Stunden heißt es nun, dass diese sogar bereits ab Montag, 2. November 2020 in Kraft treten sollen und es weitgehende Einigkeit der Länder mit dem Bund dazu gibt. Der Katalog liegt neben anderen Medien auch der L-IZ.de vor. Informationen, die in der Pressekonferenz der Bundesregierung bestätigt wurden.
Südtiroler Pestizidprozess: Landesgericht Bozen beendet Strafverfahren gegen Verleger des Münchner oekom Verlags und weitere Mitglieder des Umweltinstituts München
Alexander Schiebel: Das Wunder von Mals. Cover: Oekom Verlag

Cover: Oekom Verlag

Für alle LeserDas Landesgericht Bozen bestätigte in seiner Entscheidung vom heutigen 28. Oktober den Antrag der Staatsanwaltschaft, die Ermittlungen gegen oekom-Verleger Jacob Radloff und die Mitglieder des Umweltinstituts aus Mangel an Beweisen einzustellen. Die Betroffenen begrüßen die Entscheidung als einen bedeutenden Teilsieg für das Recht auf freie Meinungsäußerung.
Haltungsnote: Lipgloss auf Eierragout – Eine Kolumne über Ossis und Wessis
Autor, Leipziger und Kolumnist David Gray. Foto: Erik Weiss Berlin

Foto: Erik Weiss Berlin

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 84, seit 23. Oktober im HandelAm Abend des 9. November 1989 sagte Stefan Aust in einem Kommentar: „Heute Abend ging der zweite Weltkrieg zu Ende“. Der Mann hatte Recht. Der Mauerfall setzte einen Schlusspunkt unter die Nazidiktatur und den auf sie folgenden Kalten Krieg. Damals wird Aust mit seiner Interpretation eher alleingestanden haben.
Europäische Menschenrechtskommissarin wertet den Prozess gegen „Das Wunder von Mals“ als typische SLAPP-Klage
Äpfel, mit Misstrauen betrachtet. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEigentlich sind es die Naturschutzverbände, die ein verbrieftes Recht haben, gegen Verstöße gegen den Naturschutz vor Gericht zu ziehen. Was sie oft schon aus dem simplen Grund nicht tun, weil ihnen nicht die finanziellen Reserven zur Verfügung stehen, mit denen selbst Kommunen und Länder die Klagen anwaltlich abwehren können. Dass ein staatlicher Amtsträger nun gar gegen ein Umweltinstitut und einen Autoren vor Gericht zieht, wertet auch Menschenrechtskommissarin Dunja Mijatovic als massive Grenzüberschreitung. Der Fall betrifft auch den Journalismus.
Verkehrsdezernat will 2021 die Beobachtungsergebnisse zu den Pollern in der Richard-Lehmann-Straße vorlegen
Abgepollerter Radweg vor der Post in der Richard-Lehmann-Straße. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWir können ja das Bild vom brutal umgefahrenen Poller vom Neumarkt hier wieder einblenden – was wir auch machen. Denn in der Regel räumt Leipzig die mit Auto-PS umgewalzten Poller meist relativ schnell wieder weg, sodass die meisten Leipziger gar nicht merken, mit welcher Rücksichtslosigkeit einige Autobesitzer alles niederfahren, was sie in ihrem Besitzanspruch eingrenzt. So geht es auch den eher niedlichen Pollern in der Richard-Lehmann-Straße.
Ein Brief an den Bundeswirtschaftsminister: Wir brauchen fairen Wettbewerb, keine neuen Oligopole
Das GuD-Kraftwerk der Stadtwerke Leipzig. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserMit einem in mehreren Zeitungen veröffentlichten Brief wandten sich am Freitag, 23. Oktober, die Geschäftsführer mehrerer deutscher Stadtwerke an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, in dem sie die Unterstützung der Bundesregierung für die die beiden Energiekonzerne e.on und RWE im Kartellverfahren vor dem Gericht der Europäischen Union (EuG) kritisieren. Auch die Leipziger Stadtwerke sind dabei. Auch sie wären betroffen.
NABU Sachsen: Der Straßenbau im Naturschutzgebiet „Röderauwald Zabeltitz“ bei Meißen war illegal
Illegal gebaute Straße durch die Röderaue. Foto: Renate Wilhelms / NABU Sachsen

Foto: Renate Wilhelms / NABU Sachsen

Für alle LeserSächsische Behörden ticken noch immer wie im 20. Jahrhundert. Und nicht nur die in Sachsen. Man muss ja nur in den Dannenröder Forst schauen, wo Umweltaktivisten verzweifelt versuchen, den Bau der A49 mitten durch das Waldgebiet zu verhindern. Doch selbst in Zeiten, wo unsere Wälder akut vom Klimawandel gestresst sind, planen Behörden noch immer rücksichtslos drauflos und ignorieren die Einsprüche der Umweltverbände. Ein Beispiel aus Meißen bringt jetzt den NABU Sachsen auf die Palme.
Darwins Notizbuch: Das Leben und Forschen von Charles Darwin in Bildern, Zitaten und kurzweiligen Texten
Jonathan Clements: Darwins Notizbuch. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserHätte Jonathan Clements dieses Buch erst 2019 geschrieben, hätte er einige Akzente garantiert anders gesetzt – weniger über die heutigen selbst ernannten „Kritiker“ Darwins geschrieben, dafür mehr über Darwins erstaunlich aktuelle Warnungen zum Aussterben von Arten. Aber 2009 war so ein Jahr, da waren die Kreationisten und ähnliche Meinungsmacher ziemlich laut. Und Darwins 200. Geburtstag war mal wieder von schrillen Beiklängen begleitet.
Theater und Film: SRBENKA und die langen Schatten des Kroatienkrieges
Foto: L-IZ

Foto: L-IZ

Im MIttelpunkt des kroatischen Filmes SRBENKA stehen die Proben zum Stück „Alexandra Zec“ (2014) des Theaterregisseurs Oliver Frljić, der wie kein anderer Theaterschaffender in Kroatien polarisiert. Es geht um die Ermordung eines zwölfjährigen serbischen Mädchens und ihrer Familie 1991 in Zagreb. Schnell gefunden, wurden die Täter nie verurteilt.
Das letzte, verrückte Jahr der DDR und der Weg zur Einheit (7): Streit um das Erbe der DDR nach 1990
© gemeinfrei

© gemeinfrei

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 84, seit 23. Oktober im HandelHaben Sie schon mal den Namen Ireneo Funes gehört? Nein? Er ist der Protagonist in „Das unerbittliche Gedächtnis“, einer Erzählung des argentinischen Schriftstellers Jorge Luis Borges von 1942. In der Geschichte verliert jener Funes, ein 19-jähriger Dörfler, nach einem Sturz seine Fähigkeit zum Vergessen. Jeden fremdsprachigen Text, jede Beobachtung aus seinem Alltag, jedes Gesicht kann der gelähmte Gaucho nun bis ins Detail aus seinem Gedächtnis abrufen. Es geht nicht lange gut. Mit gerade einmal Anfang 20 ereilt den armen jungen Mann der einsame Tod.
Dienstag, der 27. Oktober 2020: Leipzig verschärft die Corona-Regeln deutlich
Oberbürgermeister Burkhard Jung. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserBis vor einigen Tagen war Leipzig stets im „grünen Bereich“ unterhalb eines Inzidenzwertes von 20. Doch dann hat die Stadt schnell die 35er-Marke geknackt. Als Konsequenz hat die Verwaltung heute deutliche Verschärfungen der Corona-Maßnahmen angekündigt. Außerdem: Bundeskanzlerin Merkel und die Ministerpräsident/-innen könnten morgen einen Lockdown beschließen. Die L-IZ fasst zusammen, was am Dienstag, den 27. Oktober 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.