NABU Leipzig fürchtet um den Erhalt der Gärnitzer Lache bei Markranstädt

Für alle LeserDer Kiebitz war einst auf unseren Wiesen und Feldern weit verbreitet. Doch er hat seinen Lebensraum mehr und mehr verloren. Entwässerung, Aufforstung, intensive Grünlandnutzung, Trockenlegung von Mooren, industrielle Landwirtschaft, Insektensterben und Klimawandel, aber auch intensive Freizeitnutzung von einstigen Brutarealen haben dazu geführt, dass er immer seltener zu beobachten ist und noch seltener erfolgreich brüten kann. Nahe Leipzig brütet er noch.

Doch in Sachsen steht der Kiebitz deshalb auf der Roten Liste und ist vom Aussterben bedroht, im Freistaat gibt es nur noch rund 100 Brutpaare. Umso mehr freuen sich Naturschützer über jeden Nistplatz, der noch erhalten werden kann, und dafür ist auch die Zusammenarbeit mit Landwirten erforderlich, um sie zu schützen.

Große Freude herrscht daher beim Naturschutzbund NABU Leipzig, dass der Kiebitz sogar unmittelbar am Rande der Großstadt Leipzig noch einen Nistplatz hat. Die Naturschützer bemühen sich seit einigen Monaten intensiv um den Schutz dieses Areals. Es handelt sich um die sogenannte „Gärnitzer Lache“.

Dieses Gewässer liegt südlich von Markranstädt und ist eine in Folge des Braunkohletagebaus entstandene Vernässungsfläche. Leider gibt es Pläne zur Entwässerung, weshalb der NABU das Gebiet intensiv untersucht hat und sich nun für den Erhalt dieses Naturjuwels einsetzt.

Im Winter hat der NABU vorhandene ornithologische Daten ausgewertet und ehrenamtliche NABU-Mitarbeiter informierten sich bei anderen ortskundigen Naturinteressierten. Im Ergebnis deutete sich an, dass die Gärnitzer Lache mittlerweile zu einem Hotspot der Vogelwelt geworden ist. So wurden innerhalb von nur zwei Jahren 100 Vogelarten festgestellt.

Die Mehrzahl der beobachteten Arten sind Zugvögel, die das Gebiet für kurze oder längere Zeit als Rastplatz nutzen. Manche Arten sind hier aber auch in der warmen Jahreszeit zu finden. Weißstorch, Rotmilan, Schwarzmilan, Seeadler, Fischadler, Wanderfalke und sogar die Sumpfohreule nutzen die Nassflächen für die Nahrungssuche.

Auf dem rund 15 Hektar großen Gelände brütet der Kiebitz seit mehreren Jahren. 2020 konnte erneut eine Brut bestätigt werden. Bereits im Winter hatte der NABU Leipzig die Naturschutzbehörde des Landkreises informiert und die nötigen Schutzmaßnahmen schon vor Beginn der Brutzeit abgestimmt. Für den Fall des Brutnachweises wurde ein Fahrplan aufgestellt, der nun wirksam werden kann.

Die Naturschutzbehörde hat den Landwirt informiert, NABU-Ehrenamtler schlugen Markierungen in den Boden, sodass der Landwirt weiß, welche Bereiche bis zum Sommer nicht beackert werden sollen. Der NABU Leipzig sieht darin einen wichtigen Beitrag zum Schutz des Kiebitzes. Der Brutplatz bei Markranstädt gehört zu den letzten in Nordwestsachsen.

Der NABU Leipzig hat den Standort des Kiebitznestes markiert, damit der Landwirt das Areal verschonen kann. Foto: NABU Leipzig

Der NABU Leipzig hat den Standort des Kiebitznestes markiert, damit der Landwirt das Areal verschonen kann. Foto: NABU Leipzig

Aber damit ist es noch nicht getan, denn in dem Gebiet sind noch andere schützenswerte Tierarten vorhanden, darunter der Kammmolch. Er konnte mit großem Aufwand vom NABU Leipzig in der Gärnitzer Lache nachgewiesen werden. Eigentlich hat er in den rund 400 Meter entfernten Kulkwitzer Lachen seinen Lebensraum, ebenso wie Rotbauchunken. Auch diese Art ist Hinweisen zufolge inzwischen in der Gärnitzer Lache zu Hause.

Das Gewässer dient diesen beiden Amphibien damit als Zufluchtsort, denn die Kulkwitzer Lachen sind in den vergangenen Jahren ausgetrocknet, obwohl sie ein „FFH“-Gebiet sind (Fauna-Flora-Habitat-Richtline der EU), das nach EU-Recht vor allem für diese beiden Arten, Kammmolch und Rotbauchunke, geschützt ist.

Damit ist die Gärnitzer Lache nicht nur für den Fortbestand des Kiebitzes bedeutend, sondern auch für streng geschützte Amphibien. Von hier aus könnte der Kammmolch über Gräben und Senken, die noch konstant Wasser führen, die Kulkwitzer Lachen wieder besiedeln, sobald diese irgendwann wieder einen ausreichenden Wasserstand haben. Nach Ansicht des NABU Leipzig müsste die Gärnitzer Lache deshalb auch schnellstmöglich dem Schutzgebiet Kulkwitzer Lachen zugeordnet werden.

Es gibt jedoch besorgniserregende Berichte über geplante Entwässerungsmaßnahmen und Neubau von Pumpanlagen. Zudem gab es vor kurzem Rodungsarbeiten und eine Planierung südlich der Gärnitzer Lache. Das ist mit dem Naturschutzrecht nicht vereinbar. Das Naturjuwel bietet vom Aussterben bedrohten Arten Nahrung und Lebensraum und muss daher in erster Linie für den Naturschutz erhalten bleiben. Auch angesichts des Klimawandels vertrocknen immer mehr Feuchtgebiete und Laichgewässer. Es muss deshalb alles getan werden, um die Vernässungsfläche Gärnitzer Lache vor dem Austrocknen zu bewahren.

Auch in Sachsens Agrarlandschaften wird die Turteltaube regelrecht vertrieben

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