Markkleebergs OBM Karsten Schütze informiert über die Stilllegung der Straßenbahnlinie 9

Gestern Abend waren alle interessierten Markkleeberger zu einer Bürgerversammlung eingeladen. Der Saal ist gegen 17:45 Uhr schon gut gefüllt, bis zum Beginn um 18 Uhr haben etwa 120 Personen im Großen Lindensaal des Markkleeberger Rathauses Platz genommen. Der Anlass: Die Umgestaltung der Markkleeberger Stadtmitte. Doch die erste halbe Stunde gehört einem anderen Thema: Was ist dran an den Gerüchten zur Stilllegung der Straßenbahnlinie 9?
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OBM Karsten Schütze freut sich, dass so viele gekommen sind, um gemeinsam die Ideen zur Umgestaltung der Markkleeberger Stadtmitte anzuschauen und mitzudiskutieren. Er bittet jedoch noch um einen kleinen Moment Geduld, denn er wolle unbedingt und „ganz offiziell“ etwas zu dem sagen, was ja jetzt schon in der Zeitung zu lesen war und was in den vergangenen Tagen in Supermärkten und an Haltestellen heiß diskutiert wurde: Die Stilllegung der Straßenbahnlinie 9 ab Dezember 2015. Dieses Thema sei für viele wichtig, daher wolle er die Möglichkeit nutzen, in diesem Rahmen darüber zu informieren.

2010 wurde die Diskussion zur Linie 9 nach Markkleeberg-West zum letzten Mal heftig geführt, die Stadtverwaltung hat sich sehr dafür eingesetzt, dass die Straßenbahn in Markkleeberg für die Einwohner erhalten bleibt. Mit der Fertigstellung des City-Tunnels und der Inbetriebnahme des neuen S-Bahn-Netzes im Dezember 2013 habe sich jedoch nun alles verändert. Nun müsse man eingestehen, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann.

Die Gründe

Die durchgeführten Befragungen und Zählungen hätten ergeben – so Schütze –, dass es seit dem Start des City-Tunnels zu starken Veränderungen bei den Fahrgastzahlen gekommen sei. Immer mehr Menschen nutzen die schnellere Verbindung mit der S-Bahn, in der Folge gehen der Straßenbahn, je nach Wochentag, zwischen 25 und 32 Prozent der Fahrgäste verloren. Und obwohl 2200 Personen täglich die Linie 9 innerhalb Markkleebergs zwischen Markkleeberg-West und Forsthaus Raschwitz nutzen, sei der weitere Betrieb der Strecke nicht mehr wirtschaftlich. Mit diesem Ergebnis auch diskutiert in der großen Entscheiderrunde, bestehend aus den Städten Leipzig und Markkleeberg, dem Landkreis, dem Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) und den beteiligten Verkehrsbetrieben (LVB, RBL, DB).

OBM Karsten Schütze spricht von zweistelligen Millionenbeträgen, die nach einer Information der LVB in die Gleisanlagen und Oberleitungen investiert werden müssten. Das sei unwirtschaftlich und bei sinkenden Nutzerzahlen nicht sinnvoll. Es werde also so sein, dass die Linie 9 mit dem nächsten Fahrplanwechsel im Dezember 2015 eingestellt wird.

Allerdings geschehe dies nicht ohne Alternativen, so Schütze weiter. Er habe sich intensiv mit den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) darüber unterhalten, wie der geplante Ersatz durch die Verlängerung der Buslinie 70 vom Connewitzer Kreuz aussehen müsste. Schütze: Es ging um die gleiche Linienführung bei gleichen Taktzeiten. Jetzt werde man sehen, was bei den weiteren Gesprächen herauskomme.

Diskussion und (teilweise) Unverständnis

Bei der sich anschließenden Diskussionsrunde nutzen einige Markkleeberger die Möglichkeit, ihre Fragen zu stellen. Manche – vor allem Anwohner aus der Friedrich-Ebert-Straße – haben keine Fragen, sondern Forderungen an den Chef der Markkleeberger Stadtverwaltung. Sie sind erbost und empört über die Entscheidung, dass die Straßenbahn durch einen Bus ersetzt wird. Sie können nicht verstehen, dass jetzt noch ein weiterer Bus diese Strecke entlangfahren soll: „Das Verkehrskonzept ist menschenverachtend. Die mit dem dichten Busverkehr einhergehenden Schadstoffemissionen sind höchst gesundheitsschädlich. Die Lärmbelästigung durch die beabsichtigte weitere Zunahme des Busverkehrs auch infolge des Abschaffens der Straßenbahnlinie 9 steigt für die Anwohner auf ein unerträgliches Maß. Die beabsichtigten kurzen Taktzeiten außerhalb des Schüler- und Berufsverkehrs verschwenden unsere Ressourcen und Steuergelder, da nachweislich die Auslastung in diesen Zeiten gegen Null geht.“

Man muss doch erstmal genau prüfen, so die Anwohner im persönlichen Gespräch weiter, wie groß der Bedarf wirklich ist. Das macht doch keinen Sinn, wenn die Busse hier leer hin- und herfahren. „Wenn man bei uns am Gartentor steht, müssen Sie die Luft anhalten, das halten Sie nicht aus. Wir können ein bürgerfreundliches Verkehrskonzept erwarten.“

Auch andere Markkleeberger befürchten, dass die „Diesel-Stinker“ dann durch die Markkleeberger Innenstadt fahren werden.

OBM Karsten Schütze geht auf die Fragen/Vorwürfe ein und versucht, diese – so gut es zum jetzigen Zeitpunkt geht – zu beantworten. Man müsse auf jeden Fall etwas beim Straßenbelag in der Ebert-Straße ändern. Er habe sich das vor Ort selber angesehen und kann bestätigen, dass die Fahrgeräusche enorm sind, wenn die Busse über die Betonplatten fahren. Er verspricht sich eine Verbesserung der Geräusch- und Abgasproblematik, wenn durch die LVB moderne Busse (z.B. Hybrid) eingesetzt werden.

Ein Ausblick. Und Chancen …

Zum Abschluss der Diskussionsrunde erklärt der Markkleeberger Oberbürgermeister den Anwesenden im Saal noch, dass er natürlich traurig sei, dass „die 9“ wegfällt, aber dass er auch froh sei, dass es für die weiteren Planungen und im bevorstehenden Wettbewerb für die Umgestaltung der Markkleeberger Innenstadt nun eine feste Planungsgröße gibt: keine Straßenbahngleise. Was wiederum viele Möglichkeiten bietet …

Womit er zum eigentlichen Thema des Abends überleitete.

Markkleeberg
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