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Umweltminister wagt Online-Dialog: Ein bisschen Emissionen senken – ausgeklammert die Kohlekraftwerke

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    Es sind Mega-Themen der nächsten Jahre: Energieeffizienz und Ressourcenschutz. Und Sachsens Umweltminister Frank Kupfer (CDU) findet, darüber sollten ruhig auch mal die Sachsen selbst diskutieren. Bis Juli können sie ihre Beispiele und Ideen für mehr Energieeffizienz und Ressourcenschutz im Regierungsdialog unter www.dialog.sachsen.de online diskutieren. Nur bei den Zahlen zu den Emissionen schummelt der Umweltminister ein wenig.

    „Der Freistaat Sachsen hat sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt“, lässt er sein Ministerium mitteilen. Und schon das ist geschwindelt. Das weiß Kupfer eigentlich selbst. Dazu muss er nur in seine eigenen Datenbanken schauen.

    „Bis zum Jahr 2020 wollen wir die jährlichen CO2-Emissionen im Vergleich zu 2009 um ein Viertel reduzieren, von derzeit 15,5 Millionen Tonnen auf 11,7 Millionen Tonnen pro Jahr“, erklärt der Umweltminister dem leichtgläubigen Volk. „Das ist ungefähr soviel, wie heute sämtliche Haushalte in Sachsen zusammen beim Heizen verursachen. Jeder ist gefragt, einen Beitrag zu leisten, um sowohl das Klima als auch unsere natürlichen Ressourcen zu schonen. Am meisten hilft es, Energie effizienter zu nutzen. Und ganz nebenbei wird dabei noch der Geldbeutel geschont.“

    Auf dem Einstiegsbild zu seinem kleinen Videobeitrag sieht er so nett drein, als könnte er gar nicht auf die Idee kommen, jemals zu schummeln. Doch die Wahrheit ist: Die CO2-Emissionen in Sachsen liegen nicht bei 15,5 Millionen Tonnen, sondern bei 50,3 Millionen. Die Zahl ist nicht irgendwo aus einer Quelle eines Vereins oder einer Umweltschutzorganisation. Das ist die ganz offizielle Zahl der Staatsregierung für das Jahr 2009 aus dem Emissionskataster. Und sie ist nicht so hoch, weil die Sachsen besondere Energieverschwender wären, sondern weil der größte Teil des sächsischen Stroms aus Braunkohle gewonnen wird. Es sind die großen Kohlekraftwerke, die dafür sorgen, dass auf jeden Sachsen im Schnitt 12 Tonnen CO2-Ausstoß pro Jahr kommen.

    Direkt kann der einzelne sächsische Haushalt daran nichts ändern – indirekt schon. Zum Beispiel durch Änderung der eigenen Strom-Bezugsquelle.“Machen Sie mit und verwirklichen Sie Ihre ganz persönliche Energiewende“, sagt Kupfer. „Bei jeder Kilowattstunde Strom, die wir nicht verbrauchen, stellt sich nicht mehr die Frage, ob der Strom aus einem Kohlekraftwerk kommt, aus Wasserkraft, von einem Windrad oder einem Kernkraftwerk. Er wird schlicht nicht gebraucht. Haben Sie bereits erste Schritte unternommen? Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen, aber auch Ihre Vorschläge für ein Mehr an Klimaschutz mit.“

    Und damit erzählt er sichtlich nur die halbe Wahrheit. Denn ändern wird sich die Umweltbelastung nicht wesentlich, wenn die Haushalte ihren Energieverbrauch um 27 Prozent senken, die rauchenden Schlote aber trotzdem am Netz bleiben und verhindern, dass die Energiebasis tatsächlich umgebaut wird. Man kann das Thema Umweltschutz nicht diskutieren unter Ausklammerung der Kohlekraftwerke, die allein für 70 Prozent der sächsischen CO2-Emissionen verantwortlich sind.

    Das müsste eigentlich auch der Umweltminister wissen.

    Vielleicht wagt er sich ja tatsächlich in einen echten Dialog. Mit den kompletten Zahlen. Nur ein Drittel der Wahrheit ist ein bisschen zu wenig.

    www.dialog.sachsen.de

    Die Emissionen des Freistaates Sachsen für 2009: www.umwelt.sachsen.de/umwelt/download/Emissionen2009.pdf

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