Für „Hier kommt keiner durch!“ gab es jetzt schon die zweite wichtige Auszeichnung

Für alle LeserErst gab es den Gustav-Heinemann-Friedenspreis. Jetzt konnte der in Leipzig heimische Klett Kinderbuch Verlag eine weitere wichtige Auszeichnung für ein Buch verzeichnen, das vor einem Jahr erschienen ist und mit spielerischer Leichtigkeit die Unmenschlichkeit und Unsinnigkeit von Grenzen zeigt. So gesehen ist der jetzt verliehene Jugendliteraturpreis auch wieder ein politischer Preis. Aber welcher Politiker liest schon Kinderbücher?
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Die portugiesische Autorin Isabel Minhós Martins, der Illustrator Bernardo P. Carvalho und die Übersetzerin Franziska Hauffe sind für „Hier kommt keiner durch!“ mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2017 in der Kategorie Bilderbuch ausgezeichnet worden. Die Preisverleihung fand am Freitag, 13. Oktober, auf der Frankfurter Buchmesse statt.

Mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis werden seit 1956 jährlich herausragende Werke der deutschsprachigen oder ins Deutsche übersetzten Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnet. Stifter des Preises ist das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Preisfindung und -bekanntgabe obliegt dem Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V.

Bunt und in wildem Strich gezeichnet, erzählt das 2016 bei Klett Kinderbuch erschienene Bilderbuch für Kinder ab vier die Geschichte einer unsinnigen Grenze und deren Überwindung.

Die Grenze, das ist der Buchfalz. Ein Soldat hat von seinem General den Befehl erhalten, diesen zu bewachen und niemanden auf die rechte Buchseite zu lassen, denn die will er für sich alleine haben. Kaum hat der Mann Stellung bezogen, finden sich immer mehr eigenwillige Filzstiftfiguren auf der linken Seite ein und wollen hinüber. Der Aufpasser bleibt unnachgiebig – bis etwas passiert und die farbenfrohen Individuen unter großem Jubel die bis dahin leere, rechte Buchseite stürmen.

Womit die Geschichte zu einem farbenfrohen Kommentar wird, durchaus auch passend zum wilden Zaun- und Mauerbauen, das in den letzten zwei Jahren in Europa ausbrach. Wenn Politiker nicht mehr weiterwissen, bauen sie Grenzzäune und palavern von Obergrenzen. Tatsächlich machen sie mit den Bauwerken aber nur klar, dass sie mit ihrem Latein am Ende sind („Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen“) und dass sie in ihrem Job überfordert sind. Dann lassen sie Generale und arme Wachsoldaten losziehen, um die Probleme irgendwie einzudämmen und abzuhalten. Wobei die Probleme im Grunde immer Menschen sind, die irgendwo Hilfe und Zuflucht suchen.

Es ist unübersehbar die falsche Antwort auf die Probleme.

Und in der Geschichte, die Isabel Minhós Martins und Bernardo P. Carvalho in der Figurensprache witziger Filzstiftzeichnung erzählen, geht die Sache zum Glück ohne Blutvergießen aus. Was auch eine Botschaft ist: Wer friedliche Lösungen findet, braucht keine Mauern und Zäune oder fluchenden Generäle. Es geht auch anders.

Die Jury geht in ihrer Begründung noch weiter: „Das Thema des Buches, der Umgang mit Autoritäten, ist universell und umfasst das Verhalten auf dem Schulhof ebenso wie politische Dimensionen. Diese Zusammenhänge greift das Buch auf witzige und ungewöhnliche Weise auf.“

Der in Leipzig ansässige Verlag Klett Kinderbuch um Monika Osberghaus bringt seit 2008 Bücher für Kinder im Alter zwischen zwei und zwölf Jahren heraus. Das Programm ist so, wie das Leben der Kinder von heute, betont der Verlag: bunt und vielfältig, bloß nicht langweilig und gerne auch mal unangepasst.

Was jeder, der sich durch die L-IZ-Rezensionen zu Klett-Kinderbüchern geblättert hat, bestätigen kann.

Jugendliteraturpreis
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