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Grüne beantragen Gespräche zur Schaffung legaler Mountainbikestrecken im Auenwald

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    Zu den Problemen im Leipziger Auengebiet gehören auch die illegal eingerichteten Mountainbike-Strecken. Jüngst erst wurde die illegale Strecke auf dem Nahleberg mal wieder gesperrt, denn die Radfahrer zerstören dabei nicht nur das gerade entstandene Biotop, sie zerstören auch die Erdschicht, die eigentlich den alten Müllberg schützen soll. Aber wie soll man mit den Mountainbikern in Leipzig umgehen? „Sie brauchen legale Strecken“, sagt der umweltpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion Jürgen Kasek.

    Denn Verbote haben immer nur ein Ergebnis: Die Betroffenen weichen aus. Es ist dasselbe Thema wie bei den sogenannten illegalen Partys im Grünen, die ja in der Corona-Zeit noch deutlich zugenommen haben, weil die Clubs selbst geschlossen bleiben mussten. Man kann jungen Menschen nicht verbieten, sich zum Tanzen zu treffen, das gelingt nirgendwo – auch nicht in Spanien, Frankreich oder Israel. Das ist, als würde man ihnen verbieten, andere Leute kennenzulernen und nur noch im Videochat quasi trockenzuschwimmen.

    Das Ergebnis dürfte am Ende ein regelrechter Geburteneinbruch sein. Von den psychischen Folgen für die jungen Menschen, die ja gerade erst alles aufbauen, was ihr Leben ausmacht, ganz zu schweigen.

    „Nach wie vor fehlen in Leipzig solche Flächen, auf denen man sich auch ohne Voranmeldung zu Open-Air-Veranstaltungen treffen kann“, sagt Kasek. Und findet es ein absolutes Versäumnis der Stadtverwaltung, dass sie hier seit Jahren immer nur gemauert hat. „Dabei gibt es solche Flächen. Und wir wären gut beraten, sie auch entsprechend auszuweisen.“

    Denn längst ist ein weiterer Effekt zu beobachten: die nächtlich Feiernden weichen, weil sie ungestört sein möchten, in den Auenwald aus und damit mitten in geschütztes Gebiet. „Das können wir nicht wollen“, so Kasek.

    Bisher aber sind alle Vorstöße, solche Open-Air-Flächen auszuweisen, im Stadtrat gescheitert.

    Bei den wild angelegten Mountainbike-Strecken ist das Problem ganz ähnlich, auch wenn eine dieser Strecken in Kleinzschocher durchaus schon wie professionell angelegt aussieht. „Da haben Leute richtig viel Zeit investiert“, sagt Kasek, dem einerseits das Herz blutet, wie hier mit dem sensiblem Wald umgegangen wird. Andererseits könne man den Mountainbikern nicht einfach alles verbieten. „Wer verbietet, muss auch ein Angebot machen“, so Kasek.

    Neben der inzwischen geschlossenen Mountainbikestrecke mit dem Namen „Trash Mountain“ am Nahleberg gibt es im Volkspark Kleinzschocher, in der Nähe des Wolfswinkels, entlang des Floßgrabens weitere illegal angelegte „Trail- und Mountainbikestrecken“ im Leipziger Auwald, die im Internet auf einer eigenen Seite sogar angegeben und beworben werden.

    „Das alleinige Verbot solcher Strecken und die Beseitigung dieser löst das Problem nicht, da es ganz offensichtlich auch das Bedürfnis für solche Strecken gibt“, stellen die Grünen in ihrem Stadtratsantrag fest. „Die Stadt soll daher zusammen mit Vertretern von Radsportclubs und Nutzern prüfen, wo Strecken, die die Entwicklung der Flora und Fauna weniger stark als im Naturschutzgebiet tangieren, angelegt und genutzt werden können, um einen Ausgleich zu schaffen.“

    Selbst anbieten sollte die Stadt solche Strecken nicht. Das brauche jemanden, der das Ganze betreut und die Sicherheit garantiert. Deswegen wäre die Betreuung durch einen Radsportverein wohl der beste Weg, eine solche Anlage zu verwalten.

    Die Frage ist dann eher: Wo kann sie angelegt werden? Mitten im Naturschutzgebiet hat sie eigentlich nichts zu suchen, denn dort trägt sie neben all den anderen unerlaubten Eingriffen zur weiteren Schädigung des Waldes bei. Wenn der Leipziger Auenwald geschützt werden soll, dann müssten alle die Trampelpfade, illegalen Abkürzungen und Übernutzungen entfernt werden.

    Deswegen merken die Grünen in ihrem Antrag auch an, dass auch Leipzigs Stadtforsten deutlich aktiver sein könnten: „Im Gegenzug soll die Stadt stärker gegen illegal angelegte Wege im Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiet ,Leipziger Auwald‘ vorgehen.“

    Das Thema behandelt ja auch ein Antrag von Die-PARTEI-Stadtrat Marcus Weiss. Er möchte die Waldbesucher vor allem mit Hinweisschildern darauf aufmerksam gemacht sehen, dass die Wege nicht verlassen werden und das Unterholz nicht zerstört werden darf. „Ich bin eher für eine Absperrung dieser Wege mit natürlichen Hindernissen“, sagt Jürgen Kasek, „Baumstämmen zum Beispiel.“

    Aber er ahnt auch, dass auch das nicht ohne aufklärende Schilder funktionieren wird, weil achtlose Zeitgenossen dann wohl eher dazu neigen, die Hindernisse zu umlaufen und damit neue Wege durchs Unterholz trampeln.

    Vielleicht hilft ja beides zusammen – plus eine wirklich funktionierende Kommunikation der Stadtverwaltung mit den Leipzigern, die sehr wohl ein Gefühl dafür haben, wie wichtig ein intakter Auenwald ist.

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    1 KOMMENTAR

    1. Bei aller Liebe zum Grünen: hier werden doch Ursache und Wirkung verwechselt!

      Wenn auch nur genug Leute einen SUV gekauft haben, dann muss ich denen auch dicke Straßen zur Verfügung stellen!?
      Bedürfnisse hin und her: es muss schon irgendwie ins lokale Gesamtkonzept passen.
      Ich kenne viele, die haben ein Bedürfnis, gern und oft Ski zu fahren. Und die haben auch Equipment gekauft.
      Wie wäre es mit einer Skihalle direkt vor den Toren Leipzigs?

      Die Grünen sollten gut daran tun, den Auwald in seiner ursprünglichen Form wieder herzustellen und ihn zu schützen; da gibt es zurzeit andere Mitstreiter, die wesentlich mehr tun.

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