Pegida ernennt Tatjana Festerling zur OBM-Kandidatin in Dresden: „Wir werden Oberbürgermeister“

Pegida sei nur der erste Schritt gewesen, die OBM-Wahl in Dresden nun der zweite. Pegida wird ab sofort 240 Unterstützerunterschriften sammeln, der Wahlvorschlag sei bereits eingereicht, so Lutz Bachmann heute in der Landeshauptstadt. Dass es durchaus ruppig zugehen wird, bis am 7. Juni 2015 die Entscheidung zwischen den damit seit heute drei maßgeblichen Kandidaten Markus Ulbig (CDU), Eva-Maria Stange (SPD) und nun Tatjana Festerling fällt, deutete sich bereits in der Rede Festerlings bei der heutigen 22. Pegida-Demonstration an.

Bachmann zeigte sich durchaus etwas nervös, als er zu seiner Einstimmung auf die heute zu verkündenden Kandidatur der „Pegida-Bürgermeisterin“ anhob. Er freue sich, dass es diesmal keine „verschobenen und verkauften Listenplätze“ geben würde, wenn sich hier eine im kleineren Pegida-Kreis ausgewählte Kandidatin um den OBM-Posten in Dresden bemühen würde. Dass es dafür wohl eine Art Kungelrunde war, welche gänzlich frei von Bürgermeinungen oder demokratischen Auswahlprozessen die Kandidatur Tatjana Festerlings festlegte, scheint unter den Demonstranten wenige zu stören.

Diese nahm heute die „Wahl“ oder eben besser „Nominierung“ an und stellte sich den anwesenden Teilnehmern am 22. Pegida-„Spaziergang“ mit deftigen Worten vor. In einer knapp 10-Minütigen Ansprache sagte die Ex-AfD-Frau Festerling unter anderem: „Wir werden gewinnen, wir gewinnen die Möglichkeit, einen unabhängigen Kandidaten ohne die übliche negativ auslesende Auswahl des Politikbetriebes und schaffen so Gestaltungsräume für die zukünftige Politik in Dresden.“

Hauptthema ihrer Ausführungen war erwartungsgemäß der „Strom an Flüchtlingen“, welcher politisch gewollt und gegen die Deutschen gerichtet sei. Der Hauptteil ihrer Nominierungsrede drehte sich also um dieses Thema.

Sie würde sich dafür einsetzen, dass „Dresden nicht vernichtet“ werde und sagte: „Unsere Parteien kennen keine Deutsche mehr“, anders sei die „ungezügelte Zuwanderung“ nicht mehr zu erklären. Die Politik habe beschlossen, Deutschland in eine multinationale Gesellschaft umzuwandeln. Namentlich nannte die Pegida-Kandidatin Angela Merkel und Stanislaw Tillich „Deutschlandvernichter“. Woher die Stimmen für Festerling neben der Pegida-Anhängerschaft kommen sollen, wurde in einer ersten Attacke auf den derzeitigen Innenminister und CDU-Kandidaten Markus Ulbig klar. Dieser äußere sich „devot auf Merkellinie“ und könne sich ja auch gern mit Flüchtlingen unterhalten. Allerdings habe er anscheinend vergessen, dass er als Innenminister für die Sachsen da zu sein hat. Auch gegen die AfD wandte sich die frisch verkündete Kandidatin.

Einen ersten Ausflug in die aktuelle Dresdner Stadtpolitik wagte die Noch-Hamburgerin ebenfalls, natürlich wieder anhand des Leitthemas Zuwanderung. Das soeben im Stadtrat, welchen Bachmann kurz zuvor als „links-links-grün versifft“ bezeichnet hatte, beschlossene Papier „Integrationspolitik 2015 bis 2020“ würde dafür sorgen, dass man Dresden in den nächsten Jahren nicht wiedererkennen würde. Die Integrationsbemühungen in der sächsischen Landeshauptstadt nannte Festerling ein „Zerstörungsprogramm“. Anschließend warb die Pegida-Kandidatin um die Mitarbeiter der kommunalen Unternehmen und forderte diese auf, sich bei Pegida zu melden – das Wissen um die Bedingungen in Dresden sei wertvoll für den Wahlkampf.

Es könnte also schmutzig werden, wenn ab sofort die Suche á la Pegida nach Filz und Verquickungen zwischen Politik und kommunalen Unternehmen in Dresden beginnt und sich Stichwortgeber in den Unternehmen finden. Als Gegner sieht die Kandidatin bei ihrem Wahlkampf eine „radikale, sozialistische, quer-sexuelle Minderheit, Pädophile mit ihrem überzogenem Sexualscheiß“, welche dieses Mal in Dresden nicht gewinnen würden. Teil des Wahlprogramms dürfte also auch eine Gegnerschaft zu dem Teil des Biologieunterrichtes sein, in welchem junge Menschen an Schulen etwas über Sexualität des Homo sapiens erfahren.

Erneut produzierte Festerling darüber hinaus, wie schon bei Ansprachen bei Legida in Leipzig, das Bild vom generell zerstörerischen Islam. Erneut verneinte Festerling, dass es eine Unterscheidung zwischen dem Islam als Religion und dem Terrorismus oder Gewalttaten gäbe. Passagen, welche sich gegen andere Politiker – eine Bezeichnung, welche nun also auch für Festerling zutrifft – richteten, quittierten Teilnehmer der Demonstration mit dem üblichen Ruf „Volksverräter“ oder mit „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“. Letzteres ein Spruch, welcher vor Pegida ausschließlich auf Neonazidemos zu hören war, erstere Titulierung ist hingegen älter und einem der dunkelsten deutschen Kapitel der Geschichte entlehnt.

Am Ende ihrer Ansprache teilte Tatjana Festerling mit: „Ich werde bald dauerhaft in Dresden wohnen.“ Und „Wir werden Oberbürgermeister“. Mal sehen, wie weit es also eine islamfeindliche, rechtsgerichtete Bürgerbewegung in Sachsen oder besser in Dresden mit „dem Glauben an Anstand“ (Festerling) bei einem Kampf um den Oberbürgermeisterposten über 535.000 Einwohner bringt. OBM-Kandidatin Eva-Maria Stange (SPD), welche ein Bündnis namens „Gemeinsam für Dresden“ aus SPD, Linken und Grünen hinter sich weiß, dürfte diese Frage eher gesellschaftspolitisch im Wahlkampf interessieren. Markus Ulbig (CDU) am 7. Juni 2015 direkt auf den Wahlzetteln.

Nachtrag 1: Zum Abschluss der heutigen Demonstration verkündete Lutz Bachmann, die erneute Bannerwerbung für PI-News im Rücken, die kommende Veranstaltung am 13. April mit Geert Wilders und „laut Durchlaufzählung“ 14.600 Teilnehmer beim heutigen 22. Pegida-Aufmarsch in Dresden.

Nachtrag 2: Die Polizeidirektion Dresden vermeldete einen durchweg friedlichen Einsatz und weit geringere Zahlen als Lutz Bachmann vor Ort. In der Mitteilung heißt es: „Die Polizeidirektion Dresden sicherte heute eine Versammlung in der Innenstadt ab. Sie verlief störungsfrei. Auf dem Altmarkt hatten sich rund 7.100 Personen zur Versammlung der „Pegida“ eingefunden.

Nach der Auftaktkundgebung startete ein Aufzug über die Wilsdruffer Straße, die St. Petersburger Straße, den Dr.-Külz-Ring, die Marienstraße sowie den Postplatz zurück zum Altmarkt an. Die Abschlusskundgebung endete um 17.15 Uhr. Insgesamt waren 343 sächsische Polizeibeamte im Einsatz.“

Legida/PegidaDresden
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