In Großpösna gibt es schon sechs gepflegte Schmetterlingswiesen

Für alle LeserAuch dieses Thema wird jetzt wieder drängender, wenn nach und nach die Corona-Einschränkungen zurückgefahren werden: das Artensterben in der Welt, das ja auch um Sachsen keinen Bogen macht. Am Freitag, 13. März, war das auch noch Thema bei einer Veranstaltung, die die Gemeinde Großpösna, der Kuhstall e. V. und der UferLeben e. V. gemeinsam veranstalteten. Die Idee zum „Informationsabend blühendes Großpösna“ entstand im Frühjahr 2019 als Reaktion auf das dramatische Insektensterben und den globalen Verlust der Biodiversität.

Der Begriff „Biodiversität“ beschreibt die Vielfalt des Lebens auf der Erde und ihre Zusammenhänge in ihrer gesamten Bandbreite. Diese biologische Vielfalt nimmt seit Jahren weltweit ab. Laut dem Bundesamt für Naturschutz sind von den 32.000 in Deutschland heimischen Tieren, Pflanzen und Pilzen 30 % bestandsgefährdet und 6 % bereits ausgestorben. Darüber hinaus werden 70 % der Lebensräume als gefährdet eingestuft.

Die im Oktober 2017 veröffentlichte Krefeld-Studie konnte zeigen, dass die Biomasse von Fluginsekten innerhalb von 27 Jahren um 75 % abgenommen hat. Diese Daten wurden von 1989 bis 2015 in 63 Schutzgebieten in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg erhoben.

Welche tragende Rolle Insekten in unseren Ökosystemen spielen, sollen folgende Aspekte verdeutlichen:

– In Deutschland machen Insekten 70 % aller nachgewiesenen Tierarten aus.
– In gemäßigten Klimazonen werden 88 % der Blütenpflanzen durch Insekten bestäubt.
– Der weltweite ökonomische Nutzen der Bestäubung von Kulturpflanzen durch Insekten wird auf 153 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.
– Insekten sind die wesentliche Nahrungsgrundlage für zahlreiche weitere Insekten, Spinnen, Vögel, Reptilien, Amphibien und insektenfressende Säugetiere.
– Insekten spielen eine wichtige Rolle für Nährstoffkreisläufe, den Abbau organischer Masse, die biologische Schädlingskontrolle, die Gewässerreinigung und die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit.

Vor dem Hintergrund des allgegenwärtigen Insektensterbens rief der UferLeben e. V. 2019 das Themenjahr „Insekten“ aus. Im Rahmen dessen richtete der Verein am 11. März 2019 im Café im Pfarrhaus in Störmthal die Diskussions- und Informationsveranstaltung „Artenschutz konkret – Insekten retten“ aus.

Der Abend wurde von den Vortragenden Frank Meisel, Mitglied des ehrenamtlichen Naturschutzdienstes in Mittelsachsen, Wolfram Günther, jetziger sächsischer Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft, und UferLeben e. V. gestaltet.

Göselauenen-Wiesen, Dreiskau-Muckern. Foto: Stephan Schürer

Göselauenen-Wiesen, Dreiskau-Muckern. Foto: Stephan Schürer

„Der Abend machte noch einmal deutlich, dass jede Bürgerin die Abwärtsspirale unter anderem durch gezieltes Einkaufsverhalten im Sinne ökologisch erzeugter Lebensmittel und durch naturnähere und infolge insektenfreundlichere Umgestaltung des persönlichen Umfeldes stoppen bzw. verlangsamen kann“, betont Stephan Schürer

Dabei helfen unter anderem die Initiativen „Puppenstuben gesucht – Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“ und „Sachsen blüht“.

Im Anschluss an die Veranstaltung erfolgte eine Kontaktaufnahme zu Dr. Matthias Nuß, dem Sektionsleiter des Bereichs Schmetterlinge im Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden und fachlicher Koordinator von „Insekten Sachsen“ und „Puppenstuben gesucht – Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“. Am 10. Mai 2019 fand im Rathaus Großpösna ein Treffen zwischen Dr. Nuß, der Bürgermeisterin Dr. Lantzsch, dem Bauhof Großpösna, dem Botanischen Garten Großpösna, dem Liegenschaftsamt und UferLeben statt.

Dabei gab es eine Beratung durch Dr. Nuß hinsichtlich einer naturnäheren und insektenfreundlicheren Umgestaltung des Pflegekonzeptes der gemeindeeigenen Grünflächen, berichtet Schürer. Und es wurden potentielle Flächen im Gemeindegebiet für die Initiative „Sachsen blüht!“ herausgesucht. Die Initiative „Sachsen blüht“ möchte das Blüten- und Lebensraumangebot für Insekten und Vögel in den Siedlungsbereichen verbessern. Dies geschieht durch eine kostenlose Bereitstellung von gebietseigenem zertifizierten Saatgut für geeignete Flächen. Im Rahmen des Treffens reifte auch die Idee für die Bürgerinformationsveranstaltung „Blühendes Großpösna“.

Das Ergebnis: Bis heute wurden in Großpösna schon sechs Wiesen bei „Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“ registriert. Allein in Dreiskau-Muckern wurden drei unterschiedliche Wiesenbiotope mit einer Größe von fast 14 Hektar angemeldet. Dabei handelt es sich um den Gemeinschaftsgarten Dreiskau-Muckern, eine Streuobstwiese und um Pferdekoppeln entlang der Göselaue.

Was all diese Wiesen eint, sind von „Schmetterlingswiesen Sachsen“ vorgegebene Wiesenpflegeregeln. Was unter anderem bedeutet: Es wird seltener und nicht die gesamte Fläche gemäht, es werden schneidende Mahdwerkzeuge benutzt, es wird nicht gemulcht und Mahdgut wird beräumt.

Wiese mit dem Großen Wiesenknopf im Gemeindegebiet Großpösna. Foto: Stephan Schürer

Wiese mit dem Großen Wiesenknopf im Gemeindegebiet Großpösna. Foto: Stephan Schürer

„Eine räumlich und zeitlich differenzierte Wiesenpflege trägt dazu bei, möglichst viele Pflanzen-, Insekten- und Vogelarten auf einer Wiese zu fördern“, betont Stephan Schürer. „Bis dato sind mehr als 400 Wiesen bei Schmetterlingswiesen Sachsen registriert. Durch die Registrierung weiterer Wiesen und durch die Schaffung neuer Biotope z. B. im Rahmen von ,Sachsen blüht‘ könnte unsere Region perspektivisch farbenprächtiger und gleichzeitig insektenfreundlicher werden.

Im Landkreis Leipzig gibt es noch zahlreiche wertvolle Wiesenbiotope, von denen sich die dort beheimateten Arten in neue Biotope ausbreiten könnten – dazu müssten natürlich überregionale Grünzüge erweitert und neu geschaffen werden. So gibt es z. B. im Gemeindegebiet von Großpösna noch Wiesen, auf denen der streng geschützte Dunkle Wiesenknopf Ameisen-Bläuling beheimatet ist.

Dieser selten gewordene Schmetterling spielt auch ein wichtige Rolle in dem Buch ,Die Wiese – Lockruf in eine geheimnisvolle Welt‘ von Jan Haft. Dieses Buch ist ein schöner Einstieg in den zunächst sehr komplexen Mikrokosmos der Wiese. Es lag also nahe, Jan Haft zu einer Lesung im Rahmen der Informationsveranstaltung blühendes Großpösna einzuladen. Dies gelang uns dann auch.“

Trotz abgesagter Buchmesse und aller Schwierigkeiten im Rahmen der aufkommenden Pandemie fand der Informationsabend am 13. März statt. Im Vorfeld des Abends veranstaltete der Ende letzten Jahres neu gegründete Stadt-Umland-Landschaftspflegeverband LeipzigGrün in Kooperation mit Dr. Nuß und UferLeben einen kleinen Workshop zum Thema Insektenschutz für Entscheidungsträger aus den Kommunen und der Wirtschaft.

Dieser war infolge von Covid-19 dann freilich eher spärlich besucht. Trotzdem kam es zu einer sehr lehrreichen Diskussion und zu neuen sinnvollen Kooperationen, zieht Stephan Schürer eine erste Bilanz.

„Der anschließende Informationsabend blühendes Großpösna war wiederum mit etwa 60 Gästen sehr gut besucht. Dr. Gabriela Lantzsch, die Bürgermeisterin von Großpösna, eröffnete den Informationsabend und berichtete über aktuelle insektenfreundliche Projekte und zukünftige Pläne der Gemeinde Großpösna. Nachfolgend berichtetet Dr. Matthias Nuss über sein Projekt ,Puppenstuben gesucht – Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge‘ und gab praktische Tipps für eine insektenfreundlichere Pflege und Gestaltung des eigenen Gartens. Nach der sehr interaktiven Lesung von Jan Haft aus ,Die Wiese – Lockruf in eine geheimnisvolle Welt‘ kam es noch zu einer sehr angeregten allgemeinen Frage- und Diskussionsrunde mit Dr. Matthias und Jan Haft.“

Zur Vertiefung der eigenen Kenntnisse der Flora und Fauna der Wiese empfiehlt Stephan Schürer zwei kostenlose sehr interessante und lehrreiche Apps.

1. Flora Incognita: Die aus einer Zusammenarbeit der TU Ilmenau und dem Max-Planck-Institut für Biogeochemie Jena entstandene kostenlose App FLORA INCOGNITA ermöglicht es NutzerInnen die mannigfaltige Welt der Pflanzen näher kennenzulernen und zu verstehen. Nebenbei erfolgt eine deutschlandweite, auftraggeberunabhängige, ganz- und mehrjährige Kartierung der Pflanzen.

2. Insekten Sachsen: Die App registriert die Standortdaten des jeweiligen fotographisch dokumentierten Insektenfundes und hilft bei der Bestimmung. Die anschließende jeweilige Fundmeldung wird im Verlauf auf Richtigkeit geprüft und auf der Homepage Insekten Sachsen freigegeben und veröffentlicht.

NABU, UferLeben und Petitions-Initiatoren schreiben einen Offenen Brief an die neue Staatsregierung

Hinweis der Redaktion in eigener Sache

Natürlich werden auch die L-IZ.de und die LEIPZIGER ZEITUNG in den kommenden Tagen und Wochen von den anstehenden Entwicklungen nicht unberührt bleiben. Ausfälle wegen Erkrankungen, Werbekunden, die keine Anzeigen mehr schalten, allgemeine Unsicherheiten bis hin zu Steuerlasten bei zurückgehenden Einnahmen sind auch bei unseren Zeitungen L-IZ.de und LZ zu befürchten.

Doch Aufgeben oder Bangemachen gilt nicht ;-) Selbstverständlich werden wir weiter für Sie berichten. Und wir haben bereits vor Tagen unser gesamtes Archiv für alle Leser geöffnet – es gibt also derzeit auch für Nichtabonnenten unter anderem alle Artikel der LEIPZIGER ZEITUNG aus den letzten Jahren zusätzlich auf L-IZ.de ganz ohne Paywall zu entdecken.

Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere selbstverständlich weitergehende Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

Vielen Dank dafür.

 

InsektensterbenGroßpösnaUferLeben e.V.Schmetterlingswiesen
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Keinen Kontakt, bitte! – RC Leipzig spielte seine beste Saison und ist trotzdem traurig.
Der RC Leipzig hofft auf Spendengelder. Foto: Jan Kaefer (Archiv)

Foto: Jan Kaefer (Archiv)

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 79, seit 29. Mai im HandelRugby und Abstand halten ist wie Baden und trocken bleiben wollen. Oder anders formuliert: Wenn nicht mindestens zehn Spieler auf einem Haufen liegen, ist es kein Rugby. Zwinkersmiley. Wobei, eigentlich wäre eher der mit dem traurigen Gesicht angebracht, denn genau dieses körperbetonte Spiel ist in Corona-Zeiten absolut tabu. Beim Bundesligisten RC Leipzig herrscht dafür vollstes Verständnis. Traurig ist man an der Stahmelner Straße natürlich trotzdem.
LVB konnten ihre Linienerlöse trotz sinkender Fahrgastzahlen steigern
XL-Straßenbahn auf der Messekehre. Foto. Ralf Julke

Foto. Ralf Julke

Für alle LeserNicht nur die Leipziger Gruppe als Stadtholding legte in dieser Woche ihre Geschäftszahlen für das vergangene Jahr vor. Auch die drei Tochterunternehmen legten ihre Zahlen vor. Und gerade bei den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) war eine gewisse Aufmerksamkeit sicher. Denn erstmals in den vergangen Jahren konnten die LVB ihre Erlöse nicht durch eine Fahrpreiserhöhung steigern.
Radweg am Connewitzer Kreuz: Die Litfaßsäule muss weg und an einer schrittweisen Lösung wird gearbeitet
Die aktuelle Lösung am Connewitzer Kreuz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserBeharrliches Nachfragen hilft. Denn manchmal reagiert die Stadtverwaltung dann doch ohne viel Federlesens, so wie am Connewitzer Kreuz, wo man den Corona-Shutdown nutzte, um wenigstens eine kleine Änderung an der Radwegeführung vorzunehmen: Gelb abmarkiert werden die Radfahrer/-innen vor dem Rewe-Supermarkt jetzt auf der Fahrbahn geführt. Ein Provisorium, wie das Dezernat Stadtentwicklung und Bau jetzt auch auf eine Anfrage der SPD-Fraktion hin erklärt.
Fast 4.000 Mal ließ das Leipziger Ordnungsamt 2019 falsch geparkte Fahrzeuge abschleppen
Hier war es eine ausgeschilderte Baustelle, wegen der mehrere geparkte Fahrzeuge abgeschleppt wurden. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDiese Geschichte bewegt die Leipziger nun schon seit Jahren. Denn mit dem zunehmenden Autobestand in Leipzig sind immer öfter auch Fußwege, Radwege und Kreuzungen zugeparkt. Und selbst die LVB-Fahrer verzweifeln zuweilen, weil rücksichtslose Autofahrer einfach die Gleise zuparken und damit den Straßenbahnbetrieb zum Erliegen bringen. Ein Thema, das sogar die Freibeuter-Fraktion im Stadtrat aufregte. Warum wird da nicht häufiger abgeschleppt, wollte die Fraktion schon im Februar wissen.
Der Stadtrat tagte: OBM-Vorschlag zum Neuzuschnitt der Verwaltung bekommt klare Mehrheit im Stadtrat + Video
Burkhard Jung in der Ratsversammlung am 28. Mai 2020. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserAm Donnerstag, 28. Mai, in der Fortsetzung der Stadtratssitzung vom 20. Mai in der Kongresshalle, wurde auch über die von OBM Burkhard Jung vorgeschlagene künftige Dezernatsstruktur im Rathaus abgestimmt. Im Herbst sollen ja vier Dezernatsleitungen neu besetzt werden. Dafür müssen im Sommer die Ausschreibungen raus. Die Gelegenheit will Jung nicht verpassen, um die neuen Bürgermeister/-innen auch schon passend zur neuen Dezernatsstruktur zu finden.
Heidelberg an einem Tag: Die Neckarstadt mit der berühmtesten Burgruine Deutschlands
Andrea Reidt: Heidelberg an einem Tag. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWohin fährt man eigentlich jetzt in den Urlaub, wenn so viele Urlaubsländer noch immer mit den Nachwirkungen von Corona zu kämpfen haben? Oder selbst dann, wenn sie wieder einladen wie Italien, dort aber mit einem riesigen Ansturm der befreiten Touristen zu rechnen ist? Vielleicht sollte man die seltene Chance nutzen, einige deutsche Städte zu besuchen, die sonst von ausländischen Besuchern überlaufen sind. Heidelberg zum Beispiel.
Pfingsten ohne Gruftis? Tag 4 – Das Darkstream Festival zeigt Düster-Pop aus Leipzig + Livestream
David Gray und "Kruppe" bei der gemeinsamen Moderation in der Moritzbastei. Screen Livestream

Screen Livestream

Für alle LeserPfingsten ohne ein schwarzes Leipzig? Geht gar nicht, waren sich Dave, Kruppe und Christian einig, als Corona mehr und mehr drohte, das 2020er „Wave-Gotik-Treffen“ zu kippen. Am Ende musste das WGT in diesem Jahr ausfallen, noch immer ist es nicht möglich, Konzerte durchzuführen. Dafür haben die drei mit weiteren Szenefreundinnen etwas auf die Beine gestellt, was sie selbst am Beginn nicht für möglich gehalten hätten. Das gesamte Pfingsten 2020 gibt es erstmals mit dem „Darkstream-Festival“ einen nahezu durchgehenden Livestream mit Moderation aus der Moritzbastei, Eindrücken aus Leipzig, über 60 Bands, DJs und Autorenlesungen.
Die ausgefallene Revolution: „Zeigt uns den Virus, dann zeigen wir unsere Masken“ + Videos
Die Ich-Perspektive - möge Angela Merkel langsam verrecken, weil das eigene Kind die Coronamaßnahmen erleben muss. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

LEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 79, seit Freitag, 29. Mai 2020 im HandelFür alle LeserNoch am Samstag, 16. Mai, freute man sich bei der „Bewegung Leipzig“ über einen neuen Zahlenrekord bei ihrer Kundgebung auf dem Leipziger Marktplatz. Rund 400 Teilnehmer waren gekommen, darunter auch einer der drei „Widerstand 2020“-Partei-Gründer und Leipziger Rechtsanwalt Ralf Ludwig. Was am letztlich geringen Interesse an seinem Redebeitrag und an der eher kleinen Kundgebungsbeteiligung selbst stutzig machte, war der Umstand, dass der „Widerstand 2020“ bis zu diesem Zeitpunkt über 100.000 Online-Parteieintritte ohne Mitgliedsbeitrag vermeldet hatte. Gigantische Zahlen einer Bewegung, deren Zeit gekommen schien und welche mehr bundesweite Parteimitglieder als bei B90/Die Grünen, Linke und AfD zusammen bedeutet hätten.
Gastkommentar von Christian Wolff: Mikrosa, Pfingsten und die Aufgabe der Kirche
Christian Wolff (beim Brückenfest 2018). Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserDer Traditionsbetrieb Schaudt Mikrosa GmbH in Leipzig-Plagwitz soll stillgelegt werden (dort werden spitzenlose Außenrundschleifmaschinen für die Autoindustrie hergestellt). Die 165 Beschäftigten legten am Donnerstag, 28. Mai 2020, die Arbeit nieder und gingen auf die Straße. Arbeitnehmer/innen anderer Unternehmen schlossen sich dem Protestzug durch den Stadtteil Plagwitz an.
Der Stadtrat tagte: Große Zustimmung für „RuDi“ und digitale Ratlosigkeit in der AfD-Fraktion + Video
Straßenbahn in Stötteritz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm Donnerstag, 28. Mai, entschied der Leipziger Stadtrat auch zu einem neuen Förderprojekt „Ruhenden Verkehr digitalisieren – RuDi“, das die LVB als Pilotprojekt in Stötteritz umsetzen sollen. Kurz vor Sieben kam es da zu einer kleinen Debatte, nachdem AfD-Stadtrat Christian Kriegel noch einmal dieselben falschen Bedenken vorgebracht hatte, die zuvor schon die LVZ veröffentlicht hatte. Er mutmaßte ein „Abkassieren von Autofahrern jetzt auch bis zum Stadtrand“.
Fridays for Future Leipzig ruft jetzt erstmals am Dienstag zum großen Protest gegen die Abwrackprämie auf
Fridays-for-Future-Demo im April 2019. Foto: L-IZ

Foto: L-IZ

Für alle LeserEs ist tatsächlich so: Weil deutschlandweit die Corona-Berichterstattung dominiert, hat die Bundespolitik augenscheinlich den fatalen Eindruck bekommen, dass die Klimakrise vergessen ist und die Deutschen nur zu bereit sind, den Wirtschaftsaufschwung nach Corona mit dem Kauf von neuen Verbrennern zu erwirtschaften. Zumindest scheinen die Bosse der großen Autokonzerne mit dieser Botschaft durchzudringen, obwohl die Mehrheit der Deutschen ganz und gar nicht vergessen hat, wie drängend die Lösung der Klimakrise ist.
Leipziger Gruppe schafft trotz erhöhter Zahlungen an die LVB auch 2019 ein positives Konzernergebnis
Seit 2016 firmiert die Leipziger Gruppe mit dem gelben L. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIn normalen Jahren gab es immer im Mai eine große Pressekonferenz mit Oberbürgermeister und allen Managern der Leipziger Kommunalbetriebe, auf der stolz die Konzernergebnisse des Vorjahres bekannt gegeben wurden. Die fiel nun wegen Corona natürlich aus. Und die Zahlen wirken wie aus der Zeit gefallen, erzählen von einem regelrecht normalen Jahr, in dem sich der Leipziger Kommunalkonzern weiter stabilisierte und es auch schaffte, mehr Geld für die LVB zu erwirtschaften.
Leipziger Animal Rebellion-Gruppe protestiert mit „Schließung“ von Fastfood-Filialen gegen Billigfleischproduktion
Abgesperrte McDonald's-Filiale. Foto: Animal Rebellion Leipzig

Foto: Animal Rebellion Leipzig

Für alle LeserEs wird ja jede Menge rebelliert in diesen Tagen. Die einen rebellieren gegen Corona-Maßnahmen, die nächsten gegen Atomkraftwerke, andere gegen eine neue Abwrackprämie oder gegen die fossile Klimapolitik. Alles Zeichen dafür, dass sich gerade grundlegend einige Dinge ändern. In der Nacht zum Freitag rebellierte auch eine Leipziger Gruppe von Animal Rebellion. In diesem Fall gegen das Geschäftsmodell von Fastfood-Ketten und damit auch gegen das viel zu billige Fleisch.
Leipzig Automobil: 140 Jahre Leipziger Auto-Geschichte und ein mutiger Blick in die mögliche Mobilitätszukunft
Kulturstiftung Leipzig (Hrsg.): Leipzig Automobil. F

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEigentlich ist ja „Jahr der Industriekultur“. Aber davon war aufgrund der Corona-Beschränkungen bislang wenig zu spüren. Außer, man besucht zum Beispiel die bis August verlängerte Ausstellung „Silber auf Glas“ im Stadtgeschichtlichen Museum, die eine Menge Fotos aus der frühen Zeit der Leipziger Industrialisierung zeigt. Oder man schnappt sich jetzt diesen Themen-Sonderband, den die „Leipziger Blätter“ herausbringen und der die Leipziger Automobilgeschichte einmal in hunderten Bildern und vielen Facetten zeigt.
Freitag, der 29. Mai 2020: Experten buddeln am Bahnhof und Tierschützer „schließen“ Filialen + Video
Fastfood-Filiale in der Leipziger Innenstadt nach der symbolischen Schließung. Foto: Animal Rebellion Leipzig

Foto: Animal Rebellion Leipzig

Für alle LeserIn der Nacht von Donnerstag auf Freitag gab es in der Leipziger Innenstadt viel Aktivität. Während Expert/-innen am Hauptbahnhof eine vermeintliche Bombe untersuchten, die sich als Brunnen herausstellte, starteten Tierschützer/-innen eine Aktion gegen Fastfood-Filialen. Rund um Zwickau wiederum war die Polizei gegen Neonazis aktiv. Die L-IZ fasst zusammen, was am Freitag, den 29. Mai 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.