Auch die Bäume im Leipziger Auwald lassen jetzt die Köpfe hängen

Für alle LeserDer Jahrhundertsommer fordert auch im Leipziger Auwald seinen Tribut, teilt das Projekt Lebendige Luppe mit, das ja nicht nur versucht, ein Wiedervernässungsprojekt für die Burgaue auf die Beine zu kriegen, sondern auch den Auwald wissenschaftlich erforscht. Und dass das Wasser fehlt, macht sich jetzt auch bei den Bäumen in der Aue bemerkbar.

Hängende, teils kahle Baumkronen – auch bei Baumriesen wie Eichen und Linden – sind Zeugen der langanhaltenden Hitze und Trockenheit und zeigen die Folgen dieses Sommers, in dem es so selten geregnet hat wie schon lange nicht mehr. Der Abfluss in der Weißen Elster unterschreitet am Pegel Oberthau, an der Grenze zu Sachsen-Anhalt, den mittleren Niedrigwasserabfluss der letzten Jahre erheblich, beträgt ungefähr nur noch ein Drittel. Allerdings liegt er noch nicht so niedrig wie im Jahr 2001.

Die Folgen der Trockenperiode werden durch die aktuellen Beobachtungen der naturwissenschaftlichen Begleitforschung des Projekts Lebendige Luppe bestätigt.

„Die Bodenfeuchtigkeit im nordwestlichen Auwald hat sich in den letzten Monaten in den oberen Bodenschichten fast halbiert und auch in den tieferen Schichten ungewöhnlich stark abgenommen“, kommentiert Rolf Engelmann, der als Wissenschaftler der Universität Leipzig im Projekt arbeitet, den Anblick der unter Trockenheit leidenden Bäume.

„Hinzu kommt, dass es für die Bäume fast unmöglich ist, an das restliche, im Boden sehr stark gebundene Wasser zu gelangen. Die Saugspannung der Wurzeln reicht jetzt nicht mehr aus, um dieses aufzunehmen. In Mitteleuropa wird dieser Welkepunkt bei Bäumen normalerweise nicht erreicht, da in der Regel nur die obersten Zentimeter des Bodens so stark austrocknen.“

Da nützen den Bäumen auch ihre tief in den Boden reichenden Wurzeln nichts, mit deren Hilfe sie Trockenzeiten normalerweise überbrücken. Zudem ist Auenlehm ein hervorragender Wasserspeicher. Wie ein Schwamm saugt der Boden das Wasser auf und speichert es. Doch dieser Puffer ist scheinbar aufgebraucht und der im Vergleich zu naturnahen Auen ohnehin verhältnismäßig tiefe Grundwasserspiegel der Leipziger Aue kann derartige Extremereignisse nicht mehr kompensieren.

„In Zukunft dürften wir häufiger mit länger anhaltenden Dürreperioden rechnen“, weist der Wissenschaftler auf die Folgen des Klimawandels hin. Umso wichtiger, jetzt Maßnahmen zur Erhaltung der Nordwestaue zu ergreifen.

Im Rahmen des Projekts Lebendige Luppe sollen alte, jedoch trockengefallene Bachbetten zu einem Fließgewässer verbunden werden. Der zusätzliche Flussarm soll lokal den Grundwasserspiegel erhöhen, denn die Daten der Grundwassermessungen bestätigen einen starken Abfall des Grundwassers zu Neuer Luppe und Nahle hin. Die tief eingeschnittenen Kanäle wirken wie ein Trichter, entziehen der Aue das Grundwasser und sind ein wesentlicher Verursacher der fortschreitenden Austrocknung unserer Auenlandschaft, wovon auch in regenreicheren Zeiten trockene Bachbetten der ehemals wasserreichen Flusslandschaft zeugen. Das Projekt Lebendige Luppe als ein Baustein zur Revitalisierung der Leipziger Aue ist somit auch eine Chance, Teile des Waldbestands vor langfristigen Schäden durch den Klimawandel zu bewahren.

AuwaldLebendige LuppeDürre
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