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Gespräche der LMBV mit den Betroffenen im Leipziger Südraum haben begonnen

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    Am Hainer See gehen die Ängste um, dass ein neuer Plan des Bergbausanierers LMBV möglicherweise die schöne Idylle am See zerstören könnte. Man vergisst ja bei aller Schönheit schnell, dass das komplette Gebiet nach wie vor Bergbausanierungsgebiet ist. Der Hainer und der Kahnsdorfer See liegen beide auf dem Gebiet des ehemaligen Tagebaus Wittnitz II. Und dessen Abraumhalden verunreinigen die Pleiße.

    Die fließt hier etwas weiter westlich – aber in einem künstlich geschaffenen Flussbett, das mitten durch die alten Abraumberge des Tagebaus führt. Und aus diesem Abraum spült der Fluss gewaltige Mengen eisenhaltiger Sedimente aus – genau das, was die Pleiße ab diesem Abschnitt so bräunlich färbt und die Wasserqualität auf eine unhaltbare 5 verschlechtert.

    Ein Problem, das die LMBV zwingend lösen muss.

    Sie beschreibt das Dilemma selbst so: „In der Pleiße südlich von Leipzig wird vor allem in Zeiten von Niedrig- und Mittelwasserabflüssen eine gelb-braune bis orangefarbene Eintrübung des Wassers beobachtet. Diese sichtbare Veränderung des Wasserkörpers ist eine Folge des Bergbaus: Nach der Einstellung der bergbaubedingten Wasserhaltungen zur Grundwasserabsenkung im Bereich der ehemaligen Braunkohlentagebaue steigt das Grundwasser großräumig wieder an und es stellen sich langfristig natürliche Grundwasserströmungsverhältnisse ein. Der Grundwasserspiegel ist nunmehr so weit angestiegen, dass es wegen der hydraulischen Kopplung des Grundwassers mit den oberirdischen Gewässern zu einer Exfiltration von saurem, eisen- und sulfatbelastetem Kippengrundwasser in die Pleiße kommt.

    Ab der Kippe Witznitz ist eine Verfärbung der Pleiße sichtbar. In diesem Abschnitt wurde der Fluss in den 1960er Jahren direkt über die Kippe verlegt. Die Stofffrachten in der Pleiße führen nicht nur zu einer optischen Braunfärbung über lange Fließwege, sondern auch zu einer damit verbundenen Schädigung der Lebewesen und Beeinträchtigung der Nahrungsketten im Fluss. Damit auch verbunden ist eine negative Beeinflussung der touristischen Nutzung der Gewässer. Umfangreiche Messungen im Oberflächengewässer ergaben, dass die Eiseneinträge aus der Kippe Witznitz zum größten Teil dafür verantwortlich sind. Innerhalb dieser fließen 98 Prozent der Eiseneinträge im Südteil zwischen der Wyhra-Mündung und Neukieritzsch zu. Der mittlere Eiseneintrag aus der Kippe Witznitz in die Pleiße beträgt derzeit ca. 1.000 kg/d (Kilogramm Eisen pro Tag). Berechnungen prognostizieren eine äußerst langsame Reduzierung des Eiseneintrags aus der Kippe auf ca. 750 kg/d im Jahr 2100 und 200 kg/d im Jahr 2300.“

    Um aber die europäische Wasserrahmenrichtlinie zu erfüllen und die Pleiße wieder zu einem sauberen Fluss zu machen, muss die LMBV sich im Witznitzer Gebiet etwas einfallen lassen.

    Eine der Überlegungen, das jetzt am Hainer See für Beunruhigung sorgt, ist die Nutzung des nördlich des Hainer Sees gelegenen Kahnsdorfer Sees als Eisenfalle.

    Das war jetzt Thema der Informationsveranstaltung, die die LMBV am Dienstag, 29. November, zusammen mit der iKD Ingenieur-Consult GmbH in Leipzig durchgeführt hat. Anwesend waren Vertreter des Zweckverbandes Planung und Erschließung Witznitzer Seen, der Gemeinde Neukieritzsch, der Blauwald GmbH & Co. KG, der Blauwasser Seemanagement GmbH, der Anrainer am Hainer See, des Regionalen Planungsverbandes Leipzig-Westsachsen, der Landesdirektion Sachsen, des Sächsischen Oberbergamtes, des Kommunalen Forums Südraum Leipzig, des Landratsamts Landkreis Leipzig und der Stadt Leipzig.

    Die braune Pleiße (unten) am Stausee Rötha (linnks). Oben der Kahnsdorfer See und darüber der Hainer See. In der Bildmitte die Kleine Pleiße. Foto: LMBV
    Die braune Pleiße (unten) am Stausee Rötha (links). Oben der Kahnsdorfer See und darüber der Hainer See. In der Bildmitte die Kleine Pleiße. Foto: LMBV

    Als bergrechtlich verantwortliches Unternehmen ist die bundeseigene LMBV Projektträgerin der Braunkohlesanierungsarbeiten. Im Rahmen ihrer Rechtsverpflichtung ist sie mit der Entwicklung und Umsetzung von wirksamen, technisch durchführbaren und verhältnismäßigen Lösungen zur Vermeidung gemeinschädlicher bergbaulicher Belastungen in den ostdeutschen Braunkohlerevieren beauftragt worden.

    Die Pleiße ist ein durch die Braunkohlenindustrie im Südraum Leipzig stark in Mitleidenschaft gezogenes Fließgewässer. Ihr Ökosystem ist aufgrund von mehrfachen Umverlegungen und Kanalisierungen im 20. Jahrhundert sowie gegenwärtig hohen Eisen- und Sulfateinträgen aus Kippen, vor allem aus dem Bereich des ehemaligen Tagebaus Witznitz II, deutlich beeinträchtigt.

    Deshalb lief im Auftrag der LMBV zwischen 2007 und 2014 ein Projekt zur „Untersuchung der Auswirkungen des Grundwasserwiederanstiegs und der daraus folgenden Exfiltration der eisenbelasteten Grundwässer aus den Kippen des ehemaligen Tagebaus Witznitz in die Fließgewässer Pleiße und Wyhra“. Nach umfangreichem Monitoring und Bilanzierung der Stoffeinträge in die Oberflächengewässer wurde die Machbarkeit von verschiedenen Lösungsansätzen untersucht.

    Die Betrachtung aller Varianten ist noch nicht abgeschlossen, betont die LMBV. Vorgestellt habe sie erst einmal die Variante, die den größten Erfolg verspricht.

    Eine Möglichkeit zur unmittelbaren Verbesserung der Eisenbelastung in der Pleiße könnte die Umverlegung der Pleiße durch den Kahnsdorfer See sein. Idee ist hierbei die Durchleitung der Pleiße von oberhalb des Trachenauer Wehres durch den Kahnsdorfer See und die anschließende Zurückführung des sauberen Wassers unterhalb des Trachenauer Wehres. Im von Kippenmassen umgebenen und ausreichend tiefen Bergbaufolgesee können die Eisenhydroxidschlämme sich ablagern (sedimentieren). Das so vom Eisen gereinigte Wasser ließe sich zurück in die Pleiße ausleiten. Mit dieser Maßnahme könnte die Pleiße unterhalb des Haupteintragsgebietes langfristig und mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand von der Eisenfracht gereinigt werden.

    Zur Erarbeitung einer ausführlichen und ergebnisoffenen Vorplanung wurde das Ingenieurbüro iKD GmbH aus Dresden vertraglich gebunden. Ende 2017 soll die Vorplanung zur Minderung von bergbaubedingten Eisenfrachten in der Pleiße durch Einbeziehung des Kahnsdorfer Sees unter Berücksichtigung der Auswirkungen auf Anrainer und Umwelt vorliegen.

    Und da die Gemüter schon so aufgeregt sind, betont der Bergbausanierer: Es ist ein Kernanliegen der LMBV, dass der Planungsprozess durch die Beteiligten und Betroffenen begleitet wird.

    Die Informationsveranstaltung am 29. November 2016 sei hierfür der Auftakt gewesen. Im Gespräch wurden mit den Anwesenden Anregungen diskutiert, die in den Planungsprozess einfließen werden. Für die Anrainer am Hainer See soll es auch noch eine Vor-Ort-Informationsveranstaltung geben, um Fragen stellen zu können. Immerhin braucht man ja ein Bild davon, wo die umverlegte Pleiße dann fließen soll und ob das Entwicklungsprojekt am Hainer See dabei gefährdet wird – oder nicht.

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