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Am 8. November werden in Pödelwitz 20 neue Bäume gepflanzt

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    Wenigstens Pödelwitz ist gerettet, weil die Koalitionsparteien 2019 so mutig waren, für das Dorf im Leipziger Süden die Bestandsgarantie auszusprechen und damit das Damoklesschwert zu beseitigen, das über dem von der Kohle bedrohten Dorf hing. Für Mühlrose in der Lausitz hatten die Koalitionspartner diesen Mut noch nicht. Dafür werden jetzt in Pödelwitz wieder Bäume gepflanzt.

    Das Bündnis „Alle Dörfer Bleiben Halle/Leipzig“ wird am Sonntag, 8. November, ab 12 Uhr im geretteten Dorf Pödelwitz 20 neue Bäume pflanzen. Pödelwitz war bis 2019 noch von der Abbaggerung für Braunkohle bedroht, der gemeinsame Widerstand von Anwohnenden und der Bewegung für Klimagerechtigkeit führte jedoch zur Bewahrung des Dorfes. Nach dem im Sommer veröffentlichten Maßnahmenpapier „Pödelwitz hat Zukunft“ soll nun auch die Baumpflanzaktion zeigen, dass viele Menschen gemeinsam die Zukunft des Ortes gestalten wollen.

    Die Organisator/-innen haben für die Aktion verschiedene Obstbäume gewählt, die auch unter den Bedingungen der Klimakrise wachsen können. Viele Gruppen, die zur Rettung von Pödelwitz beigetragen haben, haben Pat/-innenschaften für die Bäume übernommen.

    „Wir pflanzen in Pödelwitz Bäume, weil wir an die Zukunft des Dorfes glauben. Was uns nun noch fehlt, ist die Rechtssicherheit seitens des Landes, dass Pödelwitz auch wirklich bleiben kann, sowie ein Prozess zur fairen Rückgabe der Häuser, die der Kohlekonzern MIBRAG aufgekauft hat“, erklärt Jens Hausner aus Pödelwitz. „Es freut uns sehr, dass wir mit den Patenschaften für die Bäume zeigen können, was für eine Vielfalt an Menschen und Gruppen uns unterstützt hat. Ohne diese Gemeinschaft hätten wir es nicht geschafft, unser Dorf zu retten!“

    Und Stella Faudert von Leipzig – Stadt für alle betont: „Wir von ,Stadt für alle – Leipzig‘ freuen uns über die Baumpflanzaktion in Pödelwitz. Sie lässt hoffen, dass Pödelwitz wieder eine Zukunft hat. Jetzt ist es wichtig, den Leerstand wiederzubeleben, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und zu zeigen wie eine nachhaltige Entwicklung im ländlichen Raum funktionieren kann.“

    Dass Pödelwitz auch für einen überfälligen Kurswechsel in der von blindem Wachstum besessenen Energiepolitik steht, betont Toni Mentzel von der Undogmatischen Radikalen Antifa Dresden, die zum Beispiel eine Esskastanie pflanzen möchte: „Die Grundlagen unserer aktuellen Wirtschaftsweise sind Wachstum und Konkurrenz. Daraus resultieren jedoch Umweltzerstörung, soziale Ungerechtigkeit und faschistische Ideen. Unser Einsatz gegen menschenverachtende Ideologien muss daher Hand in Hand mit dem Kampf gegen unsere Wirtschaftsweise und deren Auswüchse gehen. Wir pflanzen hier einen Baum, weil der Erhalt von Pödelwitz ein kleiner Schritt in die richtige Richtung ist, in der der Mensch vor dem Profit steht und ein starkes Zeichen, dass eine andere Welt möglich ist.“

    Felsenbirnen, Zedern, Zwetschgen, Kirschen und Maulbeeren gehören ebenfalls zu den Bäumen, die am Sonntag gepflanzt werden sollen.

    Erik Butter von Greenpeace Leipzig erklärt: „Pödelwitz wurde größtenteils mit dem Argument umgesiedelt, dass ein Ort, an den der Tagebau immer näher heranrückt, nicht mehr lebenswert sei. Wir haben daher in den vergangenen Jahren bewiesen, dass dem nicht so ist: dem Verfall preisgegebene Häuser repariert, solidarische Wimpel aufgehangen und Blumen gepflanzt. Jetzt, da selbst die sächsische Regierung eingesehen hat, dass Pödelwitz erhalten bleibt, möchten wir mit unserem Baum in Pödelwitz zeigen, dass das Dorf eine Zukunft hat in der es wieder wachsen und gedeihen wird.“

    Greenpeace will deshalb einen Pflaumenbaum pflanzen.

    Und gleichzeitig schaut man ins Rheinische Kohlerevier, wo der dortige Kohlekonzern nach wie vor seine Muskeln spielen lässt, um sich weitere Kohlereserven zu sichern, die vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung nie und nimmer verbrannt werden dürften.

    Während die Menschen in Pödelwitz Bäume pflanzen und ihre Zukunft planen, passiert in Nordrhein-Westfalen das Gegenteil, kritisiert deshalb „Alle Dörfer bleiben“: „Der Kohlekonzern RWE hat in den letzten Tagen hunderte Bäume an den bedrohten Dörfern am Braunkohle-Tagebau Garzweiler II gefällt. Es kam zu massiven Protesten von Anwohnenden und Klima-Aktiven, welche weiter andauern. Die rheinische Gruppe von Alle Dörfer bleiben kämpft gegen die Rodungen und ruft dazu auf, sich schützend vor die Bäume zu stellen.“

    Pödelwitzer möchten ihr Dorf zum Vorzeigeprojekt des Strukturwandels in der Region Leipzig machen

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